Ich bin wohl der verhassteste RoadtripDJ

Ich brauche keine Fahrmusik. Ich will beim Fahren entweder meine Ruhe, oder was erzählt kriegen. Meinetwegen vom Beifahrer. Oder vom Podcaster meines Vertrauens oderzur Not auch von einem Laber-Radiosender wie Deutschlandfunk oder WDR-5. Ich liebe es im Auto zu sitzen und mir ein 42 stündiges Hörbuch wie REAMDE von Neal Stephenson reinzuziehen und auch nach 8 Stunden Fahrt noch ne Extrarunde um den Block zu drehen, nur um das Kapitel zu Ende zu hören.

Gerade im Ausland liebe ich es durch die Radiosender zu zappen. Mal ganz andere Musik zu hören. Oder auch ganz andere Sprachen. In Namibia zum Beispiel gab es einen Sender, auf dem die Moderatoren eine ganz seltsame Klicksprache gesprochen haben. Total abgefahren, da zuzuhören. Einen Sender weiter gab es dann ein Deutschsprachiges Quiz und ein Grünkohlessen in Windhoek zu gewinnen.

Ok, ich gestehe, dass ich schonmal begeistert mit einem smart eDrive durch Brooklyn gefahren bin und 1live gehört habe. Weil es so unwirklich war. Das war aber auch das einzige Mal, dass ich so richtig begeistert 1Live gehört habe ;)

Mittlerweile ertappe ich mich immer häufiger dabei, auf Klassik-Sendern hängen zu bleiben und richtig zuzuhören. Nicht nur im Auto. Auch zu Hause. Vielleicht ist es einfach nur das Alter. Vielleicht aber auch, weil mir mittlerweile immer häufiger auffällt, das die meiste Musik – zumindest im Radio – einfach nur noch Marketing-Schrott ist, der nach Schema-WirMüssenVielenDeppenGefallen-F zusammen gedroschen wird.

Aber:
Ich brauche einen Song zum ankommen. Nach mittlerweile einigen Roadtrips und abgefahrenen Reisen habe ich einen Song immer bei mir, den ich hören kann, wenn es dem Ende der Fahrt zugeht. Der alles zusammenfasst, was mir in solchen Momenten durch den Kopf geht.

Dieser Song ist seit ORI10K für meine Süße und mich Anders als gedacht von Kettcar.

Nur noch der Berg
Dann ist es geschafft
und dann und dann
freie Sicht auf das Meer.

Der einzige, der Kettcar mittlerweile hin und wieder ablösen kann ist Warren Zevon. Aber da fliegt einem immer was ins Auge ;)

Don’t let us get sick.
Don’t let us get old.
Don’t let us get stupid alright?
Just make us be brave
and make us play nice
and let us be together tonight.

und hier geht es zu den anderen Roadtrip-DJanes und DJs

Bei Heike gehts um Eddie Vedder und sein Album

Johannes Klaus  

Stefan Eschert 

Mikhail  hat bunt gemischt und ne Spotfiy-Playlist gebastelt:

Tom fährt mit Chris Rea ins Weihnachtswochenende

Jan hat persönliche Klassikergeheimtipps 

Mario mixt wüst rum

Thomas is in Trance 

Lisa hat echt aus jedem Dorf nen Hund ;)

Jens schult auf WDR4 DJ um, wenns mit dem Bloggen mal nix mehr is ;)

Thomas (Gigold) – Wilde Mischung

// Update – diese Reiseblogger hier, haben uns auch von ihren Lieblingsmusiken erzählt:

Nina von Smaracuja 80ies und Indie
Johannes Klaus von den Reisedepeschen
Angelika von den Reisefreunden hat gemeinsam mit ihren Facebook Fans eine lange Klassikerliste gebaut
Susi von Black Dots White Spots wieder 80ies direkt und dann Metalcore.
Yvonne von Just Tavelous die 3 musikalischen Roadtrip Phase
Stefan von Kaffeeersatz Rendezvous für das Gemüt
Lea von Escape Town Lala für leere Serpentinen
Christine von Lilies Diary Lieblingssongmixstick

Reiseberichtserwartungshaltung und Diaabend 2.0

Ein Gespräch beim Frühstück deutete eben auf eine interessante Erwartungshaltung hin, die sich mittlerweile bei den Daheimgebliebenen von Reisenden entwickelt hat:

  • Schreib mal längere Berichte
  • Meld Dich im Facebook Chat
  • Schick mal ne Powerpoint mit Bildern
  • “Hast Du die Videos schon hochgeladen?”
  • Ruf mal jeden Tag per Skype an
  • Wenn ich nach Seidenstrasse google finde ich Dich gar nicht

Liebe anspruchsvolle Verwandten und Freunde aller noch lieberen Reisenden da draußen, darf ich Euch mal eben ins Gedächtnis rufen, wie das in der guten alten Zeit – vor nichmal 5 jahren also lief?:

  1. Postkarte aus dem Urlaub schicken “Wetter super, Essen gut, Unterkunft so lala. Haben trotzdfem Spaß. Grüße nach zu Hause hin, bis bald”
  2. Einmal in 3 Wochen aus Pflichtgefühl und Telefonzelle zu Hause anrufen und hören wie es dort so geht
  3. Zwei Wochen nach der Reise waren die Dias entwickelt
  4. Drei Monate nach der Reise hatte man einen Termin für einen gemeinsamen Diaabend gefunden
  5. Nach dem Diaabend kam auch die Postkarte an

Also schraubt mal Eure Erwartungen zu Hause an Eure lieben Reisenden ein bisschen zurück.

.oO(Ich übererfülle meine Pflicht auch nur darum, weil ich meinen Job so gewissen haft mache ;))Oo.

Mir fehlen die Worte – Я втратив дар мови

Und sogar die Buchstaben. Die letzten Wochen habe ich immer mal wieder eine der vielen Apps auf meinem Telefon bemüht, die mir russisch beibringen sollte. Ich mochte russisch schon immer. Sowohl den Klang, als auch den Gedanken an das Land bzw. seine Länder, wenn man mal an Russland als die Sowjetunion denkt, mit der ich als Kind aufgewachsen bin.

Das da oben in der Überschrift ist nicht mal russich. Hat das jemand bemerkt? Я втратив дар мови ist ukrainisch und heißt “Mir fehlen die Worte”. Ist auch in kyrillisch geschrieben und die Translate-Tante von Google sagt es spricht sich: YA vtratyv dar movy

Russisch sieht so aus: Я лишился дара речи
Uns spricht sich so: YA lishilsya dara rechi

von YA und dara mal abgesehen ein ganz schöner Unterschied. Beide Sprachen klingen in meinen Ohren aber SOWAS von gleich, da macht Ihr Euch kein Bild von. Ich habe auch keine Ahnung, wie die Sprachen vergleichbar sind. Also so wie spanisch, portugiesisch, italienisch, französisch. Ich nehme es aber mal an.

Ich kann ein bisschen spanisch und ein bisschen französisch. Und ich habe Hände und Füße. Damit bin ich bisher durch ganz Europa gekommen und konnte mich immer ganz gut verständigen und sogar ein bisschen unterhalten.

Hier geht nix.Ich habe sogar das ungute Gefühl, meine Hände und Füße reden hier an den Extremitäten meiner Gegenüber oft vorbei.

Und ich ärgere mich über mich selbst, dass ich mich nicht etwas mehr diszipliniert habe und einige Monate vorher mit dem Lernen der Sprache angefangen habe (in diesem russisch, weil man damit wohl am weitesten kommt. Verstehen die meistne hier in der Ukraine).

Wie huchmütig von mir zu denken, ich könnte mich hier in einem völlig anderen Kulturkreis halbwegs verständigen, nur weil das bisher ja auch immer geklappt hat. Das passiert mir nicht nochmal. Aber wenn man aus Fehlern lernen kann: Um so besser.

Ich werde die nächsten Tage weiter ukrainisches und russisches Radio hören und hoffen, außer REKLAMA! noch etwas anderes zu verstehen und das Gefühl des Fremdseins loszuwerden, das sich unweigerlich einstellt, wenn Du kein gesprochenes Wort mehr verstehst, aber auch kein geschriebenes. Wenn Du nicht mal mehr die Schilder lesen oder dir grundsätzliches zusammen reimen kannst.

Da fängt das Abenteuer dann auch für den Kopf an.

 

Wir sind unterwegs im Range Rover Evoque Prototypen

Für mich ist es ja ein “Ewok” ohne Pelz. Die Frage ist, ob ein Defender dann mit Chewbacca vergleichbar wäre. :)

Als ich damals das Interview mit Exterieur Designer Jeremy Waterman zur Einführung des Evoque und das Auto zum ersten Mal sah, zerstreuten sich meine Befürchtungen größtenteils, der Evoque wäre ein Mädchen-SUV :) Hey, die Sorge war berechtigt, wenn Shopping Queen Victoria Beckham mit designt hat! Aber Sie hat offenbar einen verdammt guten Job gemacht. Das Auto ist chic geworden. Kann sich sowohl außen wie innen sehen lassen und nach den ersten 600 Kilometern kann ich schonmal aus eigener Erfahrung sagen:

Prima Reiseauto.

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170.000 Kunden haben seit Einführung in das Regal gegriffen, bei dem Abenteuer-SUV auf dem Etikett steht.

Keine Ahnung, ob und wie viele Leute jemals in Situationen mit dem Auto kommen, in denen sie die Offroad-Stärken wirklich ausspielen werden. Ich konnte gestern zumindest schonmal ein paar hundert Meter Feldweg lang heizen und das Auto zum Fotoshooting über den Strand fahren. Und dabei musste ich nichtmal eines der 4 Geländeprogramme auswählen. Das ging auch noch easy im Straßenmodus.

Lief wie’n Länderspiel. 190 Ponies aus 2,2 Litern Turbodiesel (klar – mit Shell V-Power betankt *g*) haben den Ewok über den Schwarzmeer Kies-Strand geschochoben, als wäre ich auf einem festen Schotterplatz unterwegs.

Einer der Tour-Teilnehmer nannte als sein Offroad-Motto “Don’t try to follow me, you won’t make it.” Treffender kann man es nicht ausdrücken ;)

Unser Auto hat die neue 9-Gang Automatik von ZF verbaut, durch die ordentlich Sprit gespart wird. Wir vergleichen unsere Verbrauchswert über Funk zwischendurch mit den anderen Teams und unser Auto liegt immer so um die 6,7-6,9 Liter Verbrauch, wo die anderen mit dem bisherigen Getriebe um die 7,4-7,6 unterwegs sind.

Eine anderere Verbauchs-Sparmaßnahme ist “Active Driveline”. Das System sorgt dafür, dass bei normaler Fahrt über 35 km/h der Antrieb der Hinterräder abgeschaltet wird. Kommt man dann doch auf eine Schotterpiste oder im Winter bsw. plötzlich auf eine verschneite Straße, schaltet sich der Heckantrieb innerhalb von 300 Millisekunden wieder zu und Du bist wieder mit nem Allradler unterwegs.

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Die Umbauten am Evoque für die Tour

Das Auto ist weitestgehend serienmäßig unterwegs. Die Geländetauglichkeit bringt der Engländer mit. Für die Seidenstrasse Tour wurden nur Kleinigkeiten angebaut:

  • Unterfahrschutz um bei Aufsetzern zu schützen
  • Schutzgitter im Kofferraum
  • 4 Xenon Zusatzscheinwerfer von Hella oben am
  • Dachgepäckträger
  • Continental Bereifung Crosscontact AT
  • Spannungswandler für 220V
  • Funk- und WLAN Antennen

Das Auto so wie wir es fahren ist wie gesagt mit der 9-Gang Automatik noch ein Prototyp also quasi unbezahlbar ;). Das Auto der Tour-Teilnehmer kostet in der Ausstattung wie die Autos hier unterwegs sind 39.100€

MacBook pro Halter

Die wohl geekigste “Sonderausstattung” kommt serienmäßig:

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Was der rote Button (auf den ich heute fast versehentlich bei einer Bodenwelle gehauen hätte) zu sagen hat, hat Lena von newcarz hier drüben erklärt.

Ein bisschen traurig macht mich jetzt schon, dass unser teilweise von Hand gebaute Auto nach der Tour noch einmal untersucht und ausgewertet, dann aber verschrottet wird :-( Ich werde ja durchaus leicht emotional bei Maschinen ;) Hey Landrover, wenn in Eurer Presse kein Platz mehr sein sollte – bei mir auf dem Hof ist noch ein bisschen frei!

Sevastopol Etappe – Honigwaben, Skyporn, Zebras, Unfall-Ladas und Freiluftsupermärkte am Meer #LRET

Muss mich kurz fassen heute. Gestern 13 Stunden gefahren. Gleich müsste mein Koffer ankommen. YAY! Ein paar Geistesblitze und Bilder von gestern. Gleich geht es zur Schwarzmeer-Flotte, Stadttour durch Sevastopol und dann auf den Weg nach Jalta.

Der wunderbare gestrige Tag im Schnelldurchlauf:

Kalauer des Tages:
Ich spring gleich in den Sevastopool.

Weisheit des Tages:
ist ukrainischer Bulle vor Dir mit Blitze,
machst Du besser keine Witze

Erkenntnis des Tages: 
Radio in der Ukraine lässt mich den Eurovision Songtest mit ganz anderen Augen sehen.

Wetter des Tages:
Es kann kalt UND schwül gleichzeitig sein

Verkehrstip des Tages:
Einfach mal nen Zebrastreifen auf ne AUTOBAHN bauen!

Geruchssensation des Tages:
Überall riehct es nach Feuer oder DIesel
Olfaktorisches Mittelalter ;)

Fußball-Erkenntnis:
Das Stadion von Sevastopol muss vom gleichen Architekten gebaut worden sein, wie die Bielefelder Alm

Bilder des Tages

Schnell, schnell zu Shell!

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Männer die auf NICHTS starren. Gibt es hier überall. Nicht nur Männer. Menschen stehen entspannt an Straßenecken und Tagträumen.

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Wir konnten einem Lada Fahrer helfen, seine Karre aus dem Graben zu ziehen, die wohl “als er pinkeln musste, abgerutscht ist”

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Bizarrster Moment: Zebra hat uns an der Ampel zu gewinkt

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Unser Spritspar-Rekord bisher: 6,6l Diesel auf 100km mit dem Evoque

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Die glückliche Gewinnerin einer Wabe Honig :-D

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Eindrucksvolle und denkwürdige Denkmäler :)

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Das Meer, das Meer

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Ukrainisches Hochzeitspaar

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Der Range Rover Evoque hat einen kostenlosen MacBook Pro Halter

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Unser Fotograf Craig in Action

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Honiglaster

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Neues Wort gelernt: Skyporn

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Supermärkte an der Straße – in jeder Größe und mit allem was das Herz so begehrt: Gemüse, Fisch, Honig.

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Odessa – meine Perle! – Photostadtrundgang

Odessa. Meine Traumstadt. Zusammen mit Baltimore ist sie nach meinem Empfinden für schöne Städtenamen auf Platz 1 ;) Ich glaube auch der Film “Die Akte Odessa” hat zu meiner Faszination für die Stadt beigetragen. Hier wollte ich immer mal hin und was soll ich sagen: Meine durchaus hohen Erwarten wurden kein bisschen enttäuscht.

Odessa ist sehr europäisch, eine typische Urlaubs- und Hafenstadt. Natürlich mit etwas Industrie- und Militär-Flair dabei. Mich erinnert sie ein bisschen an Marseille.

Die Ukrainer nennen sie “Die Perle am Schwarzen Meer”. Kein Wunder, Katharina die Große hat laut Wikitravel 1794 selbst dafür gesorgt, dass die Stadt aus dem Boden gestampft und die schönste Hafenstadt der Welt werden sollte. Da kann man schonmal den einen oder anderen Eimer Muschelkalk an die Fassaden kippen.

Sie schickte zwei französische Generäle los, die am schwarzen Meer den perfekten Platz für eine Hafenstadt finden sollten. Das ist an der Stelle wo zuvor eine türkische “Fortifikation” lage wohl durchaus gelungen, allerdings stand in dem Schreiben etwas davon, dass sie viel Wasser haben, dieses sei aber schwer, salzig und nicht trinkbar.
Auf französisch “Assez d’eau” – genug Wasser
Katharina las das rückwärts und machte Odessa draus.
Das ist die eine Legende, wie die Stadt zu ihrem Namen kam.

Katharina die Große in Odessa

Die Katharina hier ist ECHT groß in Odessa ;)

Die andere (weniger romantischere, aber wahrscheinlichere) ist, dass die Griechen hier eine Siedlung namens Odessus hatten. Direkt vor unserem Hotel liegt sogar eine Ausgrabungsstätte, die Funde von 500 v.Chr. bis 500 n.Chr. enthält.

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Im Moment haben wir hier Mittelmeer mäßiges Wetter. Herrlich auszuhalten. Im Gegensatz zu Marseille, San Remo oder Barcelona wird es hier im Winter aber auch gerne mal -15° und der Hafen ist dann immer noch in Betrieb.

Außerdem habe ich heute festgestellt, dass mir russische Hochkultur bisher weitestgehend entgangen ist. Tolstoi und Dostowjeski ok. Tschaikowski kenn ich auch noch. Aber von Puschkin (der vom Franzosen Anthès im Duell erschossen wurde) hatte ich bisher nur im Vodka-Regal des Supermarkts gehört. Dabei scheint die Geschichte die ihn mit dem Garf Woronzow hier in Odessa verband richtig spanned zu sein.

Die Potemkinschen Treppen mit Ihren 200 Stufen sind wohl echten Cineasten auch ein Begriff aus dem Film Panzerkreuzer Potemkin durch dies Szene, die als Meilenstein der Regisseurskunst gilt:

Witzig ist, dass es teilweise Straßenzüge gibt, wo die eine Straßenseite deutlichst aus dem 19. Jahrhunder stammt und auf der anderen Straßenseite sieht es eher nach Stalin und post-WW 2 aus.

Die Odessiten sind jedenfalls (zurecht) sehr stolz auf ihre Stadt. Die Lebenshaltungskosten sind – typisch für ein Touristikzentrum – höher als sonst in der Ukraine. Das Durchschnittsgehalt liegt zwischen 300 und 400 EUR.

Das iPhone 5 color wird trotzdem schon beworben und wird wohl rund 830 EUR kosten. Das iPhone 5 gab es für rund 600.

 

Ich finde die Stadt bisher unglaublich interessant. Schade, dass wir nur 1 Tag bleiben. Odessa ist absolut ne Reise wert.

Eben beim Essen erzählten mir die offiziellen Teilnehmer der LRET noch von der Tour durch die Katakomben, die sie gemacht haben. In den Stollen aus denen der Muschelkalk für die Häuser aus Zeiten Katharina der Großen stammt, haben sich im zweiten Weltkrieg die Partisanen versteckt, die gegen die Nazis gekämpft haben. SEHR spannende Geschichte, die ich mal nachlesen muss, wenn ich wieder daheim bin.

Außerdem erfuhr ich, dass es in diesem Teil des schwarzen Meeres vor 20 Jahren keine Fische mehr gab. Wegen Militär und Industrieabfällen, die eingeleitet wurden. Mittlerweile kommt der Fischbestand wieder in die Hufe und auch Baden soll wohl an den Stränden etwas außerhalb von Odessa (wo alles Hafengebiet ist) wieder drin sein.

Ein paar Eindrücke:

Die Spritversorgung auf der #LRET ist gesichert :)

Die Kanister sind nicht nur zur Zierde da, sondern werden tatsächlch gebraucht. Gestern hat es wohl schon einige Haltegurte erwischt, die sich durchgescheuert haben und dann gerissen sind, da die Gepäckträger einen neuen Aufbau haben und so Scheuerstellen muss man dann eben rausfinden. Jetzt ist ne extra Lage Gummi unter den SpaGus und nu werden die wohl halten.

Und damit jeder weiß wo der gut V-Power Diesel auch reinkommt:

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Angekommen. Tag 0.5 der Land Rover Experience Tour an die Seidenstrasse #LRET

Und ich dachte noch so: Nehme ich meine Tasche mit ins Handgepäck? Und dann so: Nee, geht ja nicht wegen Taschenmesser und Zeckenzange. Hätte ich den scharfkantigen Plunder mal zu Hause gelassen. Dann hätte ich jetzt auch meine Klamotten da :) Der Anschlussflug in Wien war echt knapp. Wir haben es grade noch so gepackt, das Gepcäh nich.

Und dabei dachte ich eben am Gepäckband in Odessa noch: “Och schaue! Der Drogen Cockerspaniel hat meine Tasche gefunden! Kann ich die jetzt schon anpacken oder werde ich dann verhaftet?” Dann habe ich gemerkt, dass die Reisetasche aus dem Bonuspunkteprogramm einer nicht näher erwähnten Weißnichtwas-Kette wohl sehr verbreitet sein muss. Denn jemand anders schnappte sich dann seine Tasche ohne vom Spürhund angefallen zu werden.

Trotzdem wünsche ich mir in solchen Situationen natürlich russisch zu können. Oder ukrainisch. Was nochmal was anderes ist. Aber die Dame vom Lost&Found war sehr nett und geduldig mit uns 3 gestrandeten ;) Nachdem wir ihr erklären konnten, dass draußen jemand mit Landessprachenkenntnissen wartet, ist sie mit uns raus, wir haben die Zollformulare klar gemacht und sind dann zum Büro der Ukrainian International den Verlust aufgeben.

Dank unseres Land Rover Guides Dimi wurde das Gepäck in Wien schon gefunden und wird morgen (hoffentlich) zu unserem nächsten Hotel in Sevastopol gebracht. Das ist hier nämlich alles andere als selbstverständlich. Normalerweise müssten wir kucken, wie wir es aus Odessa weg bekommen. Aber der nöchste Flieger kommt morgen erst um 14 Uhr dann. Dann haben wir schon die halbe Strecke nach Sevastopol hinter uns.

Das Abenteuer geht direkt am Flughafen los :-D Und alles gut soweit.

Nachdem das das dritte Mal ist, das mein Gepäck wegkommt, habe ich gestern wenigstens frische Unterhosen und nen Hemd in das Handgepäck gestopft, damit ich nicht alles voll miefe :)

Außerdem habe ich gelernt, dass auf einem Flug bei Ukrainian International mehr mit Geschirr geschmissen wird, als auf ner griecvhischen Hochzeit :-D

Was der Name Odessa mit Griechenland zu tun hat, erzähle ich später.

Ach ja:
Gibt es eigentlich so was wie Esperanto für Hände und Füße? Ernsthaft jetzt. So eine allgemeingültige, verklausulierte Zeichensprache, psychologisch fundiert, die auf empathie beruht?
Wenn die Frage jetzt so gar keinen Sinn macht, dann ist das auf mein allgemeines Durch- und In-Eile-sein zurück zu führen.

Jetzt gehts erstmal auf nen kleinen Stadtrundgang.

Bis später.

Dosvidanje

Die harten Vorbereitungen zur Land Rover Experience Seidenstraße Tour

Es geht los! Die Land Rover Experience Seidenstraße Tour ist Montag in Berlin Richtung Mumbai gestartet und heute Nachmittag werde ich dazustoßen. YAY!

Die ganze Seidenstraße erfahre ich nicht mit den Shell V-Power betankten Range Rover Evoques. So. Den Werbeblock gleich zu Anfang abgefrühstückt ;) Muss aber auch sein. Shell hat mich eingeladen, die Etappe Odessa – Astrakhan zu begleiten und da sage ich natürlich nicht nein. Warum ich damit auch gleich noch einen Punkt auf meiner “Einmal im Leben machen müssen”-Liste abhaken kann erkläre ich später.

Shell V-Power Diesel in die Land Rover tanken

Shell V-Power Diesel in die Land Rover tanken

Vorbereitet auf die Tour habe ich mich bereits schon im Frühjahr. Ihr erinnert Euch?

DAS Land Rover Experience Camp.

Survival-Training und Auswahl der echten Teilnehmer der Seidenstraße-Tour nach Land Rover Art. Damals war ich schon hin und weg, zu was die Autos in der Lage sind. Wenn Du das erste mal ein 110% Gefälle runter bzw hoch gefahren bist, die Du zu Fuß nicht mal ansatzweise in Angriff nehmen würdest, kriegst Du echt Respekt vor diesen Kisten ;)

Dazu kam in den letzten Wochen ein kleiner Impfmarathon. Der nur deshalb etwas weniger anstrengend ausfiel, weil es derzeit eine skandalöse Verknappung von Tollwut und Typhus Impfstoffen durch die Hersteller gibt. Naja ich werde mich entgegen meiner Natur von streunenden Viehchern fernhalten und mich strikt an “Peel it, Boil it or forget” halten was die Nahrungsaufnahme angeht. Schälen, kochen oder vergessen. Schade. Salate fallen also wohl raus, die nächste Woche. Dann halt mehr Fleisch ;)

Damals beim Camp wurden die Gewinnerteams bestimmt, die jeweils für mehrere Wochen mitfahren dürfen. Ich war auch dort mehr als Beobachter dabei und versuchte nach besten Kräften mit zu helfen, aber im Zweifel doch möglichst wenig im Weg rumzustehen, wenn es für die teilnehmer ums Ganze ging.

Wenn es danach geht, womit wir dort im Kies-Hügelland bei Wülfrath auf die Probe gestellt wurden, bin ich echt schwerstens gespannt, was mich auf der Tour erwarten wird. Hölle war das anstrengend.

Zur Erinnerung:
Freitag gab es eine kleine Vorstellung der Tour, eine Einführung in die verschiedenen Bereifungen und richtige Reifenpflege durch Continental und eine kurze Erste Hilfe Auffrischung. Beruhigende Randinfo: Bisher ist in über 15 Jahren Land Rover Experience Touren noch nie etwas passiert. Gebraucht wurden die Erste-Hilfe Kenntnisse und Ausrüstung dennoch des öfteren, wenn Ersthilfe bei Einhimischen in den durchreisten Ländern geleistet werden musste.

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Gefolgt von einem Crash-Kurs Navigation. Besonders schön, wenn in Deiner Gruppe sich jemand auf die Frage “Ist hier jemand Segler, oder Pilot?” meldet und Du auf die Frage “Was fliegstn so?” als Antwort “seit 20 Jahren Transall” zu hören kriegst :) Ich wusste gar nicht, wie schnell man Karten lesen kann. In UNTERSCHIEDLICHEN Maß- und Navigations-Einheiten.

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Nach einem abschließenden Technikworkshop, was so abends an den Autos alles getan, gereinigt und geprüft werden sollte, ging es nach nem kleinen Barbecue in die Falle. Um 22.30 wurden wir damals dann wieder aus den Zelten in den strömenden Regen gescheucht:

Überraschungsetappe – Orientierungsfahrt durch die Nacht

Lager abbauen, Sachen packen, mit einem GPS bewaffnet über das Gelände streifen und ein Auto suchen und dann ab auf eine Nachtetappe.

Ganz. Großes. Kino. Ich war ja nicht beim Bund. Also habe ich auch keine Maneuver oder Übungen mitgemacht. Und auch wenn das hier für echte Bundis wohl eher ein putziges Zeltlager mit Offroad-Fahren war, hat es mich schon meinen Grenzen näher gebracht.

Wir waren daraufhin bis morgens um 5.30 unterwegs, ich habe irgendwann komplett verpennt, dass wir mittlerweile an einem Urlaubs-See in Holland angekommen waren und tatsächlich auch noch als erstes Team. Wer hätte DAS gedacht.

Nach wenigen Stunden Schlaf ging es dann zum deutlich spannenderen 2. Tag über. Aufgaben, Aufgaben, Aufgaben wollten gemeistert werden. In für diesen tag festen teams, die gegeneinander antraten.

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Wir waren die Nummer 17 (und 4WD), die beiden Mädels aus meinem Team rechneten sich recht wenig Chancen auf den Sieg aus und waren daher Fleisch gewordene “Dabei sein ist alles” Einstellung und “Hauptsache, wir haben Spaß”. Oh boy und den hatten wir:
Kanurennen gegen die Uhr, 18m freier Fall aus Bäumen springen. 2,5km Orientierungslauf mit GPS im Wald und Geschicklichkeitsfahrten durch den Steinbruch, Mountainbiken durch die Hügel und Gleichmäßigkeitsfahrt mit dem Defender.

Mein persönliches Highlight: Eine Brücke aus 4 Baumstämmen bauen

Und über die wir einen Range Rover Evoque ziehen konnten. Pionierheldenmäßig :)
Nach Aussage des Betreuers der Aufgabe lag der Rekord für die Nummer bei knapp 7 Minuten. Alleine. Also ein Typ alleine! War wohl ein BW-Einzelkämpfer, der sich mal eben die Bäume geschultert hat oder so.
Wir standen bei der Aufgabe vor einem ganz anderen Problem: Theoretiker und Praktiker trafen aufeinander :)
Zu Beginn der Aufgabe rannte ein teilnehmer wuselig über das Gelände kuckte hier, vermaß mit der inneren Schieblehre dort und meinte irgendwann “Ich bin Ingenieur, ich mach das schon.” Nach einigen Minuten wertvoll verstricherner zeit kristallisierte sich noch jemand mit recht ruhigen und leisen Kommandos heraus, der mir hier und da Tips gab, was zu machen sei.
“Was machst Du denn eigentlich, dass Du Dich damit _auch_ auskennst?” kam die Frage vom Dipl.ing.
“Bin Förster.” war die knappe Antwort, nach der die Aufgabenverteilung sich abrupt verschobt und sich das Problemlösungstempo deutlich beschleunigte :)

ich kann nur sagen: Ein spektakuläres Gefühl, so ein Hindernis mit eigenen Händen aus der Welt geschafft zu haben. Auch wenn ich unserem Team-Förster mehr oder weniger nur bei ein paar Handgriffen helfen konnte.

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Offroad fahren ist eine Welt für sich. Hätte ich in der Form so NIE gedacht. Zwar durfte ich auch schon das ein oder andere Auto durhc unwegsames Gelände bewegen. Das waren dann aber immer so geführte Spaßtouren ohne Lerneffekt, die nur zeigen sollten, was das Auto kann.

LRD ist die Formel: Look – Risk assess – Drive

  • Also: Hindernis sichten. Einfahrt, Durchfahrt und Ausfahrt
  • Risiko bewerten für Umwelt, Fahrzeug und Personen
  • Fahren: Wie fährt man? Was kann passieren und vorher Notfallprozeduren festlegen.

Auf dem Land Rover Gelände weiß man, was die Autos können. Hier geht es darum, dem Fahrer etwas zu vermitteln:

Steigung rauffahren? Klar. Nie in der Steigung langsamer werden oder anhalten.
Aber auch: Im Zweifel aussteigen, Beifahrer hochkraxeln und kucken lassen, wie es oben weiter geht.

Durch eine Wasserfuhrt und mit Wasser voll gelaufene Spurrillen fahren?
Aussteigen. Hingehen. Mit nem Stock prüfen wie tief die Mumpe überhaupt ist. Liegen spitze Steine im Wasser? Kann alles passieren, wenn seit Monaten niemand diese Strecke gefahren ist.

Hänge herunter fahren mit Felsen und Wurzeln, die in den Weg ragen und Verschränkungen erzeugen. Aussteigen. Terrain sondieren, einen Plan überlegen wie man da durchfahren möchte statt blind irgendwo reinzurauschen, wo man uU nicht mehr raus kommt. Die Dummheit des Fahrers kann auch das beste Auto in auswegsame Situationen bugsieren.

Aussteigen und schauen ist also das A und O. AUCH wenn viele der Autos mittlerweile schon Kameras in der Nase haben, die über steile Abhänge schielen können:

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Unser Team 17 (und 4WD)

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Der Abend war dann eine erste Einstimmung auf das exotische Ziel der Reise: Mumbai.

Mit indischem Tanz, Gesang und einem der leckersten indischen Essen, die ich je gegessen habe konnten wir den Abend dann auch mit der Gewissheit ins Zelt schlafen gehen, halbwegs durchpennen zu können ;) Hey: Es gab Bier. Wenn es Bier gibt, ist es save :-D

Am Morgen des dritten Camp-Tages ging es dann nochmal ordentlich rund. Wir wurden in eine gestellte Unfallsituation versetzt und mussten die aufgefrischten Erste-Hilfe-Kenntnisse vom ersten Tag in die Tat umsetzen. Ich bin ehrlich froh, dass ich eines der Unfallopfer spielen durfte: Latent aggressiv und unter Schock und mit Fluchtgefahrt ;) Meine Teamkollegen haben aber alle “Opfer” top versorgt.
Und ich kann nur verdammt nochmla jedem raten, seinen Ersthelferkurs aufzufrischen. Das ist so veradmmt wichtig. Vor allem das “machen”. Die Handgriffe für stabile Seitenlage, ANlegen der Halsmanschette, Menschen mit dem Rettungsgriff aus dem Auto ziehen und und und. Alles kein Hexenwerk. Man muss es nur hin und wieder trainieren, um es im ernstfall einfach abrufen zu können. Wenige Minuten “Wie ging das nochmal?”-Überlegen können über Leben und Tod entscheiden.

Nach dieser lehrreichen Aufgabe hatte ich dann wieder ein persönliches Tageshiglight:

Reifenwechsel ohne Wagenheber

Eigentlich TOTAL logisch. Aber denkt man eben auch nicht unbedingt dran, wenn man es nicht irgendwann mal selber gemacht hat: Jedes Auto lässt sich so in eine Verschränkung auf einem kleinen Hügel reinfahren, dass sich ein Rad (im besten Fall sogar das kaputte *g*) hochstellt und ohne Wagenheber gewechselt werden kann.

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Etwas ernüchternd war für mich der Geschicklichkeits-Parkour:
Möglichst schnell durch. Hängenge Bälle mit dem Außenspiegel anticken. Golfbälle auf den Stelzen liegen lassen.
Ich gebe es zu: Ich habe versagt ;) Mir war nicht klar, dass rückwärtsrollen Strafsekunden bringt. Auch wenn es nur wenige Zentimeter sind. Damit habe ich ORDENTLICH gesammelt :) Trotzdem ist es eine gute Übung, das Auto kennen und abschätzen zu lernen.

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Ich freue mich auf alle Fälle “meinen” Ewok, die teilnehmer und das Team von Land Rover Experience morgen in Odessa wieder zu treffen und eine spannende Fahrt durch die Ukraine und Russland zu erleben ;)

Und ich hoffe, ich habe die oberste Offroad-Direktive noch richtig in Erinnerung:

So schnell wie möglich, aber so langsam wie nötig.

* credits Artikel-Bild: Range Rover Evoque – Shell V-Power Diesel #LRET (c) Teymur Madjderey – icedsoul

Wie ist das so, mit E-Bikes auf Reise zu gehen?

Morgen geht für mich seit langem mal wieder ein kleiner Roadtrip mit Autos los. Grund genug, mir meinen letzten Roadtrip der etwas anderen Art nochmal ins Gedächtnis zu rufen:

500km mit dem Fahrrad – eine E-Bike Reise 
Steffi hat mir für unseren damaligen Unterstützer Panther Werke ein paar Fragen dazu gestellt, wie es ist, sich mit einem Pedelec auf die Reise zu begeben:

Wie haben die Panther Pedelecs für Euch auf der 500 Kilometer Reise funktioniert?

Erstmal vorneweg ein großes Dankeschön für die Leihgabe und die tolles Ingenieurleistung! Die Räder liefen 1A. Durch den Mittelmotor am Tretlager hat man einen unglaublich natürlichen Radfahr-Eindruck. Das leise Summen des Elektromotors ist schön beruhigend, da man immer weiß, dass der eingebaute Rückenwind dabei ist ;) Dadurch, dass man beim Pedelec ja immer treten muss, verliert man auch nicht das Gefühl fürs Radfahren. Das gefiel uns sehr gut.
Am beeindruckendsten waren für mich einige kleine und unfreiwillige Geländeausritte ;) Als ich versehentlich den Fußgängermodus im Navi eingestellt hatte, mussten wir durch einen Wald fahren. Dort hat mich mein blauer Panther so kraftvoll über steile Sandhügel geschoben, wie ich es sonst nur von Enduro-Motorrädern kenne. Das musste ich dann später natürlich auf einem Deich nochmal ausprobieren und auch hier: Kein Problem. Das Fahrrad ist völlig problemlos die steile und nasse Wiese hochgesprintet, dass ich das Grinsen den ganzen Tag nicht mehr aus dem Gesicht bekam :)

Wie sicher habt Ihr Euch als Wiedereinsteiger auf den Rädern gefühlt?

Die ersten paar 100 Meter waren noch gewöhnungsbedürftig. Ich saß ja wie gesagt seit 20 Jahren nicht mehr auf dem Rad. Bei Angie waren es nur 5 Jahre und davor ist sie sehr viel Rad gefahren. Nach der Eingewöhnungsphase auf dem Parkplatz bei Euch an den Pantherwerken fühlten wir uns sehr schnell sehr sicher. Vor allem in der unsichersten Phase vom Anrollen bis zur stabilen Fahrt hilft der Motor unglaublich!
Darüber hinaus habe ich den Eindruck, das Fahrverhalten ist durch das höhere Gewicht von gut 25 Kilo deutlich stabiler als bei einem normalen Fahrrad und zum anderen hat man in brenzligen Situationen immer diese Sicherheitsreserve des E-Motors. Wenn man schnell an einem Hindernis vorbei beschleunigen will zum Beispiel. Das gibt einem noch zusätzliche Sicherheit.

Und ganz wichtig:
Je mehr die Kräfte auf einer so langen Tour schwinden, desto größer wird die Sicherheit, die einem der Elektroantrieb bietet, da man sich wenigstens trotz der Erschöpfung sicher sein kann, sein Ziel noch zu erreichen.

Seid Ihre denn auch mal ins Schwitzen gekommen?

Klar und wie! Pedelec fahren ist nix für Faule ;) Vor allem auf so einer langen Tour. Treten musst Du ja die ganze Zeit und wir wollten uns möglichst immer nah an der Geschwindigkeitsbegrenzung von 25-27 km/h bewegen. Da kriegst Du schon ganz gut was in die Oberschenkel ;)
Das Gemeine war: Der steilste Berg, der ganzen Tour war gleich zu Anfang vor unserer Haustür in Brackwede. Einmal die grüne Teutohölle bitte :) Danach war das Wiehengebirge noch einmal richtig fies.
Dicht gefolgt von einem Abschnitt auf dem wir wirklich 27 Kilometer flach geradeaus eine Landstraße entlang radeln mussten. Das war allerdings weniger anstrengend für die Beine als für den Kopf, der gegen die Langeweile kämpfen musste ;)

Wie waren die Reaktionen der Menschen, die Ihr auf Eurer Tour getroffen habt?

Grundsätzlich immer interessiert. Diejenigen, die sich mit E-Bikes auskannten waren sehr neidisch auf die BOSCH-Motoren. Wir waren uns gar nicht bewusst, dass wir da quasi mit dem Mercedes unter den Pedelecs unterwegs sind :)
Bergauf Leute auf normalen Fahrrädern abzuhängen hat natürlich immer unheimlich Spaß gemacht :) Auch wenn wir uns den Speed-Modus am Berg meistens gespart haben, damit der Akku besonders lange hält.
Der heimliche Star der Tour war Angies stufenlose NuVinci Schaltung. Die zog immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich.
Wir haben einige andere Rad-Reisdende getroffen, wo sich die Gelegenheitsfahrer immer am meisten für die Pedelecs interessierten. Die Profis mit Stahlwaden und kleinen Kraftwerken in den Oberschenkeln wollen meist lieber die ganze Arbeit alleine machen. Aber die Mitfahrer fanden den Gedanken einfacher mithalten zu können immer sehr charmant.

Wie kamt Ihr mit der Reichweite der Akkus hin?

Leer gefahren haben wir nur Angies Akku auf der 2. Etappe. Da war noch einiges an Bergen zu schaffen und wir hatten mittags nicht nachgeladen. Realistisch sind mit einer Akkuladung 50-80 Kilometer zu schaffen. Je nachdem, wie sparsam man mit der Motor-Nutzung umgeht und wie schaltfreudig man fährt. Da ich als Autofahrer auch sehr sparsam fahre, habe ich mich instinktiv immer in möglichst optimalen Gängen bewegt und Angie war mit der NuVinci etwas “schaltfauler”, weil sie ihre Gänge immer ganz fein justiert hat. Ich denke, dadurch hatte ich am Ende des Tages immer etwas mehr Akkuleistung übrig (oder mein Akku hatte eine größere Kapazität – das habe ich nicht mehr geprüft).
Bei Ganztagestouren ist es auf jeden Fall empfehlenswert, in den Mittagspausen die Akkus zu laden. So ein 1-stündiges Mittagessen in einem Imbiss bringt auch dem Akku neue Kraft :) Wir hatten immer eine Dreifach-Steckdose dabei und durften uns überall ein bisschen Strom mopsen.

Krass war für den Akku der letzte Tag: Die Etappe von Husum nach Dagebüll. 38 Kilometer und wir dachten “Ach, das wird easypeasy!” Nix war! Endlich konnten wir an der Außenseite des Deiches fahren und auf das (Watten)-Meer schauen. Und was war? STURM! Windstärke ich weiß nicht wieviel und Regentropfen, die ungefähr an die Größe und Schmerzen von Luftgewehrkugeln heran kamen. Der Gegenwind war so stark (und wir hatten es SO eilig ins Trockene zu kommen), dass wir auf der Etappe fast den ganzen Akku leer getreten haben :)

Was könnte Panther an den Rädern verbessern?

Verbesserungsbedarf besteht eigentlich nicht. Das was uns auffiel war, dass bei Angies Fahrrad der Akku unter dem Gepäckträger etwas schwer heraus zu nehmen war und bei meinem blauen Panther brauchte ich zum Einlegen des Akkus schonmal 2-3 Versuche, bis er endgültig einrastete.

Lassen sich Pedelec und E-Bikes einfach reinigen?

Den Akku habe ich beim saubermachen aus Sicherheitsgründen rausgenommen. Ob das wirklich nötig gewesen wäre, weiß ich ehrlich gesagt gar nicht. Aber ich wollte ja auch keinen “gewischt” kriegen ;) Die Reinigung an sich funktioniert genauso wie bei jedem anderen Fahrrad. Der Motor an sich ist ja auch nochmal sehr gut gekapselt. Da muss man gar nicht dran.

Kann ein Pedelec im Auto transportiert werden?

Klar! Hinten an der Rückklappe oder auf dem Dach müssen gff. durch das höhere Gewicht einige Dinge bedacht werden, aber das geht natürlich.
Unsere Panther haben wir für die Rückfahrt von Föhr (wir wollten nicht nochmal 500 Kilometer am Stück radeln) auseinander genommen und in unserem Tour-de-France erprobten Skoda Yeti transportiert, der uns netterweise von Skoda Deutschland zur Verfügung gestellt wurde.

In öffentlichen Verkehrsmitteln sind die E-Bikes ganz normale Fahrräder – Wir haben nicht auf der Tour an sich, aber hier in Bielefeld ein bisschen “geschummelt” und schonmal die Bahn genommen :)

Wie habt Ihr die Räder gegen Diebstahl geschützt?

Das war so ein Thema. Immerhin hing das Weiterkommen auf unserer Reise komplett von den Rädern ab, daher habe ich sie so gut wie nie aus den Augen gelassen und bei jeder Übernachtung in Garagen oder Hauseingängen weggeschlossen. So ein Rad ist mit knapp 2500 EUR Wert ja ein beliebtes Diebstahl-Ziel.
Zudem haben wir bei jeder Pause, bei der wir uns weiter als 10 Meter von den Rädern entfernen mussten die Akkus und die Bedienelemente abgenommen.

Werdet Ihr nun weiter Fahrrad fahren?

DEFINITIV! Wir haben unsere Panther nach der Tour leider nicht mehr ganz so viel bewegt, wie wir uns anfangs vorgenommen hatten, da erstmal irre viel zu tun war nach 10 Tagen weg von zu Hause. Aber die Rückfahrt zum Pantherwerk in Löhne hat uns riesig Spaß gemacht. Wenn ich mich da an die Abholfahrt erinnere… Weia tat mir danach der Hintern weh! Das war ja das erste Mal nach 20 Jahren wieder für 40 Kilometer auf dem Fahrrad und wir hatten das Fahrrad-Navi von Falk noch nicht.

Wie haben die Vaude Taschen funktioniert?

Hammer! Wir haben Klamotten für 10 Tage, Snacks, Kleinkrams, Elektro-Equipment und Fahrradladegeräte mitbekommen und es war eigentlich noch Platz in den Taschen! Echt beeindruckend. Und wie so oft haben wir eigentlich viel zu viel mitgenommen :)
Sowohl die Satteltaschen als auch die Lenkertaschen (in denen wir Kameras, Trinkflaschen, Beef-Jerky von jerky-shop.de und Notizblöcke hatten waren auch im fiesesten Wolkenbruch Platzregen komplett Wasserdicht. Das war ja eine meiner größten Sorgen, dass es meine neue Kamera zerlegt, wenn es richtig schüttet.

Haben Euch die Regensachen von Vaude trocken gehalten?

Jupp, die waren super. Die Hose war etwas fummelig über dicke Schuhe und Jeans drüber zu ziehen. Wir hätten wohl besser eine Nummer größer nehmen sollen. Das nächste Mal sind wir da schlauer ;) Aber das Regenzeug sollte man wirklich IMMER dabei haben! Ein fieser Guss und der ganze Tag ist versaut. Dir wird sonst kalt, die Jeans scheuern an den Beinen und und und.

Die UVEX Helme habt Ihr hoffentlich immer aufgesetzt, aber nie wirklich gebraucht?
Genau so war’s ;) Ich muss schon gestehen, dass mir der Helm die ersten Stunden wie ein Fremdkörper auf dem Kopf vorkam. Als ich noch Fahrrad fuhr, gab es ja noch gar keine Helme, die kenne ich nur vom Reiten oder eben Motorradfahren. Irgendwann fand ich die Kopfbedeckung aber durchaus angenehm. Wenn es zu warm wurde, hatte ich den Eindruck, dass der Fahrtwind viel besser meinen Kopf kühlt.
Die Sturzsicherheit mussten wir aber glücklicherweise beide nicht testen ;)

Was war das wichtigste Equipment?

Die Radlerhosen mit Polstereinsatz! Sonst hätten wir wohl nicht überlebt AUAUA :)
Und das Falk Navi! Ohne das hätten wir uns vermutlich SO oft verfahren, dass wir viel zu viele Kilometer gemacht hätten. Und wir hätten auch viel zu lange gebraucht, da wir alle paar Kilometer auf eine Karte hätten schauen müssen. Vor allem die Funktion, mittags ein Lokal zum Essen zu finden war super praktisch.

Und die größte Überraschung?
Hmm, man hat uns vorher DRINGENDSTE davon abgeraten in Jeans zu fahren. Das würde nur scheuern und kneifen und nach 2 Tagen wären wir wund. Da wir aber zum einen so wenig aus Kunststoff mitnehmen wollten wie möglich und nicht auch noch neue Klamotten kaufen wollten, haben wir es drauf ankommen lassen (als Ausweichmöglichkeit hatten wir Lange Ski-Unterwäsche und die Regensachen geplant).
Und siehe da: Mit den gepolsterten Radlerhosen unter der Jeans war es überhaupt kein Problem zu fahren.
Ach und wie fix die Panther sein können :) Unser Bergab-Rekord waren 58km/h :-D Das haben wir aber nur mit selber treten geschafft – der Motor schaltet sich ab 25km/h ja ab.

Was wären Eure Tips für Leute, die auf E-Bike Reise gehen wollen?

1. Rechnet bei gemütlicher Fahrweise mit 80-100 Kilometern am Tag
2. Ladet bei Mittagspausen die Akkus nach
3. Schaltet oft und viel um den Akku mit dem optimalen Gang zu schonen – z.B. immer im 1. Gang anfahren und gleichmäßig hochschalten, nicht zu schwer treten
4. Nehmt ein Naiv mit oder schaut Euch zumindest das Höhenprofil der Strecke an – spart Akku für die Anstiege
5. Überdenkt jedes einzelne Teil, das Ihr mitnehmen wollt, ob Ihr es WIRKLICH braucht ;)

Würdet Ihr die Pedelecs weiter empfehlen?

Unbedingt! Alleine schon weil so viel längere und interessantere Touren möglich sind.
Menschen, die Ihr Übergewicht los werden wollen können mit einem Pedelec viel entspannter fahren und überlasten ihre Gelenke nicht gleich am ersten Berg.
Wer beruflich viel in der Stadt unterwegs ist, sollte sich mal über ein Pedelec Gedanken machen. Vor allem als Auslieferungsfahrzeug!
Auch für Eltern, die Ihre Kinder in Anhängern am Fahrrad durch die Gegend fahren sind Pedelecs eine super Erleichterung.