Es gibt Momente im Webleben, auf die kann man sich nicht vorbereiten

Zum Beispiel durch eine automatische E-Mail vom Tod eines Bekannten zu erfahren. Ich bin nach 17 Jahren Online einiges gewöhnt, aber das hat mich  getroffen wie ein Schlag: Gestern bekam ich eine Kommentarbenachrichtigung von youtube auf eines meiner Videos, das ich letzten Dezember von der Band meines Onkels gemacht hatte:

buddy1912
vor 2 Stunden
R.I.P Jürgen

“WAS??” dachte ich mir.

Ein Anruf bei meiner Ma brachte dann Klarheit: Er ist gestorben. Vor zwei Tagen schon. Meine Ma wollte mir Bescheid geben, wenn ich aus Portugal zurück bin. Tja, youtube kam Ihr zuvor.

Es gibt für solcheBotschaften  weder den richtigen Moment, noch den richtigen Kanal. Natürlich wünschen wir uns persönlich benachrichtigt zu werden, wenn etwas passiert – im Guten wie im Schlechten. So können wir uns gegenseitig Trost spenden, miteinander reden, uns gemeinsam erinnern, Mut machen oder auch uns zusammen freuen. Aber wir werden uns mehr und mehr daran gewöhnen müssen, durch kurze Kommentare, automatisierte und emotionslose Benachrichtigungen und Statusmeldungen über die wirklich wichtigen Dinge zwischen Leben und Tod zu erfahren.

Dass ein Facebook Beziehungsstatus bei einem befreundeten Paar plötzlich bei beiden wieder auf Single steht ist bereits Alltag. Und ich finde es überaus legitim, wenn diejenigen auf diesem Weg mitteilen wollen, was Sache ist, aber keine Lust haben, immer wieder die gleichen Erklärungen zu geben und auf Nachfragen zu antworten. Privatsphäre kann man sich auch durch Öffentlichkeit schaffen.

Um so schöner ist es da, Bilder vom Neugeborenen nahezu direkt aus dem Kreißsaal zu bekommen. Vor allem, wenn man sich eben nicht mal eben ins Auto oder Flugzeug schwingen und bei der frisch erweiterten Familie vorbei schauen kann. Auch das hatte ich in den letzten Tagen und habe mich irre gefreut.

Aber der Umgang mit Unfall- oder Todesnachrichten ist noch eine andere Dimension.

Während unserer ORI10K Tour haben wir auf Facebook vom schweren Motorrad-Unfall eines Freundes erfahren und waren erleichtert, als er selber kurze Zeit später anfing zu posten, dass es ihm soweit gut geht und wir die Genesung mitverfolgen konnten.

Bei allem anderen überwiegen Schock und das “nicht wahr haben wollen”:

Jürgen spielte seit fast 50 Jahren! die Lead-Guitar bei den Thunderbirds. Nächstes Jahr ist goldenes Bandjubiläum. Kaum vorzustellen, dass er dort fehlen wird. Er war in Zeiten als ich mich am Gitarrespielen versuchte, ein Ratgeber. Und seit ich ihn kenne zeichneten ihn Bescheidenheit ob seiner Fähigkeiten auf dem Griffbrett und seine Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit aus, wenn es darum ging ein neues Solo auf seiner Stratocaster einzustudieren, die er seit ich ihn kenne – also gefühlte 35 Jahre – spielte.

Am Abend gab er noch gemeinsam mit meinem Onkel ein Interview bei der Lokalzeitung zum Auftritt am 10.12. und am nächsten Morgen wachte er nicht mehr auf :(

Mach’s gut Jürgen. Wir werden Dich vermissen.

Posted by Alex

Schreibe hier auf dLimP seit über 10 Jahren privat vor mich hin :) Mit Autos hatte das hier auch mal zu tun. Das findest Du heute hier fokussiert auf Familienautos. digital-dictators.de klingt martialisch ist aber schon seit 1998 ein kleiner Freundeskreis von Gamern gewesen. Nichtsdestotrotz ist mir bewusst, wie traurig sich dieser mal witzig gemeinte Name mittlerweile bewahrheitet hat. Wenn dich mein berufliches Zeug als Berater interessiert, schau doch mal auf LXKHL.com vorbei

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