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Der Mond scheint meist in cis-moll Klassische Musik Entdecken für Einsteiger mit Frank Roebers und Eva Schüttler

Klassische Musik für Einsteiger – der Mond scheint meist in cis-Moll

Ich habe Beethovens 9. Sinfonie bereits zwei Mal gehört heute. Und das jeden Tag seit über 2 Wochen. Daran ist mein ehemaliger Chef aus der Synaxon Frank Roebers schuld :) Warum genau erkläre ich etwas weiter unten.

Nach 4 Durchläufen der Mondscheinsonate – einmal in der kitschigen und danach dreimal in der Trauermarschversion, spielt jetzt gerade Bachs Brandenburgisches Konzert #5 von dem Douglas Adams sagte:

The familiarity of the Brandenburgs should not blind us to their magnitude. I’m convinced that Bach is the greater genius who ever walked among us, and the Brandenburgs are what he wrote when he was happy.

Doch fangen wir von Anfang an:

Der Mond scheint meist in cis-Moll

So heißt das neue Vortragsprogramm (hier geht’s zur Webseite), das Frank gemeinsam mit Pianistin Eva Schüttler geschrieben hat.

Klassik für Einsteiger lautet der Untertitel.

Als Frank mich gefragt hat, ob ich gerne bei der Premiere im Denkwerk Herford dabei wäre, habe ich NATÜRLICH sofort “HIER!!” geschrien :) Ich habe ihn zwischen 2006 und 2009 zu vielen Vorträgen begleitet, die sich allerdings immer um Arbeitsthemen drehten. Frank also mal zu einem seiner Herzensthemen reden zu hören UND noch was über klassische Musik zu lernen: Was will ich mehr?

Eva Schüttler und Frank Roebers nach der spitzenmäßigen Premiere

Eva Schüttler und Frank Roebers nach der spitzenmäßigen Premiere (c) Foto: Synaxon AG

Live ist einfach was anderes.
Den umwerfenden Live-Sound habe ich damals als Blogger-Gast bei der Social Media Einladung zum Konzert der Duisburger Philharmoniker bereits gespürt. Das war Zweitausend-fucking-NEUN! Kerkerker ist das lange her.

Wo ich gerade nochmal meinen Text bei den Philharmonikern in der Mercator-Halle lese, muss ich grinsen. Denn damals habe ich zusammen mit den 30 anderen Social Media Gästen genau das gemacht, wovor Frank direkt zu Beginn des Vortrags gewarnt hat:

Niemals als erster klatschen!

Ich weiß also, wie es sich anfühlt, wenn man sich vor 1700 Leuten zielsicher zum Vollpfosten macht ;)

Bei Der Mond scheint meist in cis-Moll bestand das Publikum zu 90% aus Klassikanfängern und da stand “nur” ein Konzertflügel und kein vollständiges Philharmonie-Orchester. Und obwohl ich einige Pianisten in der Bekanntschaft habe, habe ich noch nie einen Flügel ernsthaft, live und von einer Meisterinnenhand wie Evas gespielt gehört. Das Denkwerk ist kein Konzertsaal mit ausgefeilter Akkustik aber Hölle, war das ein Klang! Unverstärkte Akustik-Instrumente sind einfach eine andere Liga als jedes Rock-Konzert mit 5 bis 7-stelligen Watt Frontlines.

Eva spielt seit sie 5 Jahre alt ist Klavier, hat seit 2008 einen Lehrauftrag an der Musikhochschule in Detmold und ist als Solistin und in verschiedenen Ensembles als Musikerin unterwegs. Der Kontakt zu Frank kam ganz einfach zu Stande: Sie arbeitet neben all ihren andren Aufgaben auch als Klavierlehrerin und unterrichtet Frank seit er mit 42 Jahren noch angefangen hat, Klavier zu spielen. Es ist also nie zu spät!

Der Sinn hinter Klassische Musik entdecken ist die Ausweitung von Franks Spenden-Aktion “Sabbeln für Kohle”. Nachdem er zu seinen fachlichen Themen bereits seit Jahren Vorträge hält und die Gage spendet, hat er hier sein Hobby zum Kernthema gemacht. Wie, für wen und wo ihr das Projekt unterstützen könnt, lest Ihr hier.

Übrigens wurden bei dem Premieren-Event 5.000 Euro an Spenden eingenommen! Gratulation!

Die Biographien von Eva und Frank findet Ihr hier unten auf der Seite.

Historische Führung entlang einiger wichtiger Klassik-Vertreter mit rationalem Nutzen

Nach den ersten Tönen von Chopins Prelude No. 4 begann Frank seinen Vortrag mit der Aussicht, dass 10 Minuten klassische Musik nicht nur den IQ um 8 Punkte erhöhen könnten, sondern dass wir als Publikum erst ein bisschen herunter geholt, dann etwas aufgeklärt und dann Energie geladen aus dem Abend entlassen werden.

Musik funktioniert emotional.
Das kann ich seit den letzten 18 Monaten als Vater ganz gut beurteilen: Meine Tochter fängt bei bestimmten Stücken SOFORT an zu tanzen, ohne zu wissen was tanzen ist und schläft zu manchen Stücken besonders gut ein. Manchmal mit Gesang, manchmal auch mit Summen des Imperial March aus Star Wars. Aber die beruhigende Wirkung der Musik auf Babies lässt sich nicht absprechen, obwohl sie weder Worte, noch etwas von Musiktheorie verstehen. Was bei Orpheus und dem mehrköpfigen Hunde-Ungeheuer Kerberos funktioniert, funktioniert offensichtlich auch bei Mini-Menschen ;)

Hauke Egermann forscht an der Uni York zu Klängen und wie sie auf uns wirken. Er erklärt im folgenden Video 4 mögliche Gründe warum Musik gezielt Emotionen in uns auslöst.

  1. Gelernte Assoziationen
  2. Musikalische Erwartungen
  3. Musik drückt emotionales Bewegen aus
  4. Das Geräusch an sich regt uns und unser Nervensystem an

Doch weiter mit Frank, Eva und cis-Moll

Erstmal wurden ein paar Schutzmauern aus Expertentum eingerissen, die viele Leute davon abhalten, sich an Klassik überhaupt ranzuwagen.

Über die Geschichten und Anekdoten der verschiedenen Komponisten führten Eva und Frank uns nach der roten Pille immer tiefer in den Hasenbau der Klassik. Hier ein paar Kostproben, ohne zuviel zu spoilern:

Bach hat das “Musikalische Opfer” aufgrund einer Herausforderung durch Friedrich den Großen geschrieben. Der König war ebenfalls ein recht talentierter Musiker und wollte Bachs Fähigkeiten testen. Er gab ihm ein Thema vor und bat Bach um eine mehrstimmige Improvisation um das Thema. Was Bach dann aus der Melodie konstruiert hat, muss man sich einfach selbst anhören. Eva spielte nur das erste Drittel, danach wird einem schier schwindelig.

Bei allem Genie stammte Bach auch aus einer Familie, die Musikalität als Handwerk begriff und verlor als nichtmal zehnjähriger seine Eltern und einige seiner Geschwister. Als Vater verlor er 11 seiner 20 Kinder und die Liebe seines Lebens.

Beethoven war wohl ein derart schwieriger Mensch, dass sein Neffe sich lieber umgebracht hätte, als mit Beethoven zusammen zu leben.

Was ich selber mittlerweile über Beethoven herausgefunden habe: Sein Alkoholiker-Vater hat ihn in seiner Kindheit zweimal fast tot geprügelt. Wenn man solche Details aus dem Leben eines Künstlers kennt, sieht oder besser hört man doch seine Werke ganz anders.

Beethoven stritt sich einmal mit dem Fürsten Karl Lichnowsky und hinterließ ihm eine Notiz und das kann man entweder endlos arrogant finden oder einfach nur mutig und ehrlich. Ich bin da eher beim letzteren:

“Fürst, was Sie sind, sind Sie durch Zufall und Geburt, was ich bin, bin ich durch mich; Fürsten hat es und wird es noch Tausende geben; Beethoven gibt’s nur einen ec.”

Außerdem ist eines seiner Stücke der Namensgeber für den Vortrag. Wer wissen möchte, welches Stück das ist, muss einen der nächsten Vorträge besuchen. ;)

Interessant an dem Stück ist der eingangs erwähnte Interpretation-Spielraum. Die einen Experten sagen, es ist ein Liebeslied. Die anderen sagen, es ist ein Trauermarsch, den Beethoven am Sterbebett eines Freundes komponierte.

Mozart war Schüler von Haydn und der sagte zu Mozarts Vater: “Vor Gott und als ehrlicher Mann sage ich ihnen, dass Ihr Sohn der größte Komponist ist, der jemals gelebt hat.” Da war Mozart 25 Jahre alt. Und Haydn später übrigens auch Beethovens Lehrer. Der wusste also, wovon er redete.

Fun-Fact: Mozart war in der Hälfte der Lebenszeit mit 626 Stücken  genauso produktiv wie Bach.

Chopin wollte sich mit dem Schreiben der Regentropfen-Prelude eigentlich beruhigen, als seine Frau George Sand durch einen Mallorquinischen Sturm reiste und er Todesangst um sie hatte.

Wagner – Das Vorspiel des Rheingolds ist in Es-Dur und genau 136 Takte lang. Wagner-Wissen für die nächste Party :) Beeindruckend, wenn jemand auf dem Klavier ein Musikstück spielt, die eigentlich für über 100 Instrumente geschrieben wurde.

Der erste Dirigent der Musikgeschichte starb an einer Berufsverletzung: Er haute sich mit seinem schweren Taktstock, der damals auf den Boden gestampft wurde, so doll auf den Fuß, dass er am Wundbrand der Verletzung starb. Wohl ein Grund, warum die Taktstöcke immer handlicher wurden ;)

Als Führungskraft erklärte Frank auch, dass Dirigenten-Seminare wohl sehr beliebt bei Managern sind. Ist auch logisch: Wer in der Lage ist, bis zu 100 und mehr Musiker dazu zu bringen, eine großartig Team-Leistung zu erbringen, wird wohl ein wenig von Führung verstehen.

Musik besteht aus den Beziehungen zwischen den Tönen. Ob eine Melodie eher ein freudiger Aufschrei oder ein trauriger Seufzer ist, zeigt immer die Relation von einem Ton zum nächsten. Ohne zu sehr in die Musiktheorie abzudriften, erklärte Eva am Klavier und mit Chopins Prelude No.4, wie die Töne untereinander Stimmungen in uns wach rufen.

Frank bat uns, beim Zuhören an einen Menschen zu denken, der nicht mehr unter uns ist. Da ziemlich genau 3 Monate zuvor meine Mama gestorben war, traf mich das Stück wie mit all seiner sanften Wucht und ich musste mich auf meinem Platz in der ersten Reihe schwer zusammen reißen, nicht vollständig in Tränen auszubrechen.

Neben vielen praktischen Vorbereitungs- und Bekleidungs-Tipps gab Frank uns sogar Ernährungs-Empfehlungen für klassische Konzerte: Die akustisch nahezu perfekten Konzertsäle können mitunter auch SEHR leise werden. So leise, dass man jedes Magenknurren oder andere Verdauungsgeräusche in der Stille hören kann. Besser also was leichtes essen vorher.

Wenn eine Sinfonie oder Oper mehrere Stunden lang ist, sollte man leicht gegessen haben ;) Wichtiger ist aber noch zu wissen, wie Sinfonien aufgebaut sind. Die Grundregeln des Aufbaus zu kennen hilft ungemein, beim Hören über den langen Zeitraum dran zu bleiben:

So viele klassische Stücke haben ihre eigenen Geschichten. So wie Chopin, Wagner, Bach Beethovens und Mozarts Stücke, die Frank und Eva in “Der Mond scheint meist in cis-Moll” spielen.

Im letzten Drittel geht es in die Champions League der Klassik:

Zur Oper.

Genauer gesagt: Zu Wagners Ring der Nibelungen. Hier treffen Musik, Gesang und Story so massiv aufeinander, dass es eigentlich wie eine unlösbare Aufgabe erscheint, 16 Stunden Oper in 30 Minuten zusammen zu fassen. Aber irgendwie haben Frank und Eva das hinbekommen.

10 Haupt-Themen aus den vier Werken von Wagner haben sie sich raus gepickt und Eva interpretiert sie auf dem Piano. Bemerkenswert fand ich, wie vielschichtig die verschiedenen Geschichten sind, die im Ring erzählt werden. Frank interpretierte den Untergang der Götter als eine sozialkritische Analyse Wagners der damaligen Zeit: Dem Untergang der Königshäuser. Die den Ring der Nibelungen bemerkenswerterweise alle bejubelten, obwohl sie ihren eigenen Untergang vorgespielt bekamen.

Zur weiteren Vertiefung empfahl Frank uns Publikum die 4-teilige 3sat Doku zum Wagners Ring. Glücklicherweise trotz Rundfunkstaatsvertrag noch auf YouTube zu sehen:

Ich fand während des weiteren Recherchierens diese Auseinanderklamüserung von Vivaldis “Vier Jahreszeiten” noch eine eine schöne Ergänzung. Und was in dem Video u.a. erklärt wird, war mir nicht bewusst, das Stück war quasi Pop-Musik damals. Einfacher und melodiöser gestrickt als viele Zeitgenossen, damit möglichst viele Menschen mit dem Stück etwas anfangen können:

Tipps zum Einstieg in die Klassik

Ok, wie fängt man am besten mit der Klassik an? Frank und Eva haben mir ein paar Tipps gegeben. Dazu bereite ich aktuell noch ein Video-Interview mit den beiden nach, das ich die Tage hier noch veröffentlichen werde.

Mein eigener Tipp vorweg:

Da meine Freundin von klassischer Musik schnell genervt ist – v.a. von der vermeintlichen Eintönigkeit – bin ich dazu übergegangen, im Wohnzimmer ab und an Best-of Sammlungen laufen zu lassen. Da ist die Abwechslung gegeben und es gibt immer wieder neue Themen und Melodien zu hören. Die, bei denen sie schonmal sagt “ok DAS klingt ganz ok” mache ich dann mal das ganze Werk an. Hält sich aber noch in überschaubaren Grenzen ;)

Wagner, Klassik für Dummies, Chopin, Georges Sands, Diese Bücher zu klassischer Musik hatte Frank Roebers beim Event dabei.

Diese Bücher zu klassischer Musik hatte Frank Roebers beim Event dabei

  1. Keine Angst vor Klassik haben! Man muss kein Experte sein. Ich habe mal die Definition gehört: Musik ist Geräusch, das Spaß macht. Sucht Euch Klassik, die Spaß macht.
  2. Pickt Euch ein Stück raus und hört das 2 Wochen lang jeden Tag mehrmals. Frank schlug die eingangs erwähnte 9. Sinfonie von Beethoven vor:  14 Tage lang nur den 1. Satz hören. Dann 14 Tage lang nur den 2. Satz hören und so weiter. So nähert man sich als Anfänger einem komplexen Stück recht gut.
  3. Nutzt Klassik ganz gezielt für Eure Stimmung! Beethovens 9. ist besonders morgens großartig, um in den Tag zu starten. Bei mir läuft sie momentan als Wecker :)
  4. Meine Erfahrung: Abwechselnd im Auto, mit Kopfhörern und über die Anlage im Wohnzimmer hören. Man mag es kaum glauben, aber das sind wirklich ganz unterschiedliche Hörerlebnisse.
  5. Die Qualität der Abspielgeräte: Zur passenden Technik zum Musikhören schreibe ich noch einen gesonderten Artikel. Das ist nochmal ne Wissenschaft für sich. Für den Anfang gilt: Das, was gerade zur Verfügung steht, eignet sich auch am besten zum Hören. CD oder Schallplatte sind natürlich die besten Möglichkeit. Radio kommt direkt danach. Bei uns in der Region Ostwestfalen WDR 3, Deutschlandfunk Kultur oder NDR Kultur. Und natürlich Spotify, Amazon Music, Google Music, Apple Music usw.
  6. Es gibt einige kostenlose Streaming-Möglichkeiten in sehr guter Qualität:
    – Linn Radio Classical ist super, allerdings ist das ein Radio. Da habt Ihr keinen Einfluss drauf, was gespielt wird.
    – Bei archive.org könnte Ihr 150 Klassik-Stücke in unkomprimierter FLAC-Qualität kostenlos runterladen
    – YouTube ist natürlich auch eine Option, dort findet Ihr jedes erdenkliche Stück, in das Ihr reinhören möchtet. Hier ist wichtig immer 720p oder 1080p als Qualität auszuwählen. Damit wird nicht nur die beste Bild- sondern auch Ton-Qualität ausgewählt.
  7. CDs gehen aber ganz schön ins Geld! Stimmt. Außerdem nehmen sie Platz weg und stauben mit der Zeit ein. Deswegen meine Empfehlung: Aus Stadtbibliotheken ausleihen! Die Stadtbibliothek Bielefeld hat ein irre großes Klassik-Angebot auf CD und DVD am Start. Und die Klassikabteilung oben hat sogar noch den schönsten Ausblick und die loungigste Lounge-Ecke mit Möglichkeit zum Probehören. Da kann man gut mal nen Samstag-Vormittag verbummeln :)
  8. Nicht nur hören, sondern auch lesen! Wenn ich eines aus Evas und Franks Vortrag mitgenommen habe, dann das: Klassische Musik klingt nicht nur gut, sie steckt auch voller Geschichten! Und die kann man am besten nachlesen. Gute Einstiegsbücher sind Klassische Musik für Dummies und Listen to This vom Musik Kritiker des New Yorker Alex Ross.
    Übrigens auch hier wieder: Ein Blick in die Stadtbibliothek lohnt sich! Auch trotz Amazon Prime ;)
  9. Kinderbücher und hier vor allem: Hörspiele! Gerade für unterwegs sehr geil: Sucht mal bei Amazon Music oder Spotify nach Mozart und Kinder oder Bach und Kinder. Da gibt es ziemlich geile Hörspiele, in denen man in ein bis zwei Stunden nicht nur die Musik sondern auch was über die Komponisten dahinter lernt. Ach ja und ganz groß auch: Peter und der Wolf – hier gespielt von den Leipziger Philharmonikern und gelesen vom Leipziger Bürgermeister.
  10. Und dann sind da noch Podcasts! Viele Radiosendungen gibt es als Podcast zum hören on demand. Darunter auch Erklärbar-Sendungen wie
    – Das starke Stück – Musiker erklären Meisterwerke
    – Was heute geschah Musikhistorische Ereignisse passend zum Tag
    – und besondere Empfehlung Classical ClassroomDacia Clay ist Audio-Bibliothekarin beim Klassik-Sender KUHA in Houston und fragt seit 4 Jahren jede Woche Experten zu klassischer Musik aus.
    – Vermutlich das beste Archiv der Welt: Die Klassik-Sendungen der BBC
    – Und die Klassik-Abteilung von NPR – National Public Radio 
Die Abteilung für klassische Musik in der Stadtbibliothek Bielefeld

Die Abteilung für klassische Musik in der Stadtbibliothek Bielefeld

Mein persönliches Einstiegserlebnis in die Klassik

Was ich heute besonders mag sind eigene Interpretationen von klassischer Musik. Übertragen auf andere Instrumente. Er hier spielt bsw. Bachs Pachelbel Canon einfach nur auf einer Akustik-Gitarre:

Auch mich hat Klassik zum ersten Mal gepackt, als ich meinen E-Gitarren Lehrer damit genervt habe, dass ich die letzte Nummer aus dem Gitarren-Duel gegen den Teufel aus Crossroads lernen wollte:

“Ach, das ist ne Fuge von Paganini. Gib mir mal 2 Wochen. Die muss ich mir erstmal selbst drauf schaffen. Dann können wir das machen.” war der Kommentar von meinem Lehrer. Tatsächlich konnte ich nach ewigem Üben irgendwann zumindest die ersten 30 Sekunden in annehmbarer Geschwindigkeit spielen ;) für den Part am unteren Teil des Griffbretts war meine Gitarre einfach nicht gut genug.

Als erstes war ich also Paganini-Fan :)

Nach einer der Gitarrenstunden besuchte ich eine Freundin um die Ecke der Musikschule und unterbrach sie gerade mitten beim Üben. Sie spielte Bratsche bei den Jungen Sinfonikern in Bielefeld.
“Darf ich mal?” und sie ließ mich tatsächlich spielen!
Ernsthaft: Wenn Du nach den ersten kratzigen Minuten den ersten sauberen Ton aus einem über 100 Jahre alten Instrument raus holst und der ganze Raum einfach nur Ton ist läuft es Dir kalt den Rücken runter :)

Dann kam erstmal ne lange Pause ohne Musik. Ohne Band und ohne Musik hören. Ich hatte Podcasts und Hörbücher für mich entdeckt.

Vor 4 oder 5 Jahren fing sie dann an, mich richtig zu interessieren. Irgendwann habe ich aus Versehen mal WDR 3 oder einen anderen Klassiksender im Auto angemacht und bin sofort hängen geblieben. Seit dem Tag merke ich immer wieder, wieviel neues ich in klassischer Musik entdecken kann, wo mich Pop-Rock-Elektro-Punk-Industrial-Indie-Elektronik mittlerweile schnell langweilt.

Das Gefühl alles irgendwie schonmal gehört zu haben, lässt mich bei fast jedem Vertreter der Pop-Musik egal welchen Genres nicht los. Klar – es gibt auch da immer wieder Knaller-Songs.

Aber, die wenigsten neuen Songs die ich in den letzten Jahren gehört habe, packten mich. Geschweige denn, dass sie mich neugierig machten, Was in den Musikern wohl vorging, als sie das Stück geschrieben haben.

Möglicherweise hängt das auch damit zusammen, dass Musik immer industrieller und nach den Erwartungen der Kundschaft produziert wird. Darum heißt sie halt Pop-Music. Und sie macht ihren Job ja gut.

Aber:

Klassische Musik ist ein bisschen wie Meditation. 

Der Schlüssel sind meiner Meinung nach die vielen Wiederholungen in unterschiedlichen Ausprägungen und Variationen, die einen in eine aufmerksame Trance ziehen.

Ist auch irgendwie klar: Viele Stücke wurden bsw. vor religiösem Hintergrund geschrieben.

Gehen wir mal nur 100 Jahre zurück: Die einzige Möglichkeit für die Menschen Musik zu hören waren:

  • Ins Konzert gehen
  • Selber machen oder machen lassen
  • In die Kirche gehen

Heute können wir JEDE Musik hören, wo und wann immer wir wollen. Die meiste Zeit der Menschheitsgeschichte war Musik aber ein sehr großes Privileg.

Überlegt nur mal, wie verdammt viel Zeit ein Mensch aufwenden musste und heute immer noch muss, um ein Instrument zu meistern. Wieviel üben und proben 30, 40, 50 oder mehr Musiker in einem Orchester hinter sich bringen müssen, bis sie richtig gut zusammen spielen können.

Klassische Musik nimmt sich einfach mehr Zeit. Also muss man sich selbst auch mehr Zeit nehmen. Und unsere Hörgewohnheiten müssen sich an die längere und aufwendigere klassische Musik anpassen.

Da kommt der große Vorteil von Konzerten ins Spiel: Im Konzertsaal bin ich gezwungen, abzuschalten. Sowohl mein Handy wie auch meine Gedanken. Ich kann weder vorspulen, noch zum nächsten Track skippen. So kann ich mich voll und ganz auf die Musik einlassen.

Kultur ist immer menschengemacht. Und Kultur ist das, was wir kennen. Wenn etwas neues in unsere Welt kommt – und wenn dieses Neue auch 300 Jahre alt ist – sind wir erstmal mißtrauisch und ggf. ablehnend.

Das wir eigentlich alle irgendwie musikalisch sind, zeigt Bobby McFerrin hier ziemlich beeindruckend mit dem Publikum eines Neuroscience Kongress:

Wenn Klassik hören nicht reicht: Selber spielen

Der oben genannte Mozart Effekt und seine IQ-steigernde Wirkung ist seit fast 25 Jahren umstritten. Mal funktioniert er, 2 Jahre später kommt wieder eine Meta-Studie, die sagt: Taugt alles nix. Was uns aber erwiesener Maßen intelligenter, klüger oder einfach besser macht ist: Selber Musik machen.

Wie gesagt: Frank hat mit 42 angefangen mit dem Klavier spielen. Das lohnt sich immer. Und das geht in jedem Alter. Hier hat eine YouTuberin mal ihren persönlich Fortschritt beim Geige spielen lernen in ein 4:44 Minuten Video gegossen. SEHR beeindruckend und ermutigend:

Leichter lernen geht mittlerweile auch.

Beim Recherchieren bin ich auf Pianist James Rhodes gestoßen. James ist in seiner Kindheit durch die Hölle gegangen und Musik hat ihm scheinbar das Leben gerettet.

Hier spricht er in diesem Talk hier darüber, wie sehr wir uns auf die externe Welt beziehen, anstatt mal in uns rein zu hören und Antworten auf die Fragen der Welt da draußen in uns selbst zu finden. Er bringt Beethoven als Beispiel, der als erster Musik geschrieben hat, die ihn glücklich macht. Nicht Gott. Oder den Fürsten, der ihn bezahlt. Deswegen hat Beethoven zu seiner Zeit auch viele Menschen verstört.

Und:
Er hat noch ein Buch geschrieben, mit dem wir lernen können Bachs Praeludium Nr. 1 in C-Dur aus dem Wohltemperierten Klavier in 5-6 Wochen spielen zu lernen.

Verdammt und ich bin nicht nur Fan von klassischer Musik geworden (ein Fan von TED-Talks bin ich übrigens schon lange), sondern auch von James Rhodes. Er hat erst mit 14 angefangen, Klavier zu lernen. Mit 18 wieder aufgehört. Bis 28 als Banker in London gearbeitet und mit 28 wieder ernsthaft angefangen zu spielen. 5 Jahre hat er nichts anderes getan, als Klavier zu spielen und dabei fast alles verloren. Seine eigene Geschichte erzählt James hier. Seine Talks sind wirklich ganz großes Tennis. Und witzig. Das zeigt hier schon der Titel:

Ich nehme James Herausforderung an. Er sagt: Das Prelude No. 4 in E-Dur das wir auch im Vortrag gehört haben, könne jeder in ein paar Wochen und 45 Minuten am Tag lernen. Ich werd’s versuchen:

Und Noten lernen?

James Rhodes sagt: “Lernt Noten lesen. Es ist nicht so schwer. Millionen Kinder tun es jeden Tag auf der Welt.”

Jeff Hao erklärt in diesem Talk hier, wie er Klavier spielen mit 40 gelernt hat. Er hat seine eigene Notenschreibweise entwickelt, die sehr viel leichter von Anfängern zu lesen und umzusetzen ist, als der klassische Notenschlüssel. Er betont ausdrücklich, dass das nichts für Profis ist oder für Kinder, die gerade anfangen mit Musik und denen das Lernen leicht fällt. Viel mehr wollte er eine Hilfestellung schaffen, für ältere Menschen, die sich an ein Instrument heran wagen wollen.

Am häufigsten wurde er gefragt:

“Warum willst Du unbedingt das Rad neu erfinden?” und er sagt: “Wenn nach dem Rad niemand den Reifen erfunden hätte, hätten wir heute auch keine Autos.”

Was wenn Beethoven, Mozart oder Bach heute leben würden?

Je mehr ich angefixt bin, desto tiefer wühle ich mich durch die Jahrhunderte ins Heute. Und frage mich: Was würden die alten Genies mit der heutigen Technologie anstellen?

Oder:
Könnten sie gar nichts damit anfangen? So wie Stephen King auf einer Schreibmaschine und Neal Stephenson mit einem Füller ihre Romane schreiben?

Meine Suche ist noch lange nicht am Ende ;) Ich fange gerade erst an, mich in Neo Klassik einzufuchsen. Aber der hier ist schonmal ein guter Ausgangspunkt:

Und nachdem ich schon in der moderne angekommen bin: Schwer gepackt hat mich John Luther Adams und seine Sinfonie Become Ocean. Das Wasserthema am Anfang erinnert MEGA an das Vorspiel vom Rheingold, das den Fluss Rhein darstellt.

Und hier geht es direkt zu der Stelle in Beethovens neunter, die ich schon im Musikunterricht früher cool fand. Auch wenn ich Klassik damals als Punk natürlich doof finden musste ;)

OH FREUNDE! Nicht diese Töne!

Eine weitere Zusammenfassung des Vortrag könnt ihr auf dem Blog der Synaxon AG lesen, bei der Frank als Vorstandsvorsitzender arbeitet.

Ganz lieben Dank an Frank und Eva für die Einladung. Ihr beiden und cis-Moll habt auf jeden Fall mein Leben mit klassischer Musik nachhaltig verändert!

 

Leseliste bis zum 26.5.

Leseliste bis zum 26.5.

Fluchen wie ein Brite

Wie die klassische Musik in mein Leben kam. Frau Vogel erklärt’s in Ihrem Blog. Bei mir hat Frank Tentler 2009 mit den Duisburger Philharmonikern nachgeholfen. Seitdem ist klassische Musik mein bevorzugter Fluchtweg aus dem Alltagskrach in eine Konzentrationsblase. Ach und Amazons Mozart in the Jungle hat dieses Jahr sein übriges dazu getan.

Die Washington Post erklärt, warum man auch mal alleine Bowlen gehen sollte. Macht komplett Sinn für mich. Auch wenn ich bowlen hasse.

Quer durch Bill Gates Blog gelesen. Haben scheinbar den gleichen Buchgeschmack. Wenn er mir jetzt noch den Kontakt zu Warren Buffett herstellt, wäre das sehr nett.

Durch die Blogparade zur perfekten Arbeitsumgebung für Wissensarbeiter bin ich auf The New Worker aufmerksam geworden. Tolles Blog, in dem Bastian zwischendurch auch mal große Fragen beantwortet: Wer braucht eigentlich Unternehmensberater?

Ich muss mir mal die fünfte Edition von Dungeons & Dragons im Allgemeinen und Princes of the Apocalypse im speziellen ansehen. Gibts noch nen Spieleladen in Bielefeld? Besonders, nachdem wir bei comspace ja eine kleine AD&D Runde wie in der guten alten Zeit gestartet haben :-D

So ein Escape Room Spiel will ich auch mal testen

Erst Janeway-like auf der ISS – jetzt auch noch Towel-Day: Samantha Cristoforetti ist wohl die geekgiste und sympathischste Astronautin ever :-D

Die Süddeutsche interviewt einen der besten Schneider der Welt

 

Ich brauche Klassik für den Mozart Effekt

Freitag habe ich wieder begonnen, mich mit meinem Lieblingsprojekt (dazu später mehr) etwas mehr zu beschäftigen. Seth sei Dank :)

Jetzt grade brauche ich Konzentration und Kreativität und da ist mir der Lifehacker Artikel wieder eingefallen, über den ich letztens schon mal geschrieben hatte.

Ich werde jetzt mal den da erwähnten Mozart Effekt hervorrufen und mir nen Batzen frei verfügbare Klassiklala ziehen und später berichten, obs funktioniert hat :).

Das Vitamin String Quartett mit den Metal Covern auf Streichern ist mir grad zu modern. I want the real mozart stuff ;)

Und wenn das nicht hilft, versuch ichs mit Groove Salad

Klassik hören is gut für den Kopp @kronbergacademy

Das ist jetzt wirklich nix neues, aber bei Lifehacker haben sie letztens mal schön aufgedröselt, welche Effekte besonders barocke Musik auf die Produktivität hat.

Ausserdem gibt es viele Hörbeispiele und Download-Möglichkeiten für klassische Musik. Alleine für den Link zum Vitamin String Quartett, die auf Streichern Metal- und Punksongs spielen, lohnt sich der Artikel schon.

Werbung in Theater und Konzerten @philharmoniker @uknaus

Jog hat mal wieder einen Geisteblitz gehabt :) – Werbung per Bearmer und Leinwand auf der Bühne von klassischen Konzerten und Theatern.

@uweknaus:
Bitte weiterlesen. Ganz am Ende kommt meine Frage an Dich.

Ich hab die Frage heute Mittag mal an die Duisburger @Philharmoniker und die @Kronbergacademy weiter getwittert. mal sehen, welche Erfahrugnen die damit schon gemacht haben.

Und prompt kam dann auch schon eine Antwort:

@probefahrer Du meinst, pötzlich spielen alle ein Werbejingle mitten im Takt : )? Mal im Ernst: Sponsoren-Dankeschön gibts vor Konzert

Nachdem ich jetzt auch ein bißchen drüber nachgedacht habe, würde ich auch sagen, Jogs Idee ist nicht schlecht, aber so plump würde so etwas eine ziemliche Entrüstung auslösen (tut werbung eigentlich ja immer).

Schließlich sprechen wir ja von den höchsten kulturellen Weihen. Da muss die Marketingabteilung und die Agentur aber wirklich RICHTIG hoch ins Regal greifen und sich etwas sehr ansprechendes einfallen lassen. So eine Aktion darf nicht störend sein. Muss dem anspruchsvollen Publikum gerecht werden. Einen Mehrwert für die “Störung” bieten. Und irgendwie verdeutlichen, warum jetzt auch noch im Konzert geworben wird, wo die Karten nicht grade preiswert sind.

Irgendwann wird es auch einen Trend in diese Richtung geben, da bin ich mir sicher. Spätestens, wenn sich das Publikum aus den eh schon werbegewohnten Zielgruppen rekrutiert, sehe ich da einiges an Potenzial.

Allerdings würde ich vielmehr Repräsentanten meiner Marke dort für Einzelgespräche hinschicken. Wo bietet sich denn mehr Raum für einen gepflegten SmallTalk als in einer Theaterpause? Statt einfach nur den Maybach auf die Leinwand zu beamen, wird das Auto direkt ins Foyer oder vor das Spielhaus gestellt. “Sie möchten einmal Platz nehmenP Gerne doch! Wenn Sie möchten, holen wir sie beim nächsten Konzert ab und fahren sie wieder nach Hause.” Ok, ich sehe hier eher eine S-Klasse als gleich nen Maybach, aber you get the point.

@Uwe Knaus
Wurde etwas in der Art von Mercedes schon einmal gemacht?

Wie definiert man klassische Musik? @philharmoniker @kronbergacademy @zoecello

Ulrike von der Kronberg Academy hat hier Freitag einen kommentar zu meinem Posting über zoecello hinterlassen, der bei mir die Frage aufgeworfen hat. @philharmoniker: Vielleicht ist das eine gute Startfrage für eine “Klassik für Anfängerfrage” auf www.dacapo-dp.de

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Wie definiert man klassische Musik?

Gilt als klassische Musik nur die von den alten Meistern? Also “alte” Musik?

Ist klassische Musik die, die auf entsprechenden instrumenten gespielt wird? Oder ist es egal in welcher Instrumentierung (z.b. mit Synthesizern und E-Gitarren, oder nur in der vom komponisten vorgesehenenInstrumentierung?

Wird der Begriff “klassische Musik” auch in einem qualitativen Kontext benutzt? Also für hochwertige, künstlerisch anspruchsvolle Musik und was sind hier die Maßstäbe?

Was ist dann mit experimenteller Musik oder Soundtracks von Filmen, die von ganzen Orchestern eingespeilt werden?

Sicher gibt es noch einige Fragemöglichkeiten.

Also wo fängt Klassik an und wo hört sie auf?

Wikipedia sagt:

Außerdem wird der Begriff Klassische Musik als Synonym für Kunstmusik beziehungsweise Ernste Musik und als Gegenbegriff zu Popularmusik verwendet. Die Grenze verschiebt sich zunehmend, sodass Unterhaltungsmusik des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts mehr und mehr zur klassischen Musik gerechnet wird. Leicht zu hörende und modern aufbereitete Musik des 18. und 19. Jahrhunderts wird oft Populäre Klassik genannt.

Ich würde mich sehr freuen, viele persönliche Definitionen von Euch zu bekommen. Wenn es “die eine, wahre Definition” gibt, dann die natürlich gerne auch ;)

So lange halte ich es ja immer noch mit einer der besten Definitionen für Musik, die ich je gehört habe (ich weiß leider nichr mehr von wem):

Musik ist Geräusch, das Spaß macht

Klassik Konzert Entjungferung dank Web 2.0 in Duisburg @philharmoniker

Web 2.0 ist toll. Vorgestern suchte ich einen Beitrag auf UPLOAD und fand das Posting zu web@lassic. Wer sich dort in den Comments gemeldet hat, durfte ein Konzert in der Mercatorhalle Duisburg – dem Stammhaus der Duisburger Philharmoniker besuchen. In dem Falle waren es nicht die Duisburger Philharmoniker, sondern eine “andere Band” wie Frank uns sagte: das WDR Sinfonieorchester um genau zu sein.

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Wenn mir vor 10 Jahren mal einer gesagt hätte, daß ich mal auf ein hichkarätiges Klassikkonzert gehe, zu dem ich durchs Internet eingeladen wurde, hätte ich denjenigen wahrscheinlich mit meiner fürchterlichsten Hardcore-Punk-Grufti Lache ausgelacht :) Und dafür haben wir auch noch die eigentlich fest eingeplanten Bielefelder Nachtansichten sausen lassen, bei denen bis 1:00 Uhr alle Museen und Galerien in Bielefeld Nacht der offenen Tür hatten.

Aber genau das ist es, was Frank Tentler erreicht. Durch das Web 2.0 / Social Media Projekt der Duisburger Philharmoniker wird Klassik plötzlich ganz anderen Leuten nahe gebracht. Das sahen meine Süße und ich dann gestern auch im Foyer der Duisburger Mercatorhalle – Abendkleid und Opernglas trafen auf T-Shirt und iphone :-)

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Am “Headquarter” neben der Abendkasse begrüßten uns Frank und Christoph gleich herzlich (wir hatten uns auf dem barcamp Ruhr ja schon kennengelenrt – ich schrob davon). Schön mit Keksen und Rachengold wurden wir versorgt, Frank hat uns kurz erklärt, was uns erwarten würde und uns unsere Ehrenkarten überreicht :-)

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Thema des Abends war Haydn und der Neklassizismus. Das WDR Sinfonieorchester unter der Leitung von Dirigent Thomas Hengelbrock (der auch selbst Geiger und Regisseur ist) spielten:

* Joseph Haydn – Sinphonie in C-Dur “Il Distratto”
* Prokofjews Violinkonzert in D-D gespielt von Alina Pogostkina
* Bela Bartoks “Konzert für Orchester” das als so schwer gestaltet sein soll, wie es sonst nur Parts für Solisten sind

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Und Holladiewaldfee haben die Herrschaften da vorne gerockt. Ich bin ja kein kompletter Klassikbanause. Bach find ich super, Franz Schuberts Klaviersachen sind Hammer und hin und wieder ein bißchen Mozart oder Nigel Kennedy hab ich auch schonmal gehört. Aber im Radio oder als MP3 ist das ja was ganz anderes. Grundsätzlich verfechte ich eh immer “Live ist alles geil, außer “Volksmusik, Raggae und Schlager”. Aber SO beeindruckend hätte ich es nicht erwartet.

Der Sound ist natürlich umwerfend. Ich bastel immer mal wieder gerne ein bißchen im Cubase mit Orchestersounds rum und kann teure von billigen Streichern unterscheiden und so, klar. Aber das war schon ne andere Liga. Ich hab schon beim Einstimmen ne Gänsehaut gekriegt. Freundin hat übrigens auf dem Blog der Duisburger Philharmoniker nen Klingelton gefunden wo sie beim Einstimmen sind :-D

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Beim ersten Set von Haydn habe ich einige Parts auch tatsächlich wieder erkannt. Mußte ich schonmal irgendwo gehört haben. Die Ecke mit den Webfuzzis drin hat sich dann, wenn ich es richtig gehört habe auch gleich als Klassik-Anfänger geoutet und in der ersten kleinen Pause gleich mit 40 oder 50 Leuten applaudiert :-) Fiel jetzt in einer 1.700 Leute Halle nicht ganz so unangenehm auf ;)

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Beeindruckend fand ich aber, wenn 1.700 Leute in kurzen Pausen wirklich mucksmäuschenstill sind. Da kriegste echt ne Gänsehaut.

// UPDATE

Danach kam dann die Gewinnerin des Sibelius Wettbewerbs Alina Pogostkina, die als Solistin das Prokofjew Violinkonzert spielte.

Sie hatte NICHT wie ich fälschlcherweise annahm Ihre Lehrerin und Mentorin dabei. Ulrike Schmidt ist, wie sie auch hier in den Kommentaren erklärt, für die Kronberg Academy das, was Frank für die Duisburger Philharmoniker ist. Also für die PR und Social Media Aktivitäten der Kronberg Academy zuständig.

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Frau Schmidt, bitte sehen Sie es mir nach, dass ich den Zusammenhang etwas durcheinander gebracht habe. Ich war wohl etwas von den Eindrücken überwältigt ;) Die Kronberg Academy bloggt und twittert nämlich auch kräftig. Die Klassik erobert immer weiter das Web :-)

Danach war Pause und wir konnten hinter der Mercatorhalle bei einer schnellen Kippe ein tolles Duisburger Nachtpanorama bestaunen. Ich steh ja auf so Lichtgedöns:

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Nach den Ausblicken schnell noch ein Wasser gestürzt und dann ging es weiter mit bela Bartok. Die Namensähnlichkeit zu Bela Lugosi hat sich dann auch gleich in toller, aber unheimlicher Musik wieder gespiegelt :)

Die Rituale und Professionalität der Musiker haben mich wundern lassen und schwer beeindruckt.

Zum Beispiel hat der Dirigent seiner ersten Geigerin gefühlte 25 Mal am Abend die Hand geschüttelt und ist ungefähr doppelt so oft von der Bühne gegangen und wieder drauf gekommen. Was mir auch fehlte war eine kurze Begrüßung oder Ansprache des Publikums. Zumindest vom Dirigenten hätte ich das erwartet, statt nur der Verbeugung. Aber gut, das wird dann wohl einfach die Art und Weise sein, wie es seit hunderten von Jahren läuft.

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Frage @Frank:
Oder gibt es auch Dirigenten, die das Publikum begrüßen und kurz etwas dazu sagen, was sie spielen werden?

Abgefahren war, als der 1. Geigerin eine Saite gerissen ist, sie Ihr Instrument fast schon wegschmiss, die 2. Geigering Ihr Violine an sie weiter gab und die “unter ferner liefen” Instrumentalistin hinter ihr, die man vorher gar nicht sehen konnte mit deutlichem Nachdruck dazu aufforderte, Ihr die Geige weiter zu geben. So schnell wird man zum Zuschauer auf der Bühne ;) Aber das ganze ging so schnell und professionell, dass es kaum auffiel. Sehr sympathisch fand ich ja, daß ein Bratschist, Bratschenspieler, wie auch immer ein kleines bißchen verspätet aus der Pause kam – auch bei sochen super Profis handelt es sich halt immer noch um Menschen :-)

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Der Intendant der Dusiburger Philharmoniker, Alfred Wendel sagte mir in einem kurzen Video Interview hinterher noch, daß so etwas wirklich höchst selten passiert.

Zu Anfang dachte ich ja noch – Hui, die sind aber verhältnismäßig leise. Scheint aber einfach an Haydns Kompositions gelegen zu haben. Denn zum Schluß bei Bartok wurd auch die Lautstärke Rock’n’Roll tauglich :)

Wenn ich bedenke, daß wir fast nicht gefahren wären, weil ich in letzter Minute beim recherchieren der Adresse der Mercatorhalle gemerkt hab, daß die in einer Uweltzone liegt und ich natürlich als Bielefelder noch nie einen Gedanken an eine Umweltplakette verschwendet habe… :) Da hätten wir ECHT was verpasst.

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Falls hier jemand mitliest, der nen Streicher (Geige, Bratsche oder Cello – Kontrabaß wird mir zu groß, wer weiß wie lang der Volvo noch hält *g*) abzugeben hat – bitte melden. Ich möchte es doch wirklich mal probieren jetzt. Ich habe aus der 150 Jahre alten Bratsche einer Freundin schonmal sehr annehmliche Töne rausbekommen und das Gefühl ist einfach nur Hammer. Der ganze Raum schwingt – und du mit. Zum selber spielen gibt es imho kein spektakuläreres Instrument als einen Streicher.

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Den Abend haben Frank und Christoph natürlich auch auf dem Blog der Duisburger Philharmoniker Revue passieren lassen.

Vielen Dank für das tolle erste Klassik Konzert (das sicher nich das letzte gewesen sein wird) und den klasse Abend! Mit Frank und dem intendanten der Duisburger Philharmoniker Alfred Wendel habe ich hinterher noch zwei kurze Videointerviews gemacht, die liefere ich noch nach.

Die Blogger waren auch mit dabei: Alles Roger, dronski, Jan von UPLOAD hatte das ganze ja mit angestossen, sogar Der Westen berichtet, Annabell Preußler Du warst auch da? Hab Dich gar nicht gesehen,