Klassik Konzert Entjungferung dank Web 2.0 in Duisburg @philharmoniker

Web 2.0 ist toll. Vorgestern suchte ich einen Beitrag auf UPLOAD und fand das Posting zu web@lassic. Wer sich dort in den Comments gemeldet hat, durfte ein Konzert in der Mercatorhalle Duisburg – dem Stammhaus der Duisburger Philharmoniker besuchen. In dem Falle waren es nicht die Duisburger Philharmoniker, sondern eine “andere Band” wie Frank uns sagte: das WDR Sinfonieorchester um genau zu sein.

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Wenn mir vor 10 Jahren mal einer gesagt hätte, daß ich mal auf ein hichkarätiges Klassikkonzert gehe, zu dem ich durchs Internet eingeladen wurde, hätte ich denjenigen wahrscheinlich mit meiner fürchterlichsten Hardcore-Punk-Grufti Lache ausgelacht :) Und dafür haben wir auch noch die eigentlich fest eingeplanten Bielefelder Nachtansichten sausen lassen, bei denen bis 1:00 Uhr alle Museen und Galerien in Bielefeld Nacht der offenen Tür hatten.

Aber genau das ist es, was Frank Tentler erreicht. Durch das Web 2.0 / Social Media Projekt der Duisburger Philharmoniker wird Klassik plötzlich ganz anderen Leuten nahe gebracht. Das sahen meine Süße und ich dann gestern auch im Foyer der Duisburger Mercatorhalle – Abendkleid und Opernglas trafen auf T-Shirt und iphone :-)

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Am “Headquarter” neben der Abendkasse begrüßten uns Frank und Christoph gleich herzlich (wir hatten uns auf dem barcamp Ruhr ja schon kennengelenrt – ich schrob davon). Schön mit Keksen und Rachengold wurden wir versorgt, Frank hat uns kurz erklärt, was uns erwarten würde und uns unsere Ehrenkarten überreicht :-)

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Thema des Abends war Haydn und der Neklassizismus. Das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Dirigent Thomas Hengelbrock (der auch selbst Geiger und Regisseur ist) spielten:

* Joseph Haydn – Sinphonie in C-Dur “Il Distratto”
* Prokofjews Violinkonzert in D-D gespielt von Alina Pogostkina
* Bela Bartoks “Konzert für Orchester” das als so schwer gestaltet sein soll, wie es sonst nur Parts für Solisten sind

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Und Holladiewaldfee haben die Herrschaften da vorne gerockt. Ich bin ja kein kompletter Klassikbanause. Bach find ich super, Franz Schuberts Klaviersachen sind Hammer und hin und wieder ein bißchen Mozart oder Nigel Kennedy hab ich auch schonmal gehört. Aber im Radio oder als MP3 ist das ja was ganz anderes. Grundsätzlich verfechte ich eh immer “Live ist alles geil, außer “Volksmusik, Raggae und Schlager”. Aber SO beeindruckend hätte ich es nicht erwartet.

Der Sound ist natürlich umwerfend. Ich bastel immer mal wieder gerne ein bißchen im Cubase mit Orchestersounds rum und kann teure von billigen Streichern unterscheiden und so, klar. Aber das war schon ne andere Liga. Ich hab schon beim Einstimmen ne Gänsehaut gekriegt. Freundin hat übrigens auf dem Blog der Duisburger Philharmoniker nen Klingelton gefunden wo sie beim Einstimmen sind :-D

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Beim ersten Set von Haydn habe ich einige Parts auch tatsächlich wieder erkannt. Mußte ich schonmal irgendwo gehört haben. Die Ecke mit den Webfuzzis drin hat sich dann, wenn ich es richtig gehört habe auch gleich als Klassik-Anfänger geoutet und in der ersten kleinen Pause gleich mit 40 oder 50 Leuten applaudiert :-) Fiel jetzt in einer 1.700 Leute Halle nicht ganz so unangenehm auf ;)

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Beeindruckend fand ich aber, wenn 1.700 Leute in kurzen Pausen wirklich mucksmäuschenstill sind. Da kriegste echt ne Gänsehaut.

// UPDATE

Danach kam dann die Gewinnerin des Sibelius Wettbewerbs Alina Pogostkina, die als Solistin das Prokofjew Violinkonzert spielte.

Sie hatte NICHT wie ich fälschlcherweise annahm Ihre Lehrerin und Mentorin dabei. Ulrike Schmidt ist, wie sie auch hier in den Kommentaren erklärt, für die Kronberg Academy das, was Frank für die Duisburger Philharmoniker ist. Also für die PR und Social Media Aktivitäten der Kronberg Academy zuständig.

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Frau Schmidt, bitte sehen Sie es mir nach, dass ich den Zusammenhang etwas durcheinander gebracht habe. Ich war wohl etwas von den Eindrücken überwältigt ;) Die Kronberg Academy bloggt und twittert nämlich auch kräftig. Die Klassik erobert immer weiter das Web :-)

Danach war Pause und wir konnten hinter der Mercatorhalle bei einer schnellen Kippe ein tolles Duisburger Nachtpanorama bestaunen. Ich steh ja auf so Lichtgedöns:

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Nach den Ausblicken schnell noch ein Wasser gestürzt und dann ging es weiter mit bela Bartok. Die Namensähnlichkeit zu Bela Lugosi hat sich dann auch gleich in toller, aber unheimlicher Musik wieder gespiegelt :)

Die Rituale und Professionalität der Musiker haben mich wundern lassen und schwer beeindruckt.

Zum Beispiel hat der Dirigent seiner ersten Geigerin gefühlte 25 Mal am Abend die Hand geschüttelt und ist ungefähr doppelt so oft von der Bühne gegangen und wieder drauf gekommen. Was mir auch fehlte war eine kurze Begrüßung oder Ansprache des Publikums. Zumindest vom Dirigenten hätte ich das erwartet, statt nur der Verbeugung. Aber gut, das wird dann wohl einfach die Art und Weise sein, wie es seit hunderten von Jahren läuft.

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Frage @Frank:
Oder gibt es auch Dirigenten, die das Publikum begrüßen und kurz etwas dazu sagen, was sie spielen werden?

Abgefahren war, als der 1. Geigerin eine Saite gerissen ist, sie Ihr Instrument fast schon wegschmiss, die 2. Geigering Ihr Violine an sie weiter gab und die “unter ferner liefen” Instrumentalistin hinter ihr, die man vorher gar nicht sehen konnte mit deutlichem Nachdruck dazu aufforderte, Ihr die Geige weiter zu geben. So schnell wird man zum Zuschauer auf der Bühne ;) Aber das ganze ging so schnell und professionell, dass es kaum auffiel. Sehr sympathisch fand ich ja, daß ein Bratschist, Bratschenspieler, wie auch immer ein kleines bißchen verspätet aus der Pause kam – auch bei sochen super Profis handelt es sich halt immer noch um Menschen :-)

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Der Intendant der Dusiburger Philharmoniker, Alfred Wendel sagte mir in einem kurzen Video Interview hinterher noch, daß so etwas wirklich höchst selten passiert.

Zu Anfang dachte ich ja noch – Hui, die sind aber verhältnismäßig leise. Scheint aber einfach an Haydns Kompositions gelegen zu haben. Denn zum Schluß bei Bartok wurd auch die Lautstärke Rock’n’Roll tauglich :)

Wenn ich bedenke, daß wir fast nicht gefahren wären, weil ich in letzter Minute beim recherchieren der Adresse der Mercatorhalle gemerkt hab, daß die in einer Uweltzone liegt und ich natürlich als Bielefelder noch nie einen Gedanken an eine Umweltplakette verschwendet habe… :) Da hätten wir ECHT was verpasst.

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Falls hier jemand mitliest, der nen Streicher (Geige, Bratsche oder Cello – Kontrabaß wird mir zu groß, wer weiß wie lang der Volvo noch hält *g*) abzugeben hat – bitte melden. Ich möchte es doch wirklich mal probieren jetzt. Ich habe aus der 150 Jahre alten Bratsche einer Freundin schonmal sehr annehmliche Töne rausbekommen und das Gefühl ist einfach nur Hammer. Der ganze Raum schwingt – und du mit. Zum selber spielen gibt es imho kein spektakuläreres Instrument als einen Streicher.

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Den Abend haben Frank und Christoph natürlich auch auf dem Blog der Duisburger Philharmoniker Revue passieren lassen.

Vielen Dank für das tolle erste Klassik Konzert (das sicher nich das letzte gewesen sein wird) und den klasse Abend! Mit Frank und dem intendanten der Duisburger Philharmoniker Alfred Wendel habe ich hinterher noch zwei kurze Videointerviews gemacht, die liefere ich noch nach.

Die Blogger waren auch mit dabei: Alles Roger, dronski, Jan von UPLOAD hatte das ganze ja mit angestossen, sogar Der Westen berichtet, Annabell Preußler Du warst auch da? Hab Dich gar nicht gesehen,

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Heutiges Getwitter

15 Comments

Red' mit und lass mich nicht dumm sterben!

  1. Hallo Alex,

    ganz ehrlich dein Besuch und der anderen Online Musikfreunde hat uns ganz grossartig gefallen!
    Habe mit Christoph noch auf dem Heimweg darüber lange gesprochen und wir finden beide, dass es das beste Event war, dass wir bisher in der Philharmonie 2.0 hatten. Es hat unheimlich viel Geschmack auf mehr gemacht : ).

    Ansprache ans Publikum: Unser Dirigent Jonathan Darlington hat das schon ein paar Mal gemacht, gerade wenn es bei dem Konzert um recht unbekannte Komponisten geht, oder es einen besonderen Anlass wie ein Neujahrkonzert gibt (s. http://bit.ly/yBqm6 ). Leider kann ich dir nicht sagen, ob das üblich ist.

    Noch eine Bitte: wenn du irgendeine Idee, einen Vorschlag oder einen Tipp hast, wie wir uns verbessern können, oder zu neuen Events, melde dich bitte jederzeit.

    Beste Grüsse,
    Frank

  2. Hallo,

    ich bin gerade über Twitter auf diesen schönen Beitrag aufmerksam geworden.
    Wir betrachten mit großer Spannung, wie nun endlich auch das Thema “Klassische Musik” sich über das Web 2.0 und Social Media verbreitet und freuen uns über Artikel wie diese besonders.

    Herzlichen Dank

    Ludger Brenner

  3. Schön, dass die Aktion web@classic so ein Erfolg war.

    Ich habe bisher leider sehr wenige Konzerte ohne ein paar applaudierende Besucher in der ersten Pause erlebt, auch ohne geladene “Webfuzzis”.

    Bei weniger bekannteren Programmmusik-Stücken findet manchmal eine Einführung durch ein Orchestermitglied statt, vom Dirigent habe das sehr selten erlebt.

  4. Ansprachen werden meist nur bei Festivals gemacht. Ich kenn das von “normalen” Konzerten nicht.

    Bezüglich Alina Pogostkina. Da haben Sie ein bisschen was durcheinandergebracht.:-) Ich bin nur diejenige, die die Web 2.0-Aktivitäten der Kronberg Academy koordiniert und letztendlich dafür verantwortlich ist. KEINE Lehrerin und KEINE Mentorin – ich spiel nicht mal Geige. Alina hat vor zwei Jahren an unserem Kammermusikprojekt “Chamber Music Connects the World” teilgenommen und hat damals mit Weltstars wie Menahem Pressler (Klavier), Yuri Bashmet (Bratsche)und Gidon Kremer (Geige)zusammengearbeitet und Werke einstudiert. Worum’s in dem Projekt geht, darüber hat eine andere Ehemalige einen Blogbeitrag verfasst. Für alle die tiefer in die Materie einsteigen wollen. http://www.kronbergzweinull.de/?p=222

  5. Hallo zusammen!

    Danke für die Antworten zu meinen Fragen.

    @Frank:
    Eine Anregung, die mir direkt mal einfällt wäre eine prominent auf der Startseite erreichabre Abteilung “Klassik für Dummies/Anfänger” mit einer Fragemöglichkeit, FAQ und einführenden Texten für Leute wie mich, die Ihr nun angefixt habt und die nun mehr erfahren wollen.

    Die Fragen könnten z.B. direkt per Video an die entsprechenden Musiker, Dirigenten, Techniker gestellt und beantwortet werden. Zur besseren Auffindbarkeit sollte ein Transkript als Text natürlich auch mit dem Video veröffentlicht werden.

    Frau Schmidt, danke für die Richtigstellung. Ich war wohl etwas überflutet mit Eindrücken ;) Dementsprechend habe ich den Text angepasst.

  6. Hallo Alex,

    das sind klasse Ideen! Sofort notiert und wird auf jeden Fall angegangen. Besonders gefällt mir, dass die Fragen per Video gestellt werden sollen/können und ebenso beantwortet.

    Transkript wird etwas schwierig: sollten sehr viele Fragen eingehen, kommen wir da auf keinen Fall mit schreiben nach. Da müssen wir mal weiter nachdenken…

    Besten Dank,
    Frank

    …und immer her mit den Ideen!

  7. Super, danke für die Korrektur!

    Grüße,
    Ulrike

  8. Ach, ich bin untröstlich – bei mir hat es leider doch nicht geklappt, nochmal nach Duisburg zu kommen. Wäre gerne dabei gewesen und hatte das auchfest vor.

  9. Hallo Annabell,

    es war wirklich sehr schön, aber wir werden das auf jeden Fall wiederholen. Also nicht zu sehr grämen ; ).

    Liebe Grüsse,
    Frank

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