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Mercedes Benz R 350 BlueTEC 4MATIC  R-Klasse 2010

Mercedes Benz R 350 BlueTEC 4MATIC R-Klasse 2010

Um meinen Volvo habe ich ja durchaus immer ein bißchen Angst. Mehr davor, dass er vor Altersschwäche die Grätsche macht, als vor einer Auseinandersetzung mit einem Bullenfänger an einer dieser gelben Taxe in New York City. New Yorker Taxifahrer, Rapper und Spieler der Mets haben eins gemeinsam: Vollständige Angstfreiheit um ihr Auto. Oder es stört sie einfach nicht, wenn der nagelneue Dodge Charger mit einer fetten Beule verziert wird. Ich kann zumindest schonmal behaupten,mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie sehr ein Chevy Escalade durch eine Beule aufgewertet wird. Aber selbst die Polizeiautos in NYC fuhren mit Dellen rum, als hätten sie grade eine Nashornsafari hinter sich.

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Ich schipper also in der Mercedes R-Klasse auf den Times Square zu. Eigentlich wollten wir zu Fuß die Stadt ne Stunde lang erkunden, aber Parkplätze in NYC sind so rar wie Trüffel im Teutoburger Wald. Und auch in etwa so teuer. Also kein Sightseeing per Pedes sondern im Auto. Ein bißchen irre, aber wann bekommt man als Touri sonst nochmal die Gelegenheit mit einem Auto über den Times Square zu fahren. Muss man mal gemacht haben. Dachte ich. Dann fahre ich über einen der Gullideckel auf der 7th Avenue, das Auto macht einen Ruck und BAAAMMM! Knallt es. “Ach Du Scheisse, das hat ja jetzt grade noch gefehlt.” Vor meinem inneren Auge rauscht der Dialog mit einem Cop vorbei, dem ich erkläre, dass da wo ICH herkomme derjenige Schuld hat, der auffährt. Und dabei hatte der Tag sooo entspannt angefangen:

Philip Deppe, (der auf dem Mercedes Benz Passion Blog schon einen Topfahrbericht zur Mercedes Benz R 350 CDi Bluetec Klasse mit mehr technischen Daten, als ich mir jemals merken könnte abgeliefert hat)  und ich, waren morgens aus Hoboken losgefahren. Franky “The Voice” Sinatras Heimatstadt ist ein echter Tip! Viel ruhiger und fast schon mediterran als Kontrast zur gegenüber liegenden Hudson-Insel Manhattan.

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Von unserem Hotel W Hoboken sind wir immer schön Richtung Norden am Hudson entlang gecruist – immer parallel zu Manhattans Skyline. Beeindruckender Ausblick. Alle 200 Fuß hätten wir wieder zum Fotografieren anhalten können – die Kulisse war wirklich perfekt für das Auto. Ach – eigentlich für JEDES Auto :). Das Navi führte uns direkt runter in einen Park am Fluss – spektakulär am Fuß der George Washington Bridge:

Eins ist mal klar: Das Auto ist ein Hinkucker. Die Version vor dem Facelift wurde ja auch immer gern als Glubschauge bezeichnet. Davon ist nun wirklich nix mehr übrig geblieben. Und: Das Auto ist ein Schiff. Also nicht einfach nur ein Schiff im Sinne von riesigem Pott auf der Straße, sondern eher vergleichbar mit der Eleganz einer Yacht aus Kashoggis Fährpark. Die R-Klasse mischt den Luxus und Fahrleistungen einer Oberklasse-Limousine, fährt sich dank 4-Matic auf Schnee und in leichtem Gelände wie ein SUV und bietet den Platz eines Vans. Ein perfektes Familienauto oder Firmenwagen für Rockstars mit Band, Filmteams mit mucho Equipment oder Edelhandwerker.

Dann ging es weiter nach Blue Hill Barns. Eine wunderhübsche Farmanlage im Norden New Yorks, die in der Regel dazu genutzt wird, Upper Class Kiddies zu zeigen, wie eine Kuh aussieht und wo an ihr die Milch raus kommt. Hier hatte ich nach der Pressekonferenz die Möglichkeit mit einigen der Leute zu sprechen, die für die Entwicklung des Autos verantwortlich waren.

Erstmal erfuhr ich die genauen Daten unseres Test-Wagen:
Mercedes Benz R 350 BlueTec 4matic

7,6s von Null auf Hundert. 620Nm Drehmoment (110 mehr als im alten Modell) und 265PS (41 mehr) dank Blue Efficiency ist der Spritverbauch um fast einen Liter auf 8,5 zurück gegangen. Übrigens gut, dass Philip diese Version gewählt hat. Mit dem 500er wäre ich nach 5 Meilen auf dem Highway vermutlich im Knast gelandet :) Schon die dreieinhalbliter Maschine schiebt die 2,3 Tonnen ordentlich an.

Volker Lutz aus dem Mercedes Benz Design Team verriet mir eine alte Designerweisheit von einem seiner Professoren: “Wenn Du keine Idee hast, schenkt Dir der liebe Gott auch keine Form”. Und Ideen braucht man beim Design eines Autos einige. Erste Entwürfe für die Linie eines Autos sind oft schneller als in einer halben Stunde fertig gezeichnet. Finde ich schon beeindruckend. Ich hatte Volker dann gleich vorgeschlagen, den Damen die draußen einen Ölmal-Kurs durchführten, die Staffeleien zu mopsen und das mal live zu demonstrieren. Wollte er aber nicht :)

Da so ein Auto auf allen Märkten der Welt angeboten wird und dementsprechend viele Form und Gestaltungssprachen sprechen muss, arbeiten bei Mercedes mehrere Design-Studios auf der ganzen Welt verteilt und vernetzt an der Gestaltung miteinander zusammen. Dadurch vermischt das Auto stylemäßig Gelassenheit mit ordentlich Dampf, Coolness mit Eleganz und Understatement mit kantigem Selbstbewusstsein. Und ein bißchen Südstaatencharme. Denn da wird die R-Klasse, gemeinsam mit der M-Klasse, das die Basis liefert gebaut: In Sweet Home Alabama.

Was mir für den Fond im Zubehörkatalog fehlt, ist ein Notebook tauglicher Tisch. Die gesamte Bestuhlung ist absolut Chefsesseltauglich und ich habe mich in dem Auto schon arbeiten gesehen. Beim Kunden raus, einen schönen Parkplatz mit inspirierender Aussicht angesteuert und nach hinten gesetzt. Tisch ausgeklappt. Mit der unabhängigen Klimasteuerung hinten die passende Arbeitstemperatur eingestellt und los kann’s gehen. Das wäre möglicherweise noch eine Alternative als vollständige Ausstattungsvariante – der GWT Grand Working Tourer. Dritte Sitzreihe raus, zweite etwas nach hinten versetzen und schon haben wir ein schönes, rollendes Großraumbüro. Herrlich.

Nach der Pressekonferenz haben wir uns für den großen 130 Meilen Loop entschieden. Interstates, Landstraßen und Highways entlang cruisen. Durch Seenlandschaften und verschlafene US-Vorstädte. Die R-Klasse bewegt sich grandios – egal auf welchem Untergrund. Auf den fein gekurvten Straßen durch die grünen Hügel haben wir die sportlichere Abstimmung genutzt, mit der sich die Straßen-Yacht eher wie ein großes Sportboot anfühlt. Auf den eher holprigen Pisten und den schlechteren Teilen der Highways macht sich das Komfortprogramm mit Luftfederung und adaptiver Dämpfung bezahlt. So entspannt bin ich schon lange keine knapp 180 km mehr gefahren.

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Und dann? Ach ja: Dann kam der KNALL kurz vorm Times Square, der meinen inneren Dialog mit der New York Police auslöste. Nicht ganz eine Sekunde schoss mir die Situation durch den Kopf. Dann realisierte ich im Außenspiegel, dass ein Jeep links hinten ein Lincoln Town Car grade einen halben Meter kürzer gemacht hat.

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Alles gut. Außer, das ich ein paar Graue Haare mehr erkenne. Adrenalinschub im Schrittempo. Die Kollegen von der Autosendung der Deutschen Welle meinten ja, der Times Square wäre eh noch wegen der Veranstaltung von VW gesperrt. Die haben einen Tag vorher den neuen Jetta da vorgestellt und es gab abends Mutmaßungen darüber, ob Katy Perry sich Ihr Kleid wohl mit Gleitgel angezogen hat.

Aber wider Erwarten ist der Times Square befahrbar. Und die New Yorker machen ordentlich Gebrauch davon. Es ist RAPPELVOLL und ich mit der Straßenyacht mitten drin. Ich weiss jetzt, warum Hörbücher so erfolgreich sind: Für 5 Meilen brauchen wir knapp 2 Stunden.

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Augen zu und durch. Ich fühle mich wie ein Held :) Hey, ich komme aus der Provinz! Und mein Fahrlehrer Norbert hat immer gesagt: “Wer in Bielefeld fahren kann, kann überall fahren”. Recht hat er! Und so entspannend das Fahren an sich in der R-Klasse ist: Innerlich ist es Stress pur, weil ich ständig Angst habe, dass die eingangs beschriebenen Durchgeknallten irgendwann meinen Testwagen mit Original Manhattaner Kampfspuren verzieren. Das letzte Mal hatte ich soviel Adrenalin bei der Sylvester-Reiterei im Blut :) Die Situation war ähnlich: Das Pferd war so entspannt wie das Auto hier und ich oben drauf voll durch den Wind :)

Das einzige, was WIRKLICH schade ist:
Wir kamen in SoHo an. Ich war noch nicht ganz aus dem Auto ausgestiegen, hatte ich schon einen Aperitif in der Hand.
Nichts. Lieber. Als Das.
Nach einem halben Martini war der Adrenalinpegel wieder auf Normalniveau. Kurz. Dann kam einer der Mercedes Mitarbeiter mit einem G 55 V8 AMG vorgefahren. Mit der US-Auspuffvariante die gefühlthört keinen Schalldämpfer hat. Der stieg begeistert aus und meinte “Klasse mit DEM Auto macht Dir sogar in New York jeder Platz”. Mein Gesichtsausdruck muss Bände gesprochen haben:

“Auch mal fahren?” meinte er und hielt mir den Schlüssel hin. Sah den Drink und steckte den Krachstarte wieder weg. “Sorry – mit der Null-Promille Grenze nehmen die es hier sehr genau und wir wollen ja nicht, dass Du im Bau landest. :)”

Verdammt. Ich hätt’s ja drauf ankommen lassen. Nächstes Mal. Vor Schreck habe ich auch noch vergessen, den Gelände-Brüllwürfel zu fotografieren. Dafür wurde ich beim Essen mit einem der besten Chardonnays bekohnt, die ich jemals probiert hab :)

Mein Fazit:

Wer ein wirklich großes Auto mit bis zu 7 Plätzen haben will, das nicht wie ein typischer Van daher kommt. Wer hin und wieder mal 4-Rad Antrieb braucht, aber kein SUV will. Wem ein Kombi zu klein ist und eine S-Klasse zu wenig Understatement bietet. Und wer für die vollausgestattete Version, die wir gefahren sind rund 90.000 EUR übrig hat, der sollte sich definitiv ab September mal so ein R-aumfahrzeug beim Mercedes Händler anschauen.

Hier geht es zu den Infos auf den Mercedes Seiten.

Hier noch ein Beitrag zum Auto, den ein paar Kollegen produziert haben. Meine Videoaufnahmen muss ich erst noch schnippeln.

Ich wette übrigens, der Typ mit dem Nummernschild hier grinst dauerhaft so, wie ich hier auf dem Foto :-) Nur dauerhaft.

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