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Die Urheberrechtsdebatte und Künstler, die etwas unternehmen

Im Tagesspiegel gibt Jens Mühling einen sehr differenzierten und unabhängigen Überblick der aktuellen Lage. Im einen Lager sieht er die Urheberrechtsverwalter und -Mitverdiener (Verlage, Plattenfirmen, Verwertungsgesellschaften usw.) auf der anderen Seite die Befreier der Urheberrechte – kurz mal im positiven Sinne Piraten genannt und dazwischen sieht er die eigentlich “Leidtragenden” – die Künstler.

Leidtragend? Eigentlich nicht. Jens Mühlings Artikel betrachtet eher die Metaebene und das große Ganze. Ich versuche mal ein bißchen mehr in die Umsetzung reinzustochern. Warum und weswegen erkläre ich ganz zum Schluß. Erstmal ein paar Beispiele:

Nine Inch Nails verdienen sich schwindelig – ohne Plattenfirma.

Cory Doctorow kann auch SEHR gut leben von seinen Büchern (die er zum kostenlosen Download anbietet und aktuell “Little Brother” sogar unter CC zum remixen) und BoingBoing

Von vielen Photographen, die auch ohne Getty Images (daß die Firma DEM Getty gehört wußte ich noch gar nicht) Geld für ihre Bilder bekommen, mal ganz zu schweigen. Grade hat T-Online mit Polylooks ein weiteres Monetarisierungsportal für Fotos aus der Taufe gehoben.

Ich kenne selbst einige Musiker. Einige erfolgreich, einige nicht so. Das liegt nicht zwangsläufig an der Qualität der Musik, sondern eher daran, daß die entsprechenden Herrschaften auf deutsch gesagt den Arsch nicht hochkriegen. Momentan gibt es doch keine bessere Zeit für Künstler (die bereit sind neben der Produktion ihrer Kunst auch ein bißchen Zeit in Marketing, PR, Distribution und Fanarbeit zu stecken).

Musiker können ihre Songs bei itunes, amazon und wo auch immer verkaufen.

Journalisten und Buchautoren bieten ihre Artikel und Bücher in werbefinanzierten Blogs oder als E-Books gegen Paypal-Zahlung oder als Books on Demand an.

Kunsthandwerker können ihren Schmuck, Web- und Nähereien, Holz- und Steinarbeiten und was da nicht alles gibt bei etsy.com, dawanda und ebay verkaufen.

Maler und Bildhauer genauso. Ebay, virtuelle Galerien, Sponsorensuche…

Und das sind nur ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen.

Und die Fans?
Hallo? Künstler können ihre Fans suchen, begeistern, kontaktieren, bespassen und mit Infos (und Merchandising per Spreadshirt und Konsorten) versorgen, ohne den Tourbus verlassen zu müssen. Myspace, Facebook, Last.fm… Muss ich noch mehr sagen?

Künstlern steht eine ganz neue Welt mit ganz neuen SELBSTBESTIMMTEN Möglichkeiten offen. Wenn sie sich mal hinsetzen, ein bißchen informieren, nachdenken und dann aktiv werden und etwas unternehmen. SO schwer ist das alles nicht. Sie müssen es nur machen. Statt drauf zu warten, daß ihnen eine Plattenfirma, Verlag, Galerist [hier beliebige Künstlerbetreuungsberufsbezeichnung einsetzen] den Hintern nachträgt. Und auch keine GEMA als Geldeintreiber.

Stellt Eure Musik für jeden frei runterladbar ins Internet und freut Euch über volle Konzertsäle, verkaufte T-Shirts, Sondereditions von CDs und Platten, Spenden (nen Paypalbutton auf der Homepage ist bequemer, als in der Fußgängerzone zu stehen).
Warum?
Weil Ihr Eure Musik, wenn Ihr Euch ein bißchen mit der Thematik beschäftigt SO leicht in ein MP3 gepresst bekommt, wie noch nie zuvor. Und auch nicht so günstig. Es braucht doch kein Mensch mehr ein mehrere Millionen Euro Studio.

Sorry, wenn mein Beitrag etwas dolle in die Richtung Künster-in-den-Hintern-treten geht. Aber ich bin was das angeht vorbelastet und betroffen ;) Nichts für ungut, falls sich jemand auf den Schlips getreten fühlt. Das ist nicht meine Absicht. Da draussen sind irre viele Künstler die einen SUPER Job machen.

Und falls das grade ein verzweifelter Künstler lesen sollte: Ich bin selbstverständlich gegen Pauschal- oder Einspielergebnisbeteiligung käuflich. Von alledem da oben verstehe ich genug, um es auch umzusetzen. Mailt mir einfach Bescheid, nehmt das Kommentarfeld oder das Kontaktformular.

Oha, Urheberrechtsverwahrer, Künstlerpieksen UND Eigenwerbung in EINEM Posting. Ich glaub ich geh besser im Biergarten in Deckung :)

via Rivva – Tagesspiegel: Urheberrecht: Die Ideen der anderen, Netzpolitik und Nerdcore