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Englische Linksverkehr Fahrstunde im Infiniti FX50

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Wenn es eine Sache gibt, die ich wirklich liebe – also nach meiner Freundin und Auto zu fahren :) dann ist es, etwas neues zu lernen.

Heute habe ich etwas gelernt, was ich mir schon irre lange gewünscht habe:

Auf der falschen Seite Auto fahren!

Als der Fahrer, der  mich heute vom Airport London Luton abgeholt hat sagte, er bringt mich mit einem Infiniti FX50 zum Red Bull Racing Home Run, rutsche mir spontan raus: “Cool! Kann ich fahren?”

Ehrlich gesagt, hatte ich das nicht wirklich ernst gemeint. Erstens bin ich deutsche Bürokratie gewohnt, mit Versicherungsgedöns und allem drum und dran  und zweitens hatte ich  noch null Linksverkehr Erfahrung. Als wir auf den geparkten FX50 zu gehen, marschierte ich zielstrebig auf die rechte Tür zu. Es war die Macht der Gewohnheit, ich dachte es wäre die Beifahrerseite.

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Fred interpretierte meinen Irrtum mit der britischen Fahrerseite wohl als Versuch, meiner Fahrabsicht Nachdruck zu verleihen, sagte “warte einen Moment” zückte sein Telefon, rief seinen Boss an und meinte nach zwei Minuten “ok, lass mich eben vom Flughafen wegfahren. Sobald wir auf der Landstraße sind, kannst du übernehmen.” So schnell hab ich noch nie schweissnasse Hände gehabt. Ich meine – klar habe ich die Fahrer in England immer beobachtet und mich versucht in die Fahrweise hinein zu versetzen. Doch son Sprung ins kalte Wasser is doch nen anderer Schnack. Vor allem, wenn mein Übungsgerät ein 5 Liter V8 ist, dessen 390 Pferdchen die über 2 Tonnen in 5,8 Sekunden von 0 auf 100 schießen.

Mir fällt auf, dass ich bisher immer nur hinten gesessen habe in England. Vom Beifahrersitz scheint das alles verwirrender, als vom Kinderplatz. Ich packe meine Eselsbrücke aus, die ich mir irgendwann mal zurechtgelegt habe:
“Du musst nur immer so fahren, dass Du in der Mitte der Strasse sitzt. Dann wird alles gut”
Meine Vernunft meldet sich zu Wort: “Ach ja Du Tausendschlau und was, wenn da keine Mitte ist? Willste durch den Kreisverkehr mitten durch fahren?”
So langsam habe ich das Gefühl, Engelchen und Teufelchen auf der Schulter sitzen zu haben – der eine mit nem Stop-Schild fuchtelnd, der andere schwingt lässig den Zündschlüssel um den Zeigefinger.

Wir fahren also LINKS ran auf einen Parkplatz. Mit überlegen ist Schluss. Mein Abenteuerteufelchen siegt natürlich. Mir ist trotzdem ein wenig schwindelig von gefühlten 23 Kreisverkehren, die wir bisher durchfahren haben und bei denen ich hochkonzentriert drauf geachtet habe, wie ich wo rein fahren müsste. Schon sitze ich auf dem Fahrersitz.
Beruhigend: Wenigstens das Gas ist da wo es hingehört. Oh! Die Bremse auch und es ist ein Automatik. Also alles halb so wild.

Rechts kucken. Alles frei. Losfahren. Geht doch. Alles easy. Ausser, dass ich noch ÜBERHAUPT kein Gefühl dafür habe, wie breit das Auto ist. Ich orientiere mich am linken Straßenrand und dem Begrenzungsstreifen im Rückspiegel. Dann kommen von hinten ein paar andere Autos an und ich merke, dass ich wohl fahren muss wie ne alte englische Omma auf dem weg zum Bridgespielen. Ok, so wie ich verkrampft zwischen den Linien hin und her pendle wirkt es eher wie Queen Mum nach 8 Gin Tonic.

“Ok. Ganz relaxt” beruhige ich mich. “Schwimm einfach mit dem Verkehr mit, Alex” und siehe da: Es geht! Mit anderen Autos um mich rum wird es einfacher. Und ab in meinen ersten Kreisverkehr. SCHEISSE der ist ja zweispurig! War mir bei Freds lockerer Fahrweise gar nicht aufgefallen. HUUUUUUUP! Ehrlich gesagt weiss ich immer noch nicht was ich falsch gemacht habe. Mein Hintermann fand es jedenfalls nicht so super.
Egal. War lehrreich und ich habe das Kreiselprinzip verstanden. Sogar mit Glatteis drin :) Fred macht einen erstaunlich relaxten Eindruck. Die Ruhe selbst.

Ich werde mutiger, überhole hier und da und selbst das normale Abbiegen gelingt mir Anhieb. Das hatte ich mir im Linksverkehr am schwierigsten vorgestellt.
Loift.

Auf einem zweispurigen Stück, das mich an die A27 erinnert dann eine Begegnung.der dritten Art: Erst eine BUSHALTESTELLE an der (vermeintlichen) Autobahn und ein lakonisches “Vorsicht Fußgänger”-Schild. Dann setzt die Landbevölkerung um Buckingham noch einen drauf und schickt mir nen Radfahrer.auf den Standstreifen. Fehlte eigentlich nur noch ein Kinderspielplatz. Der kam glücklicherweise nicht.

Dafür stand ein Klettergerüst an der Seite, das sich als britische Blitze entpuppte. Nicht in grauer oder grüner Tarnlackierung wie bei uns, sondern im freundlichen, gelb-blauen Look, den man aus sonntäglichen ZDF Krimis kennt: Von britischen Polizeiautos. Sehr freundlich, solche Warnfarben zu benutzen. Vielleicht lässt sich der britische Verkehrsminister auch einfach nur von IKEA sponsorn.

“Und? War das OK für das erste Mal?” frage ich Fred, als wir das Auto vor dem Racetrack in Silverstone kurz abstellen. “Was meinst Du? Du bist doch schon Infiniti gefahren?” “Ja aber nicht auf der Seite der Straße”.
In dem Moment wird mir klar, dass Fred meine Linkslenkjungfräuligkeit wohl gar nicht klar war. Für eine Sekunde sieht sein Gesicht aus, als würde er eine verspätete Nahtoderfahrung erleben. Dann lässt er sich nichts mehr anmerken und sagt “oh, you did great. Would you mind, if I would drive again?”

Ich muss grinsen, hüpfe vom Fahrersitz und gehe um den FX50 herum. Auf die weniger abenteuerliche Seite ;) Und bin ein bisschen stolz. Fürs erste reicht’s. Auch wenn ich den Infiniti, der mich in weiss ein bisschen an einen Eisbären erinnert, gerne noch länger gefahren wäre.

Habt Ihr noch gute Tips, wie man sich das Links fahren einfacher machen kann?
Möglich, dass ich die schon sehr bald brauche. ;)