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Abenteuer Winter und die Deutsche Bahn

Ich weiß, ich weiß Bahnbashing ist SOWAS von über, aber das geht auf keine Kuhhaut mehr. Eigentlich wollte ich mit dem Auto fahren, aber das hatte sich leider zerschlagen. Also mit der Bahn hin nach Frankfurt und wenigstens zurück mit dem Auto. So war der Plan.

Dabei muß ich sagen – auch wenn ich mein letztes Bahnerlebnis nach Mainz ja gar nicht so schlimm fand – habe ich ein echtes Problem damit, meine Selbstständigkeit in Sachen Mobilität in die Hände von unflexiblen Organisationen zu legen. Bei dem Gedanken, auf ein paar Zettel und den reibungslosen Ablauf auf Schienen angewiesen zu sein ist mir nach dem letzten Winter-Faux-Pas der Bahn vor 2 Wochen gar nicht wohl. Aber gut. Geht halt nicht anders.

Zuerst der Ticketkauf:
Ne Nummer gezogen und 15 Minuten gewartet. Am Schalter dann mit der (noch sehr netten) Dame eine Verbindung ausbaldowert.

Sie:
“Wie hätten Sie’s denn gerne?”

Ich (keine Ahnung was sie meint):
“Was haben Sie denn so im Angebot?”

Sie:
“Ja billig, Erster Klasse, bestimmter Zug…?”

Ich:
“Tja, der Zug sollte schon zu mir passen, da haben Sie recht… Ach einfach möglichst preiswert.”

Sie ratttert einige Verbindungen und Krams runter, den ich nicht ganz verstehe.

Ich:
“Ich möchte eigentlich nur zum Flughafen Frankfurt und möglichst vor 13 Uhr dort sein – das ganze möglichst preiswert. Alles andere ist egal.”

Sie:
“Ok. Dann nehmen Sie diese Verbindung” Druckt ein paar Zettel aus, drückt sie mir in die Hand und drückt einen Knopf und es macht DÜÜÜDÜDÜÜÜDÜDÜ “Damit gehen Sie jetzt zum Automaten und buchen die Verbindung, dann ist es noch 5 EUR billiger. Schönen Tag noch.”

Ich (bis dahin fand ich die gute Frau ja noch sehr zuvorkommend):
“Ach nee, lassen Sie uns das jetzt gleich hier buchen. Auf die 5 Euro kommt es nun auch nicht an”

Sie:
“Das geht jetzt nicht mehr.”

In Rauch gehüllte Fragezeichen fangen an, aus meinem Kopf aufzusteigen:
“Wie bite? Ich stehe doch hier”

Sie:
“Jahaaaaa, aber ich habe schon die nöchste Nummer aufgerufen. Bitte gehen Sie wie gewünscht zum Automaten”

Ich:
“Wann habe ich gesagt, daß ich am Automaten buchen möchte? Die Entscheidung haben Sie mir ja bereits abgenommen. ich möchte gerne hier buchen”

Sie:
“Tut mir leid, das geht nicht mehr. Ihre Nummer ist verfallen. Sie können gerne eine neue Nummer ziehen und sich erneut anstellen. Am Automaten gehts aber schneller. Da ist auch eine Kollegin, die Ihnen den Vorgang erklärt”

Aus den #&$*$%”# über meinem Kopf wird nur noch eine Rauchwolke, ich schnappe mir meine Zettel und stapfe zum Automaten.

Besagte Automatendame hat wohl schon mehrere Kunden gehabt, denen von Ihrer Schalterkollegin die Laune versaut wurde und ist weg.

Toll.

Naja, ich bin ja nen Geek und Maschinen machen das, was ich Ihnen sage. NICHT aber, wenn sie von Bahn-Usability-Päpsten für Normalbegabte Zugfahrende designed wurden. Nach ein bis zwei Minuten werde ich von der Bedienungshilfe aus meiner Ratlosigkeit erlöst. Sie geht mit mir die einzelnen Schritte durch und stellt dabei fest, das die Verbindung, die mir rausgesucht wurde ziemlich suboptimal wegen zu kurzer Umsteigezeiten ist. Super Beratungsleistung Schaltermadame. Also fummeln wir die nächstbeste über den Höllentouchscreen zusammen.

Mit einem Stapel Zettel, die mich mehr an Parkscheine oder Kinokarten als an Zugtickets erinnern, gut 50 EUR ärmer (dafür hätte ich Sprit für hin und Rückfahrt tanken können) und 30 Minuten verronene Lebenszeit später, gehe ich dann irgendwann nach Hause. Naja, mit der neuen Verbindung dank der geballten Automatenkompetenz nun nur zwei- statt viermal umsteigen. Wenigstens halbwegs entspannt in Frankfurt ankommen am Montag.

Wie nah Problem und Lösung manchmal beieinander liegen hat sich dann am Montag Morgen gezeigt:

Wäre ich mit dem Auto wie eigentlich geplant gegen 8 losgefahren, hätte ich den Termin um 14.30 auch bei Schneechaos noch gepackt. Und hätte der Hund nich geschissen, hätte er den Hasen noch gekriegt.

So sind wir dann mal schön auf dem Weg zum Bahnhof im Bielefelder Verkehrschaos stecken geblieben. KEINE Ahnung was da los war. Wäre es der erste Tach mit Schnee gewesen. geschenkt. Kann ich verstehen. Aber nach fast 5 Wochen Dauerweiss noch SO ein Geschiss und Aufriss zu machen, in Schrittgeschwindigkeit rumzuöcken und dabei immer noch SO dämlich zu fahren, daß durch vermeidbare Unfälle dreispurige Stadtautobahnen versperrt werden, dafür hab ich kein Verständnis. Ist das in Österreich, Schweiz, Schweden, Norwegen eigentlich auch jedes Jahr so oder sind nur deutsche Verkehrsteilnehmer nicht mehr wintertauglich?

Die Zugabfahrt habe ich jedenfalls kollosal verpasst. Die Tickets ließen sich nicht auf andere Züge umbuchen und ich kann sie jetzt einschicken und auf Kulanzerstattung wegen des Schneechaos hoffen. Wahrscheinlich landen die Karten dann auch in einem Automaten. So einer mit GROSSEM Hebel an der rechten Seite. An dem wird dann gezogen und wenn drei grinsende Schaltertantengesichter erscheinen, krieg ich meinen Fahrpreis zurück.

Wenn die Post nicht vorher die einzuschickenden Originalfahrkarten verschlürt.

Mannmannmann, nächstes Mal fahr ich wieder mit dem Auto. Lieber auf eigene Faust bei Schnee durch den Hochsauerlandkreis als auf so eine starre Organisation angewiesen zu sein.

Ob aus dem Auftrag um den sich der Termin drehte was wird, müssen wir nun auch erstmal sehen.