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Was haben ein Opel Corsa und ein Porsche Cayenne gemeinsam?

Ich muss ja gestehen, dass mich die Kleinwagen in letzter Zeit immer wieder überrascht haben. Ganz im Ernst, das was wir heute an Ausstattung und Gadgets in den kleinen Stadtautos kriegen, war vor 10 jahren noch mindestens gehobene Mittelklasse (fiel auch dem auto-geilen auf). Gleiches gilt für die deutlich gesteigerte Verarbeitungsqualität. Hölle, was sich da getan hat. Wo früher klappriges Plastik rumrappelte und Stoff so dünn wie Nylonstrumpfhosen über die Sitze gespannt war, haben wir heute feinste Nähte und rock-solid Materialien. Ausserdem wirkt so ein Corsa heute von der Größe her eher wie ein Kadett auf mich. Auch Kleinwagen können erwachsen werden ;)

Opel Corsa D - Foto von rad-ab.com

Von daher haben sich meine Qualitäts-Erwartungen an Kleinwagen wie den Opel Corsa auch deutlich um einige Latten nach oben verlagert. Nichts desto trotz konnte mich der kleine rote Corsa D, den Jens letztens als Testwagen da hatte, ziemlich aus den Socken hauen. Ich hatte mit vielm gerechnet, aber nicht DAMIT.

Ok, die Motorisierung war schon verdammt ordentlich: 1,7l CDTi Diesel mit 130 Ponies ist auch mal eine Ansage für eine Maschine in dieser Klasse. Die Knapp 1160kg Masse bringen die 4 Pötte sehr ordentlich in Schwung. Bis auf 200km/h. Verdammte Saat – das letzte Mal, dass ich in einem Corsa nahe der 200 unterwegs war, ist über 15 Jahre her und damals hatte ich ECHT ANGST! :-) Heute? “Piece of cake” wie die Herrschaften sagen, die auch Vauxhall auf Opels schreiben (aber nur wenn das Lenkrad auf der verkehrten Seite ist *g*).

Das Fahrwerk ist dabei moderat sportlich. Also straff ohne gleich unkomfortabel zu werden. Kurvenhatz geht immer im Corsa :) Auch auf Winterreifen. Leider konnte ich auf meiner Probefahrt nicht auf meine Hausstrecke fahren. 1. hatte Jens nicht soviel Zeit und 2. hatten wir *hust* Fliesen im Kofferraum liegen, die nicht als Mosaik ankommen sollten. Die schätzungsweise 2 Zentner Zuladung auf der Hinterachse haben Corsa, Corsa (der Werbespot mit Maggie Simpson ist immer noch einer der großartigsten Auto-Spots ever *g*) jedenfalls nicht ansatzweise aus dem Konzept gebracht. Ganz im Gegensatz dazu, was ich mit Jens Spritsparmessung veranstaltet habe :) Trotzdem bin ich nicht über 6,5 Liter gekommen. Endergebnis waren 5,5.

Tja, aber was hat das jetzt mit nem Porsche Cayenne zu tun? Was haben der typische Bewohner eines Berufsschulparkplatz und der einer Großgrundbesitzergarage ausgerechnet gemeinsam? Es sind die beiden Autos, in denen ich eines der angenehmsten und ich lehne mich mal so weit aus dem Fenster und nenne es luxuriösesten Features ever erleben durfte:

Lenkrad-Heizung!

Kein Scheiß! Ich saß noch nicht richtig im Corsa D drin, da meinte Jens: “Na? Merkste schon was?” – “Öhm nööö? Auto läuft, Du hast wieder schreckliche Mucke dabei… Alles wie gehabt”.
“Naja noch ein paar Sekunden, dann wirstes merken hehe”
Und ich fragte mich, was der sich so diebisch freute und malte mir schon die wildesten Szenarien aus. Bis ich dann tatsächlich nach gefühlt nicht mal 2 Minuten nach Losfahren warme Flossen gekriegt habe!
In.
Einem.
Kleinwagen.
Nur um nochmal auf der Zunge zergangen dran zu ernnern.
“Ach komm, Du willst mich veralbern und hast ABC-Salbe aufs Lenkrad geschmiert.” meinte ich.
“Nene,” meinte Jens “Pack mal oben oder unten in die Mitte vom Lenkrad.”
Hmmm, tatsächlich – da wars noch kalt. Witzig, die Heizleistung ist auf 8 und 3 Uhr am stärksten. Klar, da wo man am häufigsten anlangt. Dann wird die Position darunter warm und der Rest wird nicht mehr aktiv beheizt. Reicht aber dennoch um ohne Handschuhe loszufahren.

Sehr, sehr beeindruckend. Ich frage mich, ob das einfach eine Sonderausstattung als purer Luxus ist, oder ob Opel damit auf dem Skandinavischen und Osteuropäischen Markt bessere Karten hat. Wobei ich jetzt aus beiden Gegenden Leute kenne, die bei -15° im T-Shirt den Arm aus dem Fenster halten :)

Der Rest um das lecker warme Volant (wer hat sich dieses bescheuerte Wort für Lenkrad eigentlich einfallen lassen?) ist sehr stylish geraten. Ich stehe ja auch Klavierlack-Optik. Ähm allerdings hasse ich rot. Außen wie innen. Und Lüftungsfassungen in (roter) Wagenfarbe empfinde ich dann doch als irritierend.

Ansonsten geht es mir wie Jens: Der Bordcomputer gehört nach unten und das Navidisplay dorthin wo der Bordcomputer sitzt. Beim Blick auf die Mittelkonsole fällt mir auch erst so richtig auf, dass wir in einem Kleinwagen sitzen. Da ist dann doch alles recht eng zusammen gerückt. Nicht problematisch, aber es fällt auf, dass die Screens etwas kleiner als normal erscheinen.

Aber hey! Ausstattungsmässig kann er mit dem Cayenne mitheizen :-D

Probefahrt Porsche Cayenne 3.2 V6 Testbericht

Probefahrt Porsche Cayenne 3.2 V6 Testbericht

Schon strange: Das erste Mal, daß ich nen Porsche weiter als 50m fahre und dann ist es ein SUV. Eine schwäbische Sportwagen Entjungferung hätte ich mir grundsätzlich ja flacher und boxeriger vorgestellt. Egal. Endlich fange ich wieder richtig mit dem Probefahren an und da ist auch ein Cayenne ein gediegener und standesgemäßer Wiedereinstieg, wie ich finde :-)

Aber gut, was nicht ist, kann ja noch werden. Und ein 3.2l V6 für den Wald tut’s ja auch.

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Wenigstens das Zündschloß ist links :)

Eins mal vorweg – ich bin ja echt kein Anleitungsleser. Mal so gar nicht. Aber bei diesem Auto konnte ich in der halben Stunde, in der ich gefahren bin gleich zweimal ins Handbuch kucken :)

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1. Handbremse.

IMG_3880.JPGFußfeststellbremsen sind mir ja druchaus ein Begriff. Hab ja schonmal im Mercer gesessen. Aber im Cayenne ist die tricky:
Erstmal habe ich bei einem Auto, daß enger mit Q7 und Touareg verwandt ist, in der Schaltungsgegend nach nem Knopf gesucht. Ok. Da war nix. ALso links unten gekuckt, ob neben dem Fußabstellteil noch ein Pedal ist – auch nix. Wer kann denn ahnen, daß man das Pedal kaum sieht, wenn es getreten ist und man auch noch einen Griff rausziehen muss.

2. Motorhaube.

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Besagtem Feststellbremsengriff hatte ich eigentlich die Funktion zugeschrieben, die Haube zu öffnen. War ja nix. Wo ist dann der Griff für die Motorhaube wohl? Wieder ins Handbuch gelinst, nur um rauszukriegen, dass der Hebel schon in der Ecke untergebracht ist, wo ich ihn erwartet hatte nur eben hochkant und gut getarnt.

Damit ist der Porsche Cayenne mindestens schonmal geeignet, die M-Klassen von Benz in der Bundeswehr zu ersetzen:
Nach der Einweisung auf den Autos einfach die Anleitung wegschmeissen und sollte der Feind das Auto in die Finger kriegen, kann er damit nix anfangen, ausser er foltert den Fahrer oder hat einen guten Draht nach Zuffenhausen. Äh – Leipzig meine ich. Da wird der in Stuttgart verwurzelte Stoppelhopser nämlich gebaut.

Nach der kleinen Lesestunde konnte ich das fast 2m breite Schiff dann auch endlich mal vom Hof bewegen. Unseren holprigen Zufahrtsweg hat er recht gut gemeistert. Die Federung stand auf normal. Für einen Test auf Sport und Komfort hatte ich leider keine Zeit. Kommentare von Cayenne Fahrern bezüglich des Fahrwerkskomfors sind höchstwillkommen.

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Beim Rumspielen an den Bedienelementen wurde mir aber eins recht deutlich: An manchen Stellen hat Porsche da in meinen Augen etwas die Haptik vernachlässigt. Einige der Kippschalter und Hebel wackeln doch bedenklich in ihren Halterungen. Und wenn ich in der Schaltkulisse auf kühles, gebürstetes Alu fasse und in der Mittelkonsole dann Plastikschalter im Alu-Look zwischen den Fingern habe, ist das schon ein klein bißchen ernüchternd.

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Ähnliches hinterm Lenkrad:
Armaturen und vor ganz besonders Blinker- und Scheibenwischerhebel vermitteln ein bißchen das Gefühl, die Porsche-Techniker hätten eher in das VW-Golf Regal gegriffen. Das ist zwar kein Showstopper, aber ich hatte doch etwas mehr erwartet. Ebenso vom Kunststoffmaterial. Vermutlich ist die Basisversion wirklich für Edelförster gedacht, die mal mit schmodderigen Gummistiefeln einsteigen. Robust und pflegeleicht ist die Oberfläche. Aber eben nicht grade edel. Da muß schon höher ins Regal gepackt und ein lederbezogenes Armaturenbrett bestellt werden.

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Der Rest des Interieurs ist aber vom Feinsten. Die Ledersitze sind super verarbeitet und bequem wie sonst was. Da kann man’s schon drin aushalten.

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IMG_3863.JPG Als ich das erste mal direkt vor dem Auto stand, hat mich die Form – v.a. die Schnauze ja ein bißchen an den Golf Country erinnert. Also vom Prinzip her. Elfer nehmen, hochlegen, bißchen bulliger – fertig. Also von vorne ist der Cayenne nicht so meins. Zu glatt und zu stromlinienförmig für einen Geländewagen (auf der Autobahn interessiert das dann übrigens nicht mehr wie es aussieht, denn fahren läßt er sich super. Und das geht eben nicht mit der Aerodynamik eines IKEA PAX Kleiderschranks.). Da fehlt mir das martialische. Aber das problem habe ich mit vielen anderen Genrevertretern auch.

Aber die hintere Seitenlinie.
Mein lieber Herr Gesangsverein. Das ist eine der schönsten Perspektiven, die ich seit langem an einem Auto gesehen habe. Das letzte Mal hab ich sowas glaube ich an einem Maserati bewundern dürfen.

Wie fährt er sich denn nu? V.a. im Gelände.? Ich muss gestehen, ich war zu feige ;) Wir haben hier ja eine schöne Offroadtaugliche Baustelle hinterm Haus und ich habe mich auch gerade noch getraut reinzufahren, aber dann schön durch den Schlamm durchwühlen wollte ich dann doch nicht. Ich glaub der Händler hätte es nicht so ganz witzig gefunden, das Auto am Samstag Mittag nochmal durch die Waschhalle zu schicken ;)

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Aber auch auf der Straße macht auch der kleine Cayenne schon mächtig Spaß. UND Sound. Wenn der V6 mal richtig ans Rotieren kommt, faucht er schon sehr ordentlich :-) Für einen kurzen Moment meint man auch einen Turbo gehört zu haben, aber dafür fehlt dann doch etwas der Dampf :) Ich glaube der Spaß hält auch nicht so wahnsinnig lange an. Wenn ich den 3.2 etwas länger fahren würde – v.a. wenn ich ihn gekauft hätte – käme bei mir recht schnell der Gedanke auf:

Ach Mist, hättest Du mal doch den Achtzylinder oder gleich den Turbo S genommen

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Zumal er auf der Autobahn jetzt auch nicht gerade sooo heldenmäßig unterwegs ist. Mit 4 Leuten drin 210km/h, dann is Feierabend. Und 20 EUR sind in 100km auch schnell durchgepustet. Wenn man vorsichtig fährt. Also auch das kleine Modell ist nix für den schmalen Geldbeutel ;) Geht auch erst bei gut 51.000 Krachern los.

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Für genauere Aussagen hätte ich mehr Zeit gebraucht, um auf meinen Hausstrecken mal alle Fahrwerkseinstellungen durchzuprobieren. Aber das werde ich bei Zeiten nochmmal mit dem Cayenne Turbo S nachholen. Dann hoffentlich mit mehr Zeit und vollem Tank. Für mehr hat es leider nicht gereicht dieses Wochenende, da wir direkt auf eine Hochzeit gefahren sind und den Cayenne für die Strecke zu nehmen, wäre mir dann doch nen bißken teuer gewesen bei dem Durst ;)

Spaß macht er definitv. Wer einen Cayenne gebrauchen kann, sollte aber definitiv mind. mit dem Achtzylinder anfangen. Ob der Diesel einen Blick wert ist, kann ich nicht beurteilen. Ich würde keinen Zuffenhausener mit Dieselmaschine haben wollen :-)

Genaue Daten zum Porsche Cayenne in der Wikipedia oder bei Porsche selber. Wie der Cayenne übrigens in 2011 vermutlich aussehen wird, gibt es hier zu sehen.