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Citroen DS Probefahrt – Rendezvous mit einer schwebenden Göttin im Tausch für #NissanLEAFcar33

Citroen DS Probefahrt – Rendezvous mit einer schwebenden Göttin im Tausch für #NissanLEAFcar33

Ich habe mich wirklich bemüht, aber mehr Clichee konnte ich in der Überschrift nicht mehr unter bringen :) Aber Göttin musste natürlich sein. Ein bisschen was französisches auch und schweben ist nun mal DAS Attribut was das Fahrgefühl in der Citroen DS am besten beschreibt.

Jan von auto-geil.de hatte ja während ich in Sachen Renault Twizy unterwegs gewesen bin, den NISSAN Leaf zum rumspielen. Er beschreibt in seinem Posting das Fahrgefühl als akkustisches Schweben. Als ich seine Beschreibung des LEAF Fahrgefühls las, dachte ich noch “najaaa komm Jan – SO außergewöhnlich anders wird so eine DS sich auch nicht anfühlen.” Dabei ist mir so ein Hydropneumatisches Fahrwerk nicht ganz unbekannt. Einen Citroen C5 konnte ich immerhin schonmal bewegen und das war durchaus beeindruckend.

Als ich aber in Jans Göttin sitze, wird mir schlagartig klar, was er meinte. Nur mal nebenbei: Das Auto ist zwei Jahre ÄLTER als ich. Baujahr 1972 also und feiert dieses Jahr seinen 40. Bau-Tag.

Völlig unglaublich ist erstmal der Sitz. Obwohl nur mit Schaumstoff gepolstert, habe ich das Gefühl auf einem McPherson gefederten Hüpfball zu sitzen, der mit Wasser gefüllt wurde. Der Fahrersitz, der auch gut als Logen-Sessel im Kino durchgehen würde ist unglaublich bequem. Jan erklärt mir erstmal die Handschaltung. 1. Gang links oben, 2. links unten, 3. links oben hinten usw. Dann darf ich den Zündschlüssel umdrehen.

Bei Citroen diesen Alters denkt man ja an DöhScheeWeeh. 2CV. Oder auch Ente. Kleine ratternde Zweitakt Nervensägen, die unumkippbar irgendwelche Ökos durch den sterbenden Wald befördern. Ich glaube kein umweltfeindlicheres Auto als die Ente hat jemals so viele “Atomkraft Nein Danke!” Aufkleber auf dem Heck gesehen.
Egal.
Während ich so den Schlüssel umdrehe baut sich eben diese Motorengeräusch-Erwartungshaltung auf. Wenn sich bei mir ein automobiles Vorurteil verfestigt hat, dann geht das auch nicht so schnell wieder weg. Doch statt Zwiebacksäge kommt ein richtig amtlicher Sound aus der frnzösischen Schnauze da vorne. “Mon Dieu und heiliges Baguette! Das klingt ja richtig ordentlich!”

“Was dachtest Du denn?” grinst Jan, “2,1 Liter und 100PS – wenn dann ja auch richtig. Bevor Du richtig losfährst, lass sie kurz rollen und brems dann zwei bis drei Mal. Das Bremsgefühl ist gewöhnungsbedürftig.”

Gesagt, getan. Das Fahrwerk ist wirklich verdammt komfortabel und federt so einiges weg. Erinnert mich stark an den Volvo. Nur ist der 20 Jahre jünger.

Schon cool, was man mittlerweile bei SIXT so übergeben bekommt :D

Also schippere ich diese Yacht von einem Oldtimer aus der Mietwagenrückgabe bei SIXT wo ich mich mit Jan getroffen habe raus. Was für ein Fahrgefühl. Nebenbei überschlage ich mal kurz, dass das hier das älteste Auto sein könnte, was ich bisher so bewegt habe. Da kommt auch schon die erste Kurvenkombination auf mich zu und ich rolle möglichst geschmeidig durch.
“Das geht viel schneller. Die fühlt sich nur so weich an. Die kleine Diva kann in den Kurven deutlich mehr” meint der auto-geile. Na toll. Dabei bin ich schon froh, ohne knirschende Grüße aus dem Getriebe vom 1. in den 3. Gang gekommen zu sein. Ich will auch wieder einen Oldtimer verdammt. DAS ist Autofahren.

An der Ampel bewundere ich erstmal die Patina auf dem Armaturenbrett. Herrlich. Ich kann ja mit so Schauraum-Restaurationen auf nagelneu nix anfangen. Einem Auto muss ich ansehen können, dass es gelebt hat. Wenn dieses Cockpit hier aus seinen 40 Jahren erzählen könnte… Leider vergesse ich zu fragen, was Jan so über die Geschichte und die Vorbesitzer seiner DS (Déesse – französischen Göttin – weiß. Die Ampel wird grün und ich gleite wie Fantomas durch Bielefeld :-D

Kurz bevor wir bei Jan ankommen, meint er nochmal “Da hinten die Kurven, da kannste ordentlich durch ziehen. Das ist meine Lieblingskurve auf dem nach Hause Weg. Keine Sorge, die kleine Lady kann das ab.” Tatsächlich. Das Fahrwerk ist nicht nur butterweich und komfortabel, sondern kommt auch verdammt ordentlich mit Querbeschleunigung zurecht.
Bis einem ein Opa vom Getränkemarktparkplatz die Vorfahrt nimmt.
QUIIIIEEEETSCH. Einmal herzhaft fluchen und den Blindfisch gepflegt durchbeleidigen. Hätte in Fahrzeugsprache sicherlich mehr Stil. Habe aber keine Zeit, bei dict.leo.org nachzuschlagen was “PASS AUF DU ARSCHLOCH” auf französisch heißt. Die Bremsen tun’s jedenfalls. Die Reifen stinken. Ich habe ein bisschen schlechtes Gewissen. Auch wenn ich nix dafür konnte, hoffe ich keinen Bremsplatten in die Gürtelreifen gemacht zu haben. Denn die Druckpunktbremse packt erbarmungslos und ohne großartigen Bremsweg zu. Digital ist eben in Sicherheitsfragen manchmal besser :)

Wir kommen bei Jan zu Hause an und ich zirkel Madame rückwärts in die Einfahrt. Alles geht so leicht. Und ich möchte auch noch gar nicht aussteigen. Aber der nächste Termin wartet.

“Eins musste aber grade noch ausprobieren” meint der stolze Besitzer. Da unten links neben dem Handbrems-Pedal” (blödes Wort, ich weiß, weil bei einem Pedal ja nicht mehr von Handbremse sprechen kann, aber Feststellbremse klingt doch echt scheiße *g*), “neben dem Handbremspedal ist ein Hebel. Zieh den mal ganz nach oben und gib dann Gas.”

WOAH! Das was man bei dem Citroen C5 kaum gemerkt hat ist hier ein Ritt wie auf einem der Wildpferde bei La Gran Motte. Erst hebt die alte Dame das Hinterteil, dann schnellt die Schnauze nach oben. “Ist das der Offroad Mode?”
“Nene, fahren kannst Du damit nicht. Nicht mal Schrittgeschwindigkeit. Das ist nur für Servicearbeiten.”
Aber geil is schon :) Würde ich jetzt aussteigen, müsste ich schon klettern.

“Jetzt mach den Hebel mal ganz nach unten”. Deutlich sanfter und bedachter senkt sich das Auto bis auf wenige Centimeter ab. Zwischen der letzten Position die irgendwie an eine Mademoiselle erinnerte, die auf den Küchentisch springt und den Rock hochrafft und der jetztigen, liegen gut 10 Centimeter. La DS liegt fast mit der Karosserie auf dem Boden. Der Sinn dieser Niveauregulierung ist eine immer gleich bleibende Bodenfreiheit. Egal bei welcher Belastung oder Beladung. Verdammt beeindruckende Technik.

Das Aussteigen erinnert jetzt mehr an irgendwas zwischen Ferrari, Mini und Kart :) So in Bodennähe. Ich bin sehr stolz über das Privileg, bedanke mich bei Jan und gehe zurück zum LEAF. Akkustisch schweben.

Für alle, die nun von den Déessen nicht genug bekommen können:

Hier noch ein Beitrag nur zu den Blinkern der Citroen DS – die Trompeten von Bertoni.

Hier gibt es einen Ausblick auf ein neues Citroen Modell mit der bezeichnung DS9