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Werber und Lobbyismus, lasst doch die Finger von Schulen! @lobbycontrol

Und nochmal Werberschelte :) Was Lobbycontrol hier im Artikel Meinungsmache und Marketing auf Bildungsmesse didacta zusammen getragen hat ist schon übel. Da drängen Unternehmen und Organisationen mit Macht in Schulen und Schulbücher, um sich so früh wie möglich in der Denke von Schülern zu verankern. Bundeswehr, Lebensmittel-Industrie (klar, wer sonst?), Auto-Hersteller, PETA!!, Bundesministerien, der Deutsche Jagdverband (wobei ich hier ja zumindest was Biologie angeht noch halbwegs einen Sinn sehe), Chemie-Unternehmen (auch hier könnte ja sogar direkter Bezug zum Chemie-Unterricht hergestellt werden, stattdessen werden Kinder mit lustigen Kuh-Figuren umgarnt)

Aber.

Was die plumpen Werbeversuche angeht, bin ich ganz bei Lobbycontrol. Ich bin auch der Meinung, Kinder sollten weder in Schulbüchern noch in der Kantine oder vor Essensautomaten dazu verführt werden, Zuckerplörre oder Industrieessen zu kaufen die nur aus beliebigen Kombinationen von Zucker, Fett und Salz bestehen.

Genausowenig sollten Matheaufgaben mit Productplacement gespickt sein oder Aufsätze über “Mein schönstes Ferienerlebnis in Auto von Hersteller XYZ” überbeschriftet werden.

Aber.
Unternehmen sollten schon die Möglichkeit eingeräumt bekommen, sich für die Schulbildung dahingehend stark zu machen, als dass die zukünftigen Mitarbeiter von dort kommen. Unternehmen sollten zumindest ein Mitspracherecht bekommen, was Inhalte angeht, die zukünftig in Unternehmen benötigt werden. Unternehmen sollten bsw. auch fordern dürfen, dass nicht nur zwischen Latein und Französisch gewählt werden darf, sondern auch zwischen Java und PHP (HTML, CSS und JScript wird dann das Pflichtpendant zu Englisch)

Liebe Unternehmen, warum lasst Ihr Euch von Euren Agenturen so einen MIST einreden, Schulbücher inhaltlich zu manipulieren?

Belasst es doch einfach bei einem simplen: Dieses Schulbuch wurde finanziell unterstützt ohne auf Inhalte Einfluss zu nehmen. ?

Bibliotheken? Nicht lachen, aber ich bin Stammkunde.

Bibliotheken? Nicht lachen, aber ich bin Stammkunde.

Wenn Kathrin Passig schreibt, werde ich immer gleich hellesig. Neben einigen formidablen Büchern hat sie schließlich auch einen meiner absoluten Lieblingsartikel im Internet geschrieben und ihn ein Jahr später nochmal von der anderen Seite beleuchtet.

Hie geht es aber nur um einen kleinen aber bedeutenden Ausschnitt der Technologiekritik:

Brauchen wir Bibliotheken oder nicht?

Erstmal muss ich Kathrin in vielen ihrer Ausführungen Recht geben. Eine Bibliothek ist nicht die Optimallösung. Bücher können immer nur an einem Ort, in einem Regal stehen. Die Zufalls-Mitnahmen sind nur bedingt sinnvoll: Ich mache davon regelmäßig EINE MENGE um dann zu Hause festzustellen, dass mein Mitnahmereflex weniger Recht hat als meine “Ach lass den Kram stehen, liest Du eh nicht”-Intuition. Warum das teuer werden kann steht weiter unten.
Die fehlende Volltextsuche ist auch so ein Ding. Bücher nicht nur nach Titel und ein paar Stichworten zu finden, sondern nach Wörtern oder Phrasen im Text ist extrem wertvoll!

Aber als großer Fan der Bielefelder Stadtbibliothek sage ich auch:

“Aber Hallo JA! Auf jeden Fall brauchen wir Bibliotheken!” Und schränke dann ein: “Noch jedenfalls.”

Bibliotheken sind ja sowas wie die häufig gefordete Kulturflatrate. Ich zahle 20 EUR im Jahr und kann dafür alles lesen, hören, in den DVD-/BluRay-Player schieben, was grad da ist.

Das finde ich erstmal ziemlich praktisch. Ich kann sogar 10 digitale Titel gleichzeitig aus der Online-Leihe der Bib ausleihen (eBooks, Magazine als PDF, Hörbücher, Videos).
Auch wenn das technisch noch etwas murksig ist: Titel sind IMMER für volle 14 Tage ausgeliehen. Vorher zurückgeben is nicht. Nicht alle DRM-Schutzmechanismen funktionieren auf dem Mac usw. Aber trotzdem schon sehr wertvoll!

Ich kann dem Lektorat der Stadt-Bib Vorschläge machen, welche Titel aufgenommen werden sollten. Die sind dafür auch sehr dankbar, denn gerade bei Fachbüchern, lassen sich die Kolleginnen dort gerne beraten, was denn eigentlich ein lohnenswerter Titel ist.

Wenn all das – inkl. Online-Leihe – irgendwann für ALLE Titel geht. Dann bin ich zufrieden. Auf ds “Erlebnis” in die Stadt zu fahren, einen Parkplatz zu suchen, keinen zu finden, schnell im Parkverbot stehen zu bleiben, hinterher nen Ticket über 10 EUR zu haben – kann ich getrost verzichten. Niederschwelliges Kulturangebot ist wirklich was anderes. Auch wenn man in Bielefeld immerhin in jeder Stadtteilbib Bücher ausleihen und beliebig dort zurück geben kann.

Genauso wäre eine automatische Rückgabe digitaler Titel für mein Bankkonto deutlich praktischer: Wenn ich mich in neue Fachgebieteneinlesen möchte, nehme ich gerne mal einiges an Grundlagen- und Detail-Literatur mit. Wenn man nun verpennt 30-40 Bücher online zu verlängern und pro Buch 1-2 EUR Überziehungsgebühr zahlen muss, ist das doof ;) Eigene Doofheit! aber dennoch doof.
Wie übrigens GERADE passiert, da mich diser Artikel hier an die noch zurück zu gebenen Bücher erinnert hat *hust*
Dennoch:
Billiger als alle Bücher ungelesen oder nur auf Amazon-Bewertungen hin selber zu kaufen.

24-Stunden Rückgabe über einen Automaten haben wir immerhin in der Stadtbibliothek Bielefeld. (Davon hätte ich mal vor 1 1/2 Wochen Gebrauch machen sollen :-/)

Wenn es ein Buch nicht vorrätig gibt, kann ich dieses als Fernleihe bestellen. 1-2 Wochen und ich kann es in der Regel gegen ein paar EUR Gebühr abholen. Besonders bei teuren Schinken jenseits der 30 Euro möchte ich diese Methode nicht mehr missen!

Das “Stöbern” sieht bei mir eher so aus, dass ich zu Hause online auf Titel aufmerksam werde und dann im Online-Katalog der Bib schauen muss, ob sie vorrätig sind.

Also wie gesagt: NOCH brauche ich Bibliotheken in ihrer jetztigen Form. Mindestens als Archiv für Papierzeugs, das noch nicht digitalisiert wurde und das ich nicht zu Hause im Regal stehen haben will.

Denn das ist ein weiterer Vorteil: Ich kann mich immer mehr vom Altpapier in meinen Regalen zu Hause trennen. Gleiches gilt für Filme, Musik-CDs und Konsolen-Spiele. Ich behalte nur noch, was mir _wirklich_ am Herzen liegt, oder regelmäßig gebraucht wird. Ansonsten ist unsere Wohnung hier so medienfrei wie nur irgend möglich.

Noch ein Vorschlag zur zukünftigen Bibliotheksnutzung:

Neben der Idee, Maker-Spaces, CoWorking-Angebote und Veranstaltungsorte in Bibliotheken zu integrieren:
Wie wäre es mit anderen Verleihangeboten? Warum ist noch keine Bibliothek darauf gekommen Dinge zum Verleihen in die Regale zu packen, die man wirklich physisch braucht?

  • Römertöpfe
  • Bohrmaschinen
  • Messgeräte
  • Chemiebaukästen
  • Spielzeug
  • Autoschlüssel
  • was weiß ich nicht alles

Neben Bildung und Kultur ist doch ein ganz wesentliches Element der Bibliothek das Ausleihen.

So, ich muss dann jetzt mal los. Den Stapel überzogene Bücher aus dem Bild da oben zurückbringen und Gebühren bezahlen *japs*.

Und ich würde mich freuen, wenn ich meine Überziehungsgebühren mit dem Einscannen und der OCR-Nachbearbeitung alter Titel abarbeiten könnte :)

Die Stadtbibliothek Bielefeld ist übrigens ordentlich im Web vertreten mit Homepage, bei Twitter, auf Facebook und Flickr.

Hier wurde das Thema in anderen Richtungen weiter gedacht: archivalia, schneeschmelze, libreas,

Brockhaus und Alex Kahl

Mein Jahresprojekt: 365xBROCKHAUS – ab heute hier in diesem Theater und auf der Huffingpost Deutschland

Seit Jahren wollte ich mal ein Einjahresprojekt machen wie es mir Teymur mit seinen Troopies 365 und ifranz mit IFRANZSHOOTS und viele andere Mal vorgemacht haben. Dann stellte ich fest, dass ich zu unkreativ bin, um täglich ein Foto mit Geschichte zu schießen.

Außerdem wollte ich was mit Text machen. Und etwas, das mich wieder mehr zum Bloggen bewegt. Und womit ich was lernen kann.

Dann fiel mir ein, wie gerne ich früher als Kind im Bertelsmann Lexikon meines Dads gelesen habe. Wie gerne hätte ich alles gewusst, was da drin steht :) Dann stieß ich darauf, dass die Verwaltung vom Brockhaus mittlerweile in Gütersloh – auch bei Bertelsmann sitzt. Und las in einem anderen Zusammenhang von AJ Jacobs, der 2003 die Encyclopaedia Britannica durch gelesen hat. Dann ging alles ganz schnell. Die Leute bei Wissen Media besorgten mir eine Leihgabe der aktuellen BROCKHAUS Ausgabe und die werde ich ab heute lesen.

Alle 24.500 Seiten, die auf 70 Kilo und 30 Bände verteilt im Büro liegen :)

Und darüber schreiben. Denn ich habe noch gar keine Vorstellung davon, was mich erwartet. Werde ich jeden Tag wissbegierig und freudig aus dem Bett springen um meine tägliche Dosis Information von 67,5 Seiten Tagesration aufzusaugen?

  • Werde ich mich schon nach wenigen Wochen Tagen für meine bescheuerte Idee verfluchen?
  • Gibt es über die ganzen Artikel von A-Z überhaupt etwas zu schreiben?
  • Und was macht diese Druckbetankung mit mir, meinem Kopf und Umfeld?

WIr werden es sehen. Die letzten Tage bevor es losgeht, habe ich erstmal mit einigen Tests verbracht:

  • IQ-Test – ganz ordentlich
  • Gedächtnistest – miserabel
  • Allgemeinwissen – OK
  • 10 Zufallsrunden “Wer wird Millionär” bei RTL im Trainingslager – DEUTLICH schlechter als ich erwartet hätte
  • Lesegeschwindigkeit für 67,5 Seiten hochgerechnet derzeit ca. 3 Stunden und 17 Minuten
  • bricht der smart unter all dem Wissen im Kofferraum zusammen?

Mal sehen, wie sich das in einem Jahr verändern wird. Denke ja v.a. meine Lesegeschwindgkeit dürfte durch das Training zunehmen (oder meine Augen werden immer schlechter *g*). Wenigstens die Frage nach dem smart konnte ich positiverweise verneinen:

70 Kilo BROCKHAUS machen den smart W451 auch noch schlau :-D

70 Kilo BROCKHAUS machen den smart W451 auch noch schlau :-D

Falls jemand nen Draht zu RTL hat: Ich würde gerne ne Runde mit Herrn Jauch zocken, wenn ich mir der Nummer fertig bin ;)

Soviel erstmal zum Projekt an sich. Hier bei der Huffington Post habe ich noch etwas genauer erzählt warum ich das mache. 

Warum blogge ich täglich über 365xBROCKHAUS bei der Huffington Post Deutschland?

Weil sie mich es machen lassen :) Ernsthaft: Das ist es, was ich an der HuffPost schon immer großartig fand: Die Freiheit dort machen und schreiben zu können, was man will. Soviel Freiheit, wie ich sie erst einmal gar nicht erwartet habe. Wann, wieviel (und es wird wohl nicht grade wenig), worüber, mit welcher Tonalität – alles frei.

Das Projekt 365xBROCKHAUS ist letztendlich ein intrinsisch motiviertes Spaßprojekt mit dem ich möcglichst viele Leute anstecken möchte, sich für Bildung, Wissen, Information zu interessieren und mit mir zu interagieren. Und natürlich auch ein bisschen auf den alten Herrn Brockhaus aufmerksam zu machen, der heute vor 205 Jahren auf der Leipziger Buchmesse die Rechte am Conversationslexkon erwarb. Ich hatte die HuffPost zu Anfang nicht auf dem Schirm und hatte das Projekt 2 anderen großen Zeitungen angeboten, wo es nicht ins Programm passte. Dann erfuhr ich, dass die Huffington Post Deutschland startet und mir war klar: DAS ist der richtige Medienpartner für 365xBROCKHAUS.

Ich hatte vorher schon Kommentare zur Aktion gehört wie “Ich hoffe Du verdienst damit wenigstens Geld”:
Nein. Manchmal reichen Spaß, Austausch und Lernen schon als Motivation aus.

Das betrifft aber nur das Projekt an sich.

Was die HuffPost angeht, verstehe ich nicht, warum da draußen so viele nach Bezahlung krakeelen:

  • Instagram macht mit meinen Bildern Geld (oder auch nicht).
  • Twitter macht mit meinen Tweets Geld (oder auch nicht).
  • Facebook macht mit was weiß ich was Geld (oder auch nicht).
  • Google macht mit meinen Suchen, meinem Surfverhalten, meinen E-Mails und was auch immer Geld (oder auch nicht).
  • Tumblr, Flickr, YouTube… You name it.

Hmmmmm. Ob da ein System hinter steckt? Alle diese Dienste machen mit irgendwas, was ich in sie reingebe mehr oder weniger Geld. Da schreit doch auch keiner Zeter und Mordio, weil die ihren Usern nicht direkt was von den Erlösen überweisen.

Ich sehe die HuffPost als Medienpartner, als Werkzeug und Plattform um mit einer bestimmten Art von Content eine breite Masse zu erreichen. Das spart mir eine Menge Arbeit, ermöglicht mir deutlich größere Reichweite und wird sich auf die Zukunft meines Projekts ziemlich sicher positiv auswirken:

Heute kam schon die erste Anfrage vom Radio: Radio Bremen / WDR fragten ein Interview für Funkhaus Europa an. Das wäre ohne die Huffpost nicht zu Stande gekommen.

Und ein wunderbares Argument hat Oliver Gassner heute noch geliefert – immerhin kann man als HuffPost-Blogger jetzt auch sagen:

“Ich arbeite mit Boris Becker und Uschi Glas zusammen an einem Projekt” :-D

Ich persönlich bin gespannt, ob ich in einem Jahr sagen kann: Ich bin der einzige, der 365 Tage lang, jeden Tag ein Posting auf der Huffington Post geschrieben hat :)