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Fahren im Schnee is schee…

Fahren im Schnee is schee…

Find ich jedenfalls. Meine Freundin fragte mich eben, warum unser guter alter Volvo eigentlich soviel besser durch den Schnee kommt. Nur zum Vergleich: Gestern haben sich drei Autos auf dem Hof fest gefahren, heute eines.

Bild von Flickr User jensm

Ich hab es mal auf Gewicht, die weiche Federung, die guten Winterreifen, das 2,4l Vierzylinder mit halbwegs Drehmoment und darauf geschoben, dass das Auto eben noch ein echter schwedischer Volvo ist. Und in Schweden is Winter. Lange und viel. Damals haben die eben noch Elchkühe mit Antirutschhufen gebaut :) Gut, mein Vadder hat in den Kofferraum unseres damaligen BMW 32ß E21 noch Bordsteinplatten geschmissen, damit der Bayer vom Hof kommt. Da könnte man jetzt sagen, die in Bayern haben auch lange Winter. Ja, aber zwischen dem ersten Baujahr des Dreiers und dem Volvo liegen auch elf Jahre Weiterentwicklung – also bleiben wir erstmal fair :) Die nagelneue C-Klasse ist heute morgen erst vom Hof gekommen, als das ESP ausgeschaltet wurde. DA liegen eigentlich auch nochmal 20 Jahre Entwicklung zum Volvo zwischen :) Aber manchmal hilft halt das Gefühl im Gasfuß mehr als jede Elektronik.

Auch wenn wir schon das schlimmste vom Winter hinter uns haben, seh ich jeden Tag wieder Leute auf der Straße, denen ich das was ich hier grad tippe am liebsten ausdrucken und unter den Wischer klemmen würde.

Das wichtigste im Winter : Die Vorbereitung

Ich habe letztens die Erfahrung machen dürfen, wie mir auf dem Weg nach Frankfurt wo ich gemeinsam mit David von Honda unser ORI10K Projekt auf der European Social Media Conference vorstellte, nach 20km die Wischwasserdüsen eingefriert sind. GANZ blöde Erfahrung morgens um halbacht im Blindflug hinter einem LKW hängend die Kasseler Berge raufzuöckeln. Die roten Lichter waren wenigstens klar zu erkennen.

Und dabei dachte ich vorgesorgt zu haben – mit einem zweieinhalb Litern Scheibenenteiser. Mit dem Zeug ist es ungefähr so wie mit Sonnenmilch. Nicht die Brühe aus dem Vorjahr nehmen! Das is dann nämlich kaum noch Alkohol drin. Ich hab nen Schluck probiert! Also im Hotelarkhaus war Volvo dann wieder aufgetaut – nen Liter von der Tanke nachgekippt und wieder los. Diesmal hat es immerhin 60km gehalten, aber dann haben die -15° Außentemperatur wieder gereicht. Is auch klar, durch den Windchill werden aus -15° -29,5° Bei einer Fahr-Geschwindigkeiten um die 120km/h also nochmal ein Vielfaches. Die Frostschutzkonzentration war einfach noch nicht hoch genug.

Erst zu Hause in einem Parkhaus nochmal auftauen, 5 Liter pures Frostschutzreinigerkonzentrat bis -60 Grad für 50 €-Cent pro Grad hat dann zum Erfolg und wieder freie Sicht geführt.

Wenigstens musste ich mein Auto noch nicht aus dem Schnee raus ziehen. So wie hier in meinem Lieblingswintervideo seit gefühlten 10 Jahren. So fiese Geräusche gibt es eben, wenn man zu faul zum schippen ist:

Meine Winterroutine:

  • Scheibenwischer hochklappen! Sonst frieren die fest und das Gummi an den Wischerblättern wird beschädigt. Ergebnis: Schmiererei auf der Scheibe!
  • Windschutzscheibe abdecken – wir haben da so ein lustiges Abdeckdinges mit einer Robbe vorne drauf. Sehr süß und vor allem hochwirksam! Hätte ich nie erwartet, dass uns das Ding die Scheibe auch bei unter 20° noch frei hält. Positiver Nebeneffekt, die Frontscheibe beschlägt auch nicht von innen
  • Scheiben innen mit einem Microfasertuch schön sauber wischen. Dann haftet die Feuchtigkeit nicht so gut und die Scheibe beschlägt / gefriert nicht so schnell von innen.
  • KEIN HEISSES WASSER auf Windschutzscheiben kippen! Weder bei dünnen, noch bei dicken Eisschichten. So eine Windschutzscheibe besteht aus Spezialglas, dass durch den Produktionsprozess unter Vorspannung steht. Damit es im Falle eines Unfalls in kleine Krümel zerbröselt statt in große Scherben. Die Scherben könnte der Verbundklebstoff nicht zusammenhalten. Diese Vorspannung macht das Glas extrem empfindlich gegen starke Temperaturschwanken und genau die ruft man hervor, wenn man einen Eimer heisses Wasser auf’s Auto kippt. Also entweder abdekcen, oder so:
  • Sprühflasche mit Scheibenenteiser dabei haben. Nach Glühwein die geilste Erfindung, seit es Winter gibt! Einmal kurz übersprühen, warten. Sauber. Selbst bei dicken Eisregenkrusten frisst sich das Zeug irgendwann durch und man kriegt eine Angriffsfläche um den Mist von der Scheibe zu öckeln.
    Freundin hat Ihre eigene Methode: Sie hält einfach beide Hände so lange an die Scheibe, bis sie durch 4mm Eisregenkruste durch getaut ist. Tut eigentlich schweine weh, führt aber auch zum Erfolg und gesunder Hautfarbe :)
  • Kühlerfrostschutz muss ich ja nicht extra sagen. Merkt man als Fahrer sonst erst, wenn es zu spät ist. Dann friert die Wasserpumpe ein, Schläuche platzen oder sogar der Motorblock bekommt Risse. Eis entwickelt ziemliche Kräfte, wenn es sich ausdehnt
  • Batterie aufladen, die macht bei den Temperaturen ja am liebsten schlapp. Und das Auto nicht tagelang stehen lassen. Auch wenn es eingeschneit ist – schaufelt die Karre frei und bewegt Sie eine halbe Stunde alle 2-3 Tage. Wenn Ihr das Auto dann wirklich mal braucht und es eiligt habt, fangt Ihr das buddeln an. Erst das Auto aus dem Schnee, dann nach der Nummer vom ADAC (ich reime aus Erfahrung *G*)
  • Reifendruck checken sollte man ja eh regelmäßig machen. Aber grade wenn es kalt wird. Sachen die kalt werden ziehen sich ja nunmal zusammen. So auch Luft in Reifen und damit sinkt der Reifendruck. Bei Parties draussen sinkt auch gerne mal das Niveau ;)
  • Voll- und Nachtanken ist im Winter ne gute Idee. Erstens können 30-50 Kilo Sprit hinten ein bisschen mehr Haftung geben und zweitens kann es ja auchmal passieren, dass man in einen Stau kommt und das Auto laufen lassen muss, damits einem nicht den Hintern wegfriert.
  • Parken ohne Handbremse – so lange ich nicht am Berg stehe, lass ich sie weg, denn sie kann fest frieren. Ersten oder Rückwärtsgang reicht.

Stecken geblieben? Räder drehen durch?

So wie das Handtuch das wichtigste Utensil eines Anhalters in der Galaxis ist, gehört eine Schaufel in Griffnähe jedes Autofahrers. Grund 1 ist offensichtlich: Schneeberge wegschippen, damit einem nicht das passiert wie den Honks da oben in dem Video.

Manchmal gibt’s aber auch Eisregen und den am besten noch auf Schnee drauf. Das ist dann nicht mehr die Schneekönigin in Winterwonderland, das ist die Ice-Bitch aus Rutschhausen.

Schnappt Euch die Schaufel und stecht vor den Antriegsrädern etwa 50cm die Schnee/Eisfläche auf. Einfach ein bisschen aufrauen das ganze, damit die Räder packen und das Auto in Schwung bringen können. Meistens ist das Problem nur eine von durchdrehenden Reifen glatt polierte Fläche. Da könnt Ihr 20 Minuten Vollgas geben und kommt nicht vom Fleck. Die Fläche aufrauen und schon gehts. Ein bisschen Sand oder Kiesel vor die Reifen streuen geht auch, wenn dich nicht grade unter 50cm Schnee begraben sind. Ach ja und noch was: NUR die Schaufel wird unter Auto gesteckt! Keine Hand, kein Bein oder gar der Kopf, ob der Schnee noch da ist.

Wenn Ihr hilfsbereite Menschen seid und jemanden aus dem Schnee schiebt. Entweder seitlich neben das Auto oder mittig stellen. Nie direkt hinter die Räder. Gerade bei Hecktrieblern könnt Ihr Euch sonst hinterher neu einkleiden. Schiebt immer nur an Stellen des Autos die aus Blech sind und sich WIRKLICH stabil anfühlen. Am Besten an Knten. Nie an Spoilern oder an großen Blechflächen. Die geben nach, machen Beulen und Ihr macht mehr kaputt als Ihr helfen könnt.

Losfahren und auf Schnee unterwegs sein

Ich gebe es zu: Ich wäre gerne Walter Röhrls unehelicher Enkel. Bin ich aber nicht. Ich behaupte auch nicht ein besonders guter Fahrer auf Schnee zu sein. Was ich mir zugestehe ist, halbwegs erfahren zu sein, zu wissen wie mein Auto reagiert und keine übermäßige Angst zu haben.

Das sehe ich nämlich als das Hauptproblem an. All die Leute, die in den letzten Jahren, als es maximal zwei Tage ein bißchen Schnee gab, haben sich entweder gar nicht auf die Straße getraut oder sind mit Bus, Bahn oder Taxi gefahren. Dann kommt ein Winter wie dieses, oder letztes Jahr wo sie irgendwann gezwungen sind zu fahren und dann können sie es natürlich nicht.

Seit ich ein Auto habe war der erste Weg beim ersten Schnee immer der zu einem möglichst großen, möglichst unberührten Parkplatz und dann wird erstmal rumgerutscht. Vollbremsungen geübt. Bei Hecktrieblern mit dem dem Gaspedal gelenkt, bei Fronttrieblern mit der Handbremse. So wie Kollege Royalsolo mit seinem Twingo im Video unten. Nur so lernt man, was sein Auto macht, wenn es rutscht. Nur so bekommt man ein Gefühl für sein Auto und die “Elemente” Schnee und Eis. Aber bitte nicht übertreiben und immer schön LEERE Parkplätze suchen.

Ok. Bevor losgefahren wir – Schnee und Eis vom Auto schmeissen, der runterfallen und auf anderen Autos landen könnte. Ist nicht nur doof für die anderen. Kostet auch 80 Euro und drei Punkte. Einfach nen weichen Besen nehmen und fix von einem selbst weg das Auto freifegen. Das geht schnell und man saut sich nicht ein.

Auf Schnee fahren ist eigentlich total entspannend. Wenn man entspannt fährt und mögliche Fehler von Fahrern um einen herum beachtet. Schön easy rollen lassen, keine Hektischen Lenkbewegungen machen, oder ruckartig aufs Gas latschen und die Trägheit der Masse ihren Job machen lassen. Immer schön im höchstmöglichen Gang fahren und dann geht das schon.

Spruwechsel früh genug einplanen und dann langsam und geschmeidig rüber ziehen. Beim ranfahren an Ampeln genauso. Ampel im Auge gehalten und einschätzen, ob man noch rüber kommt. Im Zweifel langsamer werden ranrollen, so dass rüber huschen noch geht, rechtzeitig stehen bleiben aber auch eine Option bleibt. Statt zu bremsen besser die Geschwindigkeit durch runterschalten reduzieren. Aber vorsichtig. Bei zu hoher Geschwindigkeit in einen zu kleinen Gang geschaltet lässt die Räder genausp abrupt blockieren wie bei ner Vollbremsung.

Wenn aber auf gerader Strecke ALLES frei ist, alle um einen rum problemlos die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit fahren, dann kann man das auch beruhigt selber tun und mit ausreichendem Abstand im Verkehr mitschwimmen. Mit 30 über Bundesstraßen zu zuckeln kann ebenso zu Unfällen führen, wie wenn einer meint mit 130 in eine weiße Kurve zu heizen.

Allzu starke Steigungen sollte man schon meiden, wenn es geht sonst passiert gerne mal so was hier:

Das soll jetzt auch erstmal reichen. Wenn wirklich GAR nichts mehr geht: Ruft Euch nen Taxi. Aber auch hier ein letzter Tip: Taxen haben keine Schnee-Durch-Komm-Garantie. Ruft früh genug an, wenn Ihr einen Termin habt. Keine Taxizentrale der Welt hat bei diesem Wetter Lust, geschweige denn die Pflicht, innerhalb von 10 Minuten bei Euch zu sein.

So. Und nun kommt gut durch den Restwinter, ich warte auf Neuschnee und such mir dann wieder einen Parkplatz :)