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10 Tips um mit einem Blog erfolgreich zu werden

10 Tips um mit einem Blog erfolgreich zu werden

“Die 10 Ratschläge” möchte Kommentator Robert gerne von Rob Basic in der Blog-Diskussion drüben haben. Bisher ist dem Wunsch noch niemand so richtig nach gekommen, also versuch ich mein Glück mal:

Erstmal die Zielsetzungen, die Rob aus Gesprächen auf der Re-Publica gezogen hat:
Mehr Geld, mehr Traffic, mehr Kommentare, mehr Backlinks, bessere Suchmaschinenposition, mehr Dialog
. Ok, wollen wir alle.

Alles was nun folgt, bezieht sich auf Privatblogger. Nicht auf Unternehmen, die Ihre Produkte verticken wollen, oder Journalisten, die Ihre Texte anbieten. Nicht auf Berater, die Ihre Kompetenzen anpreisen oder Fotografen, die Ihr Portfolio potenziellen Auftraggebern präsentieren. Jemand, der mit einem Blog von vorne herein Geld verdienen will, ist ein bloggender Unternehmer. Nicht umgekehrt. Das is nix ehrenrühriges – sollte nur vorher klar sein. Dann fällt IMO vieles leichter.

Denn: Ein Blogger, der aus Spaß bloggt, kann sich nahezu alles erlauben. Jemand, der ein Ziel erreichen will, verpflichtet sich u.U. schon unbewusst Konventionen und Regeln.

Da frage ich mich doch: Geht es um Menschen, die einfach bloggen wollen? Oder geht es um Blogger, die aus welchem Grund auch immer mal angefangen haben und nun aus dem Hobby krampfhaft einen Beruf machen wollen?

Rob, Du schreibst von Bloggern, die in der Denk-Box “Bloggen” gefangen sind. Was meinst Du damit genau? Ich habe es ersmtal so verstanden:
Die in der Denk-Box gefangenen sollten unternehmerischer Denken, oder journalistischer, oder sollten sich in ihre “Zielgruppe” reindenken (also wie ein Marketeer). Mehr die Anforderungen von Suchmaschinen erfüllen und blog-Ziele festlegen (wie ein Manager in einem Unternehmen)…
Habe ich das so richtig interpretiert, oder bin ich da auf dem falschen Dampfer?

Ich frage mich – liegt das überhaupt jedem Blogger? Und ist das nicht eine maßlose Überforderung (kann die o.g. Fähigkeiten jeder Blogger in sich vereinen)? Wird das Thema nicht maßlos überbewertet? Ist dem Blogger, der sagt, er will sein Blog optimieren, der unternehmerische Erfolg WIRKLICH so wichtig? Oder will es sich einfach nur in das gegenseitige Messen der Blogger untereinander einreichen?

Kommt der Blogger, der über die Fragen da oben mit einem businessplan-ähnlichen Konstrukt im Hinterkopp nachdenkt, überhaupt noch zum Bloggen? Hat jeder, der einen Blog betreibt überhaupt Bock drauf, das ganze als Business zu betrachten? (Erfolg hängt von der Definition der EIGENEN Ziele ab, nicht von Vorgaben von außen – außer, ich habe eine AG oder Behörde).

Ich möchte das mal mit Bands und Musikern vergleichen, die meinen sie könnten mit einmal proben von Coversongs im Monat riech und berühmt werden. Davon gibt es genug da draussen. Virtuose Musiker, die tolle Songs schreiben könnten, aber Schiss davor haben kritisiert zu werden. Die zu faul sind viel Arbeit zu investieren. Die hinter ihrem Bankthresen genug verdienen und einfach zu satt sind um es wirklich zu etwas zu bringen.

Bloggen ist auch Punkrock. (Oder Rock’n’Roll, wem Punk zu laut ist)

Die Hauptthesen des Postings und der Kommentare mal zusammen gefasst:

1. Betrachte Dein Blog wie ein Unternehmen

Diesen Tip brachte Rob recht früh ins Spiel. Ist auch was dran. Aber das wichtige an einem ERFOLGREICHEN Unternehmen ist auch der Unternehmenszweck. Und die Produkte des Unternehmens. Und die Kompetenzen der Mitarbeiter…
Willsagen: Unternehmermentalität braucht Sinn. Dass jeder Blogger in seinem Tun einen unternehmerischen (bsw. gewinnmaximierenden) Zweck sieht, kann ich mir kaum vorstellen. Ohne Sinn und klare Ziele wird das Unternehmen schnell frustrierend.

2. “Sharing is Caring” und das “Zen des Bloggens”

sind eher esoterische Antworten, die die Kommentare liefern. Sharen also (mit-)teilen sollte ich nur, was ich auch wirklich für relevant halte (was ICH selber lesen WOLLEN würde) sonst ist sharing nur duplizieren.
Wer für den Flow und das Geräusch der über die Tasten huschen Finger bloggt, wird vielleicht nicht dauerhaft etwas hervorbringen, was Leser fesselt. ABER! Es ist in Ordnung, wenn der Blogger den Zweck seines Tuns darin sieht, philosophische Texte oder nur die Erzeugnisse von creative writing sessions zu publishen. Wen das stört, der muss es ja nicht lesen.

3. Bloggen ist nur selbstreferenzierte Selbstdarstellung und “draußen” interessieren Blogs niemanden

Hier steckt schon ein großer Denkfehler, den ich sonst eigentlich nur von Unternehmen zu hören bekomme: “Unsere Kunden lesen keine Blogs”.
Ach nein? Googlen Sie doch bitte mal Ihr Kernthema – 4 der ersten 10 Suchergebnisse stehen in Blogs. Glauben Sie, Ihre Kunden scheren sich um den Unterschied?

4. Jaja, die Zielgruppe

Darüber, dass das Konzept der Zielgruppen grade im Umfeld von Blogs überholt ist, wurde an anderen Stellen schon genug geschrieben. Wenn ich ein SO spitzes Thema bediene, das eine klar definierbare Zielgruppe erreicht, dann habe ich tatsächlich ein Unternehmen oder sollte mir ernsthaft darüber Gedanken machen eines zu gründen (wenn die angesprochene Zielgruppe für meine Dienstleistung der Contentschaffung zahlen mag)..

5. regelmäßig beständig guten Content bringen

Sascha Pallenberg, ich glaube man kann auch mit 10 Artikeln in 2 Monaten erfolgreich sein. Manch ein Wissenschaftler ist mit weniger Publikationen im Jahr erfolgreicher. Da kommt es auf die Qualität an. Viel wichtiger ist Deine Anmerkung zur Arbeit. Wie Du schon im Re:Publica Vortrag sagtest: Zwischen Tagesschau und Wetterbericht kloppt man nicht gerade ein erfolgreiches Blog zusammen. Wenn ich 1 Woche für 1 Beitrag brauche und dieser Beitrag dann WIRKLICH rockt ist doch auch alles gut. Es müssen nicht zwangsläufig 100 Postings die Woche sein (auch wenn das oft hilft *g* aber nicht findet soviel Content)

6. Marketing, Marketing, Marketing

Puh, Kudo – Das sind ja gleich drei Wünsche auf einmal. Ich behaupte mal, gute Produkte – und dazu zählt auch Content, verbreiten sich von selbst und ziehen Kundschaft an. Denn, was man nicht vergessen darf: Marketing (vor allem dreifaches) kostet Geld. Mindestens Zeit. Und für das Invest will man auch was zurück haben, sonst kann man es sich sparen. Am meisten wird Geld in Marketing und Werbung für schlechte Produkte gesteckt, die weg müssen.
Also vergesst das Marketing so lange, wie Ihr nicht wisst wofür Ihr es betreibt.

7. massentauglich oder Nische?

smeet – erstens ist Fußball in der Blogospähre ein Nischenthema :) Zweitens: Wenn Du Dir ein Massenthema nimmst, musst Du überdurchschnittlich gut sein, damit Dich die Masse und die anderen Massenbefriediger nicht in der Luft zerreißen.
Wenn Deine Expertise massentauglich ist. Gut. Dann hast Du kein Problem. Wenn Du Dir mit Halbwissen ein Massenthema suchst, nur weil Du glaubst, mehr Leute zu erreichen: Viel Spaß…

8. Themen und Schreibe

Kai bringt es auf den Punkt mit seinem (unfreiwilligen) Vergleich der Wissenschaftler die über Ihr Spezialthema nicht interessant schreiben können und den Bloggern, die zwar nett lesbar schreiben können, aber keine Themen haben.
Das ist auch auf der unternehmerischen Ebene ein schöner Vergleich: Wenn alle Wissenschaftler gleichzeitig Top-Unternehmer wären, wären die Unternehmer arbeitslos und pleite und die Welt vielleicht eine viel bessere, weil die neuen wissenschaftlichen Errungenschaften direkt von ihren Erfindern an die Kundschaft gebracht würden.

9. Jeder Blogger ist seines Glückes Schmied, aber nicht jeder Schmied hat Glück

Floyd meint, Blogger wären keine Randgruppen mehr, weil jedes Blog Informationen zur Informationsflut beitrage. Ich sage: Jeder Blogger ist und sollte seine eigene Randgruppe sein. Bei Floyd stehen Revoluzzer sein und monetarisieren im Gegensatz. Fragen wir mal Castro und die Zigarrenindustrie. Oder diverse Bands, Schriftsteller und Künstler. Es ist doch keine Frage von “biete ich mich zum Verkauf an” sondern von, “wer macht mir das höchst Angebot” und bei der Konkurrenz “wann bin ich auf andere eifersüchtig, die eher bedacht werden als ich”.
Floyd, wenn Du für mehr Öffnung plädierst, dann plädiere doch mal an die Unternehmen, dass sie einem Blogger auch mit vernünftiger Entlohnung für seine Dienste kommen. Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich die Anbiederungen von Unternehmen nicht mehr zählen kann, die meinen, sie könnten die Arbeit von mehreren Jahren mit nen Zwanni kaufen. Wenn man als Blogger dann dankend ablehnt und realistische Angebote zurück sendet, erntet man oft nur Unverständnis. Nur weil ich etwas nicht aus kommerziellen Gründen tue, heisst das nicht, dass ich mich verramsche, wenn jemand mit kommerziellen Verwertungszwecken auf mich zukommt.

10. Jeder Blogger lernt

Genau Johannes Lenz: Jeder Blogger gibt SEINEN aktuellen Wissensstand zum Besten. In der Hoffnung anderen weiter zu helfen. Und von denen, die schon weiter sind, Feedback und Infos zu bekommen.

11. Was ist das Angebot des Blogs?

Huch – schon elf? Rob Vegas behauptet, dass durch das marktwirtschaftliche Angebot eines Blogs auch die Mechaniken des Unternehmertums zum Greifen kommen. Da sind wir wieder bei der Frage: Warum blogge ich?
Aus Spaß
Aus Mitteilungsbedürfnis?
Aus Geldnot?

Exkurs: Guerillamarketing

Preisjäger – schreibt von seinem Guerillamarketingkurs. Tschuldigung, aber bevor Du anfängst Kurse mitzumachen, in denen Du lernst ein schon 20-fach vorhandenes Produkt mit Guerillamethoden bekannt zu machen: Wäre es da nicht schlauer einen Kurs zu belegen, wie man das Copycat-Produkt unique macht? Einen eigenständigen Mehrwert erzeugt? DANN erst macht Guerillakrams Sinn. Sonst erzählt der eine Guerilla nämlich dem anderen, dass er bei Dir den gleichen Krams kriegt, wie auf Google Suchergebnisseite 51-60.

Um mal wieder auf Tip 1. zurück zu kommen: WARUM bloggt Ihr – was ist der ZWECK?

Weil Ihr grade Zeit tot zu schlagen habt?
Guter Grund, aber erstmal grundsätzlich contentbefreit.

Weil Ihr Geld verdienen wollt?
Auch ein legitimer Grund, aber dieser alleine wird Euch nicht viel bringen.

Weil Ihr viel im Netz unterwegs seid, und tolle Links anzubieten habt?
Versucht es. Ist die Ur-Form des Bloggens (Bloggen ist aus täglichen Link-Sammlungen überhaupt erst entstanden, kurz nach’m Kartoffelkrieg 1912). Dürfte aber durch die ganzen automatischen Aggregatoren sehr schwierig werden.

Long Story Short:
Bloggen ist Spaß. Bloggen ist ein Hobby. Bloggen ist eine Tätigkeit, die man tut, weil man es unbedingt will, weil man etwas loswerden muss. Und wenn man mal keine Zeit oder Lust hat, dann läßt man es.

Macht Euch keine Gedanken um Google Analytics. Um Traffic, um Kommentare. Wie Ihr bessere Suchmaschinenergebnisse erzielt, und wie Ihr Werbelinks verkaufen könnt. Sondern nur, wie Ihr EUER Thema besser erklären und abdecken könnt.

Wenn es Euch nur ums Bloggen und nicht um den Inhalt geht, bewerbt Euch bei beliebigen Firmen als Coporate Blogger. Daran ist nichts anrühriges. Oder mein Ihr, der Buchhalter würde eigentlich viel lieber sein eigenes Haushaltsbuch führen?

Wenn Ihr Eure Firma promoten wollt. Ein Produkt verkaufen oder Euch selbst als Berater anpreisen – völlig anderer Pott Kaffee. Darum sollte es hier gerade nicht gehen. Dann kauft Euch ein Existenzgründerbuch, ein Marketingbuch für Existenzgründer, ein PR-Buch für Existenzgründer und ein MBA-Buch für… Na Ihr wisst schon. Ein Unternehmen NUR auf Basis eines Blogs zu gründen ist schon eine ganz große Kür. Und selbst ein Unternehmen auf Grund eines Blogs erfolgreich machen ist zwar möglich, aber vor allem eins:
Verdammt harte Arbeit!

Michael Finger hat es meiner Meinung nach gut auf den Punkt gebracht: Fragt Experten, die mehr über Euer Thema wissen als Ihr selbst und bringt Nicht-Blogger in die Diskussion mit rein. Bietet der Netzwelt eine neue Sicht von draußen oder auf draußen. Je nach dem.

Bloggt, weil es Euch Spaß macht.
Bloggt, weil Ihr andere unterhalten wollt.
Bloggt, weil Ihr etwas zu sagen habt.
Bloggt, weil Ihr kucken wollt was passiert.
Bloggt, weil Ihr etwas neues schaffen möchtet

und mein wichtigster Tip (nach “it’s thinking, not blogging stupid” – den Blogpapa Rob mir ja leider gemopst hat *g*)

Bloggt das, was Ihr selber lesen wollt und nirgends findet.

Ich habe diesen Artikel übrigens nur nach 3 Stunden Schreiberei gebloggt, weil ich ein paar Leser von Rob hier rüber ziehen wollte, nicht weil mich das Thema interessieren würde :)

Keep on blogging!

Yay! Jetzt hab ich endlich mal einen “10 Tips zum besseren irgendwas” geschrieben :)