Tag Archives: A140

Warum ausgerechnet die Mercedes-Benz A-Klasse?

Ich schrob (danke fürs Wortleihen ix) letztens ja schon: Die A-Klasse hat mich seit Start des Blogs begleitet und noch mehr.

Was meine ich eigentlich damit?

Als ich damals mit dem Autoblog anfing, hatte ich mal einen Deal mit relativ großen Autoportal: Ich leihe mir bei einer Autovermietung ein Auto und schreibe hier und auf dem Portal darüber. Dafür übernimmt das Portal die Mietwagengebühr. Guter Deal eigentlich.

Holiday day 2: in the valley behind a new Mercedes

Damals war ich ja darauf angewiesen, die Autos vom Händler zur Probefahrt zu bekommen. Da waren ja normalerweise maximal 2 Stunden drin – mit viel Glück mal ein Tag. Da kam mir so eine Leihwagen-Geschichte ganz zu pass. Das es irgendwann auch mal so eine Art Zusammenarbeit mit Herstellern geben würde, hätte ich mir in den kühnsten Träumen nicht in den Sinn kommen lassen.

Naja was soll ich sagen. Das erste und *hust* einzige Auto, was ich mir damals geholt habe, war eben die A-Klasse. Das lag zum einen daran, dass die Zahlungsrückläufe recht lang waren und ich mir zu der Zeit das Auslegen nicht erlauben konnte – zum anderen lag es daran, dass ich nicht wusste, wie ich schreiben sollte.

Wir hatten einen Road-Trip zu einem Kumpel richtig Karslruhe auf dem Zettel. Wir waren nicht ganz so viele, wie in dieser A-Klasse hier – wir waren nur zu dritt:

A-Klasse ganz groß

Obwohl Autoverleiher ja nicht grade dafür bekannt sind, die Top-Ausstattungen in den Fuhrpark aufzunehmen, hatte mich der Baby-Benz, in dem wir uns auf den Weg machten, eigentlich begeistert. Die Kiste stand durchaus ganz gut da. Natürlich kein Leder und allzu fancy stuff, aber Navi, schicke Klavierlack Armaturen und eben diese typische mercedische Edelanmutung, die in der Kompaktklasse ja lange nicht selbstverständlich ist.

Das Problem war der Motor. Der Verleiher hatte zwar nicht ganz so arg an der Ausstattung, dafür aber an der Motorisierung gespart. Der A140 war von Raketoped weit entfernt und nicht grade das, was man auf einer Langstrecke haben will. In der Stadt und über 60 (also über 60 Jahre, nicht km/h) mag die Maschine sicherlich ausreichen. Für unseren Trip in für Ostwestfalen eher bergige Gefilde war das der Underkill.

Nürburg Ring

Ich hatte ja nun keinen Rennwagen erwartet. War aber von der kleinstmöglichen Maschine eben eher enttäuscht und stand da nun: Was sollte ich schreiben? Noch feucht hinter den Ohren als Autoblogger. Noch keinen Verriss bei anderen gelesen, geschweige denn selber einen geschrieben. Wobei es ja auch eher eine Kritik als ein echter Verriss geworden wäre, habe ich damals gekniffen und nix geschrieben.

Mercedes-Benz A-Klasse Coupé Avantgarde (C 169) front 20101012
Das hier sind Beispielbilder von Flickr. Die Original-Fotos von damals sind leider auf einer abgerauchten Festplatte verschütt gegangen.

Gar nicht mal, weil ich Angst hatte, gleich beim Hersteller auf eine Ignore-Liste zu kommen – wie schon gesagt träumte ich ja nicht mal davon, von Herstellern überhaupt wahr genommen zu werden – sondern vielmehr wollte ich nicht gleich zu Anfang die Autohändler mit negativer Kritik abschrecken. Ich meine wie sieht das denn aus? Kaum kriegt der feine Herr Autoblogger mal nicht das Top-Modell, wird gleich gemäkelt. Tjo, im Nachhinein betrachtet, hätte ich natürlich mein Posting so schreiben können, wie es mir in den Kopf kam.

Mercedes-Benz A-Klasse Coupé Avantgarde (C 169) rear 20101012

Die Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren mit Herstellern gemacht habe, waren durchweg positiv, wenn ich diese Geschichte erzähle. Nicht nur bei Mercedes-Benz sondern überall anders auch, stieß ich auf Verständnis. Natürlich hätte ich die Geschichte und meine Meinung dazu schreiben können. Differenzierte, begründete Kritik, die erklärt wird, wird durchaus gerne gesehen.

Driving the A-Class

Der eine oder andere Journalist mag bei meinen Gedankenverschwurbelungen jetzt heftigst den Kopf schütteln. Aber hey: Ihr habt das Handwerk ja gelernt und habt Feedback von alten Hasen bekommen. Ich wurschtelte mich damals (wie auch heute noch manches Mal) selber durch. Ohne Kollegen und Chef-Redakteure, die mal eine zweite Meinung abgegeben haben. Also richtet nicht zu hart. Auch in in virtuellen Schulaufsätzen über Probefahrten steckt viel Arbeit und vor allem Herzblut.

Merc The Eye1

Chaja, so war das damals. So wurde die A-Klasse mein erster “Verriss” den ich nie geschrieben habe. Daraus entwickelte sich dann durch viel Nachdenken aber auch meine Grundeinstellung:

Ich liebe Autos -Punkt-. Und ich sehe es nicht als meinen Auftrag an, andere Menschen vor Kaufentscheidungen bestimmter Autos zu warnen oder den großen Investigativ-Jounalisten zu machen. Vielmehr möchte ich denen, die sich für die Autos hier interessieren den Anstoß geben, sich selbst eine Meinung zu bilden. Das Denken und selbst erFahren kann und will ich niemandem abnehmen, aber ich kann ein paar Tips geben, worauf Ihr achten solltet.

Das habe ich von der A-Klasse gelernt. Und es sollte noch so einiges mehr werden…

Baby Benz

Danke an die Flickr-User deren Bilder ich benutzen durfte. Alle Bilder sind auf die jeweiligen Urheber verlinkt.