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Auto-matisches Kolonnen fahren mit SARTRE Volvo dank EU

Auto-matisches Kolonnen fahren mit SARTRE Volvo dank EU

Ich bin ja ein großer Freund des Prinzips “Double your Time”. So gerne wie ich selber Auto fahre, hätte ich auch manchmal gerne die Möglichkeit einfach den Autopiloten einzuschalten und noch ein bißchen zu arbeiten, zu lesen oder die Augen zu zu machen. Und auch, wenn ich im letzten Jahr öfter in einem Zug gesessen habe, als alle 35 Jahre vorher, sind Schienen für mich eigentlich nur ein Grund zum anhalten und nach links und rechts kucken.

Am letzten Wochenende habe ich schon eine Fahrerfahrung gemacht, die in Ansätzen in die beschriebene Richtung ging – dazu später aber mehr. Erstmal muss ich Euch kurz von einem Projekt erzählen, auf das ich grade im VOLVO Newsroom gestoßen bin:

Sicheres kolonnenfahren für die Umwelt

Das EU Projekt SARTRE (Safe Road Trains for the Environment) entwickelt ein System, das es dem Fahrer ermöglichen wird, sich in eine Kolonne einzuklinken und dem Führungs-Fahrzeug das von einem speziell ausgebildeten Fahrer gesteuert wird, die Kontrolle über das eigene Auto zu übergeben. Kurz bevor ich dann von der Autobahn runter und aus der Kolonne raus will, stelle ich meinen Kaffeebecher weg, falte die Zeitung zusammen und übernehme einfach wieder selber das Steuer. Grade wurden erste Probefahrten auf dem VOLVO Testgelände nahe Göteborg durchgeführt.

Die in der Kolonne folgenden Fahrzeuge sind per Funk mit dem Führungs-Fahrzeug verbunden und erhalten so exakte Steuerinformationen. Alle Fahrzeuge sind darüber hinaus mit Fahrassistenten und Messgeräten ausgestattet, damit sie die individuellen Umwelteinflüsse analysieren und darauf reagieren können.

Was bringt das ganze?

SARTRE wurde im September 2010 natürlich nicht nur aus Gründen der Bequemlichkeit ins Leben gerufen: Die Fahrzeuge rücken in der Kolonne so dicht zusammen, dass sie sich gegenseitig Windschatten geben und an die Fahrweise an das umliegende Terrain anpassen. Damit wird erheblich Sprit eingespart, weniger CO2 ausgestoßen (beides biz zu 20%) und so offensichtlich es klingen mag: Platz auf den Straßen eingespart.

Außerdem hat die Bezeichnung in einem Platoon zu fahren natürlich auch irgendwie etwas cooles :-D

Nach den technischen Fragen kommen natürlich die rechtlichen: Was, wenn der Vordermann einen Unfall für die gesamte Kolonne verursacht? Oder ein System ausfällt während der Fahrer schläft? Bluescreens im Auto sind ja nicht grad die wünschenswerteste Sache.

Ich glaube allerdings, diese Fragen werden sich in den Jahren, die es noch dauern wird, bis eine funktionierende Lösung fertig ist, von ganz alleine klären. Erst einmal muss eine Lösung gefunden werden, Autos mit elektronischer Steuerung zu ermöglichen. Bisher ist in Deutschland noch gesetzlich vorgeschrieben, eine starre, mechanische Lenkvorrichtung zu benutzen. Aber die Skepsis, die ja auch der Fahrer im Video äußert, werden auch Menschen bei Tempomat und Servolenkung gehabt haben. Der gemeine Autokunde ist nunmal etwas technologiekritischer.

Ist es gefährlich die Kontrolle abzugeben?

Ehrlich gesagt, bin ich da zwiegespalten. Zum einen habe ich mich grade letztens mit einem Kollegen unterhalten, der bei Walter Röhrl auf einer Fahrveranstaltung im Porsche sass. Röhrl hatte das Auto vorher genau abgestimmt. Dann bewegte er das Auto ans Beifahrer tauglicher Limit und mehr oder weniger im Drift alle elektronischen Hilfen aus und konnte das Auto immer noch auf der Straße halten. Sein einziger Kommentar: “Probier das mal mit einem elektronisch gesteuerten Auto!”

Auf der anderen Seite werden Airbus Flugzeuge bereits seit einigen Jahren vollständig elektronisch geflogen. Das heißt, da gehen keine Seile oder Gestänge mehr zu Höhen- und Querruder, sondern über elektronische Impulse. Allerdings sind diese redundant – also mehrfach abgesichert – falls ein System ausfällt, übernimmt ein identisches. Und natürlich ist die wartungsintensität und damit die Ausfallsicherheit VIELFACH höher als bei einem Auto.

Aber gut, die Amis sind was das angeht ja noch um einiges schmerzfreier und die autonom über Kaliforniens Highways cruisende Google-Car-Flotte hat mittlerweile wahrscheinlich schon mehr als 200.000 Meilen auf dem Tacho.

Das Video ist sehr sehenswert :-) “The DMV doesn’t care as long as someone’s sitting in the driver’s seat” *g* Bin gespannt, wann Google das erste Mal wegen dem Laserscanner verklagt wird.

Ray Wert von Jalopnik stellt die richtige Frage nach: “Was kommt wohl zuerst – das fliegende Auto oder das fahrerlose Auto?”

Nichtsdestotrotz endlich mal ein Projekt, wo EU-Kohle mit Sinn und Verstand ausgegeben wird.

Liebe Volvo-Kollegen, wenn ich mal probe-nicht-fahren soll, lasst es mich wissen, ich bin dabei! ;)

Fotos: Volvo Newsroom