Bloglight: Interview mit Renaults Produktmanager Z.E. (E-Fahrzeuge) Reginar von Schoenau

Bloglight: Interview mit Renaults Produktmanager Z.E. (E-Fahrzeuge) Reginar von Schoenau

Passend zu unserem ersten Auto-Bloggerspotlight des Monats – das im April auf Renault fällt, ergab sich am Freitag kurzfristig noch ein Interview mit Renault Deutschlands Produktmanager für Zero Emission Autos Reginar von Schoenau.

Die anderen BlogLight Beiträge der Auto-Blogosphäre findet Ihr unten am Ende des Artikels. Unbedingt durchklicken – da sind interessante Geschichten dabei!

Ich gebe das ganze hier aus dem Gedächtnis wieder, da ich das Gespräch nicht aufnehmen konnte. Die Antworten sind also meine Interpretationen von Reginars Aussagen.

Renault ZE Modellpalette (c) Renault

Als erstes interessierte mich Warum sind die Elektroautos bei Renault so nah am ganz normalen Auto dran? Verglichen mit den eher spacigen Elektroautos wie Opel Ampera, Nissan LEAF oder Tesla Roadster sehen Renaults Z.E. Modelle Fluence und Kangoo ja sehr “normal”.

Reginar erklärte mir, Renault möchte nicht nur mit einem einzelnen auf E-Mobilität spezialisierten Auto an den Start gehen, sondern mit einer Flotte von Stromern. Wenn man als Hersteller dann nah an seinen Serienmodellen bleibt, bringt das einige Vorteile:

  1. Schnellere Umsetzbarkeit bis zur Produktionsreife
  2. Es müssen keine neuen Produktionsstraßen gebaut werden
  3. Die Produktion ist günstiger

Damit war in einem Zug auf meine Frage danach beantwortet Warum im Motorraum der Elektroautos auch alles so ähnlich wie im thermischen (Renaults Begriff für Verbrenner-Autos) Fahrzeug aussieht.

Macht man die Haube eines Renault ZE auf, sieht man als erstes einen silbernen Kasten, der entfernt an einen Zylinderkopf beim Spritter erinnert. Das ist allerdings weder der Elektromotor noch der Gleichrichter, wie ich immer vermutete, sondern die Ladeeinheit. Eine 12V Batterie für die Bord-Elektrik ist auch immer noch zu finden, genauso wie eine Bremsanlage, Untersetzungsgetribe, Antriebswellen usw.
Je näher man im moment an der klassischen Nutzung des Motorraums bleibt, desto einfacher kann Serien- oder seriennahe Technologie genutzt werden. Dann noch ein paar orange Stromkabel dazu und los gehts :)

Aus der (c) Renault Fluence ZE Broschüre

Twizy und Zoe als mehr oder weniger eigenständige Modelle (der Zoe teilt sich einiges an Technologie mit dem Clio) profitieren ebenfalls von dieser Strategie.

Damit hat Renault bis Ende des Jahres 4 Elektro-Modelle im Showroom stehen. Auf der IAA hatten wir zudem auch noch den Frenzy gesehen – ein rein-elektrischer Family-Van, der – wenn er denn kommt – vermutlich auch bereits eine größere Reichweite erhalten wird.

Renault und Nissan sind ja in einer Allianz kooperiert. Wie groß ist der Anteil an Technologie in den Elektroautos, die sich die Hersteller teilen?

Die Antwort hat mich echt überrascht. Sie lautete nämlich: Null.

Nissan war mit dem LEAF ja bereits gegen Ende 2010 am Start. Damit knapp ein Jahr eher. Renault hatte etwas mehr Zeit zum entwickeln. Auch auf Grund der Tatsache, dass die Technologie, die Nissan verwendet sowohl mit dem japanischen Gleichstromnetz wie auch mit dem europäischen Drehtstrom funktionieren muss, konnte sich Renault auf den europäischen Standard konzentrieren. Soweit ich weiss, werden die gleichen Batterien in der Allianz verwendet, allerdings hatten wir darüber nicht gesprochen.

Dazu gibt noch einige weitere Unterschiede in der Technologie: Nissan verwendet momentan noch permanent Magneten während Renault auf Wechselimpulsmagneten setzt. Das soll zum einen effizienter sein – zum anderen ist Renault so nicht auf die “seltenen Erden” angewiesen.

Aus meiner Erfahrung mit dem LEAF interessierte mich, wie die Renaul ZE Autos die Reichweite während der Fahrt berechnen

Da sind sich Renault und Nissan dann wieder sehr ähnlich. Die Reichweite wird zunächst mal nach dem Profil der zuletzt gefahren Strecke errechnet. Ist man also vorher geheizt, wie ein geisteskranker (was ich natürlich nie tue *hust*) dann ist bei der nächsten Fahrt die Reichweite niedrig. Während der Fahrt passt sich die Berechnung dann in Echtzeit an die Fahrweise und das Streckenprofil an und kann sich also mit der Zeit erhöhen.

Umgekehrt funktioniert das Prinzip natürlich auch. Bin ich vorher wie eine alte Oma gefahren und bin dann eher zügig unterwegs, sinkt die Reichweite ggf. schneller als erwartet.

Interessant zu erwähnen ist noch, dass das optimale Einsatzgebiet für  Elektrofahrzeuge genau entgegengesetzt zu dem von thermischen ist: Stadtfahrten, mit viel Stop-and-Go und langsamer Fahrweise sind das Element der Stromer. Lange Fahrten bei Geschwindigkeiten um 80 und höher sind weniger effizient. Bei Verbrennern ist es genau umgekehrt.

Flieger und Kofferleber Olli wollte wissen, ab wann denn mit komkurrenzfährigen Preisen für Elektroautos zu rechnen wäre. 

Renault bekommt jetzt schon Preise für Elektrofahrzeuge hin, die vergleichbar sind mit den entsprechenden Dieseln. Sobald Elektro-Modelle in höheren Volumina gekauft und damit auch produziert werden, gehen die auch die Produktionskosten und damit die Preise runter. Über die Zeit werden zusätzlich noch Investitions- und Entwicklungskosten abgeschrieben, was sich auch noch einmal positiv auf den Preis auswirkt.

Grundsätzlich sind wir zur Preisdebatte um Elektromobilität aber relativ schnell auf einen Nenner gekommen. Das sehe ich persönlich nämlich ganz genauso:

Ein 386 PC SX25 – also mit 25 Megahertz kostete Mitte der 80er 25.ooo D-Mark. Ich kann gerne die Happy Computer mit der Werbeanzeige drin raussuchen. Heute kostet ein Rechner der um gut das hundertfache schneller ist – fast das hundertfache weniger. Zumindest bei ebay ;) Aber Ihr versteht, was ich meine.

Das iPhone ist auch so ein Beispiel. Als das rauskam konnte es noch fast nix ohne Apps. Und war schweine teuer. Gut heute ist es immer noch schweine teuer – das liegt aber daran, dass Apple leider nich keine ernstzunehmende Konkurrenz und bereits eine große Verbreitung hat. Aber dafür ist die Leistungsfähigkeit und Funktionsvielfalt der iOS Geräte immer weiter gestiegen

Übertragen auf Elektroautos hieße das – fürs gleiche Geld gibts in 5 Jahren mehr Reichweite, (noch) mehr Leistung, die alten Modelle werden preiswerter und die Apps im App-Store möchte ich übertragen auf E-Mobilität mal mit der Ladestruktur vergleichen.

Das beste Beispiel ist der Zoe. Der stellt Ende 2012 schon eine Weiterentwicklung dar: Er kommt mit Schnell-Lade-Technologie. Also ein weiterer Technologieschritt. Ein Fluence oder Kangoo der nächsten Generation können das dann ebenfalls.

Statt mehr Apps gibt es in Deutschland dann (hoffentlich) bald viel mehr Schnell-Ladestationen. Damit wird die Technologie noch benutzbarer und bald ist es auch kein Thema mehr, mit einer Grundreichweite von 170 Kilometern eine Reise von 500 und mehr Kilometern zu machen, wenn man genug Schnell-Ladestationen auf der Strecke hat.

Wie wird dem Kunden Elektromobilität schmackhaft gemacht?

Renault arbeitet mit unterschiedlichen Partnern zusammen, um den Kunden die neue Technolgie so attraktiv wie möglich zu machen.

  • AVIS / Europcar bieten ZE Kunden vergünstigte Mietwagen-Konditionen an
  • RWE bietet die Wallbox zum Laden samt Installation und passenden Ökostrom Ladetarifen
  • Verwerterpartnerschaften um Akkus aus den Fahrzeugen neu aufgebaut oder recyclet werden

Wo steht Elektromobilität in 10 Jahren?

Reginar muss bei der Frage schmunzeln. Er hofft, dass wir bis dahin die von der Bundesregierung angepeilten 1 Million Elektroautos auf deutschen Straßen haben werden. (Ich hoffe ja auf deutlich mehr)

So unrealistisch ist das ganze aber auch nicht. Wir haben heute schon 2,3 Fahrzeuge pro Haushalt. Tägliche Pendlerfahrten können größtenteils elektrisch gemacht werden. Für die Stadt ist Elektro die perfekte Mobilitätslösung. Und mit der wachsenden Lade-Infrastruktur werden Elektroautos natürlich noch VIEL interessanter für kommerzielle Kunden. Vom Handwerker über den Taxifahrer oder den Lieferdienst.

Selbst eines der Hauptargumente der deutschen (so auch meiner Eltern) – die jährliche Fahrt in den Urlaub ist mit gut ausgebauter Lade-Infrastruktur kein Problem mehr. Ganz ehrlich haue ich mir bei diesem Argument auch immer wieder gerne beherzt vor die Stirn: Für EINE Fahrt im Jahr kann man sich ein Auto für 2 Wochen leihen, einen Autozug nehmen, oder zur Not auch das Auto zu Hause lassen und in den Flieger steigen.

Hinzu kommen Länder wie China, wo teilweise das thermische Auto komplett übersprungen und vom Fahrrad gleich auf E-Mobilität gesetzt wird.

Ich hoffe Ihr fandet meine Zusammenfassung unseres gut 1-stündigen Gesprächs genauso interessant wie ich. Vielen Dank nochmal an Reginar und natürlich auch ein fettes Danke an Renaults Mann für Social Media Fabian Rangol für die kurzfristige Organisation, so kurz vorm Wochenende :-)

Hier die BlogLight Beiträge der anderen Auto-Blogger zu Renault als “Hersteller des Monats”

13 Comments

Red' mit und lass mich nicht dumm sterben!

  1. Hallo Alex,

    ich teile Ihren Optimismus in dieser Sache nicht.

    Zum einen glaube ich nicht an Quantensprünge in der Batterietechnologie. Da sehe ich doch viel mehr Evolution als Revolution vor uns liegen.

    Zum zweiten sehe ich nicht, wo beim derzeitigen Energiemix in Deutschland ein Vorteil für die Umwelt liegen sollte, wenn ich mir statt Diesel ein E-Fahrzeug zulege. Das mag zwar trendy und vorausschauend sein, aber die breite Masse des fahrenden Volkes wird wohl nicht als Early Adopter herhalten. Und der grüne Ausbau des Stromnetzes kommt nur schleppend voran.

    Zum dritten bedeutet ein Auto zu haben noch immer, auf individuelle Mobilität zu setzen. Wenn ich mir für derart viel Geld ein E-Auto kaufe und zur Deckung meines individuellen Mobilitätsbedarfs noch auf weitere Fahrzeuge (kann man ja mieten) oder ergänzende Konzepte (ÖPNV) angewiesen bin, dann stimmt das Gesamtkonzept nicht.

    Und zum vierten glaube ich, dass Menschen Gewohnheitstiere sind. Innerhalb von ein paar Jahren wird man die bisherigen Gewohnheiten nicht oder nur mit außergewöhnlichen Maßnahmen verändern können.

    Für mich ist die E-Mobilität nicht das Ende der Fahnenstange. Ich habe zwar keine Glaskugel, könnte mir aber vorstellen, dass sich am Ende die Brennstoffzelle durchsetzt. Wasserstoff ist zwar nur mit hohem Energieaufwand herzustellen, aber der Ausbau eines Tankstellennetzes ist vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen. Und die Nutzung eines Brennstoffzellenfahrzeuges kommt der heutigen Fahrzeugnutzung doch recht nahe, vor allem in Bezug auf die Reichweite.

  2. Guten Tag,

    auch mich stimmt es nachdenklich. Elektromobile gelten in den Medien als das Allheilmittel der Umweltprobleme, aber kaum einer fragt nach, wo der Strom her kommt bzw. wie und wo er produziert wird.

    Ich denke Elektrofahrzeuge sind nicht generell schlecht man sollte aber schauen das der gesamte Rahmen auch dazu passt.

    Gruß Matthias

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