Probehören iPhone Edel-Headset: C5 von Bowers & Wilkins

Danke Bowers & Wilkins – Ihr habt mich mit dem B&W C5 InEar zur Musik zurück gebracht. Die letzten Jahre habe ich Musik nur sehr, sehr selten bewusst gehört. Meistens waren das dann ein paar Favoriten auf dem iPhone – allen voran Kettcar, Nine Inch Nails ein bisschen Bach und Mozart im Hintergrund oder Radio-Gedudel.

Bowers & Wilkins ist eine britische Edel-Schmiede für High-End Lautsprecher mit über 65 Jahren Tradition und KnowHow. Mittlerweile gibt es neben den Flagschiff-Boxen mit dem Klangvollen Namen Nautilus (zum Preis eines Oberklasse-Autos) auch diverses Zubehör für uns Internet-Leute. Web-Radios, den berühmten Zeppelin Air als iPhone-Lautsprecher und eben Kopfhörer wie den C5. Ach ja und in den Abbey Road Studios werden B&W Lautsprecher eingesetzt! In den ABBEY ROAD STUDIOS!

Meine Ohren gehörten eher den gepflegten Podcasts, die es da draußen so gibt: Retinacast, Küchenradio, Alternativlos, TWiT, Metaebene, WRINT, Neunetz und so weiter.

Rein technisch höre ich über den Lautsprecher vom iPhone wenn es schnell gehen soll. Im Auto über das Autoradio via USB Kabel und wenn ich die Außenwelt wegblenden will über das Apple Headset, das ja ganz gut klingt. Mein AKG Kopfhörer macht einen deutlich besseren Sound, klar – aber wenn ein Anruf reinkommt, habe ich natürlich keinen Bock auf umstöpseln.

In den letzten 2 Wochen hat sich meine Sicht auf das was ich höre vollkommen geändert.

Denn kurz vor der Renault Twizy Probefahrt habe ich ein Bowers&Wilkins C5 InEar-Headset zum testen bekommen, das mir komplett die Schuhe ausgezogen hat. Ich wusste gar nicht, wieviel Klang im iPhone steckt.

Ganz ehrlich dachte ich ja auch immer, ich wäre alles andere als audiophil. Zu Schul- und Walkman-Zeiten war mein Motto eher Hauptsache laut. Heutzutage ist es eher: Hauptsache unterhaltsam.

Begeisterung geht schon bei der Packung los

Tja und dann lag da plötzlich diese schwarze Box auf dem Tisch. Im ersten Moment fühlt sich die Verpackung des C5 fast an, als wäre sie aus Holz. Sehr, sehr hochwertig. Sie ist natürlich entsprechend der Hauptkäufergruppe sehr stark an meinen bisherigen Verpackungsbenchmark angelehnt: Die iPhone Box. Ganz ehrlich? Die wirkt gegen die B&W Schachtel wie ein Tetrapack. Und Apple versteht ja nun wirklichb was von Edel-Kartonage.

Der Deckel wird von einem Magneten auf der Box gehalten und klappt wie ein Buch auf. Darunter liegt unter einer PLEXIGLASSCHEIBE! dann der Kopfhörer. An einer kleinen, schwarzen Samtschlaufe zieht Ihr den Schuber aus der Box raus und selbst der schwarze Hochglanz-Plastikträger auf dem die InEars mit sorgfältig in Klemmen festgehaltenen Kabeln liegen (aus denen sie sich auch nur mit vorsichtigem Fummeln befreien lassen. Ich hatte wirklich Angst, sie kaputt zu machen) ist massiver als alles, was ich bisher an Verpackungen gesehen habe. Gut 180 Euronen teure Kopfhörer möchte man ja auch gut geschützt wissen :)

Aber jetzt mal Schluss mit dem Unboxing-Porn und ran an die Technik.

Probehören statt Probefahren

Ich fummel die Kabel aus der Plastikschale und stecke mir die Hörer in die Ohren. Fühlt sich komisch an, irgendwie wollen sie nicht ganz passen. Ok – dann schaue ich doch tatsächlich mal ins Handbuch ;) In diesen Kopfährern steckt nicht nur Audio-Engineering, sondern richtig clevere Alltagstauglichkeit.

Die Stöpsel werden durch Ihr eigenes Kabel in Eurer Ohrmuschel gehalten! Ich musste es tatsächlich nachlesen. Ihr steckt die Kopfhärer in den Gehörgang und dann schiebt Ihr das Kabel in die obere Falte Eurer Ohrmuschel. Klingt komisch – funktioniert aber prächtig. B&W nennt dieses Feature Secure Loop Design und der hält den Kopfhörer bombensicher auch beim Sport in den Ohren.

Ok, sitzt passt und hat Luft. Auf der Packung steht Concert for one also fange ich mein Testhörern mit der Band an, die ich gerade letztens live gehört habe: Kettcar. Natürlich mit dem neuen (und entsprechend technisch am besten produzierten) Album “Zwischen den Runden”. Die Musik ist Gitarren-Indie-Rock mit einigen Elektrosamples – enthält also alle Elemente, die im Rock so vertreten sind.

Was soll ich sagen: Im Meatus Acusticus geht die Sonne auf.

Wie gesagt, habe ich mich bisher nicht für besonders audiophil gehalten. Aber ich habe einige Musiker und Sound-Engineers in der Bekanntschaft, von daher kann ich guten von schlechtem Sound schon unterscheiden.

In dem Moment, wo die ersten Takte durch die Tungsten Sound Tube (Tungsten bedeutet, das Teil ist aus hochdichtem und resonanzarmem WOLFRAM gefertigt!) auf mein Trommelfell geleitet werden, fühle ich mich, als hätte mir einer von diesen Kindergeburtstagszauberern nach 37 Jahren Lebenszeit endlich die viereinhalb Meter Regenbogentaschentuch aus dem Gehörgang gezogen.

Soviel Raum konnte ich mir mit Ohrstöpseln beim besten Willen nicht vorstellen. Der C5 produziert unglaublich differenzierten Sound mit kristallklaren und angenehmen Höhen und knackigen Bässen.

Zum Vegleich wechsel ich beim gleichen Song “Rettung” ein paar Mal zwischen iPhone Headset und BW C5 hin und her. Der Song hat alles: Fette Toms in den Drums, nen Bläsersatz, Sidesticks, einen prominenten Basslauf Akkustikklampfe im Hintergrund, bisschen Gepicke auf dem rechten Ohr, Synthie/Pianosounds, die sich super durchsetzen und “Sabberfäden, die sanft das Ohr streifen“. Ein Liebeslied für Große.
Der Wechsel vom B&W C5 zum iPhoneheadset ist so wie als beamt man sich aus der Mitte des Live-Publikums aufs Klo der Konzerthalle. Unglaublich.

Das bemerkenswerteste am Sound ist für mich der druckvolle und sanfte Bass. Dabei muss ich betonen: Wenn ich mich in nen Presse-Fahrzeug oder Mietwagen setze, suche ich meistens erstmal den EQ im Radio und drehe die Bässe, die irgendwelchen tauben Nüsse voll aufgerissen haben wieder auf ein normales Level.
Der BundW C5 macht ein dumpfes rumgewummer, sondern macht, dass sich der Bass wie ein Instrument anhört. Ich kann HÖREN, was der Bassist da spielt. Note für Note. Das witzige dabei: Mein Ohr hört dieses fette Getieftöne und mein Bauch wartet vergebens auf Vibrationen :)

Danach hangel ich mich durch meine restliche Referenzstücke: Bachs Brandenburgische Konzerte, Nine Inch Nails – Downward Spiral, Jay-Z & Kayne West, Metallica, Beatles White Album (in den Abbey Road Studios werden BTW seid Jahrzehnten Bowers and Wilkins Lautsprecher für die Abhöre verwendet!), Bad Religions altes Zeug, The Who und Fear Factory. Wahnsinn. Ich muss wieder mehr Musik auf mein iPhone laden :) Das macht wieder richtig Spaß!
Einzig bei etwas schräbbeligen Gitarren-Zeugs habe ich den iPhone EQ benutzt und “Kleine Boxen” gewählt. Alles andere klang in meinen Ohren “trocken” am besten.
Warum das bei Metal, Punk und Konsorten so ist, erklärt bycan hier in seinem Testbericht zum B&W P5 ganz unten – sehr lesenswert!.

Klassik geht natürlich astrein. Das eine oder andere Mal habe ich ja nun schon in Konzertsälen gesessen und eins ist klar: Da ist der BundW in seinem Element. Durch die passive Abschirmung nach außen und die fast direkte Trommelfellmassage kommen auch die feinsten Nuancen zur Geltung.

Und ich habe noch nichtmal Lossless Aufnahmen probiert. Ach ja, speaking of: Mit Lossless Musik kann man sich wohl für 3 Monate kostenlos durch die Bowers and Wilkins Society of Sound versorgen lassen.

Podcasts hören mit dem Bowers and Wilkins C5

Das ist ja bisher wie gesagt mein Hauphörgebiet. Also schmeiß ich nacheinander einige Folgen unterschiedlicher Sendungen an, die die Qualitätsskala von oben nach unten abdecken. Benchmark ganz oben mal wieder Tim Pritlove mit CRE, der alte Radiofuchs holt ja alles aus seinem Equipment. Da können nur noch NPR und Leo Laporte einen draufsetzen, die allerdings auch Studios für 7-stellige Summen am Start haben.

Ich habe Stimmen im Kopf.

Klingt, als würde ich mitten im Studio bzw. in der Podcastrunde sitzen. Als nächstes geht es von der Produktionsquali etwas weiter nach unten. Die aktuelle Folge Alternativlos! zum Thema Korruption ist auf Franks Seite sehr ordentlich produziert. Fefe sitzt wohl am Skype mit gutem Mikro. Interessant, was ich plötzlich alles an Nebengeräuschen differenzieren kann, die vorher einfach nur die Sprache unverständlich gemacht haben.
Als unterste Stufe nehme ich mal alte Tests für POddCAST, die ich direkt ins Mac-Mikrio eingequatscht habe und selbst da höre ich einen deutlichen Gewinn an Dynamik. Aber gut, solch miese Aufnahmen zum Testen zu nehmen ist als würde man der Sau die Perlen nicht einfach vorwerfen sondern gleich mit einer Austern-Schrotflinte drauf halten ;)

Praxistest und Außengeräusche

Ich sagte ja schon – die Kopfhörer kamen kurz vor der Twizy Probefahrt auf Ibiza an. Also hatte ich gleich doppelte Möglichkeit zum Alltagstest. Erstmal im Zug und Flugzeug. Herrlich. Der Alltag wird vollständig ausgeblendet. Du hörst nur das was Du hören willst. Selbst wenn die Musik pausiert wird, ist die Welt angenehm leise, aber so etwas wie den Schaffner versteht Ihr noch 1A, ohne die Stöpsel raus zu nehmen. Ich denke, das hängt mit Micro Porous Filter auf der Rückseite der Hörer zusammen. Wie ein kleiner Metall-Schwamm lässt er die Schallwellen der Klang-Treiber die von der Tungsten Sound Tube erzeugt werden nach außen entweichen und dementsprechend gewollte Geräusche bei pausierte Musik ans Ohr heran.
Selbst das typische Dröhnen und Rauschen im Flugzeug wird weggedämpft.

Dann der Twizy. Der kleine Stromer von Renault ist ja offen. Man sitzt zwar hinter einer Windschutzscheibe, aber Windgeräusche sind halt immer noch da. Wie bei einem Auto mit offenen Fenstern. Zudem weht einem die eine oder andere Brise um die Ohren. Die sind bei mir echt empfindlich. Also hatte ich die C5 die meiste Zeit der Probefahrt im Gehörgang. Auch wenn ich nicht durchgehend Mucke an hatte, haben Sie mich vor Zug im Ohr geschützt.

Auch im vollen Wind habe ich nohcmal den Vergleich mit den Apple Hörern gemacht.
1. waren die Windgeräusche beim Apple immens laut, sodass ich leisere Sprache oder etwas flacher produzierte Oldies teilweise kaum hören konnte
2. zog am Apple Headset immer noch Luft vorbei ins Ohr, während die C5 dicht halten
3. sind mir die Apple Stöpsel mehrmals durch den Wind aus dem Ohr geflogen, wo die C5 bombenfest saßen

Für Motorradfahrer:
Im Twizy herrscht keine Helmpflicht. Nehmt beim austesten nen der B&W C5 Euren Helm mit. Die angeschrägte Form der Hörer, die aus der Ohrmuschel heraus kuckt, könnte am Futter entlang kratzen. Unter meinen Helm passen sie gerade so.

Praktische Features

1. Die Tasche – Eine kleine halbrunde schwarze Velour-Tasche gibt es zum C5 dabei. Innen mit einem Steg in den die Hörer eingesteckt werden. Das Kabel wird um den Steg herum gewickelt. Der etwas hakelige Reißverschluss ist für einen Grobmotoriker wie mich eine kleine Herausforderung ;) Aber hey! So ein Stück Lebensqualität will ich nicht einfach in die Jacken-Tasche fummeln.

2. Tüddelfreies Kabel – Ich weiß nicht, wie oft ich schon mein Apple Headset entwirren musste. Eben jedes mal, wenn ich es aus irgendeinem Behältnis raushole. Ich behaupte fast mal, die Viecher, die auch die Socken in den Waschmaschinen klauen, verknoten Headsets wenn ihnen langweilig ist.
Ich hab das B&W C5 mal spaßeshalber in die Hosentasche gesteckt (nur EINMAL – versprochen *g*) ich glaube fast, die Kabelverknotkobolde laut fluchen gehört zu haben:

Du holst das Headset aus beliebiger Tasche, schmeisst es auf den Tisch und es entwirrt sich quasi von selbst!

Kein Scheiß: Das ist un-heim-lich! Ich weiß nicht, wie die das hingekriegt haben, aber kann ich bitte an alle technischen Geräte diese selbstentwirrenden B&W Strippen haben? BITTE?

Sprachqualität beim Telefonieren

Im normalen Gebrauch 1A. Deswegen musste ein Härtetest her: Der Twizy eignete sich natürlich perfekt. Selbst bei gut 80km/h konnte ich noch mit meiner Liebsten telefonieren. Ich verstand sie perfekt und auf ihrer Seite wurden die ibizanischen Winde weitestgehend rausgefiltert. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die runde Fernbedienung. Hier muss ich immer etwas rumfummeln, bis ich fühle wo die Mulde und damit die Bedienelemente fürs iPhone sind

Tragekomfort

Die Klang Röhre ragt schon recht weit in meinen wohl eher kurz geratenen Gehörgang herein. Ist aber immer noch angenehm. Der C5 kommt mit 3 Paar Gummiaufsätzen für weitere oder schmalere Gehörgänge. Ich komme mit den Standardaufsätzen am besten zurecht.
Der Secure Loop bedarf etwas ausprobieren, bis er perfekt in die persönliche Ohrmuschel passt, hält dann aber deutlich besser und bequemer als so Hinterkopfgedöns oder die Halterungen, die man sich über ie Ohren ziehen muss. Die Anleitung erklärt sehr deutlich wie das funktioniert.
Ach ja: Welcher Stöpsel rechts und links ist steht UNTEN dran. Da wo das Kabel rein geht. Ich habe die Hinweise 10 Minuten lang übersehen ;)

Kleiner Verbesserungsvorschlag

Das ist jetzt Jammern auf GANZ hohem Niveau, ich weiss. Das einzige, was besser sein könnte sind die Kabel, die zu den Ohren gehen. Also ab da, wo sich das Y in links und rechts aufteilt. Bei leiser bis mittlerer Lautstärke höre ich, wenn die Kabel bsw. gegen den Reißverschluss der Jacke schlagen etwas. Man muss schon sehr drauf achten, aber man hört es. kurz vor maximaler Lautstärker ist das Klackern nicht mehr wahrnehmbar.

Disclaimer: Ja, ich darf das TestSample behalten. Wer würde sich auch gerne gebrauchte InEar-Kopfhörer in die Lauscher stecken? ;)

Viel wichtiger: Ich brauche neue Musik! Schlagt was vor!

Also wenn Ihr mir Songs zum Probehören empfehlen könnt: Rein in die Kommentare damit!

Noch Fragen zu Bowers & Wilkins Kopfhörern C5 und P5?

Weitere Meinungen zum C5 lest Ihr bei Jens, dem alten Lifestyler, im Lumma-Land, beim Exil-Bielefelder ben_ und beim admartinator.

Das Schwestermodell zum InEar Headset – den Kopfhörer Bowers & Wilkins P5 haben aktuell auch einige Leute in der Testmangel: bycan der exzellent erklärt, warum High-End Audiogear und Metal nur bedingt zusammen passen. Ralf Becker, der sie gleich Case-Modden will und den Vergleich zu Monster Beats Solo ziehen kann und der Emser MC Winkel