Elektroauto Erfahrungen – E-Mobility muss man erleben statt zerreden

Puha, RENAULT hat mit den Fernsehspots für ihre Webseite zum Thema Elektro-Mobilität elektroauto-start.de einiges an Buzz losgetreten – kurzfristig sogar bis auf die Rivva-Startseite. Es wird quer durch die Autolandschaft diskutiert und mit spitzen Bleistiften Reichweiten und Kostenvergleiche ausgerechnet und Argumente hin und her überlegt.

Björn vom Automobil-Blog machte den Anfang. Rad-Ab, Auto-Diva Nicole und der Autogeile stiegen in die Diskussion mit ein.

Das eine oder andere Elektro-Auto durfte ich mittlerweile auch schon bewegen:
smart electric drive, Mercedes-Benz F-CELL B-Klasse (mit Brennstoffzelle), Nissan LEAF, Opel Ampera, Honda Clarity FCX, Renault Fluence ZE, Mitsubishi iMiev, Porsche e-boxster, Audi etron, Opel Brennstoffzelle, Chevy Volt, Opel RakE und diverse E-Bikes habe ich bisher fahren dürfen. Ich hoffe ich habe keins vergessen.

So ein bisschen Mobilität der Zukunft durfte ich also schon (er)fahren. Und das muss man auch. Ich hatte letztens die Möglichkeit ein Elektro-Fahrzeug mal direkt bei mir zu Hause zu testen. Das vermittelt noch einmal ein ganz anderes Bild! Dazu aber später (sehr) viel mehr.

Was mich derzeit an der Diskussion und Berichterstattung (und damit meine ich nicht die drei verlinkten Blogger da oben, sondern den gesamten Ton, wie ich ihn so wahr nehme) ein bisschen stört, ist einerseits die typisch deutsche “Wir müssen erstmal alles GANZ genau unter die Lupe nehmen und zerreden”- Haltung. Die Well-to-Wheel Rechnung ist so ein Beispiel: Irgendwer überlegt sich, dass die E-Autos vermutlich zu gut da stehen würden, wenn man sie als CO2 neutral bezeichnet. Also muss man sich ein Argument überlegen, um die weiße Weste etwas grauer zu machen. Strom kommt ja nicht einfach aus der Steckdose – der muss erzeugt werden! HA! Und das produziert CO2! Also kann man doch nicht von CO2 neutral sprechen!

Ja sagt mal HACKT es denn? Seit wann wird denn beim Spritter in die CO2 Bilanz mit eingerechnet, was die Produktion des Bohrkopfes fürs Öl an CO2 geksotet hat? Oder der Bau der Pipeline, oder der Betrieb der Tankstelle oder der Transport in Tankwagen? Wenn jemand eine faire Übersicht / Vergleich Strom zu Sprit rumliegen hat bitte mal melden.

Man muss nicht alles kritiklos hinnehmen. Selbstverständlich müssen wir uns fragen, wo der Strom später für Millionen Elektroautos herkommen wird. Selbstverständlich müssen wir uns fragen, wo die Rohstoffe für Akkus herkommen werden und selbstverständlich müssen wir unser Verständnis von individueller Mobilität hinterfragen.

Leute, wir haben hier eine kleine Revolution am Start! Da kann man auch mal ein bisschen abenteuerlustig sein.

Andererseits finde ich es schade, dass die Hersteller dieser (insbesondere in Deutschland) vorhersehbaren Haltung noch keine attraktiven Lösungsvorschläge entgegen halten um die Angst zu nehmen:
Es wäre doch ein leichtes zu sagen: Wenn Dein Elektroauto nicht ausreicht, bekommst Du im Notfall IMMER ein Sprit-Fahrzeug als Leihgabe bei unseren Händlern. 1 Mal im Monat sogar gratis. Im Urlaub gibst Du den kleinen Stromer bei uns ab und bekommst ein passendes Leihfahrzeug für die Urlaubszeit (wenn wir das E-Auto als Vorführfahrzeug nutzen dürfen, kostet dich auch der Leihwagen nix). Irgendwie sowas.
Damit wäre eine der schlimmsten “was wäre wenn…”-Hürden erstmal beseitigt.

In Kalifornien zum beispiel habe ich bereits im Sommer 2011 einige Nissan LEAF, Chevy Volts und natürlich Teslas rumfahren sehen. Da ist natürlich auch die Parade-Zielgruppe vertreten:

Grüne Early-Adopter-Techies mit 6-stelligem Jahresgehalt.

Wobei Amis auch durchaus gerne mal die Einstellung vertreten “Ich kauf mir das mal, weil ich es haben will und wenn es nix taugt, schmeiss ich es halt wieder weg.” Da denken die meisten Deutschen ja schon geiziger nachhaltiger und langfristiger. Hat sicher auch was für sich.

Grade beim Thema Elektro-Mobilität kann ich aber nur hoffen, dass auch hierzulande diejenigen, die es sich leisten können und nicht grade als Außendienstler hunderte von Kilometern am Tag fahren, das Experiment wagen.

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3 Comments

Red' mit und lass mich nicht dumm sterben!

  1. Hi,
    ich gehöre zu den Leute, welche seit über 4 Jahren ein E-Auto fahren. Weniger wegen niedriger Unterhalts- und Betriebskosten, vielmehr als technisch ideales Kurzstreckenfahrzeug. Dabei möchte ich betonen, daß mein Gehalt nicht im 6 stelligen Bereich liegt.
    Auf die Diskussion, wieviel CO2 ein E-Auto verbraucht möchte ich auf einen Artikel von mir verweisen, welche einen Link auf einen großen Automobilisten enthält:
    http://www.sunpod.de/2010/08/wieviel-co2-verursacht-ein-elektroauto/
    Die Überlegung, ob ein E-Auto ausreichend ist, kenne ich zur Genüge.
    Steckdosen gibts überall. Und der Strom wird aktuell zumeist gratis abgegeben.
    Ich kauf mir bei einem schwedischen Möbelhaus aller 2-3 Jahre etwas, was ich nicht mit dem PKW transportieren kann. Also leihe ich mir einfach nen 7,5 Tonner. Aber, ich komme nicht auf die Idee, mit dem Teil jeden Tag in der Gegend rumzufahren. Man könnte ja mal was größeres Kaufen wollen.
    Na ja, schaun wir mal, wie sich die Sache entwickelt. Marc

  2. “Man muss nicht alles kritiklos hinnehmen. Selbstverständlich müssen wir uns fragen, wo der Strom später für Millionen Elektroautos herkommen wird. Selbstverständlich müssen wir uns fragen, wo die Rohstoffe für Akkus herkommen werden und selbstverständlich müssen wir unser Verständnis von individueller Mobilität hinterfragen. Leute, wir haben hier eine kleine Revolution am Start! Da kann man auch mal ein bisschen abenteuerlustig sein.”

    Ich bin da bei Björn. Und bei dir, wenn du sagst, man müsse nicht alles kritiklos hinnehmen. Darum geht es ja. Das Elektroauto wird mittlerweile ja dermaßen gehypt, ohne, dass sich die Hypenden mal differenziert Gedanken machen, dass es Zeit wird, sich des Themas mal konkret anzunehmen und sich den Status Quo mal genauer anzusehen.

    Aber auch das unterstützt die sogenannte Revolution ja nur. Man muss doch mal sagen, dass es damit nicht getan ist, einfach nur ein Elektroauto in den Stromkreis zu hängen und dann wahnsinnig umweltfreundlich unterwegs ist. Das stimmt halt einfach nicht. Zumindest nicht jetzt und auch nicht in zehn Jahren. Und wenn sich dieses Bewusstsein nicht durchsetzt auch nicht in 20 Jahren.

    Also: abenteuerlustig ja. Kritiklos und naiv: nein.

    “Seit wann wird denn beim Spritter in die CO2 Bilanz mit eingerechnet, was die Produktion des Bohrkopfes fürs Öl an CO2 geksotet hat?”

    – seitdem man etwas genauer hinschaut, woher der Strom eigentlich tatsächlich kommt. Soll ja vergleichbar werden. :-)

    “Wenn jemand eine faire Übersicht / Vergleich Strom zu Sprit rumliegen hat bitte mal melden.”

    – gibt´s mittlerweile genügend.

  3. Einen glaubwürdigen Well to Wheel rechner findest Du hier: http://optiresource.org/

    Es gibt auch Grafiken, wo überlegt wird, ob ein Liter Öl besser in ein Auto in Form von Sprit gekippt werden sollte oder lieber in ein Kraftwerk, was Strom draus macht.
    Leider finde ich diese Grafik nicht auf anhieb, hieß so etwas wie “Kippt das Öl in die Kraftwerke”. Bis zum Einfüllstutzen/Steckdose des PKWs sieht beides etwa gut aus. Dann punktet das E-Auto “nur” durch seine enorme Effektivität.