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Bibliotheken? Nicht lachen, aber ich bin Stammkunde.

Bibliotheken? Nicht lachen, aber ich bin Stammkunde.

Wenn Kathrin Passig schreibt, werde ich immer gleich hellesig. Neben einigen formidablen Büchern hat sie schließlich auch einen meiner absoluten Lieblingsartikel im Internet geschrieben und ihn ein Jahr später nochmal von der anderen Seite beleuchtet.

Hie geht es aber nur um einen kleinen aber bedeutenden Ausschnitt der Technologiekritik:

Brauchen wir Bibliotheken oder nicht?

Erstmal muss ich Kathrin in vielen ihrer Ausführungen Recht geben. Eine Bibliothek ist nicht die Optimallösung. Bücher können immer nur an einem Ort, in einem Regal stehen. Die Zufalls-Mitnahmen sind nur bedingt sinnvoll: Ich mache davon regelmäßig EINE MENGE um dann zu Hause festzustellen, dass mein Mitnahmereflex weniger Recht hat als meine “Ach lass den Kram stehen, liest Du eh nicht”-Intuition. Warum das teuer werden kann steht weiter unten.
Die fehlende Volltextsuche ist auch so ein Ding. Bücher nicht nur nach Titel und ein paar Stichworten zu finden, sondern nach Wörtern oder Phrasen im Text ist extrem wertvoll!

Aber als großer Fan der Bielefelder Stadtbibliothek sage ich auch:

“Aber Hallo JA! Auf jeden Fall brauchen wir Bibliotheken!” Und schränke dann ein: “Noch jedenfalls.”

Bibliotheken sind ja sowas wie die häufig gefordete Kulturflatrate. Ich zahle 20 EUR im Jahr und kann dafür alles lesen, hören, in den DVD-/BluRay-Player schieben, was grad da ist.

Das finde ich erstmal ziemlich praktisch. Ich kann sogar 10 digitale Titel gleichzeitig aus der Online-Leihe der Bib ausleihen (eBooks, Magazine als PDF, Hörbücher, Videos).
Auch wenn das technisch noch etwas murksig ist: Titel sind IMMER für volle 14 Tage ausgeliehen. Vorher zurückgeben is nicht. Nicht alle DRM-Schutzmechanismen funktionieren auf dem Mac usw. Aber trotzdem schon sehr wertvoll!

Ich kann dem Lektorat der Stadt-Bib Vorschläge machen, welche Titel aufgenommen werden sollten. Die sind dafür auch sehr dankbar, denn gerade bei Fachbüchern, lassen sich die Kolleginnen dort gerne beraten, was denn eigentlich ein lohnenswerter Titel ist.

Wenn all das – inkl. Online-Leihe – irgendwann für ALLE Titel geht. Dann bin ich zufrieden. Auf ds “Erlebnis” in die Stadt zu fahren, einen Parkplatz zu suchen, keinen zu finden, schnell im Parkverbot stehen zu bleiben, hinterher nen Ticket über 10 EUR zu haben – kann ich getrost verzichten. Niederschwelliges Kulturangebot ist wirklich was anderes. Auch wenn man in Bielefeld immerhin in jeder Stadtteilbib Bücher ausleihen und beliebig dort zurück geben kann.

Genauso wäre eine automatische Rückgabe digitaler Titel für mein Bankkonto deutlich praktischer: Wenn ich mich in neue Fachgebieteneinlesen möchte, nehme ich gerne mal einiges an Grundlagen- und Detail-Literatur mit. Wenn man nun verpennt 30-40 Bücher online zu verlängern und pro Buch 1-2 EUR Überziehungsgebühr zahlen muss, ist das doof ;) Eigene Doofheit! aber dennoch doof.
Wie übrigens GERADE passiert, da mich diser Artikel hier an die noch zurück zu gebenen Bücher erinnert hat *hust*
Dennoch:
Billiger als alle Bücher ungelesen oder nur auf Amazon-Bewertungen hin selber zu kaufen.

24-Stunden Rückgabe über einen Automaten haben wir immerhin in der Stadtbibliothek Bielefeld. (Davon hätte ich mal vor 1 1/2 Wochen Gebrauch machen sollen :-/)

Wenn es ein Buch nicht vorrätig gibt, kann ich dieses als Fernleihe bestellen. 1-2 Wochen und ich kann es in der Regel gegen ein paar EUR Gebühr abholen. Besonders bei teuren Schinken jenseits der 30 Euro möchte ich diese Methode nicht mehr missen!

Das “Stöbern” sieht bei mir eher so aus, dass ich zu Hause online auf Titel aufmerksam werde und dann im Online-Katalog der Bib schauen muss, ob sie vorrätig sind.

Also wie gesagt: NOCH brauche ich Bibliotheken in ihrer jetztigen Form. Mindestens als Archiv für Papierzeugs, das noch nicht digitalisiert wurde und das ich nicht zu Hause im Regal stehen haben will.

Denn das ist ein weiterer Vorteil: Ich kann mich immer mehr vom Altpapier in meinen Regalen zu Hause trennen. Gleiches gilt für Filme, Musik-CDs und Konsolen-Spiele. Ich behalte nur noch, was mir _wirklich_ am Herzen liegt, oder regelmäßig gebraucht wird. Ansonsten ist unsere Wohnung hier so medienfrei wie nur irgend möglich.

Noch ein Vorschlag zur zukünftigen Bibliotheksnutzung:

Neben der Idee, Maker-Spaces, CoWorking-Angebote und Veranstaltungsorte in Bibliotheken zu integrieren:
Wie wäre es mit anderen Verleihangeboten? Warum ist noch keine Bibliothek darauf gekommen Dinge zum Verleihen in die Regale zu packen, die man wirklich physisch braucht?

  • Römertöpfe
  • Bohrmaschinen
  • Messgeräte
  • Chemiebaukästen
  • Spielzeug
  • Autoschlüssel
  • was weiß ich nicht alles

Neben Bildung und Kultur ist doch ein ganz wesentliches Element der Bibliothek das Ausleihen.

So, ich muss dann jetzt mal los. Den Stapel überzogene Bücher aus dem Bild da oben zurückbringen und Gebühren bezahlen *japs*.

Und ich würde mich freuen, wenn ich meine Überziehungsgebühren mit dem Einscannen und der OCR-Nachbearbeitung alter Titel abarbeiten könnte :)

Die Stadtbibliothek Bielefeld ist übrigens ordentlich im Web vertreten mit Homepage, bei Twitter, auf Facebook und Flickr.

Hier wurde das Thema in anderen Richtungen weiter gedacht: archivalia, schneeschmelze, libreas,