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Jeep Patriot 2.0 CRD Limited – Testbericht – Probefahrt

Jeep Patriot 2.0 CRD Limited – Testbericht – Probefahrt

dsc00456 Gestern war Urlaub. Langes Wochenende und bereits gefühlter Samstag. Von daher war ich auch ein bisschen verwundert, dass der Jeep, Chrylser, Dodge Händler, an dem ich oft nach der Arbeit vorbeikomme noch offen hatte: Samstags um halbfünf. Ach, war ja erst Freitag. Passt.

Das letzte Mal bin ich vor Jahren einen alten Wrangler gefahren und davor mal einen Grand Cherokee. Der Wrangler war zwar ein Spaßmobil sondergleichen, mit dem man über Felsen Klettern konnte, die sonst nur irgendwo vor besonders erfolgreichen Versicherungsmaklerbüros rumliegen. Irgendwer erzählte mir mal, den Reichtum einer Stadt erkennt man daran, wieviele Findlinge sie sich in die Fußgängerzone schmeissen kann. Mit dem Wrangler wäre es jedenfalls kein Problem gewesen, durch die reichste Fußgängerzone westlich des Urals zu fahren.

Aber das wars dann auch erstmal. Bewegt man das Auto nicht durch reiche Fußgängerzonen oder die Sierra Irgendwas-Vada ist es jetzt nicht unbedingt ein guter Erstwagen. Der Grand Cherokee war das genaue Gegenteil:
Mit dem fuhr man bequem und den rückwärtigen Teil in feinstes Leder gehüllt – den vorderen Körperbereich von nicht so feinem amerikanischen Kunststoff umgeben bis an den Rand der Fußgängerzone und hoffte, einen entsprechend großen Parkplatz zu finden, in den man das Dickschiff versenken kann.
Sobald es wieder auf Straßen ging, die v.a. geradeaus gingen, war es aber einfach ein großer Kickdown-Spaß, wenn einen 4 Liter ordentlich nach vorne schoben und die Tanknadel rasend schnell nach links zuckte.

Naja, das war eben damals.

Gestern sah ich erstmal die Schnauze eines Dodge Ram 2500. Ok, Du kommst Dir nicht so klein vor, wie wenn ein Hummer H1 neben Deinem Auto steht. Aber klein bleibt trotzdem klein. Die Aufmerksamkeit war geweckt. Mal schauen, wie lange die heute machen und was passendes da haben. Meine Lust auf SUVs ist ja so langsam geweckt.

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Glücklicherweise kam grade ein Jeep Patriot von einer Werkstattfahrt zurück. Der paßt ungefähr in meinen Preisrahmen und macht erstmal den Eindruck einer guten Mischung aus Jeep im Sinne des Verwendungszwecks und Alltagsauto. Rund 32.000 EUR würde der Vorführwagen inkl. Agrarhaken (zieht knapp 1,6t) kosten. Viel mehr sei da nicht mehr drin beim 2009er Modell sagte der Händler. Aber den 09er sollte man wegen des überarbeiteten Interieurs auch nehmen.

Patriot. JEEP Patriot. Amerikanischer kann ein Auto doch schon fast nicht mehr heissen, oder? Ich erwarte fast, dass mit Einschalten der Zündung das Star-Sprankled Banner gespielt wird. Stattdessen sehe ich meine Süße an der Beifahrertür rumziehen. Der Verkäufer klärt später auf: Das Auto hat eine leicht paranoides Sicherheitsfeature: Bei einem Druck auf die Fernbedienung wird nur die Fahrertür aufgeschlossen. Erst zweimal drücken schließt alle Türen auf. In Alaska verhindert man wohl damit, daß einem der Grizzly auf die Rückbank hüpft. In South Central, dass man unfreiwillig zum Großraumtaxi für ein paar Gangmitglieder wird. In der ostwestfälischen Provinz ist soviel Homecar Security erstmal befremdlich ;)

Amerikanische Auto rufen in mir ja eigentlich immer eine Assoziation hervor:
Billiges, klappriges Plastik. Davon ist im Patriot keine Spur. haben die nicht nur den Motor von VW eingekauft, sondern auch den Kunststoff aus dem neuen Golf 6 rausgeschmolzen? Die Verarbeitung ist etwas gröber als im Golf 6 aber ist ja auch ein Auto fürs gröbere. Trotzdem besser als alles, was ich bisher von übern Teich gesehen habe.

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Haben die eigentlich in USA einen Überschuss an diesen kleinen blauen Displays, die in den 90ern schon furchtbar aussahen und müssen den loswerden? Die Armaturen sind wunderhübsch und stylish. Das ganze Interieur macht einen super Eindruck und dann diese türkisen Leuchten unten drin. Wie gesagt, der Rest gefiel mir richtig gut. Mit das ansprechendste Interieur in einem SUV dieser Preisklasse bisher (auch wenn ich erst 5 oder 6 gefahren bin, habe ich sicher schon in 15 gesessen). Vor allem der Kunststoff ist wie schon gesagt extrem hochwertig. Da bin ich sehr viel weichere und klapprigere Plastikbauten gewöhnt.

Die Sitze sind amerikanisch bequem – darauf kann man auch von Coast-to-Coast fahren. In der Ledervariante vielleicht ein bißchen rutschig. Kann auch an der Kombination mit meiner Jacke gelegen haben. Einzig die Sitzbank hinten ist – ich nenne es mal glatt. Wirklich glatt. Die Sitzbank ist sehr eckig und plan und das Leder: HUIIII! Kinder werden bestimmt ihren Spass haben, wenn sie auf entsprechend kurvigen Straßen und ordentlicher Gangart von einer Seitenscheibe an die andere Klatschen. Viel Rutschfestigkeit bieten die Lederbank hinten nicht.

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Mir isses egal. In meinem Auto sitze ich nicht hinten.

Sondern vorn. Und meine bevorzugte Sitzposition habe ich auch sehr schnell gefunden. Tief! So TIEF wie es geht :) Jaja ich weiß, die “erhabene Sitzposition” in einem Geländewagen ist doch grade eine Sache, die die Autos ausmachen. Die Sitzposition, die mein Vorfahrer hatte (und der war sogar ncoh nen Kppp größer als ich) war mir aber dann doch zu truckmäßig. Ich hatte schon Angst gekriegt, vorne über die Nase auf die Straße zu kippen.
Und selbst mit tiefer gelegter Sitzposition ist mir eine Sache im Weg: Der Rückspiegel! Obwohl er mir viel kleiner erscheint, als in allen anderen Autos, die ich bisher so gefahren bin, ist er irgendwie immer im Weg, egal wie ich mich verbiege. Wird wohl nur eine Gewöhnungssache sein, die mir in ein paar Wochen nicht mehr auffallen würde. Bei der Probefahrt, war das Dingen aber ECHT im Weg :)

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Mitten in dem schön geschwungenen Cockpit mit runden Lüftungsauslässen trohnt eines der geilsten Navis, die ich bisher gesehen habe. Das übertrifft auch noch das Gadgetometer im Ford Mondeo oder Audi A5.

Mit sofort funktionierender Sprachsteuerung. Nix mit trainieren oder lange beibringen wie in nem Benz (obwohl ich mir gut vorstellen kann, daß es da noch Überschneidungen zwischen Daimler und Chrysler gibt). Sowohl meine Süße als auch ich konnten es auf Anhieb mit Sprachbefehlen bedienen. Faszinierend. Vor allem, wenn man am Vorabend grade erst Star Trek gesehen hat ;) Computer: Bring uns nach Hause!

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Sind die Kinder auf der Rückbank am bölken wie am Spieß oder der Hund bellt hinten im Kofferraum, bedient Ihr das Navi ganz einfach über Touchscreen. Und der Touchscreen ist wirklich vom Feinsten!
Sehr gute Reaktion – nicht zu sensibel und nicht zu träge. Vor allem aber super stabil! Da hat jemand mitgedacht, dass man durchaus mal wegen eines Hubbels etwas stärker zutouchen könnte als geplant. Entsprechend robust ist die Oberfläche gemacht, damit der Finger nicht einmal komplett durch die Mittelkonsole piekst.

Das Multimediasystem uconnect kommt noch mit einigen anderen coolen Features: MP3s lassen sich ganz easy per USB auf die 30 GB Platte schieben. Ok. Ausser mit meinem U3 Stick, der in zwei Partitionen aufgeteilt ist. Der brachte das Gerät dann gleich an seine Grenzen:

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Fotos vom Trip durch Alaska kann man sich auch in das Teil reinpacken. Meine erste Idee für einen echt praktischen Verwendungszweck ist ja, Trailmaps und Geländekarten, die noch um eingies genauer sind als das Navi auf die Festplatte kopieren und zur Zusatzorientierung nutzen.

Und DVDs spielt das Gerät natürlich auch ab. Wenn man irgendwo im Nordamerikanischen Winter übernachtet, kann man sich da wenigstens ein hübsches Campfire draufpacken, dann wird es nicht ganz so frostig ;) Warme Gedanken helfen ja immer… Das ist wohl die einzige Anwendungsart für DVD im Stand. Ok, oder im Stau. Das es auch anders geht, zeigt das Video hier ;) Es gibt auch einen schönen Blick auf die Armaturen:

Falls jemand weiß, ob ein über USB angestöpselter iPhone/iPod steuerbar ist: Bitte kommentieren!
Im Handschuhfach war da ja noch ein Anschluss. Aber ich habe vergessen den Verkäufer zu fragen.

So. genug an der Multimedialenanfasszentrale rumgespielt. Runter vom Händlerhof und bewegt, den kleinen Büffel. “Beim Anlassen auch im Leerlauf Kupplung treten, sonst springt er nciht an!”, hat mir der Jeep-Mann mit auf den Weg gegeben. Das ist wohl ein amerikanisches Sicherheitsvermächtnis. Wieviele Amis oder europäische Schaltwagen hat es wohl schon dahingerafft, weil jemand mit eingelegtem Gang stumpf den Zündschlüssel umgedreht hat?

HEIDEWITZKA! Der 2 Liter Diesel von VW nagelt ganz ordentlich und macht keinen Hehl draus, dass er nen Selbstzünder ist. Pumpe-Düse. Dafür zieht er aber auch ordentlich was weg. Richtig aufs Gas gelatscht und die 140 Ponies gehen alle auf einmal durch und schieben die 1,6t richtig ordentlich vorwärts. Kurzfristig glaube ich, dass das Auto eher nach der MIM-104 Patriot Flugabwehrrakete benannt ist. Der Jeep Patriot hat permanenten Allrad Antrieb. Standardmäßig geht die meiste Leistung auf die Vorderräder und wenn die durchdrehen, kommen die Hinterräder entsprechend zu Hilfe. Zuschalten läßt sich mit einem Hebel hinter der Handbremse noch das Differntial, falls es auf richtig losen Untergrund geht.

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Der Frontantrieb und das hohe Drehmoment führen zu einem Effekt, den ich bei bulligen Geländewagen ja wirklich liebe:
Wenn mir beim Gasgeben die Schnauze kurz entgegen kommt und der Wagen sich auf die Hinterbeine stellen will, wie mein seliger Willies Jeep von TAMIYA seinerzeit :) Und der Patriot schiebt wirklich RICHTIG ordentlich nach vorne. Da geht was. Der Durchschnittsverbrauch steht noch auf 8,4l vom Vorfahrer. “Puha”, denk ich mir “naja, ist ja Diesel.” Aber immer hin schaffe ich es auf nicht ganz 20km Fahrt den Verbraucht auf 8,3 zu drücken, ohne es wirklich versucht zu haben. Was hat der vor mir gemacht??? Bäume aus dem Wald gezogen? Der Verkäufer sagt hinter her auch, er bekäme diesen Motor sowohl im Patriot als auch im Chrysler Sebring Cabrio kaum über 7,5l. Das ist echt in Ordnung bei der Leistung und dem Fahrspaß.

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Im Prospekt stehen noch John und Helen Taylor erwähnt, die den Jeep Patriot mit einer Tankfüllung – 51,1 Liter Diesel 1124,1 Kilometer weit gefahren haben. DAS würde ich ja auch gerne mal eruieren. Das hiesse 4,18 Liter auf hundert Kilometer! Ich meine ok – mit einem Sechsgang-Getriebe kann man nochmal ne ganze spur sparsamer fahren, aber einen Jeep unter 5 Liter zu fahren ist wirklich beachtlich. Für dauerhaft sparsames Fahren sollte man sich dann auf jeden Fall die Reifenprüffunktion einbauen lassen (Serienausstattung im Limited Modell). Damit hält man den Rollwiderstand der Reifen durch ordentlich hohen Luftdruck dauerhaft niedrig.

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Die 189km/h Topspeed konnte ich nicht testen, die mir zur Verfügung stehenden Strecken liessen max. 140 zu ;) Die erreicht der Patriot trotz der Schrankwandähnlichen Aerodynamik aber spielend. Schien mir auch eine angenehme Reisegeschwindigkeit zu sein. Sowohl vom Fahrgefühl – kein Schwimmen, super Spurwechselverhalten – als auch von der Lautstärke her.

Wie mir hinterher erklärt wurde, ist das 2009er Modell um einiges besser gegen Lärm isoliert als die 2007 und 08er Vorgänger. In meinem Vorführmodell ist die Akkustik wirklich angenehm.

Bevor ich losgefahren bin, kontrollierte der Herr vom Autohaus die Motorhaube argwöhnisch. “Schnellspanner?” dachte ich mir da ja noch. Aber als ich das Wolfsburg Aggregat vorne knispen wollte gab es gleich zwei Probleme:
Erst kriegte ich die Haube nicht auf. Ok. Normal. Den Entriegelungshebel zu finden ist bei fast allen Autos nicht ganz easy. Vor allem, wenn sie schön warm gefahren sind und man sich prima die Flossen verbrühen kann. Aber gut. Dass der Hebel in die untere Auflagenkante eingelassen ist – das ist neu. Ok. Hebel gefunden, die gefühlte anderthalb Zentner schwere Haube hochgewuchtet (das ist wirklich massive Bauweise) und kleine Motorfotoshow.
Dann kam aber das Problem. Die Luke ging nich mehr zu. Hmpf. Immer ich. Und das ne halbe Stunde vor Feierabend beim Autohaus. Aber ich habe j auch meinen Stolz. Und der sagt – Du rufst eher einen FREMDEN Autohändler an und fragst um Rat, als den, wo Du den Testwagen her hast. War aber glücklicherweise nicht nötig. Nach zweimlaigen Ziehen des Hebels für die Haubenverriegelung im Fußraum schnappte der Verschluß wieder zu. Puh. Peinlichkeit erspart geblieben.

Bild von www.jeep.de

Ein weiteres Gadget hab ich dann in der Heckklappe entdeckt. Bei offener Heckklappe lassen sich zwei Boxen runterklappen! Damit kann man dann also das halbe Yuon Tal beschallen und Bären und Wölfe vertreiben. SEHR praktisch. Ich glaube, wenn ich das Auto irgendwann mal in eine beliebige Wildnis entführen darf, nehme ich mir vorher MP3s des Brunftgeschreis der ortsansässigen Fauna mit und bringe einige Viehcher in akkustischen Liebesrausch.
Die ordentlich grossen Boxen im Innenraum reichen auf jeden Fall aus, um für ordentlichem Sound zu sorgen.

Was ich ja vermissen werde, wenn der Volvo mal weggeht ist, dass ich ein Auto, wo ich mal eben 2 PAX Kleiderschränke von IKEA reinschmeissen kann so schnell nicht wieder finde. Beim Blick in den Kofferraum des Jeep Patriot dachte ich mir schon “Hmmm, das wird wohl knapp” auch wenn die Ladefläche bei umgelegten Rücksitzen recht üppig ist. Dann habe ich aber im Prospekt sogar noch gelesen, daß man den Beifahrersitz umklappen kann! DANN passt natürlich richtig was rein!

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UND!! Der Beifahrersitz läßt sich als Tisch benutzen! Für jemanden, wie mich, der gerne unabhängig arbeitet klingt das perfekt! Apple MacBook Pro schnappen, UMTS Stick und ab ins Grüne, den Wald oder den Truppenübungsplatz und in Ruhe arbeiten. Herrlich! Ich werde wohl nochmal zum Jeep-Händler fahren und mir die ganzen Features, die mir später erst aufgefallen sind ansehen müssen.

Bild von www.jeep.de

Der Verkäufer erzählte, dass normalerweise jedes JEEP Modell den Yukon Trail durchfahren können muss. Alles was nach spätestens 3 Tagen nicht wieder rauskommt, wird nochmal überarbeitet. Der Patriot und sein noch strassentauglicherer Kollege Compass sind die ersten Modelle, die diese Anforderungen nicht erfüllen mussten. Ob sie es schaffen würden oder nciht, weiss ich nicht. So ganz untauglich sind sie jedenfalls nicht, wie dieses Video von Autonetwork.com zeigt:

Und wenn man doch mal stecken bleibt, kann man ja getrost seinen Jeep Händler anrufen. Der versprach mir schon, dass er dann mit seinem Wrangler vorbei kommt und mich wieder rauszieht. :)

Der Patriot hat mich auf jedensten schonmal als Fan gewonnen. So eine Kombination aus Spaßmobil, Gadgets, Alltagstauglichkeit und Fahrleistungen und -Komfort bei ordentlichem Preis habe ich schon lang nicht mehr gesehen. Ob ich auch noch ein kaufender Kunde und Evangelist werde – mal sehen. Dafür werde ich mir einige Marktbegleiter noch anschauen müssen :-) Dann aber auch nicht in schwarz sondern in dem Orange-Metallic oder Schneeweiss. Eine neue Vorstellung von meinem Traumurlaub habe ich jetzt jedenfalls schonmal: Einmal mit dem Patriot quer durch Kanada… Für den Yukon-Trail muss ich noch ein bißchen üben.

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Einen tollen Begriff aus der Offroadwelt habe ich jedenfalls schonmal gelernt, den ich den anderen Offroad-Rookies hier nicht vorenthalten will:

BÖSCHUNGSWINKEL

Also der maximale Steigungswinkel, den man hochfahren kann, ohne mit dem Auto gleich den halben Hügel abzutragen. Der liegt beim Patriot bei 28° Grad. Habe ich nicht ausgereizt. Fand den Begriff einfach nur klasse :)

Alle anderen technischen Daten kriegt Ihr beim Hersteller.