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Die vierte Etappe – von Schmerzen, Mais und Deichen #PanTourDeMeer

Soooo viele Schafe heute auf den Deichen machen sooooo viel Kacke. Ich hab noch auf keinem Bürgersteig, Fahrradweg oder Zoo-Weg soviel Kacke auf einmal gesehen :) Aber das knisternde Geräusch beim drüber fahren ist unerwartet untypisch :)

75 Kilometer
19 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit

1. Panther können manchmal klettern wie Berglöwen
2. Schafkacke macht knisternde Geräusche wenn man drüber fährt
3. Gefühlt steht zu 80% Mais im Norden auf den Feldern

Gut, dass unsere Panther windschnittig sind
So langsam wird es endlich windig. So richtig, richtig windig. Heute hatte ich schon das Gefühl der Gegenwind wäre heftiger als steil bergauf fahren. Kein Wunder – am Deich in der Elbmündung hat es heute ordentlich reingepustet. Und wir mussten da durch. Teilweise war der Wind so heftig, dass ich statt der normal leicht zu erreichenden 25 km/h nur noch 19-20 geschafft habe, dann war die Kraft in den Armen um mich am Lenker festzuhalten weg.

Heute Abend fuhren auf den letzten paar Metern zwei mächtig sportliche Friesen auf ihren Rennrädern an uns vorbei, als wir gerade unsere letzte Beef Jerky Ration vernichteten. Sie lächelten ein bisschen mitleidig rüber. Als wir wieder losfuhren, hatten sie vielleicht 500m Vorsprung.
Und Gegenwind.
Angie hat plötzlich die Restmotivation gepackt und sie zog mir sowas von weg und nach 2 oder 3 Minuten an den beiden Rennradlern vorbei. Als ich die beiden dann auch irgendwann kassiert habe lachten sie sich kaputt, dass ich grade nicht hinterm Damenrad hinterkomme :) Und ich weiß jetzt, dass in solchen Hardcore-Bedingungs-Gegenden wohl nur noch mit E-Bike fahren möchte :) Ohne den eingebauten Rückenwind wäre ich wohl irgendwann rückwärts gefahren.

A pros pos Rückenwind:
Das ist frustrierend. Du hast IMMER Wind von vorne. Fährst Du gegen den Wind dann volles Programm. Drehst Du um, dann merkst Du ganz kurz den Windschub. Dann gar nicht mehr. Dann irgendwann wird der Fahrtwind wieder stärker als der Rückenwind. Finde ich jetzt schon unfair :)

Der Panther klettert wie ein Berglöwe

Beeindruckt hat mich mein blauer Panther aber ganz anders heute:
Ihr wisst wie so ein Deich aussieht? Ein Hügel. Voller Wiese und Schafe. und SEHR steil. Wir mussten da heute nach unserer Pause rauf, um auf den Radweg zurück zu kommen. Durch den Garten eines Cafés. Angie hat geschoben, ich wollte wissen ob es geht. Kleinen Gang rein, den BOSCH-Antrieb auf Sport – Stufe 3 – gestellt und reingetreten.

Was soll ich sagen? Wenn ich sowas als Kind gehabt hätte, wäre ich vermutlich mein Leben lang nur im Teutoburger Wald rauf und runter gefahren!
Das E-Bike ist SO leichtfüßig über die rutschige Wiese getanzt, dass man mir das Grinsen immer noch operativ aus dem Geischt entfernen müsste. Niiieeeemals hat mir bergauf fahren auf einem Fahrrad SO verdammt ncohmal viel Spaß gemacht! Dank des Drehmoments des E-Motors hat das Hinterrad gleichmäßig geschoben statt wie beim Treten ruck- und stückweise durchzurutschen und damit das Rad instabil zu machen. Morgen muss ich mir noch ein paar mal solche Stellen suchen. Das war einfach nur großartig :-D

Die Deiche sind nur eine Kindheitserinnerung, die mich nun wie erhofft immer wieder einholt. Novh viel mehr sind es die Gerüche hier. Nicht lachen, aber Jauche und Silage an jeder Ecke. Seit kurz hinter Verden werden die Bauernhöfe immer und immer mehr. Und damit auch diese Gerüch, die für mich immer Urlaub und irgendwie nach Hause kommen bedeutet haben.

Mais fast auf jedem Feld
Unser Gastgeber auf Föhr hat mir am Telefon schon gesagt, dass vor 2-3 Wochen der Winter-Weizen eingefahren wurde. Nach den wenigen trockenen Tagen musste es schnell gehen. Nur wenige Regenschauer können ausreichen um das Abernten unmöglich zu machen. Die Halme legen sich durch das Gewicht des Regens hin und können nicht abgemäht werden. Das was gemäht würde, ist nass und fängt an zu gähren.Die Ernte wäre nicht wirklich ergiebig.

Heisst also, dass die meisten Felder ja eigentlich abgeerntet sein müssten.
In unserer Wahrnehmung sieht das etwas anders aus: Auf gefühlten 70 bis 80 Prozent der Felder an denen wir in den den letzten anderthalb Tagen vorbei gefahren sind stand:
Mais.
Mais, Mais und nochmal Mais. Unglaublich viel. Ein bisschen rumgooglen hat mir diesen ZEIT-Artikel zum Mais-Anbau in Deutschland als Erklärung ausgespuckt. Allerdings ist unsere Wahrnehmung der Mais-Menge noch VIEL höher als das was da in dem Artikel steht.

Die letzten Kilometer waren eher nachdenklich heute. An zwei Kernkraftwerken innerhalb von 20 Kilometern vorbeizukommen, hinterlässt sogar bei einem technik- und fortschritts-vertendem Menschen ein mulmiges Gefühl. Erst Brokdorf, das KKW läuft soweit ich das rausfinden konnte aktuell auch noch. Dann natürlich das KKW Brunsbüttel. Das Werk mit den meisten Störfällen in Deutschland. Sieht unscheinbar aus und ist seit Jahren still gelegt, trotzdem frage ich mich, ob die Leute hier Angst haben oder einfach mit der nicht ganz ungefährlichen Technik in der Nachbarschaft leben gelernt haben.

Wir freuen uns jedenfalls über jeden Windpark, den wir sehen :) Vor allem, weil die Elektro-Mühlen hier immer größer werden, Deutlich größer als bei uns in Ostwestfalen jedenfalls.

Jetzt werden wir noch ein bisschen auf Frühstücksjagd gehen und uns dann auf den Weg weiter nach Norden machen. Heute stehen Büsum und dann Tönning auf dem Plan.

Vor allem freue ich mich dort auf einen Drink und kleine Stadtführung mit der Exil-Bielefelderin Alina.