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Mercedes probefahren in urbaner und ländlicher Perspektive

Mercedes probefahren in urbaner und ländlicher Perspektive

Probefahrer goes großer Teich! Wo das leichte Jetlag nun überwunden und das Blog auf Vordermann gebracht ist, komme ich endlich dazu, meine Gedanken aus der letzten Woche zu sortieren. Das Reisetagebuch ist was den Zeitraum angeht zwar kurz, aber auch in 2 1/2 Tagen läßt sich genug erleben ;)

Von Mittwoch bis Freitag war ich auf der Pressevorstellung der facegelifteten R-Klasse und der Vorstellung des smart electric drive in und um New York. Vielen Dank noch einmal an Daimler für die Einladung – meine beiden Gastbeiträge im Daimler Blog aus dem April sind wohl gut angekommen :) Genau an dem Tag im Mai, als wir uns entschlossen hatten, das Projekt Pedestrian2Pilot auf 2011 zu verschieben rief Kristina von Daimler an und fragte, ob ich Lust hätte, die R-Klasse und den smart electric drive auf einem Event Probe zu fahren. Hätte ich auch in Oer-Erckenschwick Lust zu gehabt, aber es ging zur Presseveranstaltung nach New York – YEAH!

Ein Presse-Event mit illustren Kollegen: Gleich auf der Fahrt vom Flughafen zum Hotel lernte ich zwei Jungs von den Magazinen kennen, bei denen man morgens erstmal die Centerfold-Mädels vom Schreibtisch schubsen muss. “Das kennst Du ja sicher auch als Blogger” meinte der eine vom Rücksitz der M-Klasse zu mir. “Ne, kenn ich nich. Ich hab keinen Schreibtisch ;)”. Das Eis war soweit  gebrochen.

Mein Schreibtisch ist da, wo Platz für Notebook und Krams ist

Den großartigen Ausblick auf Manhattan dort oben hatten wir vom Hotel in Hoboken aus. Der perfekte Unterbringunsort, um die Urban Perspectives – unter diesem Titel stand die Veranstaltung – zu erfahren. Denn Hoboken ist einerseits nur wenige Auto- bzw. Bootsminuten von Manhattan entfernt. Bietet selbst aber eher entspannten Großvorstadt-Flair ohne Lärm und Hektik und innerhalb von Minuten ist man draußen im Grünen von New Jersey und cruist die Interstate lang.

So habe ich zwei spannende Probefahrt-Erfahrungen gemacht – einen Tag lang die R-Klasse über Land, Highway und durch die Stadt. Und einen Tag lang mit dem smart electric drive durch Brooklyn gesummt. Sowohl die Autos als auch die Locations hätten gegensätzlicher nicht sein können. Dazu gibt’s dann noch Fahrberichte.

Zwei Dinge habe ich drüben gleich gelernt. Erstens: 40 Meilen auf einer Interstate, die breiter ist als so manche Landstraße bei uns, sind ECHT langsam. Ich habe mich einige Meilen weit gefragt, warum die Amis so rigide mit ihren Speed Limits sind. Dann hab ich die Antwort gekriegt – gleich zusammen mit der Antwort auf die Frage, warum die dort so viele SUVs fahren:

Schlaglöcher und Treppen in den Straßen. Ich glaube jede Straßenmeisterei der DDR hätte vor den Fallgruben dort drüben die Händer über’m Kopf zusammen geschlagen. Mein lieber Mann. Wir – Philipp Deppe vom Mercedes Benz Passion Blog und ich – waren ja mit der R-Klasse unterwegs. Das Auto hat jeden Hubbel sehr souverän weggebügelt, genau das richtige bei den Straßenverhältnissen. Mit einem kleinerem Auto hätte ich manchmal Angst gehabt, irgendwo rein zu fallen. Aber dafür gibt es da drüben das adopt a highway program! Gegen Kohle in den Straßenausbesserungstopf darf man dann sogar eine Werbetafel aufstellen :-) Eigentlich kein schlechtes Konzept. Hilfe zur Selbsthilfe.

Es war mein erster USA-Aufenthalt. Deswegen ein guter Tip an alle, die in den nächsten Wochen zum ersten mal da rüber wollen: Lasst im Bordprogramm des Fliegers die Finger von dem Film “Friendship”! Den habe ich mir direkt vor der Landung angeschaut, weil ifranz und _refugee_ mir seinerzeit so vorgeschwärmt haben. Und ja, der Film ist klasse. Keine Frage. Wenn Du aber grade dabei bist, die Einreisezettel auszufüllen und dir sowieso schon einen Kopf machst, was der Herr am Zoll wohl fragen könnte, dann ist die Einreise-Szene aus Friendship ungefähr so, als würde man sich vor der Übernachtung in einem leeren Hotel nochmal  “Shining” oder “Psycho” ankucken:

Die beiden Hauptpersonen des Films kommen in den USA an. Es ist grade kurz nach der Wende. Beide kommen aus der DDR. Der US-Zöllner kuckt in die Pässe und sagt “Ah, Germany! Are you Nazis?” Und Robert Schweighöfer antwortet ehrlich und ganz witzig (beides Eigenschaften, die ich mir in so einer Situation auch zusprechen würde) “Noooo, we are no Nazis. We are Communists! Free Communists!”. ZACK stehen beide in Unterhose an der Wand der Zollwache. Hier bei 0:23

Anyway, ich bin ja gut reingekommen ;) Auch wenn ich dank der Tempolimits irgendwo auch immer mal wieder mit einem Bein irgendwo im Countyjail gestanden habe. So schnell gewöhnt man sich nicht an diese Cruising-Speeds.

Großartig auch die Verkehrsschilder dort drüben. Leider habe ich viel zu wenige davon fotografieren können. Vor allem das Highlight kann ich Euch leider nur beschreiben: Statt einem durchgestrichen Handy, mit dem das Telefonieren während der Fahrt untersagt wird stellen die Kollegen dadrüben einen 1x2m großen Blechroman an die Straße, auf dem ungefähr folgendes steht:

Dem Fahrer von Fahrzeugen ist die Benutzung von mobilen Telefeonen auf den nächsten 20 Meilen bei einer Strafe von 200$ strengstens untersagt.

Danach kam noch ein bißchen mehr Text, den habe ich aber nicht mehr lesen können. Sonst wäre ich in der nächsten Kurve geradeaus gefahren. Ich finde es ja irgendwo klasse rundum informiert zu sein und zu wissen, welches Vergehen welche Strafe nach sich zieht – aber deswegen muss man den Bußgeldkatalog ja nun nicht gleich am Straßenrand aufbauen und damit gleich für eine neue Unfallgefahr sorgen, um die andere zu vermeiden.

Was mich besonders erstaunt hat, ist die Kreativität der US-Exekutive. Hier bei uns bin ich ja schon von den Farbkombinationen aus grün, weiß, blau und silber überfordert. Aber wenigstens sind die Lampen auf dem Dach immer blau. Ich schwöre, ich habe noch NIE soviele verschiedene Bezeichnungen, Farbkombinationen und Lampentüdelütt gesehen wie bei der amerikanischen Staatsgewalt. Auf 250 gefahrenen Meilen gab es da Sherriff, State Police, Sherriff’s Department, State Police, State Trooper, Park Patrol, Parking Enforcement, State Patrol, etc. und ganz einfach nur POLICE. Jedes Mal mit anderer Bemalung und Lightshow auf dem Dach.

Ansonsten ist das Autofahren in den USA fast immer sehr entspannt. Außer man macht es  wie ich und gibt sich die ganz besondere Erfahrung, in der Rush-Hour über den Time Square zu fahren :) Das ist nach dem entspannten cruisen durch die grüne Lunge dann Adrenalin pur. Und trotz des entspannenden Autos so anstrengend, dass ich nach 2 1/2 Stunden sogar die Fahrt in einem G550 V8  abgelehnt und mich für ein Bier entschieden habe. ICH IDIOT :-) Aber dazu später mehr in meinem R-Klasse Probefahrtbericht. Dann habe ich auch konkrete Vorschläge, vor welchen New Yorker Taxifahrern man sich möglichst fernhalten sollte.

Gefolgt von der smart electric drive Probefahrt, bei der mir ein Fahrradfahrer in Brooklyn beigebracht hat, was perpendicular ist und ich nicht erwartet hättet, soviel US-Mitleid für das 0:1 gegen Serbien zu erleben :) Ich habe den Tag ausnahmsweise Fußball mal Fußball sein lassen und lieber vom Wassertaxi aus Manhattan, die Freiheitsstatue und die Brooklyn-Bridge fotografiert.

Und eins ist auch klar – ich muss zusehen, beim nächsten mal nicht mit drei Kameras plus iPhone unterwegs zu sein. Das macht die Nachbearbeitung doch erheblich aufwändiger :)

Also, gehe ich mal noch Fotos sortieren und schreiben. Bis später.