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Indisch scharf? Sind sie SICHER?

Indisch scharf? Sind sie SICHER?

Und ich so: “Klar bin ich sicher. Mach mal indisch scharf.” Alle am Tisch schauen mich an, als hätte ich gerade den Chefkoch beleidigt. Einer sagt etwas kleinlaut: “Ich nehm auch das Chicken Masala, aber bitte europäisch scharf.”

Ab diesem Moment leide ich Höllenqualen. Wird es wirklich so schlimm werden? Ich muss ja noch in den Zug. Das letzte Mal, als ich indisch “indisch scharf” gegessen habe, hatte das Essen in meinem Darm eine Inkubationszeit von etwa 2 Stunden, dann brauchte ich ganz schnell ein Klo. Ich rechne kurz nach: Mist, das wäre GENAU der Zeitraum den ich im Zug verbringe. Ich versuche mich in die Unterhaltung am Tisch einzubringen, um mich von meinem großmäuligen Fehler abzulenken, bis das Essen kommt.

Trotzdem bekomme ich in den nächsten 15 Minuten das besorgte Gesicht der Bedienung nicht aus dem Kopf, die extra nochmal nachfragte: “Wirklich INDISCH scharf?”

Aber hey: Dangerseeker,YOLO und so ;)

Das erwähnte letzte Mal indisch ist schon 2 Jahre her. Damals auf der Hochzeit einer Sandkasten-Freundin meiner Süßen. Sie von Sri-Lanka, ihr Mann vom Festland. Thoothukudi glaube ich.

Die Familie des Bräutigams jedenfalls kam aus einer Ecke, Indiens, die genauso wenig scharf isst, wie man es zwischen Bielefeld und Wanne-Eickel tut.

Die Region der seine Zukünftige entstammt ist wohl Gewürztechnisch eher die heißere Ecke Indiens. Was dazu führte, dass beim Verlobungsfest, seine Familie fast nichts essen konnte, weil es ZU scharf war ;)

Also gab es bei der Hochzeitsfeier gemäßigte Schärfe auf die Teller. Für die Süße und mich eher so “können wir mal den Gewürzpott haben, wir haben wohl den Kinderteller erwischt” Dennoch kamen die Eltern ihrer Freundin mehrmals an unseren Tisch um zu fragen, ob alles OK und das Essen nicht zu scharf sei.

Naja, nichts desto trotz hatte eines der leckersten Essen seit langem, nach nur 2 Stunden… Ich nenne es mal: “durchschlagenden” Erfolg. Das war mir im Gedächtnis geblieben. Allerdings fällt es mir erst jetzt wieder ein, wo ich im Zug sitze. Nicht bei meiner Bestellung.

Der Vorhang zum Separée des indischen Restaurants in einem hippen Viertel von Hamburg wird zur Seite gezogen und die Bedienung kommt rein. verteilt diverse 31, 33 und 38 und reicht dann meinem Gegenüber sein Chicken Marsala mit europäischer Schärfe und mir mit einem Blick zwischen Anerkennung, Besorgnis und Mitleid und die “indische Portion”.

Und ich fange an zu essen.

Zuerstmal nur ein Fleischstücken ohne viel Sauce. WOW lecker. OK, jetzt ein bisschen Reis mit Sauce. Yummy!.

OK, es brennt ein bisschen. Aber angenehm eigentlich. Ich warte noch ein paar Sekunden, ob noch ein Nachbrenner kommt und fange dann an, reinzuschaufeln. Das Masala schmeckt großartigstens, ich nehme nochmal Reis nach und löffle mir noch mal Sauce nach.

Mein Gegenüber schaut interessiert auf meinen Topf aus dem ich die dickflüsige Sauce auf den Reis schaufle.

“Willste mal probieren?” frag ich. Mein mutiges Gemampfe scheint ausreichend Sicherheit und Gesundheit auszustrahlen, denn er sagt “Oh ja gerne, wenn ich darf!”

“Hau rein” sag ich und er nimmt sich einen Löffel meiner Sauce, lässt ihn in seine Restsauce tropfen und vermischt beides. Nimmt einen Löffel Reis damit und schaut mich für einen kurzen Moment an, als hätte ihm ein achtarmiger Gott unter dem Tisch mit allen Händen gleichzeitig an den Sack gepackt.

“Chooooh ich aba chon ganch chön charf!”

Ich frage mich, ob ich bei mir den Schweißaustritt schon nicht mehr spüre, aber tatsächlich ist meine Stirn trocken.

Ich schaufle grinsend den Rest meines Masalas in mich rein und beglückwünsche meine trotzdem sehr feinen Geschmacksnerven zu ihrem mittlerweile gut ausgebildeten Abhärtegrad :-D

* Artikelbild (cc) Flickr: Chicken Tikka Masala. Photo by Hillary Trelease Blog

GLÜCKUNDSELIGKEIT? Nee, eher 2Frust und Sehnigkeit” :(

Die Süße und ich hatten gestern unser 5-jähriges Jubiläum und dachten uns “Ach komm, geh wech – da können wir ja mal nen Happen auswärts essen gehen”.  Das Bielefelder GLÜCKUNDSELIGKEIT – war so eines der ersten Dinger, wo wir damals mal was trinken waren und hat eigentlich auch ne ganz gute Küche.

Eigentlich. Es tut mir auch ein bisschen leid, meiner Enttäuschung hier Luft zu machen, aber das war gestern schon eine ziemliche Frechheit und zu irgendwas muss so ein Blog ja auch mal gut sein.

Ich bin in den letzten Jahren ein bisschen rumgekommen und durfte das eine oder andere kulinarische Highlight erleben: Steak vom US-Koberind in einem der besten Steakhäuser in Texas, Sterne-Dinner im Festsaal des Hotel de Paris in Monaco, afrikanisches Wild frisch vom Steppen-Grill oder Experimente mit molekularer Küche – es war schon einiges dabei. Das alles ergab sich durch glückliche Fügung und ich bilde mir nichts darauf ein. Aber: Ich kenne Fine-Dining nicht nur aus dem Fernsehen, sondern hatte sowas schonmal auf dem Teller.

Außerdem bereite ich mittlerweile selber 1 Mal die Woche nen Steak zu. Mal Hüfte, mal Filet, mal Roastbeef oder Sirloin und Ribeye. Ich traue mir mittlerweile auch halbwegs zu gutes vom schlechten Fleisch zu unterscheiden und nächste Woche hole ich unseren ersten 1/8-Rind Fleischvorrat von einem lippischen Angus-Bullen beim Bauern ab.

Also dachten wir uns gestern im Glück&Seligkeit: “Ach komm, probieren wir doch einmal Angus-Hüfte und einmal Angus-Filet.”

Vorweg gab es ein großartiges Carpaccio – auch vom Angus. Sah aus wie eine Fleischpizza – war aber Rindersushi ;) Wunderbar angerichtet wie es Erfinder Cipriani nicht besser hätte machen können und aber etwas abgewandelt mit Trüffelmarinade UND:
Lecker wie sonstwas. Da war die Welt noch in Ordnung.

GlueckUndSeligkeit-Carpaccio

Dazu gab ich mir ein Glas Markus Schneider Black Print 2011. Hammer Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Mitos, St. Laurent, Merlot, Syrah und Cabernet Dorsa. Absolut empfehlenswert.

Tja, dann kam das Steak. Die Süße hatte das Filet, an dem es nichts zu beanstanden gab, das einen aber auch nicht vom Stuhl gehauen hat. Bisschen wenig Röstaromen, zart, aber zu durch. Die Präsentation auf beiden Tellern war chic:

GlueckUndSeligkeit-Praesentation

Damit, dass mein Angus-Hüft-Steak nicht scharf angebraten war hätte ich leben können. Dass es ein Endstück war und Medium – eher schon Medium Well war hat mich schon etwas geärgert. Warum wurde ich nicht gefragt – ich mag rare bis Medium Rare.

Aber das Schlimmste:
Nach 3 zähen Bissen fragte ich mich:
Hatte die Kuh ne KÜNSTLICHE Hüfte?

Durch das gesamte Stück Fleisch zog sich eine durchgehende Sehne, die ich ums verrecken nicht durchgeschnitten bekam. Geschmacklich OK war es _mechanisch _ unmöglich das Fleisch zu essen.

GlueckUndSeligkeit-sehninges-Angus-Hueftsteak
Gerade bei solchen fröhlichen Anlässen mag ich ja nicht streiten. Also schluckte ich meinen Hunger, Ärger und meine Enttäuschung runter und erklärte der Bedienung das Problem in aller Höflichkeit: “Das ist mir sehr unangenehm, aber dieses Steak kann ich nicht schneiden. Eine dicke Sehne mit Knorpeln zieht sich durch das gesamte Stück Fleisch.”
Sie machte sich auch direkt auf den Weg in die Küche.

Sie kam nach 2 Minuten wieder und meinte, Sehnen in der Steakhüfte seien völlig normal. Sie könne da leider nichts machen, mir aber einen Kaffee oder ein Sorbet als kleine Entschuldigung anbieten.
Damit war ich alles andere als einverstanden: Ich hatte HUNGER und wollte einfach nur ein Stück genießbares und v.a. schneidbares Fleisch haben.

Ich blieb höflich und machte ihr den Vorschlag, doch selber mal versuchen das Fleisch zu schneiden und mir zu sagen, wie sie als Gast auf so ein Essen reagieren würde. Das wollte sie aus mir unerfindlichen Gründen nicht.

Dann kam der 1. Hammer – Zitat:
“Wenn der Gast keine Ahnung hat, muss er das hinnehmen,  wenn die Küche sagt das Essen ist in Ordnung so.”
Dumm gelaufen. Dieser Gast HAT aber Ahnung.

Dann sagt sie: “Wir haben das schon öfter bei den Hüftsteaks gehabt”.
Ähm WIE BITTE? Es gibt also öfters Beschwerden über Sehnen im Fleisch und weder dem Fleischer noch dem Koch wurde mal ne neue Brille spendiert?
Aus meinem Stück Angus hätte man allenfalls Gulasch machen können, in dem man mit einem SEHR scharfen Messer an der Sehne entlang schneidet.

Tja was soll ich sagen? Ich bekam kein neues Steak, wollte meiner Süßen und mir aber auch nicht den Abend noch weiter mit Streitereien versauen. Dessert sparten wir uns dann auch. Ich wollte nur noch raus aus der Hütte.

Also bestellte ich unsere knapp an der Hunderter-Grenze kratzende Rechnung und bekam sie mit den Worten überreicht:

“Na sie frage ich mal besser nicht, wie es geschmeckt hat.”

Dazu fiel dann selbst mir nichts mehr ein. Außer die Dame darauf hinzuweisen, dass sie vielleicht die nächsten Gäste zumindest bei der Aufnahme der Bestellung fragen sollte, wie sie ihr Steak haben wollen und bekam die letzte schnippische Antwort des Abends:

“Wenn der Gast nichts sagt, gehen wir davon aus dass er Medium möchte.”

Toller Servicegedanke. Und wenn der Gast mit den Gedanken woanders ist, kriegt er eben etwas vorgesetzt, das ihm nicht schmeckt.

Sorry, liebes GlüclUndSeligkeit, da habt ihr Euch echt nicht mit Ruhm bekleckert. Einfach ein neues – (meinetwegen auch kleineres) Stück Fleisch auf den Teller und alles wäre gut gewesen. Ich hatte doch einfach nur Hunger :(

Eine gute Seite hat das Ganze:

Es hat der Süßen und mir mal wieder gezeigt, wie gut wir eigentlich so leben. Ärgerlich das mit soviel Lehrgeld bezahlen zu müssen. Von der Rechnung im GlückUndSeligkeit hätten wir uns 2 bis 3 Mal selber bestes Filetsteak braten können.Machen wir ab jetzt auch wieder. Das Restaurant, das wirklich WIRKLICH besser kocht als wir muss in Bielefeld wohl erst noch eröffnen.