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Alex Kahl der Probefahrer lernt Klavier spielen

Was mir 30 Tage Klavier lernen beigebracht haben

“Das Klavier ist für die Musik, was die Druckerpresse für Poesie ist” so zitiert Clint Eastwood zu Anfang seines Films den Dichter George Bernard Shaw. Alleine das ist eigentlich schon Grund genug, sich mit dem Piano zu beschäftigen.

Ich habe mich 42 Jahre lang nicht ans Klavierspielen rangetraut. Auch wenn ich Kindheitserinnerungen habe, in denen man mich fast operativ vom Piano das bei Verwandten stand entfernen musste, als wir dort zu Besuch waren.

Macht es mit 42 Jahren noch Sinn Klavier zu lernen?

Genauso gut könnte man auch fragen: “Macht es Sinn Fahrrad fahren zu lernen, auch wenn man nie die Tour de France mitfahren wird?”

Meine wichtigste Erkenntnis aus den ersten 30 Tagen Klavier lernen:
Es tut gut, richtig schlecht in etwas zu sein. Aber jeden Tag etwas besser zu werden.

Und: Das Metronom kann ein Arschloch sein. Aber auch Dein bester Freund. :-D

Als ich für meinen Artikel über den Klassik-Vortrag von Frank und Eva recherchiert habe, stieß ich auf James Rhodes, der in einigen Videos behauptet: JEDER kann in 6-8 Wochen das bach Praeludium 1 in C-Dur lernen.

Dann habe ich mir sein 60-seitiges Buch dazu gekauft und angefangen. Und gleich geflucht. Schreibt er doch: “Bevor Du hier weiter liest, musst Du erstmal Noten lernen. mache NICHT weiter, bevor Du die Noten auf dem Blatt nicht in Fingerpositionen auf dem Klavier umsetzen kannst!”

“JAMES, DU ARSCH!” ;) habe ich erstmal gedacht. Und nach 2 Tagen gemerkt: Der hat ja Recht! Das kann ich wirklich lernen!

“Ich kann das nicht” verschwindet aus meinem Vokabular

Evas Aussage im Interview nach dem Vortrag Einführung in die klassische Musik hat mich schwer beeindruckt: “Ich kann alles spielen, was ich spielen will, wenn ich genug übe.”

Auch wenn es vermutlich Dinge auf dem Klavier gibt, die ich wirklich nie mehr spielen lernen werde, weil meine Fingermuskeln, Sehnen, mein Muskelgedächtnis das nicht mehr auf die Kette kriegen, rücken jetzt schon Dinge in schaffbare Nähe, die ich vor nem Monat noch nicht für möglich gehalten habe.

Und wer weiß: Sportler gehen mit 35-40 in Rente. Pianisten wie Horowitz oder Rubinstein haben bis WEIT in ihre 80er Jahre noch Konzerte gespielt. Da sehe ich noch Hoffnung :-D

Es tut gut, mich auf das zu konzentrieren, was ich erreichen kann. Statt auf das, was im Moment unerreichbar scheint.

Endlich wieder lernen

Ich lerne gerne neues dazu. Und das täglich. Aber was ich seit Jahren nicht gemacht habe ist es, ein Feld richtiggehend zu studieren und auf verschiedenen Wegen zu erlernen, die seit Jahrhunderten erprobt oder nagelneu sind.

Das macht an den Tasten gerade richtig Spaß. Angefangen bei meinem Hauptstück, dem Bach Praeludium in C-Dur von Bachs Wohltemperierten Klavier BWV 846, über den Star Wars Theme, Übungen und Liedern, die mir Klavierlehrer Burch mit auf den Weg gegeben hat (Guten Abend, gute Nacht zum Beispiel), zum Metronom spielen lernen, Rhythmus trainieren und vor allen Dingen: Mit Apps wie Yousician eine Mischung aus compterspielen und klavierspielen nutzen.

Hier könnt Ihr Euch das Praeludium No.1 mal so anhören, wie es vor knapp 300 Jahren vermutlich am häufigsten gespielt wurde: Auf einem Instrument, dass damals das günstigste Tateninstrument war: Ein Clavicord. Gibt’s heute kaum noch. Ist halt auch sehr SEHR leise und eigentlich nur für den Hausgebrauch und zum Üben gedacht:

 

Da ist immer wieder dieser großartige Moment, wenn ich plötzlich merke, dass ich nach richtig viel spielen, plötzlich bei meinem Hauptstück mit einem Mal viel weiter komme als noch ein paar Tage zuvor. Ganz automatisch!

Lernen zu lernen

Was ich wieder gelernt habe: Ein unmöglich erscheinendes Problem – in diesem Fall ein 2-Minuten langes Klavierstück zu lernen – zu nehmen und in kleine, schaffbare Unteraufgaben zu zerlegen:

  • Lernen wie die Finger auf die Tastatur kommen und sich zurecht finden
  • Nur die ersten 2 Takte des Stücks lernen
  • GAAAAAANZ langsam üben. So langsam, dass es einem lächerlich erscheint.
  • Lernen durch Beobachten auf YouTube. Egal ob Meister oder andere Anfänger

Sehr empfelhenswert zum Thema Lernen lernen ist dieser Beitrag von Harald Schirmer.

Geduld und Entspannung – fast schon Meditation

Meditation ist nichts für mich. Ich weiß, ich weiß: Wenn jemand sagt, er schafft es nicht, 2 Minuten zu meditieren, dann sollte er eigentlich 20 Minuten meditieren. Aber meditieren macht mir einfach keinen Spaß. Zumindest im Moment.

Für 20 Minuten immer und immer wieder das gleiche spielen hat für mich aber einen ganz ähnlichen Effekt. Die einzigen Tätigkeiten, bei denen ich diese Mischung aus konzentrieren und sich verlieren an mir bemerkt habe waren bisher Reiten oder Motorrad fahren.

Und Geduld. Jaaaa, Geduld. Nicht gerade eine Tugend, von der ich viel mitbekommen habe. Ich bin eher der Typ für: Gib mir einen Trick oder eine Abkürzung. Auf dem Klavier gibt es keine Abkürzung. Aber die ständigen kleinen Erfolgserlebnisse, Verbesserungen und Erkenntnisse über mich selber, machen es mir leicht, geduldig weiter zu üben.

Selbst wenn ich das Praeludium irgendwann in ein paar Wochen unfallfrei spielen kann, ist es so ähnlich wie damals mit dem 8 Stunden langen Sylvesterritt: Ich werde um zahllose Erfahrungen reicher sein. Aber lange noch nicht reiten bzw. Klavier spielen können.

Bach = Blues und: Ich bin gar nicht sooo unmusikalisch :-)

Vor über 20 Jahren habe ich E-Gitarre gespielt. Mit Unterricht und Band und täglich üben und so. Am liebsten habe ich Blues gespielt. Der schien mir mit seinen Pentatoniken so schön logisch. Das Problem war nur immer: Ich konnte den Blues zwar spielen, aber ich hatte ihn nicht.

Ein Stück von Bach zu lernen ist noch ne ganze Ecke methodischer, analytischer und logischer als Blues. Das gefällt mir gerade sehr. Vielleicht entdecke ich irgendwann mal Ragtime oder Herbie Hancock Jazz für mich. Im Moment bin ich mit Bach, LvB, Chopin und Mozart und was sie mir bei bringen sehr zufrieden.

So hören sich verschiedene Blues- und Jazz-Pianisten an:

Perfektionismus los werden

Über die Jahre bin ich zu einem üblen Perfektionisten geworden. So sehr, dass es mich RICHTIG stört. Wenn ich mich über eine Sache besonders ärgern kann, dann wenn ich Fehler mache.  In meiner Arbeit muss ich mich immer wieder dazu zwingen, Dinge abzuschließen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Klvierspielen zieht mir diesen Zahn mehr und mehr. Es fühlt sich super an, Fehler zu machen. Zu verstehen, WARUM ich sie mache und dann die Ursache durch verstehen, verbessern und üben zu vermeiden.

Es macht auch keinen Sinn, lange an einer falsch gespielten Note rumzuanalysieren. Da hilft nur: Akzeptieren, weiter spielen, nochmal von vorn und beim nächsten Mal besser machen.
Würde ich jedes Mal an die Decke gehen, mich fragen: “Oh neeeiiin! wie konnte das passieren?! Ich kann nicht glauben, dass ich diesen Fehler gemacht habe!” – ich würde keinen Schritt weiter kommen. Das hilft auch bei der Fehlertoleranz im Alltag weiter ;)

Und was ist schon perfekt? 

  • Wenn ich ein Stück unfallfrei spielen kann?
  • Wenn andere das Stück wieder erkennen?
  • Wenn andere sagen: “WOW! Das klingt aber geil!”
  • Wenn andere sagen: “Du kennst doch dieses eine Stück. Kannste mal spielen?”
  • Wenn andere Eintrittsgeld bezahlen um Dich spielen zu hören oder CDs kaufen?

Huch! Ich kann ja Noten lesen!

Auch so ein Ding, gegen das ich mich mein ganzes Leben lang gewehrt habe, weil ich dachte, es wäre SO schwer. Sowohl James Rhodes als auch der Burch sagen aber zu Recht:

Noten lernen ist einfach. Millionen Kinder tun es täglich.

“Es gibt 12 Töne und 26 Buchstaben. Und das Alphabet haben wir auch alle gelernt.” Auch wenn dieser Vergleich ein kleines bisschen hinkt, denn ein Klavier besteht aus 7,5 mal 12 Tönen. Das ist schon etwas komplexer als das Alphabet ;) ist es auch mit 42 machbar noch zu entziffern, welche schwarzen Punkte auf den Linien wo auf die Tasten gehören. Es dauert nur SEHR lang :)

Der Reiz dabei: Noten sind eine universelle Sprache, die jede auf der Welt lesen kann, wenn sie sie beherrscht.

Und: Du erweckst hier etwas zum Leben, das jemand vor hunderten von Jahren aufgeschrieben hat. Diese monumentale Seite ist mir erst durchs selber machen bewusst geworden:

Quelle: Wikipedia

Mich an meine Grenzen bringen

Ein großartiger Effekt verschiedener Stücke und Übungen in den Apps ist es, dass sie mich gezielt an die Grenzen des für mich schaffbaren bringen. Dann übe ich eine halbe Stunde ganz langsam vor mich hin und plötzlich spiele ich eine Tonleiter, eine Melodie oder Übung flüssig, die ich kurz vorher noch für unmöglich gehalten habe.

Das ist auf so vielen Ebenen motivierend, dass alleine für dieses Erlebnis das Klavier spielen schon lohnt.

Unerwartete Erfolge

Dann sind da noch diese Kleinigkeiten: Vorgestern ist das ipad plötzlich ausgegangen und ich saß im Dunkeln. Ich habe einfach gespielt und gemerkt:

Du findest Dich blind auf einer Klaviertastatur zurecht!

Hätte ich NIE für möglich gehalten. Und dann funktioniert das plötzlich einfach so und ich stelle die neue Fähigkeit nur durch einen Zufall fest. (Auch wenn es auf einer Computertastatur fast selbstverständlich für mich ist).

Da stellt sich schonmal ein bissken Stolz ein :)

Es ist effektiv UND effizient

Effektiv sein heißt, die richtigen Dinge im Leben zu tun.

Effizient heißt, die Dinge richtig zu tun. (Ein Problem kriegt man, wenn man die falschen Dinge effizient tut. Dann erzielt man nämlich keinen Effekt).

Hobbies habe ich in 42 Jahren eine Menge ausprobiert. Aber entweder habe ich – wie bei der Photographie oder dem Vloggen – irgendwann einen Status erreicht, der für mich und meinen Bedarf ausreicht. Oder sie waren mir einfach zu zeitaufwändig ohne den entsprechenden langanhaltenden Nutzen zu bringen. So zum Beispiel beim Reiten. Nicht falsch verstehen: Reiten ist großartig und ich liebe es mit den Pferden hier auf dem Hof umzugehen. Aber irgendwann war der Punkt gekommen, wo die Lernkurve so steil wurde, aber die Nutzenkurve immer weiter abflachte, dass ich die gut 3 Stunden die mich eine Reitstunde in Anspruch nahm, nicht mehr investieren wollte, um weiter zu machen.

Beim Klavier ist es wie mit meiner Klimmzugstange unten im Flur: Wenn ich oft genug dran vorbei gehe, dann nutze ich es auch regelmäßig.

Ich werde ein besserer Lehrer

Teil meines Berufes ist es auch, Menschen in Unternehmen beizubringen, was das Web für sie und ihre Kunden tun kann.

Wenn ich mir nun Meisterklassen anschaue, in denen ich zwar Klaviertechnisch keine Unterschiede höre (die Leute spielen für mich immer gleich meisterhaft g), lerne ich von den Lehrern. Das ist sehr faszinierend. Hier mal ein Beispiel aus einer Masterclass, in der das Stück geübt wird, das ich irgendwann mal spielen können will – Schuberts Impromptu Opus 90 No. 3:

Wissen motiviert mich jeden Tag ein Stück besser zu werden

Es ist einfach was anderes, ob man als Kind dazu gezwungen wird, ein Instrument zu lernen oder ob man es freiwillig tut. Das schneller und einfachere lernen, das Kindern oft nachgesagt wird, wird durch die eigene Motivation und Lebenserfahrung aufgewogen.

Und auch andere Dinge sind als Erwachsener einfacher: Die Hände sind bsw. größer und können die Tasten viel besser erreichen. Die Belohnung für das viele üben lässt oft lange auf sich warten. Diese Geduld hat man als Erwachsener eher, weil man eine Vorstellung von seinem Ziel hat, denn als Kind (auch wenn ich hier vielleicht fast eine Ausnahme darstelle g).

Der Nachteil als Erwachsener: Zu wenig Zeit.
Wie gerne wäre ich nochmal 12 Jahre alt. Mit all der Zeit und all den Apps, YouTube Videos und Möglichkeiten heute.

Aber auch, wenn es nur ein paar Minuten pro Tag am Klavier sind, ich vermisse sie mittlerweile schon, wenn ich sie mal verpasse.

Anstatt neue Sachen zu kaufen, irgendwas zu sammeln oder Netflix bingewatching zu machen, freue ich mich jeden Tag drauf, wieder ans Klavier zu können und eine neue Kleinigkeit meinen Fähigkeiten hinzuzufügen.

Das Klavier ist wie ein glänzendes, verlockendes Spielzeug, das jeden Tag was neues für mich bereit hält :)

Was kommt als nächstes?

Mal sehen, wo mich das neu gewonnene Lernen können hinführt: Vielleicht nehme ich mir doch nochmal programmieren lernen vor, um ein eigenes Projekt selber umzusetzen. Vieles von dem, was ich gerade über lerne, schubst mich immer weiter in die Richtung ;)

Was das Piano alles fürs Hirn tut:

Das ist schon der Hammer. Alles erschließt sich mir auch noch nicht – via Musicologie:

Bloggen statt Lesezeichen, Tab-Friedhof und später lesen

Ich sammle manchmal mehr als 100 Quellen, Artikel, Links und hassenichgesehen zu Themen, die mich gerade aktuell interessieren.

Viel davon hängt als offener Tab in einem meiner Browserfenster. Manche Links packe ich in eine von über 6000 Evernotes. Für später.

Was ich später (nochmal) lesen will, landet im Premium Account von Pocket.

Witzige Kleinigkeiten werden getwittert und gefacebookt. Einfach um sie meinem Netzwerk aus Familie, Freunden, Kollegen und Bekannten mitzuteilen.

Vlad Perun und das kleine Kommentarproblem von neulich hat mich mal wieder drauf gebracht, dass dieses Blog hier viel besser ist, um das Zeug festzuhalten, dass mich beschäftigt.

Werde ich jetzt mal wieder mehr machen. Mehr bloggen als alles andere. Erstemal für 30 Tage.

Radio Kitchen Berlin

Das Gratisproblem von Live Musikern

Markus spielt demnächst mit seiner Combo Radio Kitchen beim Berlin-weiten Fest der Musik umsonst und draußen. Und schreibt zur Kostenlos-Mentalität und dem Wertverlust von (Live)-Musik folgendes:

Wer sich heute als Musiker beschäftigt, aber weder zu den oberen Zehntausend, noch zu den staatlich geförderten Künstlern gehört, hat es schwer, wenigstens die Ausgaben für Equipment, Proberaummiete, Fahrtkosten etc. wieder reinzubekommen. Musik hat einfach keinen Wert.

Da is was dran. Durch Streamingdienste geht das Verhältnis zu Musik und was sie kostet noch ein Stück mehr verloren.

Aaaaaaber – zuerst meine kontroverse Anmerkung:

Zum einen sollten Musiker Equipment, Proberaummiete usw. nicht auf das Publikum umlegen. Das sind einfach die Opportunitätskosten, die man sich freiwillig auferlegt. Gerade sowas wie Proberaummiete finde ich schwierig. Wenn mir mittlerweile ein Ladenbesitzer bei unrealistisch hohen Preisen mit dem Argument der hohen Miete kommt, halte ich dem entgegen, dass er dann eben die Miete kürzen soll, wenn der Standort sich nicht mehr rechnet, statt sich die Kohle vom Kunden zu holen.

Zum anderen werden durch Streamingdienste und günstigere MP3 auch wieder Moneten frei, die man ganz bewusst bei den Musikern auf solchen Veranstaltungen lassen kann.

Noch’n aaaaaber – jetzt die konstruktiven Anmerkungen:

Da muss dann die Kreativität auch ein bissken über das reine Musizieren hinaus gehen. Klar, Merchandising ist für ein Spaß-Projekt dass vor allem wegen des Spielens spielt etwas übertrieben. T-Shirts oder CDs zu produzieren bedeutet teures in Vorleistung gehen und macht viel Arbeit. Aber es gibt ja auch kleinere Sachen, die man als Band machen kann.

Zum Beispiel:
Nehmt ne Kiste Bier mit und verkauft Euer eigenes Bier von der Bühne runter.

Oder Weingummi-Würstchen / Pommes gegen ein paar Euro anbieten. Damit lässt sich von der Bühne dann ja humorvoll spielen und ohne auf die Tränendrüse zu drücken, können Künstler dem Publikum die Problematik vor Augen führen.

Oder:
Nehmt ein paar Songs auf, packt die Passwortgeschützt als MP3 auf ne Webseite und legt das Passwort als Zettel in einen Hut und wer die Songs zu Hause hören möchte, tauscht Papiergeld gegen Papierdownload-Code. Muss ja nicht immer digital und iTunes sein ;)

Und wenn man dann 2-3 Leute im Publikum hat, die man vorher instruieren kann um den Anfang zu machen, setzt hoffentlich der Herdentrieb ein und ein paar mehr Leute aus dem Publikum kommen nach vorne.

Und am allerbesten: Schreibt nen Song über das Thema, der den Menschen witzig und eingängig das Geld in der Tasche lockerer macht :)

So nice! :-)

Und wohlweislich habe ich diesen Text im Kommentarfeld von willsagen.de kopiert. Denn die Kommentarfunktion tut’s nicht und mein toller Ratschlag wäre weg gewesen. So poste ich ihn einfach hier :-D Aber so haben Blogs ja auch mal angefangen, als noch gar keine Kommentarfunktionen gab: Eine bloggt was und die andere antwortbloggt drauf.

Das Artikelbild habe ich drüben bei willsagen.de ausgeliehen und weiß leider nicht, welchem Photographen ich die Credits ankreiden kann.

Ein Flügel im Wohnzimmer

Ein Flügel im Wohnzimmer

Die kleine Piratin ist jedenfalls schwer begeistert. Wir sind gerade alle schwer vom Piano-Fieber gepackt.

Auch wenn in dem kleinen Flügeligen nur ein Xylophon steckt, macht das echt Spaß, das Dingen. Eigentlich fehlen jetzt nur noch Schröders Kuscheldecke und Snoopy.

Und: Wer kann schon von sich behaupten, einen Flügel im Kofferraum transportiert zu haben :)

Das erste Mal in der Oper – Le Comte Ory von Rossini

Das erste Mal in der Oper – Le Comte Ory von Rossini

Gerade erst im Klassische Musik für Einsteiger Vortrag gewesen, ZACK geht es schon in die erste Oper! Christoph Müller-Girod, der als Online Producer und Social Media Experte für das WDR Funkhausorchester am Start ist, las den Artikel und lud mich kurzerhand zur Opernvorstellung nach Dortmund ein.

Christoph bei der Arbeit

Eins kann ich Euch sagen: In einer Oper zu sitzen und quasi per Auftrag twittern zu dürfen ist schon eine bizarre aber entspannte Angelegenheit. Jedenfalls bis zur Pause – dann machen plötzlich alle zighundert Besucher ihre Telefone wieder an und das Netz ist schlagartig mit dem letzten Ton der Musik überlastet und weg.

Hammerbesetzung mit einem der besten Tenöre der Welt

Das WDR Funkorchester ist manchen vielleicht noch durch den Star Wars Flashmob von 2012 ein Begriff. Damals stellten sich die Musiker inkognito in die Kölner Fußgängerzone und spielten vor den verdutzten Passanten auf einmal den Star Wars Main Theme. DaDaDa Daa Daa Di Da Da Daa Daa :) Hier das Making-of von damals.

Die Aktion zeigt sehr schön die Berufung des Orchesters: Die 50 Musiker_innen  spielen Unterhaltungsmusik in einer Bandbreite, die europaweit einzigartig ist.

Mit dabei war auch der WDR Rundfunkchohr für die feine aber gleichzeitig druckvolle Gesangsunterstützung der Solisten. Wenn man noch nie einen Chor live gehört und dann auch noch mit einem solch erstklassigen Orchester gehört hat, dann zieht es einem erstmal die Schuhe aus.

Lawrence Brownlee und Jessica Pratt bei der Arbeit

Das Dortmunder Klangvokal Festival hatte zum Auftakt noch eine Schippe drauf gelegt und u.a. den als bester Sänger des Jahres ausgezeichneten Tenor Lawrence Brownlee aus den USA und die Sopranistin Jessica Pratt aus Australien auf die Bühne geholt.

Lässig: Während der einen Woche, die geprobt wurde, haben Dirigent Giacomo Sagripanti (übrigens 2016 als bester Nachwuchsdirigent ausgezeichnet) und Tenor Lawrence Brownlee erstmal mal ne Runde Tennis gespielt:

Hier mal eine Kostprobe von Jessica Pratt und Lawrence Brownlee, die ich durch mein Opernglas mit dem iPhone gefilmt habe:

Le Comte Ory – eine Spaßoper :)

Vorweg: Das ist so ein Stück, das einem mit tierisch viel Geschichte zwischen den Zeilen, die Ehrfurcht um die Ohren haut: Die Musik schrub Rossini zur Krönung König Karl X. für das Stück “Die Reise nach Reims”. Das wurde aber nur 3 Mal aufgeführt, dann von Rossini zurück gezogen und er machte “Der Graf Ory” draus. In der Konzerteinführung wurde gesagt, Le Comte Ory sei der Höhepunkt von Rossinis Schaffen gewesen.

Das Opernhaus Zürich hier erklärt das Stück in 12 Minuten sehr schön:

Was mir so durch den Kopf ging war, wie krass das vor 190 Jahren gewesen sein muss: Wenn man wusste, ich kann dieses Stück JETZT UND HIER EINMAL hören und danach vermutlich nie wieder. Selbst wer ein Grammophon zu Hause stehen hatte, konnte sich ja nicht jedes Stück ins Regal stellen. Geschweige denn vervielfältigen. So sehr die ganzen digitalen Entwicklungen von der CD zu MP3 und zum Streaming der Musikindustrie Kopfzerbrechen machen: Ohne das hätte ich den Zugang zu klassischer Musik vermutlich heute noch nicht gefunden.

Die Inhaltsangabe liest sich wie eine typische Verwechslungskomödie und Eis am Stiel  im Mittelalter der Kreuzzüge. Graf Ory muss scheinbar nicht in den Krieg ziehen und kann seine adelige Zeit statt dessen damit verbringen, hinter den (Stroh)-Witwen her zu sein.

So versucht er sich an die vermeintliche Witwe Adèle ranzuschmeißen. Erst als Eremit verkleidet, dann schleicht er sich mit seinen Ritter-Kumpels als Frauen verkleidet in Adeles Burg. Ziemlich plötzlich kommen dann die Kreuzritter doch innerhalb eines Tages wieder nach Hause. Orys Buddies haben den Weinkeller leer getrunken (gegen 20 Weinländer gleichzeitig gekämpft g), Ory gesteht der falschen Person seine Liebe (die eine Hosenrolle ist: Eine Frau in Männerkostüm) und dann hauen alle durch einen Geheimgang ab.

Nicht gerade die vielschichtigste Story, aber tatsächlich mit witzigen Stellen.

Allerdings habe ich irgendwann aufgehört, die deutsche Übersetzung mitzulesen, die per Beamer über die Bühne projiziert wurde und habe stattdessen einfach die Musik und die Akteure unten auf der Bühne genossen.

Bemerkenswert was für ein Tonhöhe und Lautstärke so Weltklasse Sopranistinnen und Tenöre erreichen können, ohne dass es einem unangenehm wird. Ganz im Gegenteil. Oper ist glaube ich wirklich etwas, das live nochmal viel emotionaler wirkt, als digital. Aber die schiere Lautstärke mit der die so einen RIESENSAAL mit Stimme füllen ist beeindruckend und das dann auch noch schön, virtuos und exakt hin zu bekommen, eine Hammerleistung.

Das Panorama kann nur andeuten, wie groß diese Halle ist!

Hier könnt ihr mal kurz in die Proben reinschauen und Lawrence und Jessica hören.

Meine Beobachtungen in der Oper

  • Die Menschen waren ziemlich sommerlich und entspannt gewandet. Keinen einzigen Frack gesehen
  • Die Smartphone- und Tablet-Dichte im Publikum war erstaunlich hoch
  • In der Pause: Pausenticket holen und dahin gehen, wo das Verhältnis von Gästen zu Bedienung 5:1 statt 250:1 ist
  • Opernsänger haben sichtlich Spaß an ihrer Arbeit
  • Vor einem Konzert gibt es einen Einführungsvortrag, in dem Komponist, Stück und Mitwirkende vorgestellt werden
  • Konzerteinführer gab mir den Newbie-Tipp: Einfach auf sich wirken lassen

Hier könnt Ihr mal einen kleinen Mitschnitt vom Ende des ersten Aktes auf Euch mit ordentlich Dampf auf Euch wirken lassen. Übrigens überrascht mich hier die Aufnahmequalität des iPhone 6s plus:

Aber wer ist denn eigentlich Rossini?

Ich hatte schonmal von den Opern Der Barbier von Sevilla und Othello gehört. Sonst brachte ich den Namen Rossini eher mit einem der besten Italiener hier in Bielefeld in Verbindung. Insgesamt hat Gioachino Rossini alleine 42 Opern geschrieben! Und seinen 225. Geburtstag hätte er dieses Jahr am 29.(!) Februar auch feiern können. Außerdem konnte er zu Lebenszeiten feiern, dass seine Mama ihn davor bewahrt hat, zum Gesangskastraten gemacht zu werden.

Neben seiner großen Produktivität ist mir vor allem eines aufgefallen: Sein Humor.

Kein Wunder, er schrob eine Menge komischer Opern. Aber viel witziger fand ich noch die Stücke, die er als “Alterssünden” bezeichnet hat bzw. vielmehr deren Titel:

  • Gefolterter Walzer
  • asthmatische Etüde
  • chromatischer Drehteller
  • Fehlgeburt einer PolkaMazurka

Bemerkenswert aber auch, dass er offenbar zu Lebzeiten einen solchen Eindruck hinterließ, dass Giuseppe Verdi persönlich die 12 bedeutendsten Komponisten Italiens zusammen trommelte um mit ihnen ein Requiem – die Messe per Rossini zu schreiben. Die aus merkwürdigen Gründen erst 1988 das erste Mal aufgeführt wurde und sich so anhört:

1000 Euro für ein Buch mit Noten?!

Natürlich hab ich mich vorher ein bisschen informiert, was es mit Rossini so auf sich hat. Dabei stieß ich auch auf ein Buch mit Noten zum Stück, das vom britischen Barenreiter Verlag raus gegeben wurde. Als ich den Preis sah, dachte ich erstmal an ein Komma, das 2 Stellen zu weit nach links gewandert war.

Über 1000 Euro für ein Buch mit Noten klingt nach – naja sagen wir mal VIEL!

Ein bisschen Licht ins Dunkel brachte eine Mitlesende auf Twitter, die mein gemostetes Bild der Originalnoten von 1828 kommentierte und mich auf einen Artikel der New York Times hinwies. Dort hab ich dann gelernt, dass fast 180 Jahre lang nicht die Original-Noten der Uraufführung im Umlauf gewesen sind, sondern eine vereinfachte Version für Provinztheater.

Die Originalversion wurde aufwändig restauriert und re-engineered. Und der Batzen Arbeit, der da drin steckt, spiegelt sich eben in einem 1.000 Euro Buch wieder. Wieder was dazu gelernt.

Für sowas liebe ich ja das Internet

Auf Twitter bin ich ja hemmungslos und hatte schon 2 Tage vor dem Konzert angefangen mit den Sängern und dem Dirigenten zu twittern, die sogar fleissig antworteten oder retweeteten :)

Außerdem: Hinter dem Konzerthaus Dortmund befindet sich die Polizei-Wache CITY. In dem Gebäude war früher eine Musikschule und dementsprechend haben die damals ihre Hauswand angemalt:

Mit den Noten eines Liedes.

Neugierig wie ich nunmal bin, wollte ich wissen, welches Stück das ist. Die Dortmunder Philharmoniker gaben den ersten Hinweis, dass es sich auf Grund des Notenschlüssels um ein Cello-Stück handeln muss. Die Musik und Kunstschule Bielefeld konnte dann auflösen:

Es ist das Cello-Konzert in C-Dr von Haydn 

Und das Logo-Tier des Konzerthaus Dortmund ist deswegen ein Nashorn, weil die Rhinos extrem gut hören können. Und Musik verleiht natürlich Flügel:

Doof geguckt, weil ich konzertant nicht kannte :)

Konzertant bedeutet eine nicht-szenische Aufführung.

Heißt: Keine Kostüme, kein Schauspiel, kein Bühnenbild.

Musik pur. Eigentlich geil. Nur guckt man erstmal doof aus der Wäsche wenn man die Orchesterbühne sieht und sich fragt: Ja aber wo spielen die denn gleich? :-D

Die Sänger konnten sich ein bisschen Schauspielern aber dennoch nicht verkneifen. Manchmal torkelten und rannten zwei Nebenrollen vor der Bühne her, dass ich dachte “Na? Zu spät aus der Pause gekommen und jetzt die Plätze nicht wieder finden?” und dann schäkerten sich Brownlee und die Damen auf der Bühne heftigst an, dass ich die Story doch irgendwie miterleben konnte.

Dank DFB-Pokal mit Hindernissen

Die Planung zur Anfahrt vorab war etwa schwierig. Dortmund hat Samstag den DFB-Pott in den Pott geholt. Das hieß auch: Sonntag ist Autocorso mit der Mannschaft durch die Innenstadt. Bei Kaiserwetter. Sowohl die Klangvokal Webseite als auch die Seite der Stadt Dortmund warnten vor Verkehrs- und vor allem Parkplatz Chaos.

Ich bin dann einfach mal losgefahren, habe eine Ausfahrt verpasst, wurde von hinten durch die kalte Küche über den Hafen nach Dortmund rein navigiert und landete direkt vorm Parkhaus des Konzerthaus Dortmund. Eigentlich perfekt, aber: Das Parkhaus macht erst 2 Stunden vor Beginn der Aufführung auf. Einerseits gut – so konnten die 200.000 oder mehr BVB Fans die Kulturparkplätze nicht besetzen ;) aber ich stand dann etwas über ne Stunde vor verschlossenem Tor und habe gewartet.

Aber:

Während des Wartens durfte ich bereits 5 Musiker des Orchesters kennen lernen, die in heller Aufregung nach Parkplätzen suchten, um pünktlich zur Probe zu kommen :) War auch nett. Als die Schranke dann endlich aufging hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben freie Platzwahl im Parkhaus. Immerhin. Im Konzerthaus waren die Plätze natürlich zugewiesen :)

Immerhin habe ich mir auch noch ein Steinway and Sons BVB-Andenken mit Autogrammen der Borussia-Spieler mitgenommen:

 

Ganz lieben Dank für das tolle erste Opern-Erlebnis!

Vorneweg Christoph für die Einladung.

Aber natürlich auch das WDR Funkhausorchester, das Klangvokal Festival, den WDR, das Konzerthaus Dortmund, Lawrence, Jessica, Giacomo, alle anderen Mitwirkenden und den BVB, dass das Chaos in der Stadt doch nicht so riesig war wie angekündigt :)

Ach so und wenn Ihr Euch die gesamte Oper mal geben möchtet: Bei YouTube gibt’s ja alles. Auch mir Kostümen:

unbeschreibliches Gefühl 

wenn nach 3 1/2 Wochen der ersten Kinder-Familiy-Erkältung sich so ein leichtes Gefühl des wieder besser gehens breit macht.

Die Watte im Kopf weicht 

Die Nase wieder freier wird

Und so langsam Kraft in den Körper zurück kehrt

AAAAAAH was is das? Die nächste Bazillenschleuder macht sich bereit und die Mama hat’s erwischt. Na das kann ja Eiter werden.

UX beim Sonos Boxen einrichten

UX beim Sonos Boxen einrichten

Ein Kumpel fragte neulich, wie er am besten in diversen Räumen Musik verteilen könnte. Im Sinne von: In allen Räumen soll das gleiche gespielt werden. Musik vom iPhone / iPad, Web-Radio, Amazon Music unlimited.

Ausnahmsweise bin ich was HiFi angeht ja momentan schwer im Bastelmodus unterwegs und probiere verschiedenste Höreröebnisse aus. Das ist aber mit einigem an Eigeninitiative und experimentieren verbunden. Er wollte eine einfache auspacken, aufstellen, genießen Lösung.

Also hab ich ihm Sonos empfohlen. Das letzte Mal, dass ich die Teile gehört hatte ist zwar schon etwas her, aber für eine solide Multi-Room-Beschallung ohne HiFi fand ich die vor gut 4 Jahren schon recht bringbar.

Gestern kamen die Teile dann an und ich kriegte ne iMessage mit “Alter! Komm vorbei! Ich warte noch mit der letzten Box. Die EINRICHTUNG musst Du erleben! Das ist der Hammer”.

Ok.

Ich sag mal so: Meine Erwartungshaltung auf Trab zu bringen ist grundsätzlich schon nicht schwer, aber nach der Aufforderung ist sie aus dem Stand im gestreckten Galopp gelandet.

Aber was soll ich sagen: Das Auspack-Erlebnis an sich ist schon ganz nett. Die Boxen sind schön ansprechend verpackt. Das erinnert schon beinahe ans iPhone auspacken. Wir mussten kurz überlegen, wo im Esszimmer die Sonos 1 gut hinpassen würde. Als dann ein sinnvoller Platz gefunden, die Sonos eingeschaltet und die App gestartet war, meinte mein Kumpel nur:

“Und jetzt kommt das Geilste! Jetzt scannt sie den Raum”

Dann erzeugt die Box einen unglaublich spacigen BEam-Photonen-Torpedo-Sound und Nutzer rennt mit seinem iOS Device durch den Raum. Das Prinzip dahinter ist: Der Sound wird vom iPhone-Mikro aufgenommen und analysiert und passend dazu werden die Feineinstellungen der Box vorgenommen.

Ungefähr so hört sich das an und sieht das aus:

Ich habe bisher noch nicht gefunden, wie das tatsächlich funktioniert. Vor allem: Was die Box an sich selber tuned. Aber es macht Spaß :) Klingen tun die kleinen Brüllwürfel auch so sehr OK.

Wenn Rick Rubin das Sonos Tuning in seiner Hütte macht, sieht das irgendwie nochmal lässiger aus :)