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Marcel Reich-Ranicki und sein abgelehnter Preis – endlich mal einer…

…der die Diskussion wieder anstösst. Grute Güte, was eine kultuell wertvolle Mittagspause. Erst das Posting hier und dann gleich noch in die Stadtbibliothek :)

Seit gut 4 Monaten habe ich eigentlich kein Fernsehen mehr geschaut. Mal ein paar Minuten von Californication letztens waren ganz witzig. Das war’s dann auch schon. Selbst Dexter, was mir von vielen Leuten empfohlen und allseits gefeiert wurde, ist nicht so meins.

Da ist einfach viel Blödsinn im Fernsehen. Das wusste ich schon lange, aber gestern hat es endlich mal jemand ausgesprochen. Mit Marcel Reich-Ranicki auch hoffentlich jemand, der gehört wird. Einen Preis für’s Lebenswerk abzulehnen ist jetzt nicht die große Protestaktion und auch die “Rede” war jetzt nicht grade sonderlich aussagekräftig. Was aber dafür spricht, dass er sich den Auftritt wirklich einigermassen spontan überlegt hat.

Klar, es muß nicht alles Bildungsbürgertum sein, was im TV läuft, aber im großen und ganzen gebe ich dem Mann Recht. Leider hatte das ganze zu viel von “Oppa nörgelt wieder nur rum” und die belustigten Gesichter von einigen Aushilfsmoderatorinnen im Publikum, die vermutlich nicht einmal über den Tellerrand ihrer Nachmittagstalkshow kucken können sprachen Bände.

Egal.
Vielleicht – GANZ vielleicht bringt eine Sendung mit den Intendanten der 5-6 grossen Sender ARD,ZDF,RTL,Pro7,SAT1,vox ja wirklich etwas. Auf jeden Fall gut, dass jemand die Diskussion angefangen hat.

Marcel Reich-Ranicki hat sich in einem Interview mit einem FAZ-Reporter das ganze etwas ausführlicher erklärt.

Elke Heidenreich hat direkt nach der Veranstaltung auf FAZ.net Ihre Eindrücke der Veranstaltung und v.a. einen Blick hinter die Kulissen gebloggt. Und ich schreibe ganz bewusst gebloggt.  Denn sie tut da etwas, was die Unterhaltungsvögel vermutlich als Nestbeschmutzung bezeichnen würden: Sie beschreibt einfach nur, wie sie die Sache erlebt hat und läßt uns nebenbei noch wissen, dass eigentlich sie die Laudation für Ihren Freund und Mentor Reich-Ranicki hätte halten wollen (aus Freundschaft – obwohl ihr solche Auftritte zuwider sind), aber nicht durfte.
Danke dafür Frau Heidenreich.

Herr Pastewka – hätte Entertainment-Onkel Gottschalk Herrn Reich-Ranicki ausreden lassen, wäre vielleicht die Einschränkkung noch gekommen.

Und vielen Dank an die Blogosphäre, allen voran Cem von der Sprechblase. Ohne Euch hätte ich gar nichts davon mitbekommen :-) Vor allem die weiteren Geschmacklosigkeiten des Abends hätte ich nicht mitbekommen:

Vor lauter Bloggen kommt man ja nicht mehr zum Fernsehkucken – hat auch Clay Shirky schon bemerkt (wiedergefunden bei sixtus):