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Was bringt ein Blog eigentlich außer Geld verdienen?

Was bringt ein Blog eigentlich außer Geld verdienen?

Rob hat vorgestern einen spannenden Artikel veröffentlicht mit dem Titel “verdient man mit Blogs Geld: Wahr oder falsch?”. Obwohl Robert das Thema wirklich unglaublich ausführlich und detailliert auseinanderklamüsert hat, will ich einen seiner Punkte mit meinen Erfahrungen noch ein Stück ergänzen, zu dem er nicht soviel geschrieben hat:

Den Punkt sonstiges.

Erstmal eines vorweg: Mit bloggen kann man Geld verdienen. Und es ist wie mit vielen anderen kreativen Dingen, die danach aussehen sehr leicht und mal eben so nebenbei mit viel Spaß gemacht werden:
Man muss sich einfach den Allerwertesten aufreißen und machen, machen, machen und dann noch ein bißchen Glück haben. Da ist es egal ob wir von Musikern, Skatern, Photographen, Künstlern oder eben Bloggern reden.

Niemand kommt drumherum, seine Sache gut zu machen und sich anzustrengen.

Unter dem Punkt “sonstiges” hatte Rob also kurz die Möglichkeiten angerissen, zu Vorträgen, Produkttests und Presseterminen eingeladen zu werden.

Ich sehe gerade in diesem Punkt einen nicht zu unterschätzenden Schritt nach vorn – zumindest in meiner “Bloggerkarriere”.

Warum? Weil ich mir letztens einige böse Blicke einiger Journalisten zuzugezogen habe, die mir die Aussage bestätigten. Ich war auf einen Pressetermin zum probefahren unter südlicher Sonne eingeladen. Nicht mein erster Pressetermin, aber der erste bei diesem Hersteller und der erste wo ich der einzige Webfuzzi unter einer reinen Garde von Autojournalisten war. Beim vorabendlichen “Get Together” kannten sich die ungefähr 30 anwesenden Journalisten bereits alle irgendwie und unterhielten sich entweder über die letzten Terminen dieser Art oder schon bereits über Frau und Kind. Allesamt waren sie Profis und schon lange im Geschäft.

ich war der Neue.

“Hey! Für wen schreibst Du denn?” War dann die Frage, die ich am häufigsten an dem Abend hörte. “Och, ich schreibe bei mir selber” war dann erstmal meine vorsichtige Antwort, die das eine oder andere Fragezeichen verursachte. “Naja ich blogge. der-probefahrer.de”. “WIE?? Du BLOGGST?” Manchmal schwang die Frage “Und dann wirst Du hierhin eingeladen?” nur unterschwellig aber deutlich mit, zweimal wurde sie auch direkt gestellt. Nachdem sich die Schnappatmung der Kollegen wieder gelegt hatte kam dann meistens die Frage: “Ja, was verdient man denn so mit so einem… Blog?”

Das war dann der Punkt an dem ich überlegte ob ich ehrlich antworten soll, oder einfach nur wild kreischend das belizische Ameisenbärritual vortanzen soll. Die Wirkung wäre vermutlich die gleiche gewesen. Also antwortete nahm ich den Weg, für den ich keine rituelle Stammeskleidung brauchte und antwortete einfach nur: “Nix. Ich verdiene mein Geld mit anderen Dingen. Das bloggen mache ich nur so.”

Ihr könnt Euch in etwa vorstellen, wie die Wirkung auf jemanden ist, der seit Jahren oder sogar Jahrzehnten mit dem professionellen Schreiben seinen Lebensunterhalt reinholt. Da waren einige Jungs dabei, die direkt nach dem Essen in der Lounge an ihren Laptops saßen und an ihren Artikeln arbeiteten. Und dann kommt da mit einem Mal ein Typ um die Ecke, der das alles nur so zum Spaß macht? Nachdem wir uns dann alle etwas länger und ausgiebiger unterhalten hatten war das Eis gebrochen und ich stand nicht mehr ganz so als Sonderling da.

Obwohl es da einen kleinen Ausrutscher noch gab: Beim Essen standen Namenstafeln des Herstellers auf dem Tisch und ich dachte mir “ach komm, beim letzten Termin hast Du auch mit einem coolen Franzosen zusammen gesessen – da nimmst Du heute mal den Platz gegenüber vom französischen Namensschild”. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste war, dass ich mir blind die höchste Hierachiestufe des Konzerns ausgesucht hatte, die an dem Abend vertreten war: “Global Manager Product Strategy and Planning”. Die um mich herum sitzenden Journalisten starteten direkt mit ihren Fragen zum Produktportfolio, dem speziellen Produkt, das wir auf dem Event kennen lernen sollten und versuchten über ein noch geheimes Projekt mehr heraus zu finden. Da konnte ich nur bedingt mitreden und hörte erstmal gespannt und interessiert der hochkarätigen Unterhaltung zu.

Irgendwann kam mir das Gespräch dann inhaltlich etwas mehr entgegen als der Mann vom hersteller meinte “Facebook verstehe ich ja noch, aber wo ist der Sinn hinter Twitter?”. Ha! Meine Chance! Ich hatte schon zum großen Beraterrundumschlag zu Twitter im Speziellen und Social Media im Allgemeinen Luft geholt als ich mich gerade noch bremsen konnte und einfach nur meinte: “Naja, es gibt tausende Möglichkeiten Twitter zu benutzen und Millionen Inhalte die Du Twittern kannst. ich habe eben zum Beispiel ein Foto von dem schwarzen Klopapier hier im Hotel getwittert. Sowas hab ich noch nicht gesehen”.

Für einen Sekunden-Bruchteil herrschte erstmal Stille in der man die Gedanken der Umsitzenden fast hören konnte “hat der gerade über KLOPAPIER gesprochen?” und dann platzte der Manager raus “JAAAA! Das schwarze Klopapier ist super oder? Ich hab mir erstmal ne Rolle eingepackt! :-)))” Das Eis war zum zweiten Mal gebrochen. Der Mann war im Herzen immer noch Designer und kann sich für schöne, abgefahrene Dinge total begeistern. Danach entwickelte sich ein unglaublich interessantes Gespräch über die Zukunft des Autos und unserer Mobilität.

Später noch sass ich mit dem Herrn zusammen und wir philosophierten wir bei einem leckeren Glas Portwein über die Europäer herum. Am nächsten Morgen musste ich die Kollegen Journalisten dann leider enttäuschen, dass ich im Vier-Augen-Gespräch nicht doch noch die eine oder andere information über das Geheim-Projekt heraus gekitzelt habe. Der Mensch vor mir interessierte mich einfach mehr und hatte irre viel zu erzählen. Nicht alles davon war übrigens blogtauglich :)

Was ich damit sagen will?

Nun, Robs Punkt sonstiges ist für mich mit der wichtigste überhaupt. Bloggen bringt Möglichkeiten mit sich, von denen zumindest ich gar nicht nachgedachte habe, dass es sie gibt, als ich mit dem Bloggen startete. Bloggen schafft neue Kontakte und Einsichten und damit auch das, was für uns Blogger am wichtigsten ist:

Unique Content.

Egal an welchem Event oder Termin ich teilgenommen habe: Ich kam mit Eindrücken, Geschichten und Informationen nach Hause, die mich nicht nur als Mensch und Blogger weiter bringen. Ich kann vor allen Dingen interessante neue Postings daraus machen und damit meinen Lesern etwas bieten. Und gerade meine Unabhängigkeit und das nicht-angewiesen-sein auf Geld, schnelles Absetzen in die Redaktion oder Themenvorgaben geben mir die Freiheit über ein Thema länger nachdenken zu können. Informationen sacken zu lassen und aus einer Perspektive zu schreiben, die nicht zwangsläufig an Monetarisierung gebunden ist:

Aus meiner Perspektive.

Nichts desto trotz denke nach all den Artikeln die Rob auf Selbstständig im Netz verlinkt hat darüber nach, hier vielleicht ein kleines Zubrot mit zu verdienen. Aber eben immer mit dem Gedanken im Hinterkopf, mich nicht von Werbeeinnahmen und Statistiken verbiegen zu lassen.

Also: Keep on bloggin’ und macht das Beste draus :)