Wenn 700 Ponies an der Bandscheibe zerren: Probe(mit)fahrt Gumpert Apollo

Wenn 700 Ponies an der Bandscheibe zerren: Probe(mit)fahrt Gumpert Apollo

Letztens habe ich auf Facebook ja noch despektierliceh Bemerkungen über die braune Farbe des Gumpert Apollo gemacht. Ich nehme alles zurück und behaupte das Gegenteil: Der aerodynamischste Schokoriegel der Welt sieht in Wirklich absolut spitze aus, in seinem erdigen Kleid.

Beim Essen wurde Peter, dem Pressemann von Gumpert darauf angesprochen, dass das Auto, das von einem ehemaligen Audi-Konstrukteur und seinen Kollegen entworfen wurde, ja im Vergleich zu Pagani oder Koenigsegg eher gemäßigt aussähe. Fast schon langweilig.

„Wirklich? Wir bekommen häufig das genau gegenteilige Feedback: Oft sprechen uns Kunden darauf an, dass unser Design gerade sehr polarisierend sei. Alles an dem Auto ist für die Aerodynamik gebaut. Jede Öffnung, jede Kante hat Ihre Funktion. Herr Gumpert legt ganz besonderen Wert darauf, das jedes Element seine Funktion bestmöglich erfüllt.“

Während des weiteren Gesprächs fand ich auch heraus, das Joel Vallet – mein Instruktor am Vormittag auch der Testfahrer für den Gumpert ist. Mehr brauchte ich nicht zu wissen, um meinen Nachtisch stehen zu lassen und mich auf die Suche nach Joel zu machen und mir die erste Taxifahrt mit dem Gumpert Apollo zu sichern.

Was sich als großes Glück rausstellte. Erstens wollten alle in dem knapp 400.000 Euro Supersportwagen aus der Leipziger Manufaktur mitfahren – zum anderen wartete schon unser Shuttle zum Flughafen. Und die Kollegen vom TV verdrahteten grad Ihre Kamera im Auto. Hmpf. Immerhin ließen Sie mir den Vortritt und so machte ich mich mit Tonmischer zwischen den Füßen und Schädeldeckenkontakt zur Flügeltür mit Joel auf drei wahnsinnige Runden.

Ach Moment: Ich habe vorgegriffen: Erstmal hat Peter von Gumpert mir eine kleine Aerobixstunde gegeben. Einsteigen! Noch nie wurde mir das Einsteigen in einen Straßenwagen erklärt:

Erstes Bein in den Fußraum. Oben an der Flügeltürkante festhalten. Zweites Bein über die Kante des Chassis schwingen und dann langsam in den Sitz gleiten lassen und den Vierpunktgurt anlegen. Ich war gespannt auf den Rückweg – immerhin wartete ja das Flughafenshuttle… Stunden und zahlreiche Verrenkungen später :-) Naja ich bin ja nun schon drin. Dieser englische Kollege hier hat keine Einweisung bekommen :) Mit dem Hintern zuerst GEHT einfach nicht.

Durch die großen gewölbten Kopfstützen kann ich Joel neben mir kaum sehen. Der ehemalige Audi Motor im Heck läuft sich schon warm. Bis auf den Block sind alle Teile von Gumpert noch einmal überarbeitet worden. Teile des Interieurs erinnern auch noch an Audi – die Lüftungseinlässe zum Beispiel oder einige der Knöpfe in der Mittelkonsole.

Joel rollt aus der Boxengasse und erklärt mir, dass er erst eine Runde warmfährt, dann eine schnelle Runde macht und dann noch eine dran hängt um den Reifendruck wieder zu reduzieren.

 

Hier sehr Ihr das Video der Runde, sorry – die “Kameraführung” ist – nennen wir es mal – abwechslungsreich :) Aber der Sound rockt! Und hin und wieder bekommt Ihr eine Idee von Quer- und Negativ-Beschleuningung :-D V.a. in der 3. Runde am Ende von Start/Ziel. Die Abdrücke der Gurte hatte ich grade immer noch an den Schultern :)

Selbst auf diesen paar Metern spüre ich auch als Beifahrer schon wie wahnsinnig leicht das Auto ist. Knapp 1200 Kilo bringt der Gumpert Apollo auf die Michelin Reifen. Wie ich hinter sehe übrigens Straßenbereifung: Pilot Sport plus.

Doch auch Straßenreifen bauen auf der Rennstrecke ihren optimalen Grip erst bei erreichen ihrer optimalen Temperatur auf – Ergebnis dieser Erkenntnis:

2 veritable Quersteher. Ich weiß nicht, ob Joel mir einfach möglichst viel Spaß bereiten will, oder ob der Apollo wirklich so zickig auf den ersten Metern ist. Auf jeden Fall fühlen sich bereits die ersten Kurven spektakulärer an als die Taxifahrt im Porsche 911 GT2 Cup die ich am Vormittag mit Joel hatte. Und das obwohl das Auto aerodynamisch darauf ausgelegt ist, an der Decke zu fahren. Ab 270 km/h könnte der Gumpert theoretisch an einer Tunneldecke kleben. Hat noch keiner ausprobiert. Auch wenn bei Gumpert täglich mehrere Bewerbungen für den Stunt eingehen J Vielleicht wird es in Men in Black 4 ja was.

Ein Glück, dass der Gumpert auf den oben erwähnten Straßenreifen stand. Wenn er tatsächlich mit Slicks unterwegs gewesen wäre, hätte er mir die Bandscheiben nicht nur massiert, sondern wohl pulverisiert. Beim Anbremsen auf Start / Ziel hat mir mir jedenfalls ordentlich die Falten aus dem Gesicht gezogen.

Das Auto ist einfach ein Rennwagen von Autohause aus. Nicht umsonst wird der Rekord auf der Nordschleife für Straßenwagen vom Gumpert Apollo mit 7:11,57 Minuten gehalten. Und die einzigen Autos, die meines Wissens in der TopGear Bestenliste über der 1:17,1 des Gumpert stehen ist ein Aeriel Atom und extra nochmal heißer gemacht Bugatti Veyron zum Preis des Bruttoinlandsproduktes einer kleinen Bananenrepublik J.

Und ich bin in einem der schnellsten Straßenwagen der Welt mitgefahren. YEAH!

Weitere Bilder vom Gumpert und vom ganzen Tag bei Michelin in Estoril seht Ihr auch in auf der Facebook Page vom Probefahrer.

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11 Comments

Red' mit und lass mich nicht dumm sterben!

  1. Auch wenn es langweilig wird immer das Gleiche zu schreiben, aber: ICH BIN NEIDISCH!

    Der Apollo ist IMHO wirklich keine Schönheit, dafür sehr effektiv.

    Kann es sein daß das Video noch fehlt?

  2. Mist hat das einbinden wieder nicht geklappt? war grad etwas in Eile, danke für den Hinweis

  3. Schöner Bericht, schönes Auto…

    … aber ich verstehe die Designer nicht! Warum muss man so ein Mörderteil ausgerechnet in mattem KACKBRAUN bringen? Von so einer Farbe träume ich alp!

    ;-)

  4. @Mario mit dem Neid bist du nicht alleine.

    Manche werden mich zwar dafür steinigen wollen aber irgendwie mag ich die Farbe ;)

  5. Das nenn ich mal eine Potenzverlängerung ;)

  6. Das ist mal eine angemessene Motorisierung. Allerdings scheint es eng zu werden, wenn man größer als 190 ist.

  7. Endlich mal ein Test, der die Realität beschreibt wie sie ist. Der deutsche Supersportwagenbauer Gumpert hat ein Fahrzeug auf dem Asphalt das optische ansprechend und leistungsmäßig mit zu dem schnellsten zählt, was derzeit auf dem Markt verfügbar ist.

    Und reinzwengen muss man sich in jeden Supersportler ;-)

    Chapeau nach Altenburg

  8. Also erstmal muss ich mal auf einen kleinen Fehler hinweisen. Der Gumpert Apollo kommt nicht aus Leipzig sondern aus Altenburg das wie jeder weiss in THÜRINGEN liegt :D ich hatte auch mal das Glück mich in das “Auto” hineinzusetzen. ich sag nur Hammergerät *__*

  9. Leider fehlt das Video :(

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