Tag Archives: Auto selber bauen

Geht es vom großen Autohersteller in Zukunft zu DIY Autos?

Geht es vom großen Autohersteller in Zukunft zu DIY Autos?

Für den Toyota Prius gibt es selbstgehackte Chiptunings und Bausätze, dass er nur auf Strom läuft und gar kein Benzin verbraucht. Es gibt immer mehr Beispiele für Autos, die in Heimarbeit auf Elektroantrieb oder Hybrid umgebaut werden und es gibt sogar schon Mini Firmen, die Autos komplett selber zusammen bauen.

Rally Fighter (c) www.local-motors.com

Am Anfang ist das selbst gebaute Ersatzteil

Ein Bekannter von mir restauriert alte, englische Motorräder. Und dazu ist er auch noch Engländer :) Da drübern auf der Insel ist das mit dem TÜV ja eine ganz andere Sache und darum hat er ziemlich früh Erfahrungen damit gesammelt, Teile für seine Motorräder selbst zu bauen. Das macht er mittlerweile auch recht erfolgreich in Deutschland. Allerdings schon auf einem ganz anderen Niveau.

Mit modernen Konstruktionsprogrammen, die jeder auf dem Rechner zu hause nutzen kann, erstellt man mal eben 3D Modelle seiner Teile. Vom Kupplungsdeckel bis hin zum Zylinderkopf – je nach persönlichem Talent. Ein altes Originalteil dient als Vorlage und kann sogar in einem 3D Scanner virtualisiert werden. Falls es kein Originalteil ehr gibt, versucht man an alte Zeichnungen ranzukommen. Wenn das auch nicht mehr hilft, muss man eben sein eigenes Ingenierustalent auspacken.

Ist das virtuelle Modell fertig kann es in einem Metallbetrieb oft schon hergestellt werden. Bei allem was nicht in die Drehbank kann, kommt eine Technik zum Einsatz, die sich in den letzten Jahren Entwickelt hat und durch die eine Garage zur kleinen Produktionsstätte werden kann: Rapid Prototyping mit dem 3d-Drucker RepRap

Somit lassen sich theoretisch eigene Ersatzeile bauen. Das ist alles noch mit sehr viel basteln verbunden, klar. Aber das war Webseiten-Erstellen auch mal. Was passiert, wenn Programmierern das Programmieren zu langweilig wird und sie selber Dinge bauen wollen, könnt Ihr Euch in dieser Chaosradio Express Folge “Basteln im 21 Jahrhundert” von Tim Pritlove anhören.

Dann kommt das customizen der Autos. Wir haben früher unsere Computer-Gehäuse gepimpt – auch Casemodden genannt. Wasserkühlungen wurden eingebaut und Mini-ITX Rechner in Autohandschuhfacher geschraubt.

Casemod von Flickr-Usern hofnik

Autotuning von und für Geeks

Wenn man sich an seinen Rechnern genug ausgelassen hat, kommt dann wohl irgendwann das Auto dran. Jetzt nicht irgendein Rumgeprolle mit Musikanlagen, die mit ihren KW die Leistung des Kleinwagens überschreiten, der die Endstufen rumächzen muss. Auch keine Spoiler in Größe einer Pommestheken am Heck.

Neben Spritspartips für spezielle Automodelle gibt es mittlerweile auch reichlich  Firmware-Tunings beim Auto. Automobiles Jailbreaking quasi :) Sehr gerne zum Beispiel beim Toyota Prius gemacht, den ich ja auch schon mal gefahren bin. Das Auto kann wie jedes andere auch Chipgetunt werden – nicht nur zum schneller fahren, sondern auch zum Energie sparen.

Es gibt sogar Bauanleitungen um NUR den Elektroantrieb des Hybrid-Autos zu nutzen:

Nächster Level: Umbau auf Hybrid oder reinen Elektro-Antrieb

Das finde ich noch mit Abstand am spektakulärsten: Ben hat sich sein eigenes Elektroauto mit RangeExtender gebaut und fährt es mittlerweile seit 2 jahren! Also ein Elektroantrieb mit kleinem Verbrennungsmotor, der die Batterien auflädt, falls die Ladnung für die gewünschte Strecke nicht reicht. Der Benzinmotor läuft dabei dauerhaft im optimal effizienten Drehzahlbereich, weil ja immer die gleiche Leistung bringen muss. Vergleichbar mit dem Antrieb im Opel Ampera.

Ben hat mit dem Projekt hat den instructables Craftsmen Tool Contest gewonnen und auf  seinem Blog 300mpg.org nicht nur ausgiebig darüber gebloggt (300mpg bedeutet soviel wie “1 Liter auf hundert Kilometer” sondern auch gleich noch ne DVD rausgebracht :)

Wenn mir jetzt noch einer sagt, wie ich den Volvo auf Elektro-Antrieb umbauen kann UND ihn durch den deutschen TÜV kriege, bin ich dabei! :-D

Crowd-Source Autos in Mikrofabriken bauen

Einen großen Teil der Arbeitsleistung und Milliarden-Investition, die für Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Autos aufgebracht werden muss lässt, sich mittlerweile mit Crowd-Sourcing Methoden aufs Web auslagern. Designs einreichen, bewerten, Baupläne erstellen, Marketingleistungen, Marktforschung, CRM, Beschaffung und Einkauf, Mundpropaganda sind alles Bestandteile, die das Geschäftsmodell von Jay Rogers erst möglich gemacht haben:

Local Motors.

Alles, was aufs Web und die Menschen dort ausgelagert werden kann, wird ausgelagert. Die Teile für die Autos kommen aus den Regalen unterschiedlichster Zuliefer. Da mittlerweile ja meistens mehrere Autohersteller bei der Entwicklung miteinander kooperieren, entstehen so unbegrenzte Kombinationsmöglichkeiten um ein individuelles Autodesign ohne 3 Milliarden teure Werke zu realisieren.

Hier gibt es das erste Auto von Local Motors zu sehen. Der letzte Teil einer zehnteiligen Serie auf youtube über den Rally Fighter. Sieht schweinegeil aus – irgendwo zwischen Rally-Auto, Batmobil und RC-Buggy :-) So etwas würde sich ein Autokonzern nie trauen auf die Straße zu bringen. Und mit ca. 59.000$ sogar durchaus interessant:

Die Krönung: Das Open Source Auto

Ich glaube schon,d ass sich in den nächsten Jahren bis Jahrzehnten was das Micro-Manufacturing angeht noch irre viel tun wird. Die Werkzeuge werden immer besser und präziser. Das Web transportiert nicht nur die Anleitungen sondern bietet auch die Möglichkeiten zum weltweit zusammen basteln. Und die Menschen haben immer mehr Zeit.

Und mit Open Source Auto-Projekten  wie The OS Car Project, cmmn oder dem fast fertigen Riversimple (via t3n)in denen Baupläne für das ganze Auto, für einzelne Bauteile und Anleitungen zum Zusammenbau alles enthalten ist, gehen Vater und Sohn bald vielleicht nicht in die Wekrstatt zum Drachen bauen, sondern werkeln am selbst desigten Auto rum.

Das wäre schon was, oder?

Hier fährt der wasserstoffgetriebene Riversimple rum: