Wie fühlt man sich so beim Autofahren? Die #ShellDrivesYou Studie will das #GoWell Gefühl verbessern (sowas wie ne Anzeige)

Wie fühlt man sich so beim Autofahren? Die #ShellDrivesYou Studie will das #GoWell Gefühl verbessern (sowas wie ne Anzeige)

Ich experimentiere ja schon lange mit Quantified Self rum. Angefangen mit eigenen EXCEL und Tagebuch Selbstvermessungseinträgen, dann kam irgendwann nen Withings Pulse, dann ein Garmin Vivosmart HR+, Xiaomi Band 2, Apple Watch und jetzt das 37 Degree Journey.

Im weitesten Sinne ist das hier so etwas wie eine Anzeige, denn Shell zahlt uns Teilnehmern einen Beitrag für die Arbeit, die wir in die Studie stecken.  

Shell möchte in seiner #ShellDrivesYou Studie mit insgesamt 300 Teilnehmern (Mit dabei z.B. auch Rad-ab.com, der gute alte Sandmann, Carrie Schreiner Racing und MamaHoch2) in Deutschland heraus finden, wie geht es Autofahrern körperlich und psychisch während der Fahrt. Dazu kombinieren sie den Fitness Tracker 37 Degree Journey samt App für die Aufzeichnungen der Fahrerdaten mit der Shell Drive App, die wiederum die Daten des Autos aufzeichnet.

GO WELL ist das Ziel von Shell dabei. In meinen Workshops und Beratungen erkläre ich oft, was die Customer Journey ist und wie man seine Kunden dort passend abholen kann. Shell geht da einen großen Schritt weiter und will herausfinden, wie sich Kunden tatsächlich fühlen während sie auf welcher Reise auch immer unterwegs sind.

Denn, die Customer Journey fängt ja nicht an der Zapfsäule der Tankstelle an und hört an der Kasse auf. Da spielt noch sehr viel mehr rein. Nicht zu wissen, wo sich die nächste Tankstelle befindet und am man sie mit dem Rest Kraftstoff noch erreicht, kann bsw. erheblichen Stress auslösen. Daran kann ich mich noch gut erinnern, als seinerzeit die Tankuhr bei meinem alten Volvo den Geist aufgegeben hatte.

Aber auch Müdigkeit oder der Verkehr um einen herum, die Kids im Auto bis hin zu Hunger, Durst und aktuellen Nachrichten im Radio können einem als Autofahrer ordentlich zusetzen.

Die größte Schwierigkeit für mich ist, immer dran zu denken, beide Apps vor Fahrt-Antritt zu starten. Also habe ich mir aus einem alten Lanyard vom 2014er Formel1 Grand Prix in Spa Francochamps (isja der Shell Grand PRix ;)) einen physischen Reminder gebastelt, den ich immer erst vom Lenkrad abtüddeln muss 😉

Was mir jetzt nach wenigen Tagen schon richtig Spaß macht, ist die Effizienz-Auswertung meines Fahrstils. Da kommen mir die gut 12.500 elektrischen Kilometer zu Gute, die ich bereits auf dem Buckel habe 😃 Mittlerweile macht es mir deutlich mehr Spaß möglichst elegant, sparsam und trotzdem zügig zu fahren, als zu heizen.

Trotzdem bin ich mit 81% Effizienz noch sehr ausbaufähig und strebe den Gold-Status an. Ist allerdings gar nicht so leicht, wenn man als hauptsächlich im HomeOffice arbeitender gar nicht so viel zum Fahren kommt.

Was ich unbedingt noch checken muss ist die  Messgenauigkeit des 37 Degree Trackers. Besonders bei den bisher noch eher exotischen Messwerten Blutdruck und Atemfrequenz.

Und eine andere Sache ist mir direkt schon aufgefallen: Die Entwickler der 37 Degree-App sind jetzt nicht die bestgelauntesten Menschen 😀 Die Skala für physische und psychische Verfassung hätte für meinen Geschmack ja schon etwas positiver gestaltet werden können:

Die Goldsmiths University in London wird die Daten der 300 Teilnehmer in den kommenden Wochen auswerten und Schlüsse aus den 14 Tagen Armband-Daten ziehen, auf die ich jetzt schon besonders gespannt bin und über die ich Euch hier natürlich berichten werde.

Alex Kahl der Probefahrer lernt Klavier spielen

Was mir 30 Tage Klavier lernen beigebracht haben

“Das Klavier ist für die Musik, was die Druckerpresse für Poesie ist” so zitiert Clint Eastwood zu Anfang seines Films den Dichter George Bernard Shaw. Alleine das ist eigentlich schon Grund genug, sich mit dem Piano zu beschäftigen.

Ich habe mich 42 Jahre lang nicht ans Klavierspielen rangetraut. Auch wenn ich Kindheitserinnerungen habe, in denen man mich fast operativ vom Piano das bei Verwandten stand entfernen musste, als wir dort zu Besuch waren.

Macht es mit 42 Jahren noch Sinn Klavier zu lernen?

Genauso gut könnte man auch fragen: “Macht es Sinn Fahrrad fahren zu lernen, auch wenn man nie die Tour de France mitfahren wird?”

Meine wichtigste Erkenntnis aus den ersten 30 Tagen Klavier lernen:
Es tut gut, richtig schlecht in etwas zu sein. Aber jeden Tag etwas besser zu werden.

Und: Das Metronom kann ein Arschloch sein. Aber auch Dein bester Freund. :-D

Als ich für meinen Artikel über den Klassik-Vortrag von Frank und Eva recherchiert habe, stieß ich auf James Rhodes, der in einigen Videos behauptet: JEDER kann in 6-8 Wochen das bach Praeludium 1 in C-Dur lernen.

Dann habe ich mir sein 60-seitiges Buch dazu gekauft und angefangen. Und gleich geflucht. Schreibt er doch: “Bevor Du hier weiter liest, musst Du erstmal Noten lernen. mache NICHT weiter, bevor Du die Noten auf dem Blatt nicht in Fingerpositionen auf dem Klavier umsetzen kannst!”

“JAMES, DU ARSCH!” ;) habe ich erstmal gedacht. Und nach 2 Tagen gemerkt: Der hat ja Recht! Das kann ich wirklich lernen!

“Ich kann das nicht” verschwindet aus meinem Vokabular

Evas Aussage im Interview nach dem Vortrag Einführung in die klassische Musik hat mich schwer beeindruckt: “Ich kann alles spielen, was ich spielen will, wenn ich genug übe.”

Auch wenn es vermutlich Dinge auf dem Klavier gibt, die ich wirklich nie mehr spielen lernen werde, weil meine Fingermuskeln, Sehnen, mein Muskelgedächtnis das nicht mehr auf die Kette kriegen, rücken jetzt schon Dinge in schaffbare Nähe, die ich vor nem Monat noch nicht für möglich gehalten habe.

Und wer weiß: Sportler gehen mit 35-40 in Rente. Pianisten wie Horowitz oder Rubinstein haben bis WEIT in ihre 80er Jahre noch Konzerte gespielt. Da sehe ich noch Hoffnung :-D

Es tut gut, mich auf das zu konzentrieren, was ich erreichen kann. Statt auf das, was im Moment unerreichbar scheint.

Endlich wieder lernen

Ich lerne gerne neues dazu. Und das täglich. Aber was ich seit Jahren nicht gemacht habe ist es, ein Feld richtiggehend zu studieren und auf verschiedenen Wegen zu erlernen, die seit Jahrhunderten erprobt oder nagelneu sind.

Das macht an den Tasten gerade richtig Spaß. Angefangen bei meinem Hauptstück, dem Bach Praeludium in C-Dur von Bachs Wohltemperierten Klavier BWV 846, über den Star Wars Theme, Übungen und Liedern, die mir Klavierlehrer Burch mit auf den Weg gegeben hat (Guten Abend, gute Nacht zum Beispiel), zum Metronom spielen lernen, Rhythmus trainieren und vor allen Dingen: Mit Apps wie Yousician eine Mischung aus compterspielen und klavierspielen nutzen.

Hier könnt Ihr Euch das Praeludium No.1 mal so anhören, wie es vor knapp 300 Jahren vermutlich am häufigsten gespielt wurde: Auf einem Instrument, dass damals das günstigste Tateninstrument war: Ein Clavicord. Gibt’s heute kaum noch. Ist halt auch sehr SEHR leise und eigentlich nur für den Hausgebrauch und zum Üben gedacht:

 

Da ist immer wieder dieser großartige Moment, wenn ich plötzlich merke, dass ich nach richtig viel spielen, plötzlich bei meinem Hauptstück mit einem Mal viel weiter komme als noch ein paar Tage zuvor. Ganz automatisch!

Lernen zu lernen

Was ich wieder gelernt habe: Ein unmöglich erscheinendes Problem – in diesem Fall ein 2-Minuten langes Klavierstück zu lernen – zu nehmen und in kleine, schaffbare Unteraufgaben zu zerlegen:

  • Lernen wie die Finger auf die Tastatur kommen und sich zurecht finden
  • Nur die ersten 2 Takte des Stücks lernen
  • GAAAAAANZ langsam üben. So langsam, dass es einem lächerlich erscheint.
  • Lernen durch Beobachten auf YouTube. Egal ob Meister oder andere Anfänger

Sehr empfelhenswert zum Thema Lernen lernen ist dieser Beitrag von Harald Schirmer.

Geduld und Entspannung – fast schon Meditation

Meditation ist nichts für mich. Ich weiß, ich weiß: Wenn jemand sagt, er schafft es nicht, 2 Minuten zu meditieren, dann sollte er eigentlich 20 Minuten meditieren. Aber meditieren macht mir einfach keinen Spaß. Zumindest im Moment.

Für 20 Minuten immer und immer wieder das gleiche spielen hat für mich aber einen ganz ähnlichen Effekt. Die einzigen Tätigkeiten, bei denen ich diese Mischung aus konzentrieren und sich verlieren an mir bemerkt habe waren bisher Reiten oder Motorrad fahren.

Und Geduld. Jaaaa, Geduld. Nicht gerade eine Tugend, von der ich viel mitbekommen habe. Ich bin eher der Typ für: Gib mir einen Trick oder eine Abkürzung. Auf dem Klavier gibt es keine Abkürzung. Aber die ständigen kleinen Erfolgserlebnisse, Verbesserungen und Erkenntnisse über mich selber, machen es mir leicht, geduldig weiter zu üben.

Selbst wenn ich das Praeludium irgendwann in ein paar Wochen unfallfrei spielen kann, ist es so ähnlich wie damals mit dem 8 Stunden langen Sylvesterritt: Ich werde um zahllose Erfahrungen reicher sein. Aber lange noch nicht reiten bzw. Klavier spielen können.

Bach = Blues und: Ich bin gar nicht sooo unmusikalisch :-)

Vor über 20 Jahren habe ich E-Gitarre gespielt. Mit Unterricht und Band und täglich üben und so. Am liebsten habe ich Blues gespielt. Der schien mir mit seinen Pentatoniken so schön logisch. Das Problem war nur immer: Ich konnte den Blues zwar spielen, aber ich hatte ihn nicht.

Ein Stück von Bach zu lernen ist noch ne ganze Ecke methodischer, analytischer und logischer als Blues. Das gefällt mir gerade sehr. Vielleicht entdecke ich irgendwann mal Ragtime oder Herbie Hancock Jazz für mich. Im Moment bin ich mit Bach, LvB, Chopin und Mozart und was sie mir bei bringen sehr zufrieden.

So hören sich verschiedene Blues- und Jazz-Pianisten an:

Perfektionismus los werden

Über die Jahre bin ich zu einem üblen Perfektionisten geworden. So sehr, dass es mich RICHTIG stört. Wenn ich mich über eine Sache besonders ärgern kann, dann wenn ich Fehler mache.  In meiner Arbeit muss ich mich immer wieder dazu zwingen, Dinge abzuschließen, auch wenn sie noch nicht perfekt sind. Klvierspielen zieht mir diesen Zahn mehr und mehr. Es fühlt sich super an, Fehler zu machen. Zu verstehen, WARUM ich sie mache und dann die Ursache durch verstehen, verbessern und üben zu vermeiden.

Es macht auch keinen Sinn, lange an einer falsch gespielten Note rumzuanalysieren. Da hilft nur: Akzeptieren, weiter spielen, nochmal von vorn und beim nächsten Mal besser machen.
Würde ich jedes Mal an die Decke gehen, mich fragen: “Oh neeeiiin! wie konnte das passieren?! Ich kann nicht glauben, dass ich diesen Fehler gemacht habe!” – ich würde keinen Schritt weiter kommen. Das hilft auch bei der Fehlertoleranz im Alltag weiter ;)

Und was ist schon perfekt? 

  • Wenn ich ein Stück unfallfrei spielen kann?
  • Wenn andere das Stück wieder erkennen?
  • Wenn andere sagen: “WOW! Das klingt aber geil!”
  • Wenn andere sagen: “Du kennst doch dieses eine Stück. Kannste mal spielen?”
  • Wenn andere Eintrittsgeld bezahlen um Dich spielen zu hören oder CDs kaufen?

Huch! Ich kann ja Noten lesen!

Auch so ein Ding, gegen das ich mich mein ganzes Leben lang gewehrt habe, weil ich dachte, es wäre SO schwer. Sowohl James Rhodes als auch der Burch sagen aber zu Recht:

Noten lernen ist einfach. Millionen Kinder tun es täglich.

“Es gibt 12 Töne und 26 Buchstaben. Und das Alphabet haben wir auch alle gelernt.” Auch wenn dieser Vergleich ein kleines bisschen hinkt, denn ein Klavier besteht aus 7,5 mal 12 Tönen. Das ist schon etwas komplexer als das Alphabet ;) ist es auch mit 42 machbar noch zu entziffern, welche schwarzen Punkte auf den Linien wo auf die Tasten gehören. Es dauert nur SEHR lang :)

Der Reiz dabei: Noten sind eine universelle Sprache, die jede auf der Welt lesen kann, wenn sie sie beherrscht.

Und: Du erweckst hier etwas zum Leben, das jemand vor hunderten von Jahren aufgeschrieben hat. Diese monumentale Seite ist mir erst durchs selber machen bewusst geworden:

Quelle: Wikipedia

Mich an meine Grenzen bringen

Ein großartiger Effekt verschiedener Stücke und Übungen in den Apps ist es, dass sie mich gezielt an die Grenzen des für mich schaffbaren bringen. Dann übe ich eine halbe Stunde ganz langsam vor mich hin und plötzlich spiele ich eine Tonleiter, eine Melodie oder Übung flüssig, die ich kurz vorher noch für unmöglich gehalten habe.

Das ist auf so vielen Ebenen motivierend, dass alleine für dieses Erlebnis das Klavier spielen schon lohnt.

Unerwartete Erfolge

Dann sind da noch diese Kleinigkeiten: Vorgestern ist das ipad plötzlich ausgegangen und ich saß im Dunkeln. Ich habe einfach gespielt und gemerkt:

Du findest Dich blind auf einer Klaviertastatur zurecht!

Hätte ich NIE für möglich gehalten. Und dann funktioniert das plötzlich einfach so und ich stelle die neue Fähigkeit nur durch einen Zufall fest. (Auch wenn es auf einer Computertastatur fast selbstverständlich für mich ist).

Da stellt sich schonmal ein bissken Stolz ein :)

Es ist effektiv UND effizient

Effektiv sein heißt, die richtigen Dinge im Leben zu tun.

Effizient heißt, die Dinge richtig zu tun. (Ein Problem kriegt man, wenn man die falschen Dinge effizient tut. Dann erzielt man nämlich keinen Effekt).

Hobbies habe ich in 42 Jahren eine Menge ausprobiert. Aber entweder habe ich – wie bei der Photographie oder dem Vloggen – irgendwann einen Status erreicht, der für mich und meinen Bedarf ausreicht. Oder sie waren mir einfach zu zeitaufwändig ohne den entsprechenden langanhaltenden Nutzen zu bringen. So zum Beispiel beim Reiten. Nicht falsch verstehen: Reiten ist großartig und ich liebe es mit den Pferden hier auf dem Hof umzugehen. Aber irgendwann war der Punkt gekommen, wo die Lernkurve so steil wurde, aber die Nutzenkurve immer weiter abflachte, dass ich die gut 3 Stunden die mich eine Reitstunde in Anspruch nahm, nicht mehr investieren wollte, um weiter zu machen.

Beim Klavier ist es wie mit meiner Klimmzugstange unten im Flur: Wenn ich oft genug dran vorbei gehe, dann nutze ich es auch regelmäßig.

Ich werde ein besserer Lehrer

Teil meines Berufes ist es auch, Menschen in Unternehmen beizubringen, was das Web für sie und ihre Kunden tun kann.

Wenn ich mir nun Meisterklassen anschaue, in denen ich zwar Klaviertechnisch keine Unterschiede höre (die Leute spielen für mich immer gleich meisterhaft g), lerne ich von den Lehrern. Das ist sehr faszinierend. Hier mal ein Beispiel aus einer Masterclass, in der das Stück geübt wird, das ich irgendwann mal spielen können will – Schuberts Impromptu Opus 90 No. 3:

Wissen motiviert mich jeden Tag ein Stück besser zu werden

Es ist einfach was anderes, ob man als Kind dazu gezwungen wird, ein Instrument zu lernen oder ob man es freiwillig tut. Das schneller und einfachere lernen, das Kindern oft nachgesagt wird, wird durch die eigene Motivation und Lebenserfahrung aufgewogen.

Und auch andere Dinge sind als Erwachsener einfacher: Die Hände sind bsw. größer und können die Tasten viel besser erreichen. Die Belohnung für das viele üben lässt oft lange auf sich warten. Diese Geduld hat man als Erwachsener eher, weil man eine Vorstellung von seinem Ziel hat, denn als Kind (auch wenn ich hier vielleicht fast eine Ausnahme darstelle g).

Der Nachteil als Erwachsener: Zu wenig Zeit.
Wie gerne wäre ich nochmal 12 Jahre alt. Mit all der Zeit und all den Apps, YouTube Videos und Möglichkeiten heute.

Aber auch, wenn es nur ein paar Minuten pro Tag am Klavier sind, ich vermisse sie mittlerweile schon, wenn ich sie mal verpasse.

Anstatt neue Sachen zu kaufen, irgendwas zu sammeln oder Netflix bingewatching zu machen, freue ich mich jeden Tag drauf, wieder ans Klavier zu können und eine neue Kleinigkeit meinen Fähigkeiten hinzuzufügen.

Das Klavier ist wie ein glänzendes, verlockendes Spielzeug, das jeden Tag was neues für mich bereit hält :)

Was kommt als nächstes?

Mal sehen, wo mich das neu gewonnene Lernen können hinführt: Vielleicht nehme ich mir doch nochmal programmieren lernen vor, um ein eigenes Projekt selber umzusetzen. Vieles von dem, was ich gerade über lerne, schubst mich immer weiter in die Richtung ;)

Was das Piano alles fürs Hirn tut:

Das ist schon der Hammer. Alles erschließt sich mir auch noch nicht – via Musicologie:

Bloggen statt Lesezeichen, Tab-Friedhof und später lesen

Ich sammle manchmal mehr als 100 Quellen, Artikel, Links und hassenichgesehen zu Themen, die mich gerade aktuell interessieren.

Viel davon hängt als offener Tab in einem meiner Browserfenster. Manche Links packe ich in eine von über 6000 Evernotes. Für später.

Was ich später (nochmal) lesen will, landet im Premium Account von Pocket.

Witzige Kleinigkeiten werden getwittert und gefacebookt. Einfach um sie meinem Netzwerk aus Familie, Freunden, Kollegen und Bekannten mitzuteilen.

Vlad Perun und das kleine Kommentarproblem von neulich hat mich mal wieder drauf gebracht, dass dieses Blog hier viel besser ist, um das Zeug festzuhalten, dass mich beschäftigt.

Werde ich jetzt mal wieder mehr machen. Mehr bloggen als alles andere. Erstemal für 30 Tage.

Radio Kitchen Berlin

Das Gratisproblem von Live Musikern

Markus spielt demnächst mit seiner Combo Radio Kitchen beim Berlin-weiten Fest der Musik umsonst und draußen. Und schreibt zur Kostenlos-Mentalität und dem Wertverlust von (Live)-Musik folgendes:

Wer sich heute als Musiker beschäftigt, aber weder zu den oberen Zehntausend, noch zu den staatlich geförderten Künstlern gehört, hat es schwer, wenigstens die Ausgaben für Equipment, Proberaummiete, Fahrtkosten etc. wieder reinzubekommen. Musik hat einfach keinen Wert.

Da is was dran. Durch Streamingdienste geht das Verhältnis zu Musik und was sie kostet noch ein Stück mehr verloren.

Aaaaaaber – zuerst meine kontroverse Anmerkung:

Zum einen sollten Musiker Equipment, Proberaummiete usw. nicht auf das Publikum umlegen. Das sind einfach die Opportunitätskosten, die man sich freiwillig auferlegt. Gerade sowas wie Proberaummiete finde ich schwierig. Wenn mir mittlerweile ein Ladenbesitzer bei unrealistisch hohen Preisen mit dem Argument der hohen Miete kommt, halte ich dem entgegen, dass er dann eben die Miete kürzen soll, wenn der Standort sich nicht mehr rechnet, statt sich die Kohle vom Kunden zu holen.

Zum anderen werden durch Streamingdienste und günstigere MP3 auch wieder Moneten frei, die man ganz bewusst bei den Musikern auf solchen Veranstaltungen lassen kann.

Noch’n aaaaaber – jetzt die konstruktiven Anmerkungen:

Da muss dann die Kreativität auch ein bissken über das reine Musizieren hinaus gehen. Klar, Merchandising ist für ein Spaß-Projekt dass vor allem wegen des Spielens spielt etwas übertrieben. T-Shirts oder CDs zu produzieren bedeutet teures in Vorleistung gehen und macht viel Arbeit. Aber es gibt ja auch kleinere Sachen, die man als Band machen kann.

Zum Beispiel:
Nehmt ne Kiste Bier mit und verkauft Euer eigenes Bier von der Bühne runter.

Oder Weingummi-Würstchen / Pommes gegen ein paar Euro anbieten. Damit lässt sich von der Bühne dann ja humorvoll spielen und ohne auf die Tränendrüse zu drücken, können Künstler dem Publikum die Problematik vor Augen führen.

Oder:
Nehmt ein paar Songs auf, packt die Passwortgeschützt als MP3 auf ne Webseite und legt das Passwort als Zettel in einen Hut und wer die Songs zu Hause hören möchte, tauscht Papiergeld gegen Papierdownload-Code. Muss ja nicht immer digital und iTunes sein ;)

Und wenn man dann 2-3 Leute im Publikum hat, die man vorher instruieren kann um den Anfang zu machen, setzt hoffentlich der Herdentrieb ein und ein paar mehr Leute aus dem Publikum kommen nach vorne.

Und am allerbesten: Schreibt nen Song über das Thema, der den Menschen witzig und eingängig das Geld in der Tasche lockerer macht :)

So nice! :-)

Und wohlweislich habe ich diesen Text im Kommentarfeld von willsagen.de kopiert. Denn die Kommentarfunktion tut’s nicht und mein toller Ratschlag wäre weg gewesen. So poste ich ihn einfach hier :-D Aber so haben Blogs ja auch mal angefangen, als noch gar keine Kommentarfunktionen gab: Eine bloggt was und die andere antwortbloggt drauf.

Das Artikelbild habe ich drüben bei willsagen.de ausgeliehen und weiß leider nicht, welchem Photographen ich die Credits ankreiden kann.

Ein Flügel im Wohnzimmer

Ein Flügel im Wohnzimmer

Die kleine Piratin ist jedenfalls schwer begeistert. Wir sind gerade alle schwer vom Piano-Fieber gepackt.

Auch wenn in dem kleinen Flügeligen nur ein Xylophon steckt, macht das echt Spaß, das Dingen. Eigentlich fehlen jetzt nur noch Schröders Kuscheldecke und Snoopy.

Und: Wer kann schon von sich behaupten, einen Flügel im Kofferraum transportiert zu haben :)

Das erste Mal in der Oper – Le Comte Ory von Rossini

Das erste Mal in der Oper – Le Comte Ory von Rossini

Gerade erst im Klassische Musik für Einsteiger Vortrag gewesen, ZACK geht es schon in die erste Oper! Christoph Müller-Girod, der als Online Producer und Social Media Experte für das WDR Funkhausorchester am Start ist, las den Artikel und lud mich kurzerhand zur Opernvorstellung nach Dortmund ein.

Christoph bei der Arbeit

Eins kann ich Euch sagen: In einer Oper zu sitzen und quasi per Auftrag twittern zu dürfen ist schon eine bizarre aber entspannte Angelegenheit. Jedenfalls bis zur Pause – dann machen plötzlich alle zighundert Besucher ihre Telefone wieder an und das Netz ist schlagartig mit dem letzten Ton der Musik überlastet und weg.

Hammerbesetzung mit einem der besten Tenöre der Welt

Das WDR Funkorchester ist manchen vielleicht noch durch den Star Wars Flashmob von 2012 ein Begriff. Damals stellten sich die Musiker inkognito in die Kölner Fußgängerzone und spielten vor den verdutzten Passanten auf einmal den Star Wars Main Theme. DaDaDa Daa Daa Di Da Da Daa Daa :) Hier das Making-of von damals.

Die Aktion zeigt sehr schön die Berufung des Orchesters: Die 50 Musiker_innen  spielen Unterhaltungsmusik in einer Bandbreite, die europaweit einzigartig ist.

Mit dabei war auch der WDR Rundfunkchohr für die feine aber gleichzeitig druckvolle Gesangsunterstützung der Solisten. Wenn man noch nie einen Chor live gehört und dann auch noch mit einem solch erstklassigen Orchester gehört hat, dann zieht es einem erstmal die Schuhe aus.

Lawrence Brownlee und Jessica Pratt bei der Arbeit

Das Dortmunder Klangvokal Festival hatte zum Auftakt noch eine Schippe drauf gelegt und u.a. den als bester Sänger des Jahres ausgezeichneten Tenor Lawrence Brownlee aus den USA und die Sopranistin Jessica Pratt aus Australien auf die Bühne geholt.

Lässig: Während der einen Woche, die geprobt wurde, haben Dirigent Giacomo Sagripanti (übrigens 2016 als bester Nachwuchsdirigent ausgezeichnet) und Tenor Lawrence Brownlee erstmal mal ne Runde Tennis gespielt:

Hier mal eine Kostprobe von Jessica Pratt und Lawrence Brownlee, die ich durch mein Opernglas mit dem iPhone gefilmt habe:

Le Comte Ory – eine Spaßoper :)

Vorweg: Das ist so ein Stück, das einem mit tierisch viel Geschichte zwischen den Zeilen, die Ehrfurcht um die Ohren haut: Die Musik schrub Rossini zur Krönung König Karl X. für das Stück “Die Reise nach Reims”. Das wurde aber nur 3 Mal aufgeführt, dann von Rossini zurück gezogen und er machte “Der Graf Ory” draus. In der Konzerteinführung wurde gesagt, Le Comte Ory sei der Höhepunkt von Rossinis Schaffen gewesen.

Das Opernhaus Zürich hier erklärt das Stück in 12 Minuten sehr schön:

Was mir so durch den Kopf ging war, wie krass das vor 190 Jahren gewesen sein muss: Wenn man wusste, ich kann dieses Stück JETZT UND HIER EINMAL hören und danach vermutlich nie wieder. Selbst wer ein Grammophon zu Hause stehen hatte, konnte sich ja nicht jedes Stück ins Regal stellen. Geschweige denn vervielfältigen. So sehr die ganzen digitalen Entwicklungen von der CD zu MP3 und zum Streaming der Musikindustrie Kopfzerbrechen machen: Ohne das hätte ich den Zugang zu klassischer Musik vermutlich heute noch nicht gefunden.

Die Inhaltsangabe liest sich wie eine typische Verwechslungskomödie und Eis am Stiel  im Mittelalter der Kreuzzüge. Graf Ory muss scheinbar nicht in den Krieg ziehen und kann seine adelige Zeit statt dessen damit verbringen, hinter den (Stroh)-Witwen her zu sein.

So versucht er sich an die vermeintliche Witwe Adèle ranzuschmeißen. Erst als Eremit verkleidet, dann schleicht er sich mit seinen Ritter-Kumpels als Frauen verkleidet in Adeles Burg. Ziemlich plötzlich kommen dann die Kreuzritter doch innerhalb eines Tages wieder nach Hause. Orys Buddies haben den Weinkeller leer getrunken (gegen 20 Weinländer gleichzeitig gekämpft g), Ory gesteht der falschen Person seine Liebe (die eine Hosenrolle ist: Eine Frau in Männerkostüm) und dann hauen alle durch einen Geheimgang ab.

Nicht gerade die vielschichtigste Story, aber tatsächlich mit witzigen Stellen.

Allerdings habe ich irgendwann aufgehört, die deutsche Übersetzung mitzulesen, die per Beamer über die Bühne projiziert wurde und habe stattdessen einfach die Musik und die Akteure unten auf der Bühne genossen.

Bemerkenswert was für ein Tonhöhe und Lautstärke so Weltklasse Sopranistinnen und Tenöre erreichen können, ohne dass es einem unangenehm wird. Ganz im Gegenteil. Oper ist glaube ich wirklich etwas, das live nochmal viel emotionaler wirkt, als digital. Aber die schiere Lautstärke mit der die so einen RIESENSAAL mit Stimme füllen ist beeindruckend und das dann auch noch schön, virtuos und exakt hin zu bekommen, eine Hammerleistung.

Das Panorama kann nur andeuten, wie groß diese Halle ist!

Hier könnt ihr mal kurz in die Proben reinschauen und Lawrence und Jessica hören.

Meine Beobachtungen in der Oper

  • Die Menschen waren ziemlich sommerlich und entspannt gewandet. Keinen einzigen Frack gesehen
  • Die Smartphone- und Tablet-Dichte im Publikum war erstaunlich hoch
  • In der Pause: Pausenticket holen und dahin gehen, wo das Verhältnis von Gästen zu Bedienung 5:1 statt 250:1 ist
  • Opernsänger haben sichtlich Spaß an ihrer Arbeit
  • Vor einem Konzert gibt es einen Einführungsvortrag, in dem Komponist, Stück und Mitwirkende vorgestellt werden
  • Konzerteinführer gab mir den Newbie-Tipp: Einfach auf sich wirken lassen

Hier könnt Ihr mal einen kleinen Mitschnitt vom Ende des ersten Aktes auf Euch mit ordentlich Dampf auf Euch wirken lassen. Übrigens überrascht mich hier die Aufnahmequalität des iPhone 6s plus:

Aber wer ist denn eigentlich Rossini?

Ich hatte schonmal von den Opern Der Barbier von Sevilla und Othello gehört. Sonst brachte ich den Namen Rossini eher mit einem der besten Italiener hier in Bielefeld in Verbindung. Insgesamt hat Gioachino Rossini alleine 42 Opern geschrieben! Und seinen 225. Geburtstag hätte er dieses Jahr am 29.(!) Februar auch feiern können. Außerdem konnte er zu Lebenszeiten feiern, dass seine Mama ihn davor bewahrt hat, zum Gesangskastraten gemacht zu werden.

Neben seiner großen Produktivität ist mir vor allem eines aufgefallen: Sein Humor.

Kein Wunder, er schrob eine Menge komischer Opern. Aber viel witziger fand ich noch die Stücke, die er als “Alterssünden” bezeichnet hat bzw. vielmehr deren Titel:

  • Gefolterter Walzer
  • asthmatische Etüde
  • chromatischer Drehteller
  • Fehlgeburt einer PolkaMazurka

Bemerkenswert aber auch, dass er offenbar zu Lebzeiten einen solchen Eindruck hinterließ, dass Giuseppe Verdi persönlich die 12 bedeutendsten Komponisten Italiens zusammen trommelte um mit ihnen ein Requiem – die Messe per Rossini zu schreiben. Die aus merkwürdigen Gründen erst 1988 das erste Mal aufgeführt wurde und sich so anhört:

1000 Euro für ein Buch mit Noten?!

Natürlich hab ich mich vorher ein bisschen informiert, was es mit Rossini so auf sich hat. Dabei stieß ich auch auf ein Buch mit Noten zum Stück, das vom britischen Barenreiter Verlag raus gegeben wurde. Als ich den Preis sah, dachte ich erstmal an ein Komma, das 2 Stellen zu weit nach links gewandert war.

Über 1000 Euro für ein Buch mit Noten klingt nach – naja sagen wir mal VIEL!

Ein bisschen Licht ins Dunkel brachte eine Mitlesende auf Twitter, die mein gemostetes Bild der Originalnoten von 1828 kommentierte und mich auf einen Artikel der New York Times hinwies. Dort hab ich dann gelernt, dass fast 180 Jahre lang nicht die Original-Noten der Uraufführung im Umlauf gewesen sind, sondern eine vereinfachte Version für Provinztheater.

Die Originalversion wurde aufwändig restauriert und re-engineered. Und der Batzen Arbeit, der da drin steckt, spiegelt sich eben in einem 1.000 Euro Buch wieder. Wieder was dazu gelernt.

Für sowas liebe ich ja das Internet

Auf Twitter bin ich ja hemmungslos und hatte schon 2 Tage vor dem Konzert angefangen mit den Sängern und dem Dirigenten zu twittern, die sogar fleissig antworteten oder retweeteten :)

Außerdem: Hinter dem Konzerthaus Dortmund befindet sich die Polizei-Wache CITY. In dem Gebäude war früher eine Musikschule und dementsprechend haben die damals ihre Hauswand angemalt:

Mit den Noten eines Liedes.

Neugierig wie ich nunmal bin, wollte ich wissen, welches Stück das ist. Die Dortmunder Philharmoniker gaben den ersten Hinweis, dass es sich auf Grund des Notenschlüssels um ein Cello-Stück handeln muss. Die Musik und Kunstschule Bielefeld konnte dann auflösen:

Es ist das Cello-Konzert in C-Dr von Haydn 

Und das Logo-Tier des Konzerthaus Dortmund ist deswegen ein Nashorn, weil die Rhinos extrem gut hören können. Und Musik verleiht natürlich Flügel:

Doof geguckt, weil ich konzertant nicht kannte :)

Konzertant bedeutet eine nicht-szenische Aufführung.

Heißt: Keine Kostüme, kein Schauspiel, kein Bühnenbild.

Musik pur. Eigentlich geil. Nur guckt man erstmal doof aus der Wäsche wenn man die Orchesterbühne sieht und sich fragt: Ja aber wo spielen die denn gleich? :-D

Die Sänger konnten sich ein bisschen Schauspielern aber dennoch nicht verkneifen. Manchmal torkelten und rannten zwei Nebenrollen vor der Bühne her, dass ich dachte “Na? Zu spät aus der Pause gekommen und jetzt die Plätze nicht wieder finden?” und dann schäkerten sich Brownlee und die Damen auf der Bühne heftigst an, dass ich die Story doch irgendwie miterleben konnte.

Dank DFB-Pokal mit Hindernissen

Die Planung zur Anfahrt vorab war etwa schwierig. Dortmund hat Samstag den DFB-Pott in den Pott geholt. Das hieß auch: Sonntag ist Autocorso mit der Mannschaft durch die Innenstadt. Bei Kaiserwetter. Sowohl die Klangvokal Webseite als auch die Seite der Stadt Dortmund warnten vor Verkehrs- und vor allem Parkplatz Chaos.

Ich bin dann einfach mal losgefahren, habe eine Ausfahrt verpasst, wurde von hinten durch die kalte Küche über den Hafen nach Dortmund rein navigiert und landete direkt vorm Parkhaus des Konzerthaus Dortmund. Eigentlich perfekt, aber: Das Parkhaus macht erst 2 Stunden vor Beginn der Aufführung auf. Einerseits gut – so konnten die 200.000 oder mehr BVB Fans die Kulturparkplätze nicht besetzen ;) aber ich stand dann etwas über ne Stunde vor verschlossenem Tor und habe gewartet.

Aber:

Während des Wartens durfte ich bereits 5 Musiker des Orchesters kennen lernen, die in heller Aufregung nach Parkplätzen suchten, um pünktlich zur Probe zu kommen :) War auch nett. Als die Schranke dann endlich aufging hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben freie Platzwahl im Parkhaus. Immerhin. Im Konzerthaus waren die Plätze natürlich zugewiesen :)

Immerhin habe ich mir auch noch ein Steinway and Sons BVB-Andenken mit Autogrammen der Borussia-Spieler mitgenommen:

 

Ganz lieben Dank für das tolle erste Opern-Erlebnis!

Vorneweg Christoph für die Einladung.

Aber natürlich auch das WDR Funkhausorchester, das Klangvokal Festival, den WDR, das Konzerthaus Dortmund, Lawrence, Jessica, Giacomo, alle anderen Mitwirkenden und den BVB, dass das Chaos in der Stadt doch nicht so riesig war wie angekündigt :)

Ach so und wenn Ihr Euch die gesamte Oper mal geben möchtet: Bei YouTube gibt’s ja alles. Auch mir Kostümen:

Der Mond scheint meist in cis-moll Klassische Musik Entdecken für Einsteiger mit Frank Roebers und Eva Schüttler

Klassische Musik für Einsteiger – der Mond scheint meist in cis-Moll

Ich habe Beethovens 9. Sinfonie bereits zwei Mal gehört heute. Und das jeden Tag seit über 2 Wochen. Daran ist mein ehemaliger Chef aus der Synaxon Frank Roebers schuld :) Warum genau erkläre ich etwas weiter unten.

Nach 4 Durchläufen der Mondscheinsonate – einmal in der kitschigen und danach dreimal in der Trauermarschversion, spielt jetzt gerade Bachs Brandenburgisches Konzert #5 von dem Douglas Adams sagte:

The familiarity of the Brandenburgs should not blind us to their magnitude. I’m convinced that Bach is the greater genius who ever walked among us, and the Brandenburgs are what he wrote when he was happy.

Doch fangen wir von Anfang an:

Der Mond scheint meist in cis-Moll

So heißt das neue Vortragsprogramm (hier geht’s zur Webseite), das Frank gemeinsam mit Pianistin Eva Schüttler geschrieben hat.

Klassik für Einsteiger lautet der Untertitel.

// UPDATE – Hier nun auch das Vlog-Special mit ausführlichem Interview mit Eva und Frank:

Als Frank mich gefragt hat, ob ich gerne bei der Premiere im Denkwerk Herford dabei wäre, habe ich NATÜRLICH sofort “HIER!!” geschrien :) Ich habe ihn zwischen 2006 und 2009 zu vielen Vorträgen begleitet, die sich allerdings immer um Arbeitsthemen drehten. Frank also mal zu einem seiner Herzensthemen reden zu hören UND noch was über klassische Musik zu lernen: Was will ich mehr?

Eva Schüttler und Frank Roebers nach der spitzenmäßigen Premiere

Eva Schüttler und Frank Roebers nach der spitzenmäßigen Premiere (c) Foto: Synaxon AG

Live ist einfach was anderes.
Den umwerfenden Live-Sound habe ich damals als Blogger-Gast bei der Social Media Einladung zum Konzert der Duisburger Philharmoniker bereits gespürt. Das war Zweitausend-fucking-NEUN! Kerkerker ist das lange her.

Wo ich gerade nochmal meinen Text bei den Philharmonikern in der Mercator-Halle lese, muss ich grinsen. Denn damals habe ich zusammen mit den 30 anderen Social Media Gästen genau das gemacht, wovor Frank direkt zu Beginn des Vortrags gewarnt hat:

Niemals als erster klatschen!

Ich weiß also, wie es sich anfühlt, wenn man sich vor 1700 Leuten zielsicher zum Vollpfosten macht ;)

Bei Der Mond scheint meist in cis-Moll bestand das Publikum zu 90% aus Klassikanfängern und da stand “nur” ein Konzertflügel und kein vollständiges Philharmonie-Orchester. Und obwohl ich einige Pianisten in der Bekanntschaft habe, habe ich noch nie einen Flügel ernsthaft, live und von einer Meisterinnenhand wie Evas gespielt gehört. Das Denkwerk ist kein Konzertsaal mit ausgefeilter Akkustik aber Hölle, war das ein Klang! Unverstärkte Akustik-Instrumente sind einfach eine andere Liga als jedes Rock-Konzert mit 5 bis 7-stelligen Watt Frontlines.

Eva spielt seit sie 5 Jahre alt ist Klavier, hat seit 2008 einen Lehrauftrag an der Musikhochschule in Detmold und ist als Solistin und in verschiedenen Ensembles als Musikerin unterwegs. Der Kontakt zu Frank kam ganz einfach zu Stande: Sie arbeitet neben all ihren andren Aufgaben auch als Klavierlehrerin und unterrichtet Frank seit er mit 42 Jahren noch angefangen hat, Klavier zu spielen. Es ist also nie zu spät!

Der Sinn hinter Klassische Musik entdecken ist die Ausweitung von Franks Spenden-Aktion “Sabbeln für Kohle”. Nachdem er zu seinen fachlichen Themen bereits seit Jahren Vorträge hält und die Gage spendet, hat er hier sein Hobby zum Kernthema gemacht. Wie, für wen und wo ihr das Projekt unterstützen könnt, lest Ihr hier.

Übrigens wurden bei dem Premieren-Event 5.000 Euro an Spenden eingenommen! Gratulation!

Die Biographien von Eva und Frank findet Ihr hier unten auf der Seite.

Historische Führung entlang einiger wichtiger Klassik-Vertreter mit rationalem Nutzen

Nach den ersten Tönen von Chopins Prelude No. 4 begann Frank seinen Vortrag mit der Aussicht, dass 10 Minuten klassische Musik nicht nur den IQ um 8 Punkte erhöhen könnten, sondern dass wir als Publikum erst ein bisschen herunter geholt, dann etwas aufgeklärt und dann Energie geladen aus dem Abend entlassen werden.

Musik funktioniert emotional.
Das kann ich seit den letzten 18 Monaten als Vater ganz gut beurteilen: Meine Tochter fängt bei bestimmten Stücken SOFORT an zu tanzen, ohne zu wissen was tanzen ist und schläft zu manchen Stücken besonders gut ein. Manchmal mit Gesang, manchmal auch mit Summen des Imperial March aus Star Wars. Aber die beruhigende Wirkung der Musik auf Babies lässt sich nicht absprechen, obwohl sie weder Worte, noch etwas von Musiktheorie verstehen. Was bei Orpheus und dem mehrköpfigen Hunde-Ungeheuer Kerberos funktioniert, funktioniert offensichtlich auch bei Mini-Menschen ;)

Hauke Egermann forscht an der Uni York zu Klängen und wie sie auf uns wirken. Er erklärt im folgenden Video 4 mögliche Gründe warum Musik gezielt Emotionen in uns auslöst.

  1. Gelernte Assoziationen
  2. Musikalische Erwartungen
  3. Musik drückt emotionales Bewegen aus
  4. Das Geräusch an sich regt uns und unser Nervensystem an

Doch weiter mit Frank, Eva und cis-Moll

Erstmal wurden ein paar Schutzmauern aus Expertentum eingerissen, die viele Leute davon abhalten, sich an Klassik überhaupt ranzuwagen.

Über die Geschichten und Anekdoten der verschiedenen Komponisten führten Eva und Frank uns nach der roten Pille immer tiefer in den Hasenbau der Klassik. Hier ein paar Kostproben, ohne zuviel zu spoilern:

Bach hat das “Musikalische Opfer” aufgrund einer Herausforderung durch Friedrich den Großen geschrieben. Der König war ebenfalls ein recht talentierter Musiker und wollte Bachs Fähigkeiten testen. Er gab ihm ein Thema vor und bat Bach um eine mehrstimmige Improvisation um das Thema. Was Bach dann aus der Melodie konstruiert hat, muss man sich einfach selbst anhören. Eva spielte nur das erste Drittel, danach wird einem schier schwindelig.

Bei allem Genie stammte Bach auch aus einer Familie, die Musikalität als Handwerk begriff und verlor als nichtmal zehnjähriger seine Eltern und einige seiner Geschwister. Als Vater verlor er 11 seiner 20 Kinder und die Liebe seines Lebens.

Beethoven war wohl ein derart schwieriger Mensch, dass sein Neffe sich lieber umgebracht hätte, als mit Beethoven zusammen zu leben.

Was ich selber mittlerweile über Beethoven herausgefunden habe: Sein Alkoholiker-Vater hat ihn in seiner Kindheit zweimal fast tot geprügelt. Wenn man solche Details aus dem Leben eines Künstlers kennt, sieht oder besser hört man doch seine Werke ganz anders.

Beethoven stritt sich einmal mit dem Fürsten Karl Lichnowsky und hinterließ ihm eine Notiz und das kann man entweder endlos arrogant finden oder einfach nur mutig und ehrlich. Ich bin da eher beim letzteren:

“Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch mich; Fürsten hat es und wird es noch Tausende geben; Beethoven gibt’s nur einen ec.”

Außerdem ist eines seiner Stücke der Namensgeber für den Vortrag. Wer wissen möchte, welches Stück das ist, muss einen der nächsten Vorträge besuchen. ;)

Interessant an dem Stück ist der eingangs erwähnte Interpretation-Spielraum. Die einen Experten sagen, es ist ein Liebeslied. Die anderen sagen, es ist ein Trauermarsch, den Beethoven am Sterbebett eines Freundes komponierte.

Mozart war Schüler von Haydn und der sagte zu Mozarts Vater: “Vor Gott und als ehrlicher Mann sage ich ihnen, dass Ihr Sohn der größte Komponist ist, der jemals gelebt hat.” Da war Mozart 25 Jahre alt. Und Haydn später übrigens auch Beethovens Lehrer. Der wusste also, wovon er redete.

Fun-Fact: Mozart war in der Hälfte der Lebenszeit mit 626 Stücken  genauso produktiv wie Bach.

Chopin wollte sich mit dem Schreiben der Regentropfen-Prelude eigentlich beruhigen, als seine Frau George Sand durch einen Mallorquinischen Sturm reiste und er Todesangst um sie hatte.

Wagner – Das Vorspiel des Rheingolds ist in Es-Dur und genau 136 Takte lang. Wagner-Wissen für die nächste Party :) Beeindruckend, wenn jemand auf dem Klavier ein Musikstück spielt, die eigentlich für über 100 Instrumente geschrieben wurde.

Der erste Dirigent der Musikgeschichte starb an einer Berufsverletzung: Er haute sich mit seinem schweren Taktstock, der damals auf den Boden gestampft wurde, so doll auf den Fuß, dass er am Wundbrand der Verletzung starb. Wohl ein Grund, warum die Taktstöcke immer handlicher wurden ;)

Als Führungskraft erklärte Frank auch, dass Dirigenten-Seminare wohl sehr beliebt bei Managern sind. Ist auch logisch: Wer in der Lage ist, bis zu 100 und mehr Musiker dazu zu bringen, eine großartig Team-Leistung zu erbringen, wird wohl ein wenig von Führung verstehen.

Musik besteht aus den Beziehungen zwischen den Tönen. Ob eine Melodie eher ein freudiger Aufschrei oder ein trauriger Seufzer ist, zeigt immer die Relation von einem Ton zum nächsten. Ohne zu sehr in die Musiktheorie abzudriften, erklärte Eva am Klavier und mit Chopins Prelude No.4, wie die Töne untereinander Stimmungen in uns wach rufen.

Frank bat uns, beim Zuhören an einen Menschen zu denken, der nicht mehr unter uns ist. Da ziemlich genau 3 Monate zuvor meine Mama gestorben war, traf mich das Stück wie mit all seiner sanften Wucht und ich musste mich auf meinem Platz in der ersten Reihe schwer zusammen reißen, nicht vollständig in Tränen auszubrechen.

Neben vielen praktischen Vorbereitungs- und Bekleidungs-Tipps gab Frank uns sogar Ernährungs-Empfehlungen für klassische Konzerte: Die akustisch nahezu perfekten Konzertsäle können mitunter auch SEHR leise werden. So leise, dass man jedes Magenknurren oder andere Verdauungsgeräusche in der Stille hören kann. Besser also was leichtes essen vorher.

Wenn eine Sinfonie oder Oper mehrere Stunden lang ist, sollte man leicht gegessen haben ;) Wichtiger ist aber noch zu wissen, wie Sinfonien aufgebaut sind. Die Grundregeln des Aufbaus zu kennen hilft ungemein, beim Hören über den langen Zeitraum dran zu bleiben:

So viele klassische Stücke haben ihre eigenen Geschichten. So wie Chopin, Wagner, Bach Beethovens und Mozarts Stücke, die Frank und Eva in “Der Mond scheint meist in cis-Moll” spielen.

Im letzten Drittel geht es in die Champions League der Klassik:

Zur Oper.

Genauer gesagt: Zu Wagners Ring der Nibelungen. Hier treffen Musik, Gesang und Story so massiv aufeinander, dass es eigentlich wie eine unlösbare Aufgabe erscheint, 16 Stunden Oper in 30 Minuten zusammen zu fassen. Aber irgendwie haben Frank und Eva das hinbekommen.

10 Haupt-Themen aus den vier Werken von Wagner haben sie sich raus gepickt und Eva interpretiert sie auf dem Piano. Bemerkenswert fand ich, wie vielschichtig die verschiedenen Geschichten sind, die im Ring erzählt werden. Frank interpretierte den Untergang der Götter als eine sozialkritische Analyse Wagners der damaligen Zeit: Dem Untergang der Königshäuser. Die den Ring der Nibelungen bemerkenswerterweise alle bejubelten, obwohl sie ihren eigenen Untergang vorgespielt bekamen.

Zur weiteren Vertiefung empfahl Frank uns Publikum die 4-teilige 3sat Doku zum Wagners Ring. Glücklicherweise trotz Rundfunkstaatsvertrag noch auf YouTube zu sehen:

Ich fand während des weiteren Recherchierens diese Auseinanderklamüserung von Vivaldis “Vier Jahreszeiten” noch eine eine schöne Ergänzung. Und was in dem Video u.a. erklärt wird, war mir nicht bewusst, das Stück war quasi Pop-Musik damals. Einfacher und melodiöser gestrickt als viele Zeitgenossen, damit möglichst viele Menschen mit dem Stück etwas anfangen können:

Tipps zum Einstieg in die Klassik

Ok, wie fängt man am besten mit der Klassik an? Frank und Eva haben mir ein paar Tipps gegeben. Dazu bereite ich aktuell noch ein Video-Interview mit den beiden nach, das ich die Tage hier noch veröffentlichen werde.

Mein eigener Tipp vorweg:

Da meine Freundin von klassischer Musik schnell genervt ist – v.a. von der vermeintlichen Eintönigkeit – bin ich dazu übergegangen, im Wohnzimmer ab und an Best-of Sammlungen laufen zu lassen. Da ist die Abwechslung gegeben und es gibt immer wieder neue Themen und Melodien zu hören. Die, bei denen sie schonmal sagt “ok DAS klingt ganz ok” mache ich dann mal das ganze Werk an. Hält sich aber noch in überschaubaren Grenzen ;)

Wagner, Klassik für Dummies, Chopin, Georges Sands, Diese Bücher zu klassischer Musik hatte Frank Roebers beim Event dabei.

Diese Bücher zu klassischer Musik hatte Frank Roebers beim Event dabei

  1. Keine Angst vor Klassik haben! Man muss kein Experte sein. Ich habe mal die Definition gehört: Musik ist Geräusch, das Spaß macht. Sucht Euch Klassik, die Spaß macht.
  2. Pickt Euch ein Stück raus und hört das 2 Wochen lang jeden Tag mehrmals. Frank schlug die eingangs erwähnte 9. Sinfonie von Beethoven vor:  14 Tage lang nur den 1. Satz hören. Dann 14 Tage lang nur den 2. Satz hören und so weiter. So nähert man sich als Anfänger einem komplexen Stück recht gut.
  3. Nutzt Klassik ganz gezielt für Eure Stimmung! Beethovens 9. ist besonders morgens großartig, um in den Tag zu starten. Bei mir läuft sie momentan als Wecker :)
  4. Meine Erfahrung: Abwechselnd im Auto, mit Kopfhörern und über die Anlage im Wohnzimmer hören. Man mag es kaum glauben, aber das sind wirklich ganz unterschiedliche Hörerlebnisse.
  5. Die Qualität der Abspielgeräte: Zur passenden Technik zum Musikhören schreibe ich noch einen gesonderten Artikel. Das ist nochmal ne Wissenschaft für sich. Für den Anfang gilt: Das, was gerade zur Verfügung steht, eignet sich auch am besten zum Hören. CD oder Schallplatte sind natürlich die besten Möglichkeit. Radio kommt direkt danach. Bei uns in der Region Ostwestfalen WDR 3, Deutschlandfunk Kultur oder NDR Kultur. Und natürlich Spotify, Amazon Music, Google Music, Apple Music usw.
  6. Es gibt einige kostenlose Streaming-Möglichkeiten in sehr guter Qualität:
    – Linn Radio Classical ist super, allerdings ist das ein Radio. Da habt Ihr keinen Einfluss drauf, was gespielt wird.
    – Bei archive.org könnte Ihr 150 Klassik-Stücke in unkomprimierter FLAC-Qualität kostenlos runterladen
    – YouTube ist natürlich auch eine Option, dort findet Ihr jedes erdenkliche Stück, in das Ihr reinhören möchtet. Hier ist wichtig immer 720p oder 1080p als Qualität auszuwählen. Damit wird nicht nur die beste Bild- sondern auch Ton-Qualität ausgewählt.
  7. CDs gehen aber ganz schön ins Geld! Stimmt. Außerdem nehmen sie Platz weg und stauben mit der Zeit ein. Deswegen meine Empfehlung: Aus Stadtbibliotheken ausleihen! Die Stadtbibliothek Bielefeld hat ein irre großes Klassik-Angebot auf CD und DVD am Start. Und die Klassikabteilung oben hat sogar noch den schönsten Ausblick und die loungigste Lounge-Ecke mit Möglichkeit zum Probehören. Da kann man gut mal nen Samstag-Vormittag verbummeln :)
  8. Nicht nur hören, sondern auch lesen! Wenn ich eines aus Evas und Franks Vortrag mitgenommen habe, dann das: Klassische Musik klingt nicht nur gut, sie steckt auch voller Geschichten! Und die kann man am besten nachlesen. Gute Einstiegsbücher sind Klassische Musik für Dummies und Listen to This vom Musik Kritiker des New Yorker Alex Ross.
    Übrigens auch hier wieder: Ein Blick in die Stadtbibliothek lohnt sich! Auch trotz Amazon Prime ;)
  9. Kinderbücher und hier vor allem: Hörspiele! Gerade für unterwegs sehr geil: Sucht mal bei Amazon Music oder Spotify nach Mozart und Kinder oder Bach und Kinder. Da gibt es ziemlich geile Hörspiele, in denen man in ein bis zwei Stunden nicht nur die Musik sondern auch was über die Komponisten dahinter lernt. Ach ja und ganz groß auch: Peter und der Wolf – hier gespielt von den Leipziger Philharmonikern und gelesen vom Leipziger Bürgermeister.
  10. Und dann sind da noch Podcasts! Viele Radiosendungen gibt es als Podcast zum hören on demand. Darunter auch Erklärbar-Sendungen wie
    – Das starke Stück – Musiker erklären Meisterwerke
    – Was heute geschah Musikhistorische Ereignisse passend zum Tag
    – und besondere Empfehlung Classical ClassroomDacia Clay ist Audio-Bibliothekarin beim Klassik-Sender KUHA in Houston und fragt seit 4 Jahren jede Woche Experten zu klassischer Musik aus.
    – Vermutlich das beste Archiv der Welt: Die Klassik-Sendungen der BBC
    – Und die Klassik-Abteilung von NPR – National Public Radio 
Die Abteilung für klassische Musik in der Stadtbibliothek Bielefeld

Die Abteilung für klassische Musik in der Stadtbibliothek Bielefeld

Mein persönliches Einstiegserlebnis in die Klassik

Was ich heute besonders mag sind eigene Interpretationen von klassischer Musik. Übertragen auf andere Instrumente. Er hier spielt bsw. Bachs Pachelbel Canon einfach nur auf einer Akustik-Gitarre:

Auch mich hat Klassik zum ersten Mal gepackt, als ich meinen E-Gitarren Lehrer damit genervt habe, dass ich die letzte Nummer aus dem Gitarren-Duel gegen den Teufel aus Crossroads lernen wollte:

“Ach, das ist ne Fuge von Paganini. Gib mir mal 2 Wochen. Die muss ich mir erstmal selbst drauf schaffen. Dann können wir das machen.” war der Kommentar von meinem Lehrer. Tatsächlich konnte ich nach ewigem Üben irgendwann zumindest die ersten 30 Sekunden in annehmbarer Geschwindigkeit spielen ;) für den Part am unteren Teil des Griffbretts war meine Gitarre einfach nicht gut genug.

Als erstes war ich also Paganini-Fan :)

Nach einer der Gitarrenstunden besuchte ich eine Freundin um die Ecke der Musikschule und unterbrach sie gerade mitten beim Üben. Sie spielte Bratsche bei den Jungen Sinfonikern in Bielefeld.
“Darf ich mal?” und sie ließ mich tatsächlich spielen!
Ernsthaft: Wenn Du nach den ersten kratzigen Minuten den ersten sauberen Ton aus einem über 100 Jahre alten Instrument raus holst und der ganze Raum einfach nur Ton ist läuft es Dir kalt den Rücken runter :)

Dann kam erstmal ne lange Pause ohne Musik. Ohne Band und ohne Musik hören. Ich hatte Podcasts und Hörbücher für mich entdeckt.

Vor 4 oder 5 Jahren fing sie dann an, mich richtig zu interessieren. Irgendwann habe ich aus Versehen mal WDR 3 oder einen anderen Klassiksender im Auto angemacht und bin sofort hängen geblieben. Seit dem Tag merke ich immer wieder, wieviel neues ich in klassischer Musik entdecken kann, wo mich Pop-Rock-Elektro-Punk-Industrial-Indie-Elektronik mittlerweile schnell langweilt.

Das Gefühl alles irgendwie schonmal gehört zu haben, lässt mich bei fast jedem Vertreter der Pop-Musik egal welchen Genres nicht los. Klar – es gibt auch da immer wieder Knaller-Songs.

Aber, die wenigsten neuen Songs die ich in den letzten Jahren gehört habe, packten mich. Geschweige denn, dass sie mich neugierig machten, Was in den Musikern wohl vorging, als sie das Stück geschrieben haben.

Möglicherweise hängt das auch damit zusammen, dass Musik immer industrieller und nach den Erwartungen der Kundschaft produziert wird. Darum heißt sie halt Pop-Music. Und sie macht ihren Job ja gut.

Aber:

Klassische Musik ist ein bisschen wie Meditation. 

Der Schlüssel sind meiner Meinung nach die vielen Wiederholungen in unterschiedlichen Ausprägungen und Variationen, die einen in eine aufmerksame Trance ziehen.

Ist auch irgendwie klar: Viele Stücke wurden bsw. vor religiösem Hintergrund geschrieben.

Gehen wir mal nur 100 Jahre zurück: Die einzige Möglichkeit für die Menschen Musik zu hören waren:

  • Ins Konzert gehen
  • Selber machen oder machen lassen
  • In die Kirche gehen

Heute können wir JEDE Musik hören, wo und wann immer wir wollen. Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte war Musik aber ein sehr großes Privileg.

Überlegt nur mal, wie verdammt viel Zeit ein Mensch aufwenden musste und heute immer noch muss, um ein Instrument zu meistern. Wieviel üben und proben 30, 40, 50 oder mehr Musiker in einem Orchester hinter sich bringen müssen, bis sie richtig gut zusammen spielen können.

Klassische Musik nimmt sich einfach mehr Zeit. Also muss man sich selbst auch mehr Zeit nehmen. Und unsere Hörgewohnheiten müssen sich an die längere und aufwendigere klassische Musik anpassen.

Da kommt der große Vorteil von Konzerten ins Spiel: Im Konzertsaal bin ich gezwungen, abzuschalten. Sowohl mein Handy wie auch meine Gedanken. Ich kann weder vorspulen, noch zum nächsten Track skippen. So kann ich mich voll und ganz auf die Musik einlassen.

Kultur ist immer menschengemacht. Und Kultur ist das, was wir kennen. Wenn etwas neues in unsere Welt kommt – und wenn dieses Neue auch 300 Jahre alt ist – sind wir erstmal mißtrauisch und ggf. ablehnend.

Das wir eigentlich alle irgendwie musikalisch sind, zeigt Bobby McFerrin hier ziemlich beeindruckend mit dem Publikum eines Neuroscience Kongress:

Wenn Klassik hören nicht reicht: Selber spielen

Der oben genannte Mozart Effekt und seine IQ-steigernde Wirkung ist seit fast 25 Jahren umstritten. Mal funktioniert er, 2 Jahre später kommt wieder eine Meta-Studie, die sagt: Taugt alles nix. Was uns aber erwiesener Maßen intelligenter, klüger oder einfach besser macht ist: Selber Musik machen.

Wie gesagt: Frank hat mit 42 angefangen mit dem Klavier spielen. Das lohnt sich immer. Und das geht in jedem Alter. Hier hat eine YouTuberin mal ihren persönlich Fortschritt beim Geige spielen lernen in ein 4:44 Minuten Video gegossen. SEHR beeindruckend und ermutigend:

Leichter lernen geht mittlerweile auch.

Beim Recherchieren bin ich auf Pianist James Rhodes gestoßen. James ist in seiner Kindheit durch die Hölle gegangen und Musik hat ihm scheinbar das Leben gerettet.

Hier spricht er in diesem Talk hier darüber, wie sehr wir uns auf die externe Welt beziehen, anstatt mal in uns rein zu hören und Antworten auf die Fragen der Welt da draußen in uns selbst zu finden. Er bringt Beethoven als Beispiel, der als erster Musik geschrieben hat, die ihn glücklich macht. Nicht Gott. Oder den Fürsten, der ihn bezahlt. Deswegen hat Beethoven zu seiner Zeit auch viele Menschen verstört.

Und:
Er hat noch ein Buch geschrieben, mit dem wir lernen können Bachs Praeludium Nr. 1 in C-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier in 5-6 Wochen spielen zu lernen.

Verdammt und ich bin nicht nur Fan von klassischer Musik geworden (ein Fan von TED-Talks bin ich übrigens schon lange), sondern auch von James Rhodes. Er hat erst mit 14 angefangen, Klavier zu lernen. Mit 18 wieder aufgehört. Bis 28 als Banker in London gearbeitet und mit 28 wieder ernsthaft angefangen zu spielen. 5 Jahre hat er nichts anderes getan, als Klavier zu spielen und dabei fast alles verloren. Seine eigene Geschichte erzählt James hier. Seine Talks sind wirklich ganz großes Tennis. Und witzig. Das zeigt hier schon der Titel:

Ich nehme James Herausforderung an. Er sagt: Das Prelude No. 4 in E-Dur das wir auch im Vortrag gehört haben, könne jeder in ein paar Wochen und 45 Minuten am Tag lernen. Ich werd’s versuchen:

Und Noten lernen?

James Rhodes sagt: “Lernt Noten lesen. Es ist nicht so schwer. Millionen Kinder tun es jeden Tag auf der Welt.”

Jeff Hao erklärt in diesem Talk hier, wie er Klavier spielen mit 40 gelernt hat. Er hat seine eigene Notenschreibweise entwickelt, die sehr viel leichter von Anfängern zu lesen und umzusetzen ist, als der klassische Notenschlüssel. Er betont ausdrücklich, dass das nichts für Profis ist oder für Kinder, die gerade anfangen mit Musik und denen das Lernen leicht fällt. Viel mehr wollte er eine Hilfestellung schaffen, für ältere Menschen, die sich an ein Instrument heran wagen wollen.

Am häufigsten wurde er gefragt:

“Warum willst Du unbedingt das Rad neu erfinden?” und er sagt: “Wenn nach dem Rad niemand den Reifen erfunden hätte, hätten wir heute auch keine Autos.”

Was wenn Beethoven, Mozart oder Bach heute leben würden?

Je mehr ich angefixt bin, desto tiefer wühle ich mich durch die Jahrhunderte ins Heute. Und frage mich: Was würden die alten Genies mit der heutigen Technologie anstellen?

Oder:
Könnten sie gar nichts damit anfangen? So wie Stephen King auf einer Schreibmaschine und Neal Stephenson mit einem Füller ihre Romane schreiben?

Meine Suche ist noch lange nicht am Ende ;) Ich fange gerade erst an, mich in Neo Klassik einzufuchsen. Aber der hier ist schonmal ein guter Ausgangspunkt:

Und nachdem ich schon in der moderne angekommen bin: Schwer gepackt hat mich John Luther Adams und seine Sinfonie Become Ocean. Das Wasserthema am Anfang erinnert MEGA an das Vorspiel vom Rheingold, das den Fluss Rhein darstellt.

Und hier geht es direkt zu der Stelle in Beethovens neunter, die ich schon im Musikunterricht früher cool fand. Auch wenn ich Klassik damals als Punk natürlich doof finden musste ;)

OH FREUNDE! Nicht diese Töne!

Eine weitere Zusammenfassung des Vortrag könnt ihr auf dem Blog der Synaxon AG lesen, bei der Frank als Vorstandsvorsitzender arbeitet.

Ganz lieben Dank an Frank und Eva für die Einladung. Ihr beiden und cis-Moll habt auf jeden Fall mein Leben mit klassischer Musik nachhaltig verändert!

 

unbeschreibliches Gefühl 

wenn nach 3 1/2 Wochen der ersten Kinder-Familiy-Erkältung sich so ein leichtes Gefühl des wieder besser gehens breit macht.

Die Watte im Kopf weicht 

Die Nase wieder freier wird

Und so langsam Kraft in den Körper zurück kehrt

AAAAAAH was is das? Die nächste Bazillenschleuder macht sich bereit und die Mama hat’s erwischt. Na das kann ja Eiter werden.